Andy Murray wird dann auch mal Crowdinvestor

Der Tennis-Star schließt sich dem britischen Portal Seedrs als Beirat und Investor an.

Wenige Tage ist es her, dass ich den Start einer neuen Serie übers Crowdinvesting auf Der Privatanleger angekündigt habe – und schon habe ich den ersten prominenten Trittbrettfahrer angelockt: Andy Murray, Tennisspieler, Wimbledonsieger, Olympiasieger, Fan-Liebling und Schotte (!) hat offenbar so viel Geld gespart, dass er noch einiges übrig hat, um es unter britischen Start-Ups zu verteilen. Gestern gaben Murray und die britische Crowdfunding-Plattform Seedrs nämlich eine Kooperation bekannt: Der Tennisstar wird Berater des Unternehmens und investiert künftig auch über die Plattform.

Man darf nun trefflich darüber streiten, ob dies eher ein Zeichen für die Versiertheit Murrays in Finanzdingen ist oder doch eher von der Nähe des Crowdfunding-Geschäfts zur Vergnügungsindustrie zeugt (so viel ist nämlich schon mal sicher: Crowdinvesting macht im Grunde viel zu viel Spaß, um eine ernsthafte Anlageoption zu sein).

In jedem Fall aber bin ich damit binnen weniger Tage schon zum zweiten Mal auf Seedrs aufmerksam geworden. Claus von p2p-kredite.com hatte mich nämlich ebenfalls auf die Plattform aufmerksam gemacht. Der Grund: Er hält sie für besser als die großen deutschen Crowdfunding-Websites – weil Investoren echtes Eigenkapital erhalten (und nicht nur Nachrangdarlehen wie in Deutschland üblich), weil die Bewertungen der Unternehmen nicht zu astronomisch sind und wegen einiger weiterer Vorteile.

Drei Plattformen: Seedrs, Companisto, Conda

Ich werde das zumindest mal zum Anlass nehmen, um Seedrs in den Kreis der Plattformen aufzunehmen, mit denen ich starte – neben Conda (auf die bin ich durch die Pressemitteilung eines Start-Ups aufmerksam geworden) und Companisto (die machen von den deutschen Plattformen den besten Eindruck auf mich). Mehr dann demnächst.

Jetzt erst noch mal Andy Murray. Der sagte nämlich zum Start der Zusammenarbeit mit Seedrs: „I habe mich schon immer für Geldanlage interessiert, und an einem innovativen Angebot mitzuwirken, das britische Start-Ups unterstützt, hat mich wirklich angesprochen. Genauso wichtig war für mich, mit Menschen zu arbeiten, denen ich vertraue und die verstehen, welche große Verantwortung damit verbunden ist, mit dem Geld anderer Leute umzugehen.“

Was fällt auf? Mal wieder ist vom Crowdinvesting die Rede. Und mal wieder geht es nicht um Rendite von Investoren, Risikoprofile und Korrelationen – sondern um das Wohl junger Unternehmen und der Volkswirtschaft. Ich persönlich erwarte aber von einem Investment immer noch, dass es in erster Linie meinem eigenen Geldbeutel hilft. So viel Ernst muss sein.

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12 Responses

  1. Value Mario sagt:

    Ich habe mich 2013 auch mal kurz mit crowdinvesting beschäftigt: http://value-shares.de/2013/01/15/crowdinvesting/

    Ich habe damals davon Abstand genommen, weil die steuerliche Behandlung in meinen Augen ungünstig war. Mag sein, dass partiarische Darlehen wie bei Companisto tatsächlich nur der Abgeltungssteuer unterliegen. Ich sehe aber die Gefahr, dass die Finanzverwaltung die Darlehen in atypisch Stille Beteiligungen umdefiniert, weil man am Exit beteiligt ist und nicht nur die Darlehenssumme zurückerhält. Da würde ich nach wie vor Recherche Aufwand reinstecken. Sonst trägt man am Ende die erhöhten Risiken und wenn es klappt, ist die Rendite nach Steuern auch nicht höher als bei einer klassischen Wertpapieranlage…

  2. Bin gespannt auf deine Erfahrungen mit Crowdinvesting. Von der Idee her finde ich das prima, vor allem wenn es nicht um Geldverleih geht sondern um echte Beteilung am Unternehmen. Die Risiken eines Totalverlustes sind zwar da, aber man hat natürlich auch die Chance, beim nächsten Zalando (naja…) dabei zu sein. Meine Befürchtung ist nur, dass man als Crowdinvestor bei einem richtig erfolgreichen Startup in der nächsten Finanzierungsrunde dann ausgebootet werden würde. Da gibt es ja diverse Tricks, wie man spätestens seit dem Facebook-Film weiß 😉

  3. Holger sagt:

    Hallo Mario,

    habe auf Deine Anregung hin vorhin einmal gegoogelt. Ein Ergebnis: Für eine atypisch stille Beteiligung sind vor allem zwei Faktoren ausschlaggebend: Beteiligung am Vermögen des Unternehmens (und nicht nur am Gewinn) sowie Mitsprache- und Kontrollrechte. Beides ist bei partiarischen Nachrangdarlehen nicht gegeben, oder? Aber wie gesagt: Das ist meine Schlussfolgerung nach einem Mal googeln.

    @Teilzeitinvestor: Ja, das Hinausdrängen der Crowd ist sicher eines der potenziellen Probleme – aber ebenso sicher nicht das einzige beim Crowdinvesting. Und den Facebook-Film sollte ich mir vielleicht endlich mal anschauen.

    Viele Grüße
    Holger

  4. Value Mario sagt:

    Mitsprache Rechte hat man in der Regel weder bei der stillen Gesellschaft (deshalb ist sie ja still) noch bei Darlehen. Kann aber jeweils individuell vereinbart werden.

    Ich habe mal was aus Wikipedia kopiert: „Das partiarische Darlehen wird nicht mit einem festen Zins vereinbart, sondern mit einer Beteiligung am Umsatz oder Gewinn des Darlehensnehmers.

    Eine stille Gesellschaft ist von einem partiarischen Darlehen zu unterscheiden. Bei der stillen Beteiligung bezweckt der Gesellschafter durch die Einlage den gemeinsamen Betrieb eines Handelsgewerbes. Bei einem Darlehen ist von einem reinen Eigeninteresse auszugehen. Es fehlt der für die stille Gesellschaft typische gemeinsame Zweck, nämlich die Verbindung des Inhabers des Handelsgewerbes mit dem stillen Gesellschafter zum Betrieb des Handelsgewerbes.“

    Im ersten Absatz ist wieder nur die Rede davon, dass man statt Zins am Gewinn partizipiert. Davon, dass auch die Rückzahlung vom Wert des Unternehmens abhängen kann, steht da nichts. Ich hatte schon beruflich mit dieser Frage zu tun und kann deshalb sagen, dass es kein schwarz oder weiß zu dieser Frage gibt. Leider ist es nach meiner Erfahrung häufig so, dass die Finanzverwaltung sich in jeglichen Zweifelsfällen für die Sichtweise entscheidet, die höhere Steuern bedeutet.

    Für deutsches crowdinvesting in start ups bleibt das steuerliche Risiko für mich ein deal breaker. Mit P2P Darlehen oder ausländischen Plattformen kann man das wahrscheinlich vermeiden.

  5. hallo,

    bin ja mal auf deine meinung zu conda gespannt. ich bin bisher sehr zufrieden, immerhin ist im ersten jahr noch keines der unternehmen untergegangen

    https://geldexperimente.wordpress.com/2014/11/09/conda-crowdinvesting-update-1/

    ciao,
    christian

  6. Holger sagt:

    bq). Mitsprache Rechte hat man in der Regel weder bei der stillen Gesellschaft (deshalb ist sie ja still) noch bei Darlehen. Kann aber jeweils individuell vereinbart werden.

    Na ja, gerade das ist ja der entscheidende Unterschied zwischen der stillen Beteiligung und der *atypischen* stillen Beteiligung. Wenn mein Google-Wissen mich nicht völlig täuscht, ist die ja deshalb atypisch, weil sie mit unternehmerischen Mitbestimmungsrechten und entsprechendem Handeln verbunden ist. Deshalb halte ich den gedanklichen Weg vom partiarischen Darlehen zur stillen Beteiligung auch recht kurz, den zur steuerlich anders zu behandelnden atypisch stillen Beteiligung aber ein Stückchen länger. Für örtliche Finanzbehörden und deren Handeln will ich aber natürlich nicht die Hand ins Feuer legen. 😉

    @Christian: Ich bin auch gespannt, wann sich meine Meinung zu Conda verfestigt. Bisher wirken sie recht kommunikativ und offen. Aber mich irritiert die im Vergleich zu Companisto und Seedmatch ziemlich hohe Zahl an neuen Pitches (die dann zumindest in den wenigen Tagen, die ich bisher beobachtet habe nicht unbedingt euphorisch und schnell finanziert werden).

    Viele Grüße
    Holger

  7. vom gedanken des „schnellen geldes“ sollte man sich bei einer so illiquiden form des investierens wie nachrangdarlehen verabschieden. aber was sind schon 1-2 monate funding-dauer bei einer laufzeit von 7 bis 10 jahren… (ich finde, dass es zur zeit bei conda sogar relativ schnell läuft – im vergleich zum jahresstart, da wars erst zäh)

  8. Holger sagt:

    Mir geht es nicht um die Geschwindigkeit der Finanzierung, sondern das durch solche Stotterstarts implizierte Endergebnis – kein oder knappes Erreichen der Fundingschwelle, weniger Kapital als erwartet oder benötigt, schlechte Erfolgsaussichten. Also, das wäre das Negativszenario. Wie gesagt: Ich will mir jetzt kein Urteil erlauben, wundere mich eben nur über die hohe Zahl an Finanzierungen dort – alleine heute sind mehrere gestartet.

    Viele Grüße
    Holger

  9. Value Mario sagt:

    Eine stille Beteiligung wird nicht durch Mitspracherechte atypisch, sondern durch eine Beteiligung am Wert des Unternehmens. Eine stille Beteiligung gewährt einen Anteil am laufenden Gewinn des Unternehmens wird aber bei Beendigung zum Nominalwert zurückgezahlt. Ist man auch am Vermögen beteiligt, wird die Beteiligung atypisch. Wirtschaftlich lässt sich beides auch durch Darlehen darstellen und deshalb ist die Unterscheidung zwischen (atypisch) stille Beteiligung und partiarisches Darlehen auch so schwierig.

    Werde jetzt nicht weiter auf diesem Punkt rumreiten

  10. Holger sagt:

    bq). Es kann ausnahmsweise von einer atypischen stillen Beteiligung ausgegangen werden, wenn der Gesellschafter zwar nicht am Verlust, an den stillen Reserven oder am Geschäftswert beteiligt ist, dafür aber wie ein Unternehmer auf das Schicksal des Unternehmens Einfluss nehmen kann.

    Sagt Wikipedia. Und standardmäßig ist immer von Vermögens- und Kontrollrechten die Rede. Aber schaun mer einfach mal. 😉

  11. Value Mario sagt:

    Genau, ein normaler atypisch stiller ist an den stillen Reserven oder am Geschäftswert beteiligt (das ist ja hier der Fall, sonst macht Venture Capital keinen Sinn). Nur Ausnahmsweise kann er auch dann atypisch still sein, wenn er stattdessen wie ein Unternehmer Einfluss nehmen kann, was hier nicht der Fall ist.

    Ich würde mich freuen zu lesen, wenn dir in der Praxis deiner Investments mal was zu dem Thema begegnet 🙂

  12. Patrick sagt:

    Crowdinvesting ist eine neue Art, Geld aufzunehmen oder Geld zu investieren. Ich finde es bieten sich ganz neue Methoden, welche auch Menschen mit weniger Kapital den Zugang zum Investmentmarkt bieten.

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