Börsenbriefe sind doof

Ein Beweis am Beispiel des "DaxVestor"

Nein, ich habe keinen Börsenbrief abonniert. Ich besitze aber ein paar Aktien der Deutschen Euroshop AG. Und von der handelte die gestrige DaxVestor-Kolumne bei Finanzen.net. DaxVestor-"Chefredakteur" Stefan Böhm war natürlich angetan von der Aktie - schließlich sei das Unternehmen bisher gut durch die Krise gekommen. Ach?

Nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich halte die im MDAX geführte Deutsche Euroshop auch für ein tolles Unternehmen. Sie investieren nur in Shopping-Center, haben also ein klares Konzept. Sie haben klare Regeln für neue Investitionen (mindestens 5,5 Prozent) Anfangsrendite. Solche Regeln hätten vielen Immobilienunternehmen in der vergangenen Boom-Phase gut zu Gesicht gestanden. Dazu kommen noch eine wirklich sehr solide Eigenkapitalausstattung, eine gute Fremdkapitalstruktur und eine Vermietungsquote von annähernd 100 Prozent. Außerdem gewinnt die Euroshop ständig Preise für ihre gute Investor-Relations-Arbeit.

Hört sich gut an, oder? Stimmt - und das wissen ziemlich viele Menschen in diesem Land. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass die Deutsche Euroshop im vergangenen Jahr sämtliche Aktienindizes und Konkurrenten ziemlich outperformt hat. Knapp 22 Prozent hat die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten an Wert verloren. Zum Vergleich:

  • Dax: -33 Prozent
  • MDAX: -46 Prozent
  • Alstria Office REIT: -62 Prozent
  • IVG Immobilien: -73 Prozent

Ehrlich: Ich als Aktionär freue mich sehr darüber, dass die Aktie mir nur 20 Prozent Verlust gebracht hat. Die Solidität des Unternehmens kam in der Krise eben richtig zum Tragen. Herr Böhm allerdings nimmt das nicht nur zum Anlass, sich darüber zu freuen - er zieht noch ganz andere Schlüsse: "Die Deutsche Euroshop zählt zu den wenigen Unternehmen, die gut durch die Krise kommen. Das dürfte der Aktie in den nächsten Monaten Auftrieb geben."

Nein, Herr Böhm! Das dürfte der Aktie keinen Auftrieb gegeben - das hat ihr Auftrieb gegeben. Nicht in den nächsten Monaten allerdings, sondern in den vergangenen. Wie's weitergeht? Keine Ahnung - aber bis zum NAV hat die Aktie noch ziemlich Luft. Eine Kaufempfehlung ist das aber nicht.

Wer todsichere Tipps will, sollte ohnehin lieber den Börsenbrief von Herrn Böhm abonnieren. Dessen hochseriöse Website spricht jedenfalls für sich: "+51% Gewinn in nur 3 Tagen!", "1. Warnung vor der Finanzkrise bereits im Jahr 2006 (!!)", "Hypo Real Estate Verkaufs-Empfehlung bei Kursen von 22 €". Mehr zu lesen, wollte ich mir nicht zumuten. Deshalb weiß ich leider nicht, was der Börsenbrief kosten soll.

Aber ich bin mir sicher: Im Vergleich zu den versprochenen Gewinnen ist jede Gebühr ein Klacks. Und die Empfehlungen, die dann im Börsenbrief selbst stehen, sind sicher auch viel besser als die Analyse zur Deutschen Euroshop. Falls nicht, ist der DaxVestor nämlich nur ein weiterer schwachsinniger Börsenbrief, der gutgläubigen Anlegern das Geld aus der Tasche ziehen soll.

Hmm, welche Möglichkeit ist wohl wahrscheinlicher?

Übrigens: In der Zeitschrift "REIT up" ist ein interessantes Interview mit Claus-Matthias Böge, dem CEO der Deutschen Euroshop, erschienen.

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zwei Kommentare

nala

super Beitrag.interessant!

nala, - 25-01-’11 09:50
Holger

Hallo nala,

danke für das Lob. Ich habe den von Dir eingebauten Link zu einer Börsenbrief-Website trotzdem mal entfernt. Ich hoffe auf Dein Verständnis.

Holger, (URL) - 02-02-’11 18:13
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