Fondsanlage in Deutschland: Note C-

Ergebnisse einer Morningstar-Studie

Deutschland ist kein gutes Pflaster für Fondsanleger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Finanz-Research-Unternehmens Morningstar. Die Studie hat die Anlagebedingungen für Fondssparer in 16 Ländern untersucht und dabei die Themenblöcke Anlegerschutz, Verkaufsprospekte und (Halb)jahresberichte, Transparenz in Marketing und Medien, Gebühren, Besteuerung und Vertrieb bewertet. Die Notenskala reichte von A bis D. Deutschland erhielt ein C-. Nur zwei Länder waren noch schlechter.

Die Morningstar-Analysten bemängelten unter anderem das Fehlen einheitlicher Standards für Jahresberichte, eine Besteuerung, die keinen Unterschied zwischen lang- und kurzfristiger Geldanlage macht, und fragwürdige Vertriebsstrukturen. Ein genauerer Blick auf die Studie und ihre Ergebnisse in Bezug auf Deutschland:

Anlegerschutz in Deutschland: Note D

Obwohl Morningstar in diesem Bereich die schlechteste Note vergibt, halten die Analysten fest, dass es in den vergangenen Jahren viele Fortschritte gegeben habe, etwa die Einrichtung der Allfinanzaufsichtsbehörde Bafin. Allerdings sei die Personalausstattung der Behörde nicht ausreichend. Zudem fehle eine Aufsicht über die Werbung und Vertriebspraxis.

Transparenz in Prospekten und Berichten: Note C

Hier bemängelt Morningstar das Fehlen standardisierter Maßstäbe. So könne die die Kalkulation der Total Expense Ratio (TER) eines Fonds sich von Gesellschaft zu Gesellschaft unterscheiden - etwa durch den (fehlenden) Einbezug von Performance Fees. Eine bessere Note sei auch dadurch verhindert worden, dass die Transaktionskostenquote (Transaction Cost Ratio) nicht mehr angegeben werden müsse. Diese Quote stellt das Verhältnis der Kosten für den An- und Verkauf von Wertpapieren und dem Gesamtwert eines Fonds dar.

Transparenz in der Vertriebspraxis und den Medien: Note C

Wieder keine gute Note. Negativ fiel den Analysten auf, dass es gängige Praxis sei, Vertriebsmitarbeiter durch Wettbewerbe zum Verkauf von Fonds zu motivieren. Medienberichte in Deutschland beschäftigen sich Morningstar zufolge praktisch nie mit den Gebühren von Fonds und kommentieren auch nicht deren Höhe. Und ebenso wenig leisten sie einen Beitrag zur Förderung langfristiger Geldanlage. Erfrischend, so etwas mal zu lesen (das war jetzt eine eigene Anmerkung).

Kosten und Gebühren: Note B-

In diesem Bereich erhält Deutschland von Morningstar die beste Note - immerhin ein B-. Deutschland bewege sich hier auf dem gleichen Niveau wie die meisten anderen untersuchten Länder, so die Analysten. Allerdings sei Kalkulation der Gesamtkosten für Anleger wegen der fehlenden Standardisierung schwierig (siehe oben).

Steuern: Note C

Na ja, wer findet schon die Abgeltungsteuer gut? Morningstar bemängelt vor allem, dass die Steuer langfristiges Investieren nicht fördert - bis zum vorigen Jahr war das mit der Besteuerung von "Spekulationsgewinnen" ja noch der Fall.

Vertrieb/Auswahl: Note C

Negativ ist hier, dass die meisten Investmentfonds von Anlegern einen Mindestanlagebetrag verlangen. Allerdings sei der in der Regel sehr niedrig, so Morningstar (deshalb gibt es auch nicht die Note D). Was die Vertriebsstruktur angeht: Die Banken seien hier dominant, offene Strukturen fehlten weit gehend - meist verkauften die Häuser nur eigene Produkte.

Wer hat im Vergleich am besten abgeschnitten?

Ich denke, die Morningstar-Studie ermöglicht einen recht klaren Blick auf die Mängel unserer Fondslandschaft. Für diese Mängel sind wohl auch die Fondsbranche und der Gesetzgeber so ziemlich zu gleichen Teilen verantwortlich. Als Anleger ist einem aber schon sehr damit geholfen, wenn man überhaupt weiß, auf welche Fallstricke man bei der Beschäftigung mit Fondsanlagen achten sollte.

Am besten schnitten in der Studie übrigens die USA ab. Sie erhielten als einziges Land die Bestnote A. Am schwersten haben es die Anleger in Neuseeland. Hier vergaben die Analysten sogar die Note D-. Schon eindrucksvoll, irgendwie.

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