Altersvorsorge: Lohnt sich ein eigenes Haus?

Wenn man allerdings einmal genau rechnet, zeigt sich, dass das geflügelte Wort tatsächlich eher ein einfaches und populäres Schlagwort ist als eine unumstößliche Wahrheit. FAZ.net hat nämlich gerade (wieder einmal) nachgerechnet - in der fast immer sehr interessanten Serie Die Vermögensfrage.
Die Rendite des Eigenheims: mager oder extrem mager?
Die Annahmen, die der Beispielrechnung zugrunde legen, sind hier im Detail nicht wichtig. Entscheidend ist die Rendite, die am Ende herauskommt. Der Artikel betrachtet einen Zeitraum von 20 Jahren. Und je nachdem, welche Annahmen für Vergleichsmiete, Kosten für das Haus und Veräußerungserlös gewählt werden, ist die Verzinsung der Geldanlage Eigenheim entweder mager – oder sogar sehr mager. Zitat:
Der Schlusspunkt ist der Verkauf des Hauses. Denkbar sind die anfänglichen 300.000 Euro. In diesem Fall beträgt die Verzinsung, wie ein Blick in die zweite Tabelle verrät, rund 1,3 Prozent pro Jahr.
Können beim Verkauf dagegen 350.000 Euro erzielt werden, weil der Wert bis zum Verkauf jedes Jahr leicht ansteigt, kommen unter dem Strich voraussichtlich 2,4 Prozent heraus. Muss das Haus in 20 Jahren aber mangels Nachfrage für 250.000 Euro abgegeben werden, ist die Sache mehr oder weniger Geldwechsel. Die Verzinsung liegt knapp unter dem Nullpunkt.
Zwischen knapp unter 0 und 2,4 Prozent also. Ernüchternd, oder? Natürlich: Man könnte die Annahmen auch noch optimistischer wählen und käme irgendwann auch auf eine halbwegs interessante Rendite.
Für mich persönlich allerdings wiegen die vielen Probleme, die mit dem Kauf und Unterhalt eines Eigenheims verbunden sind, die Nachteile nicht auf.
Zunächst muss man darauf achten, dass man sich beim Kauf nicht übers Ohr hauen lässt, sonst hat man nämlich schon verkackt. Und der Immobilienmarkt ist leider nicht so effizient wie der Aktienmarkt. Man kann sich also nicht darauf verlassen, dass der Markt das schon regelt.
Hallo Eigenheim, ade Diversifikation
Dann hat man plötzlich sein ganzes Vermögen in einem einzigen Objekt stecken - obwohl man vorher immer wieder eingetrichtert bekam, wie wichtig Diversifikation ist. Vorbei - nichts mehr mit Streuung über Anlageklassen, man hat plötzlich nicht mal mehr eine Streuung innerhalb einer einzelnen Anlageklasse.
Man hat Arbeit beim Kauf, Arbeit für die Unterhaltung, Arbeit beim Verkauf, und man hat plötzlich Schulden, viele sogar. Die haben zwar sicher auch etwas Positives (etwa als Schutz gegen Inflation). Aber psychologisch stelle ich mir einen kleinen 200.000-Euro-Schuldenberg eher belastend vor.
Wenn einen die damit verbundene ständige Existenzangst dazu bringt mehr zu sparen als ohne Eigenheim (auch ein beliebtes Argument), ist man mit 70 vielleicht wirklich reicher als nach einem Leben als Mieter. Vielleicht aber auch nicht (siehe Mager-Rendite, siehe fehlende Diversifikation).
Und selbst wenn: War es das dann wert? Für manche sicher. Für mich käme ein Eigenheim aber im Moment rational betrachtet nicht in Frage. Aber vielleicht muss ich ja auch nur noch einen etwas stärkeren Nestbautrieb entwickeln - so in fünf, sechs oder zehn Jahren.








Kein Kommentar