Der Schatzbrief der Commerzbank - alles (un)klar?

Bundesschatzbriefe sind eine sichere Sache - der Schatzbrief der Commerzbank auch?Letztens habe ich mich noch selbst über die dreiste Werbung gewundert, gestern lese ich schon im Focus darüber: Die Commerzbank bietet ihren Kunden einen "Schatzbrief" an. Klingelt's da? Bei Ihnen, meine ich, nicht in der Commerzbank-Kasse (das ist ja ohnehin klar). Genau: Wer bei Wikipedia "Schatzbrief" eingibt, der landet beim Eintrag für den Bundesschatzbrief.

Der ist so ungefähr das Solideste, was hierzulande in Sachen Geldanlage angeboten wird: Es gibt sie seit 40 Jahren, sie sind ausschließlich für Privatanleger gedacht. Sie werden von der Finanzagentur des Bundes herausgegeben und an keiner Börse gehandelt, haben eine Laufzeit von sechs (Typ A) oder sieben (Typ B) Jahren, können aber vorzeitig und ohne Abschlag zurückgegeben oder gegen Bundesschatzbriefe mit besserer Rendite getauscht werden. Also haben Anleger kein Kursrisiko und praktisch kein Emittentenrisiko. Kein Wunder also, dass der Bundesschatzbrief ein zwar ziemlich braves, aber dafür extrem solides Image hat.

Commerzbank Schatzbrief - die Bundesschatzbrief-Kopie

Kein Wunder also, dass man als finanzkrisengebeutelte Großbank von einem derartig guten Image profitieren möchte. Oder? Die Commerzbank jedenfalls mochte - und legte ein ganz ähnliches Produkt auf. Den Commerzbank Schatzbrief eben. Der hat eine Laufzeit von fünf Jahren, und wie beim Bundesschatzbrief steigt der Zinssatz jedes Jahr ein Stückchen an. Im ersten Jahr bekommen Commerzbank-Kunden derzeit 3,25 Prozent, im letzten sind es 4,5 Prozent. Und die grundsolide (*hust*) Commerzbank garantiert die vollständige Rückzahlung am Laufzeitende. Nur mit der vorzeitigen Rückgabe klappt es nicht ganz so gut. Da bleibt Anlegern nämlich nur ein Verkauf über die Börse.

Jetzt lässt sich einwenden: Dafür bieten die Bundesschatzbriefe ja eine deutlich magerere Rendite - 2,68 Prozent sind es derzeit, wenn man Typ A bis zum Laufzeitende hält. Im ersten Jahr sind es sogar nur 0,5 Prozent. Und auch für die üblichen Festgeldangebote gibt es deutlich niedrigere Zinsen - dafür kommen Anleger aber auch in den Genuss der Einlagensicherung. Beim Commerzbank Schatzbrief fällt das weg - der ist nämlich eine Schuldverschreibung der Commerzbank.

Gut, man kann sagen: Ob ich mein Geld dem Staat direkt leihe oder einer viertelstaatlichen Bank wie der Commerzbank, deren Bestehen vom Bund ohnehin praktisch garantiert wird, ist im Grunde egal. Die Argumentation hat was für sich. Und doch bleibt der Name ein leicht schmieriger Marketing-Trick mit einem Gschmäckle - welche seriöse Bank hat so etwas schon nötig? Und davon abgesehen stand im Focus was von einer ähnlichen Commerzbank-Anleihe, die über die Börse verkauft wurde (so oder so ähnlich war die Formulierung) und eine höhere Rendite hat. Nachrecherchiert hab ich das nicht, aber passend wäre es ja...

Was finden Sie - ist eine solche Marketing-Strategie der Commerzbank in Ordnung oder doch eher Pfusch?

Zum Weiterlesen

Bildquelle: Wikimedia Commons

Zum Weitersagen

These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages.
  • Del.icio.us
  • Digg
  • Google
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Facebook
  • Twitter

Kein Kommentar

Emoticons
Bitte beantworten Sie diese einfache Frage. Sie dient dazu, automatisierten Kommentar-Spam zu verhindern.
Persönliche Informationen speichern?
Benachrichtigen
E-Mail Adresse nicht anzeigen
Hinweis: Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt. URLs oder Mailadressen werden automatisch umgewandelt.