ETFs: Risiko Wertpapierleihe?
Nicht nur Swap-ETFs sind an manchen Stellen undurchsichtig
Börsengehandelte Indexfonds gelten als einfach, günstig und transparent - aber auch sie sind voll von Konstruktionen, die man als Privatanleger nur schwer versteht, wenn man sich nicht wirklich darum kümmert. Ein - relativ oft diskutiertes Beispiel - ist der Einsatz von Swaps bei ETFs. Bei vielen Anlegern sind voll replizierende ETFs deshalb beliebter, die alle Aktien in einem Index auch tatsächlich halten. Aber auch die machen schwer durchschaubare Geschäfte: die Wertpapierleihe zum Beispiel. Wie riskant ist sie?
Der Grund für diese Geschäfte ist recht einfach: Voll replizierende ETFs haben Kostennachteile gegenüber Swap-ETFs, da diese viel seltener Aktien (oder andere Wertpapiere) kaufen und verkaufen müssen - schließlich ist es bei Swap-ETFs nicht wichtig, dass ihr Aktienkorb eine bestimmte, genau festgelegte Zusammensetzung hat. Bei voll replizierenden ETFs allerdings schon - die Zusammensetzung muss exakt der des Index gleichen, die abgebildet wird.
Um diese Kostennachteile auszugleichen, bedienen sie sich nun innovativer Strategien. Eine davon ist der Verleih von Wertpapieren an Hedge-Fonds und andere Finanzmarktakteure, die solche geliehenen Wertpapiere etwa zu Leerverkäufen nutzen können. Einer an der Uni Klagenfurt erschienenen Arbeit zufolge lassen sich damit Zusatzeinnahmen zwischen 0,375 und 2,5 Prozent pro Jahr erzielen. Das ist zwar eine große Spannweite, aber im Vergleich zu einer typischen ETF-TER, die etwa bei den in Deutschland vertriebenen Euro-Stoxx-50-ETFs deutlich unter 0,5 Prozent liegt, in jedem Fall nennenswert.
Aber welche Risiken sind nun damit verbunden? Ein gutes Gefühl ist es schließlich nicht, dass man einen Aktienfonds kauft, der aber möglicherweise die meisten seiner Aktien verliehen hat. Nun: Zunächst einmal erhalten die verleihenden Fonds Sicherheiten dafür, dass sie ihre Aktien hergeben. Dies können Staats- und Unternehmensanleihen sein, aber auch einfach Cash. Selbst wenn ein Entleiher die ihm geliehenen Wertpapiere also aus irgendeinem Grund nicht zurückgeben kann, steht der Fonds nicht mit leeren Händen da. ETFLab etwa verweist darauf, dass diese Sicherheiten sogar täglich 105 Prozent des Wertes der verliehenen Papiere ausmachen. Anleihen und Cash sind zudem grundsätzlich sicherer als Aktien. Natürlich heißt das nicht, dass man sich als Anleger wünscht, einen Aktien-ETF zu halten, der plötzlich zu einem Teil in Staatsanleihen investiert ist. Aber solche Positionen lassen sich im Falle eines Falles ja kurzfristig abbauen.
Die Risiken der Wertpapierleihe scheinen also sehr begrenzt. Extreme Krisen, in denen mehrere unwahrscheinliche Ereignisse auf einmal eintreten, sind natürlich denkbar. Gleiches gilt für kriminelle Machenschaften, die sich nie völlig ausschließen lassen. Aber beider Auswirkungen kann man als Anleger wohl nur durch geschickte Diversifikation über Anlageklassen, Fondsanbieter und Einzelfonds abmildern.
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