Buchbesprechung: Burton G. Malkiel – A Random Walk Down Wall Street

Burton G. Malkiels Buch „A Random Walk Down Wall Street“ ist zweifellos ein Investmentklassiker. Die erste Auflage ist schon im Jahr 1973 erschienen, und ich habe gerade die neunte Auflage aus dem Jahr 2007 zu Ende gelesen. Man könnte also sagen: Der Untertitel „the time tested strategy for successful investing“ ist ziemlich treffend – zumindest was die Sache mit der Zeit angeht.

Wie sieht es aber mit der erfolgreichen Investitionsstrategie aus, die der Untertitel ebenfalls verspricht? Der Princeton-Professor Malkiel nimmt sich viel Raum – mehr als 400 Seiten – um den Lesern seine Ideen, die Forschungsergebnisse, auf denen sie beruhen und sogar die üblichen Einwände dagegen näher zu bringen.

Erster Teil: Aktien und ihr Wert

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Der erste, „Stocks and their Value“, behandelt verschiedene Theorien darüber, worauf sich die Preisfindung von Aktien stützt. Malkiel führt hier vor allem zwei gegensätzliche Konzepte ein: das „feste Fundament“ („firm foundation“) und die Luftschlösser-Theorie („castles in the air“). Außerdem erklärt er, was überhaupt ein Random Walk ist.

Nach dieser grundsätzlichen Einführung folgt eine kleine Geschichte des Aktienmarktes. Und obwohl diese aus us-amerikanischer Perspektive geschrieben ist, kommen auch die Tulpenmanie in den Niederlanden und die South Sea Bubble im England des 18. Jahrhunderts vor. Und natürlich: die große Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Was fehlt, ist die Subprime-Krise und das daraus resultierende Desaster. So gesehen wird es mal wieder Zeit für eine Neuauflage.

Zweiter Teil: Fundamentale und technische Analyse

Der zweite Teil heißt „How the pros play the biggest game in town“ und setzt sich mit den zwei dominierenden Konzepten zur Bestimmung des Wertes und Prognose des künftigen Kurses von Aktien auseinander: der fundamentalen und der technischen Analyse. Malkiel erklärt in Grundzügen, wie beide funktionieren – und warum sie nicht funktionieren. Das nämlich ist die grundsätzliche Erkenntnis aus diesem Teil: Fundamentale wie technische Analyse sind zwar durchaus interessant, taugen aber letztlich nicht als Grundlage für eine Investitionsstrategie.

Und da Malkiel ein Vertreter der akademischen Zunft ist, wirft er dieses Urteil nicht einfach so in den Raum, sondern begründet es mit unzähligen Verweisen auf Forschungsergebnisse. Die bleiben leider oft ohne konkrete Quellenangaben, so dass Leser ein bisschen im Regen stehen bleiben, wenn sie sich wirklich für die Details der Studien interessieren, auf die Malkiel verweist.

Dritter Teil: Moderne Portfoliotheorie und Co.

Der dritte Teil heißt „The new investment technology“ und beschäftigt sich mit der Modernen Portfoliotheorie, der Theorie effizienter Märkte und Erkenntnissen der Behavioural Finance. Malkiel erklärt recht ausführlich den Nutzen der Diversifikation und den grundlegenden Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko. Dazu gehören auch eine Einführung in das Capital Asset Pricing Model (CAPM) und eine Diskussion der Eignung von Beta als Risikomaß. Nicht gerade oberflächlich also.

Der Teil wird abgeschlossen von einer Diskussion von Argumenten gegen die Theorie effizienter Märkte – und der Erklärung dafür, warum diese keine Gültigkeit haben. In diesem Zusammenhang setzt Malkiel sich auch mit bekannten Anomalien wie dem Value- oder dem Small-Cap-Effekt auseinander.

Vierter Teil: eine praktische Anleitung

Im vierten Teil, „A practical guide for random walkers and other investors“, schließlich gibt der Autor Ratschläge dazu, wie sich die Erkenntnisse aus dem dritten Teil in die Praxis umsetzen lassen. Klar: mit der passiven Geldanlage in ETFs und anderen Indexfonds, mit einer festen, aber an die jeweilige Lebenssituation angepassten Asset Allocation aus Aktien, Anleihen und REITs. Sympathisch ist, dass er trotz aller theoretischen Erkenntnisse auch auf den Spieltrieb seiner Lesereingeht und auch Tipps zum Auswählen guter Einzelaktien gibt – immer mit der der Warnung dazu: Damit kann man den Markt ziemlich sicher nicht schlagen, aber es kann auch nicht allzu viel schief gehen. Vor allem dann nicht, wenn ETFs den Kern des Portfolios bilden. Das läuft also auf so etwas wie eine Core-Satellite-Strategie hinaus. Aber: So gut ich diese Strategie auch persönlich nachvollziehen kann – ob ich diese Ratschläge im Buch aus pädagogischer Sicht gut finde, weiß ich noch nicht. Andererseits ist auch fraglich, ob es überhaupt gerecht ist, irgendwelche pädagogischen Maßstäbe an das Buch zu anzulegen.

Problematisch: A Random Walk Down Wall Street zielt auf amerikanische Leser

Problematischer finde ich da schon ein typisches Merkmal amerikanischer Investmentbücher: Sie sind eben immer von den USA aus gedacht, von deren Steuergesetzgebung aus, von deren Anlageprodukten aus. In REITs zu investieren ist etwa in Deutschland nach wie vor schwierig – schließlich gibt es nur zwei deutsche REITs. Als Ausweg bleibt also nur der Kauf eines internationalen REIT-ETFs oder der Kauf Offener Immobilienfonds, auf die Malkiel aber verständlicherweise nicht eingeht. Und die komplette Diskussion über den Kauf der richtigen Staatsanleihen unter Berücksichtigung von Vor- und Nachsteuerrendite ist für europäische Leser uninteressant. Das Gleiche gilt für die verschiedenen amerikanischen Altersvorsorge-Subventionen. Aber Malkiel schreibt ja auch nicht für europäische Leser.

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