Morgan Stanley P2 Value gibt keine Anteile mehr aus
Die Finanzkrise scheint nun auch ihr erstes Opfer unter den Offenen Immobilienfonds zu fordern. Heute gab Morgan Stanley bekannt, dass ab sofort keine Anteile ihres Fonds Morgan Stanley P2 Value mehr ausgegeben werden. Begründung: Eine Neubewertung habe Hinweise auf "signifikante Abwertungen" ergeben. Klingt nicht gut.
Die jüngere Geschichte des Morgan Stanley P2 Value ist ein Drama in fünf Akten. Vier davon sind schon gespielt. Nur der Schluss steht noch aus.
Erster Akt: die Krise der Offenen Immobilienfonds
Viel wurde schon geschrieben über den Oktober 2008. Damals brach die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammen. Und Bürger auf der ganzen Welt fürchteten um ihr Erspartes. Auch in Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte daraufhin, dass die Spargutachten sicher seien - und die Bundesregierung das garantiere. Für Gelder in Offenen Immobilienfonds gab sie keine Garantie ab. Ob es an der fehlenden Garantie lag oder nicht: Anleger zogen haufenweise Geld aus den Fonds ab. Die gerieten in Liquiditätsnöte. Zwölf von ihnen setzten die Rücknahme von Anteile aus. Der Morgan Stanley P2 Value war auch darunter. Die Anleger, die in den Fonds investiert hatten, konnten ihre Anteile bis heute nicht an die Fondsgesellschaft zurückgeben. Andere Fonds wie der CS Euroreal oder der SEB Immoinvest wurden inzwischen wieder für die Rücknahme von Anteilen geöffnet.
Zweiter Akt: die Neubewertung des Morgan Stanley P2 Value
Der zweite Akt im Fonds-Drama war wohl als Befreiungsschlag gedacht: Am 18. Juni gab das Management bekannt, dass alle Objekte des Morgan Stanley P2 Value zum 1. Juli neu bewertet werden sollten. Normal ist eine schrittweise Bewertung der Immobilien über das Jahr hinweg. „Es gilt herauszufinden, ob die aktuelle Bewertung unserer Qualitätsimmobilien durch die Krise beeinträchtigt ist", sagte Geschäftsführer Walter Klug damals. "Die zeitgleiche Neubewertung aller Fondsobjekte ist der richtige Schritt im Sinne unserer Anleger zu prüfen, ob das Portfolio fair und vor allem ohne Ausnahme aktuell bewertet ist." Schon am 26. Juni gab es dann einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte: Im Zuge von turnusgemäßen Nachbewertungen sank der Wert dreier Objekte um 4,95 Millionen Euro. Das entspricht, den Angaben des Manager Magazins zufolge, einer Abwertung um etwa zehn Prozent. Entsprechend sank auch der Anteilspreis des P2 Value: um 12 Cent.
Dritter Akt: die Verschiebung der Neubewertung
Am 30. Juni, einen Tag vor der geplanten Neubewertung, dann die nächste weniger tolle Nachricht: "Neubewertung aller Fondsobjekte wird nicht zum 1. Juli 2009 erfolgen". Warum nicht? Dazu gab es keine Begründung. In der Pressemitteilung hieß es nur lapidar, die Neubewertung sei zwar schon weit fortgeschritten, doch die endgültigen Ergebnisse würden nicht zum 1. Juli vorliegen.
Kurz, die Mitteilung wirkte gleich in zweierlei Hinsicht wie ein schlechtes Omen: Zum einen deuten Verschiebungen eigentlich immer auf unvorhergesehene Probleme hin - nicht nur dann, wenn Unternehmen Bilanzpressekonferenzen verschieben. Und zum anderen deuten Verschiebungen erst recht auf Probleme hin, wenn keine oder nur eine halbgare Begründung dafür geliefert wird. Wollten die Verantwortlichen sich nur ein bisschen Zeit erkaufen, um eine Lösung zu finden?
Vierter Akt: die Aussetzung der Anteilsausgabe
Nun also die definitiv und wirklich schlechte Nachricht: Die Fondsgesellschaft weist auf drohende signifikante Abwertungen hin und gibt vorerst keine Fondsanteile mehr aus. Dies solle sicherstellen, "dass sich die neuen Anleger vor einer Kaufentscheidung eingehend über die Situation informieren können", heißt es in der zugehörigen knappen Pressemitteilung. Das ist sicher fair - genauso wie auch die komplette Neubewertung aller Objekte ein freiwilliger Schritt war, der unterstreicht, dass das Management um Transparenz bemüht ist. Aber ob das dem Fonds und seinen Anteilseignern hilft?
Fünfter Akt: Komödie oder Tragödie?
Der fünfte Akt beginnt mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der Neubewertung - und wird Klarheit schaffen. Noch zeichnen sich die Bewertungsverluste des Morgan Stanley P2 Value nur schemenhaft am Horizont ab - und die Folgen der Aussetzung der Anteilsausgabe liegen sowieso völlig im Dunkeln. Wie lange wird sich die Öffnung des Fonds noch verzögern? Wann werden Anleger wieder Fondsanteile an die Gesellschaft zurückgeben können? Was wird dann passieren? Wird eine Massenflucht einsetzen, oder werden vielleicht sogar Schnäppchenjäger ihre Chance wittern und einsteigen? Das klingt unwahrscheinlich, doch ausgeschlossen ist es nicht.
Also: Drama mit glimpflichem Ausgang oder doch Tragödie? Die Zukunft wird es zeigen.
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Gratulation zu der guten Darstellung der jüngeren Geschichte des P2 Value-Fonds. Ich habe deswegen von meinem Blog einen Link auf Ihren Artikel gesetzt.