Jäger und Sammler

Ein bisschen was von unseren Vorfahren steckt doch noch in uns. In grauer Vorzeit lebten die Menschen als Jäger und Sammler. Und wir sind im Grunde immer noch nicht so ganz davon weggekommen. Nicht einmal, wenn es um die Geldanlage geht. Nehmen Sie nur mich: Ich jage Schnäppchen und sammle ETFs. Das macht zwar Spaß, ob es aber immer sinnvoll ist?

Schließlich wissen wir: Geldanlage ist ein langweiliges Unterfangen, wenn man sie richtig betreibt. Ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat, aber er hatte recht. Wenn man Geldanlage in ein Hobby verwandelt, dann kann das zwar Vorteile haben, aber eben auch Nachteile. Zum Beispiel kann man plötzlich mit einem ETF auf den britischen Midcap-Index FTSE 250 im Depot dastehen. Kein Scherz.

Aber das betrifft eher schon meine Sammelleidenschaft. Noch mal zurück zur Schnäppchenjagd: Die ist vielleicht gar keine so schlechte Beschäftigung. Zumindest hat sie mich dazu animiert, im vergangenen Jahr Aktien nachzukaufen, obwohl ich auch ein bisschen (na ja: eher viel) Angst vorm wirtschaftlichen Weltuntergang hatte. Ich habe es trotzdem geschafft, nach jeder neuen Katastrophe Geld umzuschichten. Die Kehrseite der Medaille: Es gab so viele Katastrophen, dass ich mich manchmal kaum zurückhalten konnte. Dann musste meine Frau das tun.

Und seit der Rally dieses Jahres hat sich das Problem vorerst ohnehin erledigt: Ich habe deutlich weniger Lust, Aktien zu kaufen - und ohnehin genug damit zu tun, die Aktienquote des Portfolios nicht überhand nehmen zu lassen.

Sammler von ETFs

Weniger schön ist das Sammeln von ETFs. Es macht natürlich großen Spaß: Durchs Netz surfen, Informationen suchen, schauen, welche Möglichkeiten zur Diversifikation es gibt, einen ETF auf den Dow Jones UBS Commodity Index kaufen. Das mag ja auch sinnvoll sein - Rohstoffe können ein Depot ja tatsächlich schön ergänzen.

Aber wie dringend benötigt man einen ETF auf einen Emerging-Market-Anleihen-Index? Oder einen auf den FTSE Epra Eurozone? Beides fragwürdig (vor allem im Depot eines Kleinanlegers wie mir), aber vielleicht noch vertretbar. Von dem oben schon erwähnten FTSE-250-ETF lässt sich das leider nicht sagen. Ich habe ihn voriges Jahr gekauft, also kann man nicht einmal von einer echten "Jugendsünde" sprechen. Die Wahrheit ist: Ich wollte ihn einfach haben. Und schon einen Tag nach dem Kauf wusste ich nicht mehr, warum. Jetzt habe ich ihn also in meinem Depot. Und da bleibt er auch: als Mahnmal gegen meine ungezügelte ETF-Sammelleidenschaft.

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