Wie baut man ein weltweit diversifiziertes Aktiendepot auf?
Eine Orientierung an der Strategie des Mischfonds Arero zur weltweiten Diversifikation kann helfen
Sein Risiko bei der Geldanlage zu streuen, ist wichtig. Darüber sind sich (hoffentlich) alle Anlageberater einig, und auch die meisten Privatanleger dürften schon einmal gehört haben, dass es unklug ist, all seine Eier in einen Korb zu legen. Also verteilt man die Eier lieber auf verschiedene Körbe. Aber wie eigentlich?
Ebenfalls allgemein anerkannt dürfte sein, dass eine Aufteilung des Aktiendepots auf verschiedene Regionen der Welt sinnvoll ist. Aber selbst wenn man dem zustimmt, ist man noch einen Schritt von der tatsächlichen Aufteilung seines Portfolios entfernt. Denn: Nach welchem Schlüssel soll man diese Aufteilung nun durchführen?
Für die klassische Portfolio-Optimierung nach Markowitz füttert man eine Software mit den Performancedaten verschiedener Aktien-Indizes aus der Vergangenheit. Die Software errechnet dann, welche Gewichtungen der verschiedenen Regionen das beste Verhältnis von Rendite und Risiko aufweisen. Als Anleger teilt man sein Portfolio anschließend entsprechend auf. Ein Problem: Als normaler Mensch kann man ein solches Verfahren kaum konsequent umsetzen. Ein anderes: Die Berechnung erfolgt aufgrund mathematischer Modelle und führt in der Realität zu merkwürdigen Erscheinungen, komischen Portfolioaufteilungen und mangelnder Diversifikation. Wie aber dann?
Gewichtung nach Markowitz, nach BIP oder nach Marktkapitalisierung?
Heiko Jacobs, Sebastian Müller und Martin Weber haben im Jahr 2008 in einer Schrift verschiedene Ansätze der Asset Allocation betrachtet: neben einer Optimierung nach Markowitz (mit unterschieldlichen Einschränkungen) haben sie auch die Gewichtung der Regionen nach dem Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt und die Gewichtung nach dem Anteil an der Welt-Marktkapitalisierung untersucht.
Als Datenmaterial für die Analyse dienten Indexdaten von 1973 bis 2007. Dabei wurden die Portfolios jeweils einmal im Jahr neu ausgerichtet (Rebalancing).
Ergebnis der Untersuchung: Die Markowitz-Strategien waren den beiden anderen gewählten Ansätzen nicht überlegen. Allerdings brachte die Gewichtung der verschiedenen Regionen nach ihrem Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt signifikant bessere Ergebnisse als die Gewichtung der Regionen nach ihrem Anteil an der Marktkapitalisierung des Welt-Aktienmarktes.
Das heißt: Wer ein weltweites Aktienportfolio zusammenstellt sollte schauen, welchen Anteil am Weltbruttoinlandsprodukt die verschiedenen Regionen (Europa, Amerika, Asien/Pazifik, Emerging Markets) haben, und anschließend sein Vermögen diesen Anteilen entsprechend aufteilen.
Innerhalb einzelner Regionen wird allerdings trotzdem in der Regel nach Marktkapitalisierung gewichtet - weil zur Abdeckung jeder Region prinzipiell ein ETF auf einen einzelnen Aktienindex reicht und die marktbreiten Benchmark-Indizes die Gewichtung der enthaltenen Aktien nach Marktkapitalisierung vornehmen.
Zum Weltportfolio gehören nicht nur Aktien
Zu ergänzen bleibt noch, dass man der oben vorgestellten Studie nicht gerecht wird, wenn man sie auf die Zusammenstellung eines Aktienportfolios reduziert. In ein gut diversifiziertes Depot gehören schließlich immer verschiedene Anlageklassen. Und so lag der Schwerpunkt der Untersuchung auch auf der Entwicklung eines möglichst leistungsstarken Portfolios von Aktien, Renten und Rohstoffen. Nachzulesen ist das in der Studie selbst, nachkaufen kann man es einfach durch eine Investition in den DWS Arero. Wer sich etwas Mühe gibt, kann das Portfolio aber auch selbst nachbilden - und kommt dabei vermutlich günstiger weg als bei einer Investition in den Arero (obwohl es eng wird). Einen Vorteil hat der Eigenbau aber in jedem Fall: Man muss nicht in die etwas undurchschaubare Swap-Konstruktion vertrauen, mit deren Hilfe das Weltportfolio letztlich im Arero umgesetzt wird.
Die komplette Studie ist übrigens im Behavioral Finance Portal kostenlos erhältlich.
Zum Weiterlesen
- ETF-Musterdepot: die Strategie des Arero im Eigenbau umsetzen
- ETF-Musterdepot aus nur drei ETFs
- Gehören Aktien in ein konservatives Portfolio?
27 Kommentare
Hallo Dr. Peterreins,
danke für Ihre Anmerkungen. In der Tendenz stimme ich Ihnen durchaus zu (in der Schärfe aber nicht unbedingt).
Ich habe persönlich schon so viel Quatsch gesehen, der mit Markowitz begründet wurde (zum Beispiel negative “Erwartungswerte” für bestimmte Aktienindizes), dass ich einfach darauf pfeife. Das heißt natürlich nicht, dass ich sagen würde, man kann mit einer Markowitz-Optimierung nicht zu guten Ergebnissen kommen, aber es handelt sich dabei eben um ein Werkzeug, das beinahe beliebig missbraucht werden kann.
Insofern bieten sich bestimmte Heuristiken für die Anlagepraxis durchaus an – zumal sie auch einfacher zu verstehen sind. Wichtig ist mir dabei, dass sie sich nach klaren Regeln richten, weil sie dadurch weniger missbrauchsanfällig werden. Ich denke, diese Voraussetzung erfüllen sowohl die Aufteilung des Aktienanteils im Depot anhand der Marktkapitalisierung als auch die Ausrichtung am Welt-BIP.
Die Einwände, die Sie gegen diese spezifische Aufteilung vorbringen, sind aber natürlich richtig. Als weiterer Einwand fällt mir ein, dass die Gesamtwirtschaft eines Landes nicht identisch ist mit den börsengelisteten Unternehmen aus diesem Land. Verfolgt man konsequent den BIP-Ansatz gewichtet man Länder, die über ein hohe BIP aber nur über vergleichsweise schwach entwickelte Aktienmärkte verfügen, höher als bei einer Ausrichtung an der Marktkapitalisierung. Sollte das nicht zu merkwürdigen Bewertungsrelationen an den Aktienmärkten führen?
Natürlich haben Sie auch recht, wenn Sie sagen, dass hier von der Vergangenheit auf die Zukunft geschlossen wird – möglicherweise ist die “Überlegenheit” der BIP-Strategie gegenüber der Marktkapitalisierungs-Strategie tatsächlich auf den gewählten Betrachtungszeitraum zurückzuführen.
Dennoch halte ich die Strategie für klug. Erstens weil sie klare Regeln hat, zweitens weil sie im Gegensatz zu einer an der Marktkapitalisierung ausgerichteten Strategie nicht prozyklisch wirkt, indem sie diejenigen Märkte höher gewichtet, die gerade gut gelaufen sind.
Ob man die Strategie selbst günstiger umsetzen kann als der Arero, weiß ich nicht (deshalb die vielen Relativierungen im Beitrag). Aber ich halte es für möglich. Und Sie wissen ja: Ich bin leidenschaftlich für Eigenbau-Depots. Ihr Einwand, was die Abgeltungssteuer angeht, ist aber definitiv richtig. Allerdings bin ich nicht überzeugt vom Nutzen eines Rebalancings, das öfter als ein- oder zweimal im Jahr stattfindet. Und dann kann man es durchaus schaffen, sein Portfolio ausschließlich mit frischen Mitteln zu rebalancen (wobei das natürlich schwieriger wird, je größer das Portfolio im Vergleich zu den neu hinzukommenden Mitteln wird). In Ausnahmesituationen dürfte das aber zugegebenermaßen problematisch werden – und dann ist Rebalancing am nötigsten.
Zu den psychologischen Problemen: Ja, stimmt. Das ist schwierig. Aber wer in der Hinsicht Probleme hat, verkauft vielleicht auch einen Fonds wie den Arero oder Ihren ETF-D' />achfonds.
Hmm, blöde Smilies…
Eines hatte ich noch vergessen, obwohl ich schon so viel geschrieben habe. Zu den Heuristiken: Ich kenne einfach keine nach strikten, einfachen Regeln aufgebaute Asset Allocation, die besser ist als die nach BIP oder Marktkapitalisierung. Eine willkürliche Festlegung wie 25/25/25/25 mag genauso gut – da es keinerlei sachliche Begründung für sie gibt, ist es aber psychologisch m. E. leichter sie umzuwerfen.
Das ist ein Punkt mit dem ich selbst auch kämpfe, ich habe mein Depot nämlich tatsächlich “naiv” gewichtet – und weil die gewählten Gewichte einer gewissen Willkür unterliegen, war ich öfter mal versucht, sie zu ändern.
Zum Glück (?) für mich bin ich aber auch psychologisch überzeugter Antizykliker – mein Drang, den Risikoanteil zu erhöhen war nie so groß wie mitten in der Finanzkrise. Gerade habe ich gar keine Lust darauf.
Sie schreiben: “Zu den psychologischen Problemen: Ja, stimmt. Das ist schwierig. Aber wer in der Hinsicht Probleme hat, verkauft vielleicht auch einen Fonds wie den Arero oder Ihren ETF-D' />achfonds.”
Das gibt mir natürlich wieder Futter für meine These, dass normale Anleger eben doch gut daran tun, sich von einem Profi unterstützen zu lassen. Das ist ja auch schon ein älterer Diskussionsstrang zwischen uns beiden. Und es ist kalr, dass ich das ja mit einem gewissen Eigeninteresse sage, nach dem Motto: Mein Beruf ist es, Menschen bei ihren Finanzen und Geldanlagen zu unterstützen. Und natürlich behaupte ich, dass dieser Beruf sinnvoll ist. Wöre ja seltsam, wenn es anders wäre.
Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens, dass Prof. Weber mich (und wohl auch viele andere Vermögensverwalter) angeschrieben hat und in dem Brief seinen Fonds angepriesen hat. Mich hat dieser Brief von Prof. Weber in mehrerlei Hinsicht sehr verwundert. (Wenn beispielsweise ich einen solchen Bref schreiben würde, hätte ich ruck zuck die größten Schwierigkeiten mit der BAFin (aber möglicherweise gelten ja für Professoren andere Gesetze als für einen Finanzdienstleister (knirsch)…))
Interessant an diesem Brief ist aber, dass Prof. Weber offenbar die Notwendigkeit einer Beratung sieht. So in die Richtung hat er mir übrigens auch danach geantwortet.
Und genau so ist es auch. Wer einfach nur den Weber-Fonds erwirbt, WEIL er in den letzten Monaten eine gute Performance hatte, wird diesen Fonds ebenso schnell wieder enttäuscht verkaufen, wenn es mal nicht so gut laufen wird. Und darauf können wir ja wetten, dass es irgendwann wieder einmal nach unten gehen wird. Wer hier keinen echten Profi als Ansprechpartner hat, wird hier eine ganze Reihe von Fehlern machen.
Erstens: Möglicherweise ist für einen bestimmten Anleger auch heute schon der Arero-Fonds ungeeignet. Z.B. für solche Anleger, die ihre Anlageziele ganz einfach mit Fest- / Tagesgeld erreichen können. Warum sollten sich solche Anleger einem so hohen Risiko aussetzen?
Zweitens: Wenn für einen Anleger heute ein ETF-D' />achfonds richtig ist, dann wird er auch dann richtig sein, wenn sich einmal größere Verluste einstellen. Er muss nämlich VORHER klären, ob er das nötige Sitzfleisch mitbringt (d.h. einen Anlagehorizont von mam besten 10 Jahren) auch einmal schlechte Phasen durchstehen zu können.
David Swensen beschreibt in seinem Buch “Erfolgreich investieren2 sehr gut, wie der Wankelmut Privatanlegern regelmäßig sehr viel Geld kostet. Wenn der Vermögensberater alleine die Aufgabe hat, den Anleger vor seinem Wankelmut zu bewahren, dann geht dadurch schon der Nutzen für jeden Anleger in die mehrere Tausend Euro. Natürlich kann man sagen: “Ach ich spare mir einen Vermögensberater.” Ich kann nur sagen: “Na viel Spaß dabei!” – Und hinterher darf ich dann (oder ein anderer kompetenter Kollege) – wie so oft – die Scherben einsammeln.
Sie schreiben: “Zu den Heuristiken: Ich kenne einfach keine nach strikten, einfachen Regeln aufgebaute Asset Allocation, die besser ist als die nach BIP oder Marktkapitalisierung. Eine willkürliche Festlegung wie 25/25/25/25 mag genauso gut – da es keinerlei sachliche Begründung für sie gibt, ist es aber psychologisch m. E. leichter sie umzuwerfen. “
Ja aber das ist doch genau der Punkt: Die Leute wollen sich selbst belügen. Warum soll eine “willkürlich” zusammengestellte Asset Alocation schlechter sein als eine durch die BIP-Heruistik gefundene Allokation? Warum haben es die Menschen nötig, sich Dinge zu erklären, wofür es keine Erklärung gibt?
Es gibt Versuche etwa derart: A steht gerade am Kopierer und kopiert. B kommt hinzu und fragt höflich, ob er mal vor darf. In den meisten Fällen lehnt A ab. Liefert B aber eine noch so absurde Begründung, wie z.B. “weil ich was kopieren muss” oder sonst ein (noch so dummes) “weil …”, dann machen plötzlich die meisten A’s den Platz frei. Komisch oder?
Anderes Beispiel: Wir lieben es, Kursbewegungen erklären zu können. “Die Aktien sind gestiegen, weil …” “Sie sind gefallen, weil …” Für viele Menschen scheint es unerträglich zu sein, für etwas keine Begründung zu haben.
Und genau in dieselbe Richtung geht das mit der BIP-Herusitik.
Ich für meinen Teil versuche, ehrlich zu mir selbst zu sein. So weit ich das vermag. Nur wenn ich zu mir selbst ehrlich bin, werde ich auch anderen gegenüber ehrlich sein können. So mein Credo. Und wirklich: Gerade im Geldanlage-Bereich kann ich die permanenten Unehrlichkeiten (sehr häufig seltsamerweise von angeblichen Profis vorgebracht, die dann bereitwillig von der großen Mehrheit wiedergekäut wird) nicht ertragen.
Zu den psychologischen Problemen: Kein Widerspruch. Tatsächlich brauchen die allermeisten Privatanleger einen guten (!) Vermögensberater. Der hat sein Geld ja schon dann verdient, wenn er auf ganz grundlegende, aber trotzem häufig nicht beachtete Dinge hinweist: Liquiditätsreserve sicherstellen, Kredite abzahlen, diversifizieren – das sind alles Dinge, mit denen viele einfach überfordert sind (bzw.: sich nie systematisch auseinandergesetzt haben). Das Problem ist eben, dass die allermeisten Privatanleger zwar nicht selbst in der Lage sind, ihr Vermögen zu managen, aber trotzdem keinen guten Anlageberater haben, sondern einen schlechten. Darüber ist in den vergangenen ein, zwei Jahren ja viel berichtet worden. Und das Problem besteht weiter, auch wenn die Honorarberatung langsam an Boden zu gewinnen scheint.
Aber es gibt eben auch Anleger, die den Willen haben, sich selbst eingehend mit Geldanlagedingen zu beschäftigen. Und die kommen möglicherweise auch ohne Berater aus. Aber man muss psychologisch schon gut gewappnet sein und sollte jemanden haben, mit dem man seine Anlageentscheidungen reflektieren kann.
Was die BIP-Heuristik angeht: Wie gesagt, ich verwende die Gewichtung selbst auch nicht. Meine Zielallokation geht eher in die Richtung 15 Prozent Deutschland, 15 Prozent Resteuropa, 15 Prozent Nordamerika, 30 Prozent Emerging Markets, was den Aktienanteil angeht. In der Praxis schleppe ich seit einem Jahr eine Untergewichtung des Nordamerika-Anteils mit mir herum, die ich nicht ausgeglichen habe, weil mein Aktienanteil insgesamt durch die Entwicklungen an Börsen gestiegen ist, ich andere Anlageklassen zukaufen musste und keine Transaktionskosten verursachen und dabei auch noch Steuernachteile erleiden wollte, indem ich Europa verkaufe.
Ich lege aber auch tatsächlich keinen riesigen Wert darauf, dass innerhalb der Anlageklasse Aktien (oder Anleihen oder Immobilien) alles bis aufs letzte Prozent austariert ist. Ich denke allerdings, dass eine Orientierung an einer festen Regel wie BIP-Gewichtung als psychologische Krücke in jedem Fall hilfreich ist.
Denn wie oben schon angedeutet: Ich habe es am eigenen Leib erlebt, dass ich Ende 2008 versucht war, den Risiko-Anteil meines Depots ständig höher zu schieben – und die Tatsache, dass man die Regeln für seine Asset Allocation nun mal selbst festlegt, lässt auch Raum für solche “Optimierungen”. Ich habe dann auch darüber nachgedacht, mich selbst ermahnt und mit meiner Frau darüber geredet, um den Drang im Griff zu halten. Aber das Problem ist eben präsent – gerade in extremen Marktphasen und selbst bei jemandem wie mir, der sich als psychisch ziemlich stabil betrachtet und sich auch intensiv mit dem Problem auseinandergesetzt hatte. Deshalb sind Krücken manchmal nötig.
Einverstanden: Krücken sind nötig. Und wenn einem da die BIPs weiterhelfen, dann soll es mir auch recht sein. Ich selbst verwende ja in meinem Dachfonds auch solche “Krücken”, und zwar indem ich mir ein paar Prinzipien überlegt habe, die mir sinnvoll erscheinen, und dann – diesen Prinzipien gemäß – Soll-Quoten für die verschiedenen Anlageklassen festgelegt habe. So bin ich z.B. zu 27 % Europäische Aktien großer Unternehmen, 15 % USA, 12 % Japan, 9 % Schwellenländer, 9% Roshtoffe, 21% Staatsanleihen etc. gekommen.
Dass es aber z.B. 15% USA ist und nicht 16%, 17% oder 18% – das ist letztlich willkürlich. Und ich habe nicht den Hauch einer Idee, was es bringen sollte, sich hier nach den BIPs zu richten. Außer eben der, dass man sich einer (Schein-)Begründung rühmen kann.
Aber wie gesagt. Ich gebe Ihnen recht: Wichtig ist, dass man sich objektive (am besten quantitative) Kriterien festlegt, und dann möglichst konsequent danach handelt. Das ist vollständig richtig. Ich wende mich nur gegen den Glauben an lustige Studien, die nur Vergangenheitsdaten auswerten, und dann zu netten Verallgemeinerungen gelangen – die letztlich immer falsch sind.
Ich bin ja von der Ausbidlung her Mathematiker. Eine mathematische Theorie fängt normalerweise mit einem Axiomensystem an. Dieses Axiomensystem ist in hohem Maße willkürlich. Und die Mathematiker haben ihren Spaß daran, mal das eine Axiom wegzulassen, mal das andere. Oder mal ganz neue Axiome mit dazuzuenhmen. Der Mathematiker spielt mit dieser Beliebigkeit.
Aber einem Mathematiker ist zuglich eines klar. Sobald man sich (meinetwegen probemweise) auf ein Axiomensystem eingelassen hat, genau in diesem Moment hört jegliche Beliebigkeit auf. Dann folgt alles mit stringenter Notwendigkeit.
Genau so ist es bei der Festlegung der Soll-Quoten für die Asset Allocation. Am Anfang ist alles sehr beliebig. Sobald man aber die Sol-Quoten festgelegt hat und mit der Geldanalge beginnt, hört die Beliebigkeit auf, dann folgt alles einer eisernen Logik – jedenfalls wenn man professionell vorgeht.
“27 % Europäische Aktien großer Unternehmen, 15 % USA, 12 % Japan, 9 % Schwellenländer, 9% Roshtoffe, 21% Staatsanleihen”
Im Vergleich zu einer Allokation nach BIP hält Dr. Petereins eine massive Untergewichtung der USA und der Schwellenländer für sinnvoll. Seine Begründung: Die Schwellenländer schummeln allesamt bei den BIP Zahlen und die USA haben eine so arbeitsteilige Gesellschaft, dass man den Zahlen ebenfalls nicht trauen kann.
Mich überzeugen diese Argumente nicht. Aus meiner Sicht läuft ein solches Vorgehen eher auf eine nicht sehr erfolgsträchtige Regionenwette zugunsten Europas hinaus.
Ich habe früher im Kapitalanlagebereich der Allianz gearbeitet, und bei der Länderallokation hat sich niemand ums BIP geschert. Ferner kenne ich eine ganze Reihe professioneller und institutioneller Anleger, von denen sich auch niemand (wirklich gar niemand) fürs BIP interessiert. Aus welchem Grunde sollte denn das BIP der Maßstab aller Dinge sein?
Auch wenn man in das Buch “Erfolgreich investieren” von David Swensen sieht oder sich die Bücher von Benjamin Graham ansieht, oder das liest, was Warren Buffet geschrieben hat: Nirgendwo findet man einen Verweis darauf, dass eine Gewichtung nach den BIPs zu einer erfolgversprechenderen Anlagestrategie führen würde. Wirklich nirgendwo. Nur in ein paar jüngst erschienen Büchern und Artikeln findet man diese Theorie.
Dass ich, wie sehr viele professionelle Anleger auch, die Allokation nicht an dem BIP orientiere – dafür ist meine Begründung ist NICHT die, die Sie angegeben haben. Die Begründung ist ganz einfach: Ich halte die Orientierung an den BIPs genauso willkürlich, wie die Orientierung an beispielsweise Ländergrößen oder der Größer der Bevölkerung oder was auch immer. Die BIPs sind einfach EINE Möglichkeit, eine Asset Allocation zu bestimmen. Aber es ist NICHT DIE EINZIG selig machende. Sie ist halt momentan gerade in Mode. OK, und da ist es wie immer bei der Geldanlage: Das was gerade in Mode ist, erscheint als das einzig Wahre. Glauben Sie mir, es ist nicht das einzig Wahre. Es gibt viele verschiedene Wege zur Glückseligkeit. Daher finde ich Ihre Aussage anmaßend, die von mir gewählte Allokation sei nicht “erfolgsträchtig”. Immerhin konnte ich mit dieser Gwichtung letztes Jahr eine Rendite von 25,66% erzielen. Und im ersten Quartal 2010 konnte ich so bislang 4,67% erzielen. Wie können Sie das “nicht erfolgsträchtig” nennen?
Für mich gab es eben auch noch andere wichtige Kriterien. Beispielsweise das Fremdwährungsrisiko, oder überhaupt schätze ich die Risiken für Schwellenländer höher ein. Oder das mit Rohstoffen verbunden Risiko schätze ich als relativ hoch ein. Dem müssen Sie nicht folgen, Sie können glauben an was Sie wollen. Aber bitte schreiben Sie mir nicht vor, woran ich glauben soll. In Geldanlage-Dingen gibt es nicht DIE richtige Auffassung. Sie können es gerne auf Ihre Weise probieren, und ich probiere es auf meine. Aber bitte sagen sie nicht, dass meine Weise weniger “erfolgsträchtig” oder schlechter ist als Ihre. Denn wenn Sie ehrlich sind, müssen Sie zugeben, dass keiner von uns beiden es wissen kann.
Und wie gesagt: Solche Investmentlegenden wie z.B. Warren Bauffet oder Benjamin Graham haben sich nicht die Bohne um BIPs geschert. Oder wollen Sie auch hier behaupten, dass deren Anlagestrategien “nicht erfolgsträchtig” gewesen sind?
@ Dr. P.
“Und wie gesagt: Solche Investmentlegenden wie z.B. Warren Bauffet oder Benjamin Graham haben sich nicht die Bohne um BIPs geschert. Oder wollen Sie auch hier behaupten, dass deren Anlagestrategien “nicht erfolgsträchtig” gewesen sind?”
Was haben Graham oder Buffett mit einem passiven, weltweit diversifizierten Portfolio zu tun? Für die Investition in Einzelaktien sind deren Einsichten sicher sehr wertvoll, für ein passives Buy-and-Hold Depot scheinen mir Graham oder Buffett jedoch denkbar schlechte Referenzen zu sein.
Doch zurück zum Thema: Vielleicht gibt es ja gute Gründe die USA und Schwellenländer stark unterzugewichten und stattdessen schwerpunkmäßig auf europäische Large Caps zu setzen. Nur sollte dies auch belastbar argumentiert werden, wenn man im Gegenzug eine Vorgehensweise nach BIP als “grenzenlos naiv” qualifiziert.
Ich will mich gar nicht groß einmischen (meine Meinung zur BIP-Allokation habe ich ja inzwischen ziemlich ausführlich dargelegt…). Nur die Gewichtung in meinem eigenen Portfolio habe ich in einem der Kommentare falsch wiedergegeben (Pazifik vergessen). Ich will mich auch gar nicht in weiteren Einzelheiten ergehen, aber das Depot unterliegt jedenfalls einem leichten Home-Bias und gewichtet die Schwellenländer ganz leicht über, ohne dass es dafür nachvollziehbare Gründe gäbe. Ich bin also ein klassischer Fall von “do as I say, not as I do”.
Ansonsten darf die Diskussion jetzt ohne mich weitergehen, am besten nicht zu verbissen. :)
David Swensen war langjähriger und sehr erfolgreicher Vermögensverwalter des Yale Stiftungsvermögens. In seinem Buch “Erfolgreich investieren” stellt er sich als durch und durch passiven Investor dar. In diesem Buch erörtert er auch Auswahlprinzipien für eine Asset Allokation. Diese Auswahlprinzipien halte ich für vernünftig und daran habe auch ich mich bei meiner Allokation gehalten. In Swensens ganzem Buch werden Sie nichts von BIPs lesen können.
Also: Ein nachweislich erfolgreicher Investor, passiv investierend richtet sich nicht an das BUP-Kriterium. Ich empfinde es als sehr unfair, wenn @Bezahler meint, dass deswegen Swensens (oder eben meine) Allokation nicht “erfolgsträchtig” sei. Mit welcher Berechtigung behaupten Sie das?
Vor etwa 5 Jahren fragten mich immer wieder Leute: “Warum gewichten Sie nicht nach Markowitz?” – Ich antwortete: “Weil ich davon nichts halte.” – “Wie bitte, Sie halten nichts von Markowitz-Optimierung? Immerhin hat Markowitz dafür den Nobelpreis gewonnen. Wenn man ein Portfolio vernünftig strukturieren will, dann kommt nur EINES in Frage: nach Markowitz zu optimieren.” – Meine Antwort: “Markowitz ist eine perfekte Theorie. ABer ind er Praxis nicht anwendbar, weil hier von der Vergangenheit auf die Zukufnt geschlossen wird. Und das halte ich für nicht statthaft. Das wirklich optimale Portfolio erkennen wir immer nur im NACHHINEIN, niemals im vorhinein.”
Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass Markowitz in der Praxis zumeist keine brauchbaren Ergebnisse liefert. Jedenfalls werde ich in den letzten Jahren fast nie mehr darauf angesprochen. Man merkt es: Markowitz ist irgendwie aus der Mode gekommen.
Die neue Mode heißt BIPs. Heute darf ich mit Bezug darauf im wesentlicen dieselben Argumente bringen wie damals bei Markowitz. Und ich würde mich nicht wundern, wenn die Leute in 5 Jahren wieder die BIPs vergessen haben werden und es dann heißt: “Was Sie machen ihre Allokation nicht nach dem X-Kriterium? Das hat sich doch in den und den Studien als hervorragend herausgestellt.”
Zunächst einmal ist ja das mit den BIPs eine Heuristik. D.h. die Verfasser der Studie, auf die sich Prof. Weber bezieht, behaupten durchaus nicht, dass BIPs das einzige Kriterium für eine vernünftige Depot-Zusammenstellung ist. so wird es nur von jenen wiedergegeben, die in die Studie selbst nicht hineingeschaut haben. Es ist eine HEURISITK, d.h. eine praktische Methode ohne Anspruch darauf die alleinige Wahrheit darzustellen. Ich orientiere mich eben an einer anderen Heuristik, nämlich der von David Swensen. Warum soll diese Heuristik schlechter sein? Das zu behaupten, halte ich für unangemessen und unfair.
Sie haben mein Vorgehen als “nicht erfolgsträchtig” bezeichnet. Meinten Sie hier: “nicht erfolgsträchtig” immer zu jeder Zeit? Oder “nicht-erfolgsträchtig” im Vergleich zur BIP-Heuristik? Was genau meinen Sie denn mit “nicth erfolgsträchtig”?
Normalerweise ist es so, dass es bei der Geldanlage verschiedene Arten des Erfolgs gibt. Ja, Rendite ist ein Erfolgskriterium. Hier kommt aber bereits die Frage: Rendite in Euro gerechnet oder in USD? Dann wird aber auch manchmal Sicherhiet, Risiko bzw. die Volatilität als Erfolgskriterien hergenommen.
Ich z.B. wollte keine zu hohes USD-Risiko oder Yen-Risiko eingehen. Das war eines meiner Auswahlkriterien. Ich wende mich nun mal an einen Euro-Anleger. Swensen wendet sich in seinem Buch an USD-Anleger. Dementsprechend hat dort Amerika eine klare Übergewichtung (auch nach dem BIp-Kriterium).
Ich sage: Ja, die BIP-Heuristik ist VIELLCIHT eine gute, erfolgversprechende Methode. Ich leugne das nicht ab. Ich sage nur “vielleicht”. Und ich sage auch, dass es neben der BIP-Methode noch andere Methoden gibt, die VIELLEICHT möglicherweise auch zu guten Ergebnissen führen wird. Ich wehre mich gegen Leute, die behaupten, es gibt nur EINE Wahrheit. Unser Problem ist und bleibt ein erkenntnsitheoretisches: wir müssen heute anlegen mit bezug auf die Zukunft. Aber die Zukunft kennt keiner. Wior haben nicht den Hauch eines Garants, dass bei Geldanlagedingen das, was in der Vergangenheit gut war, auch in der Zukunft gut sein wird. Wir werden immer nur im Nachhinein wissen, was wirklich das Richtige war. Das ist unsere (wenn man will traurige) Situation.
Diese Situation ist für Menschen in der Regel unerträglich. Sie brauchen Leitlinien, vielleicht auch Ideolotien, um sich einzureden, dass die Zukunft nicht ganz so ungewiss ist, wie sie es tatsächlich ist. Und einer der Methoden, die Zukunft als weniger ungewiss erscheinen zu lassen ist beispielsweise die BIP-Methode. Hier kann man sich (wieder einmal) an etwas festhalten. Auch die Atrologie gibt manchem Menschen Halt und ein gutes Gefühl. Aber nur deswegen, weil etwas Menschen Halt und ein gutes Gefühl gibt, muss es deswegen noch nicht wahr sein.
Ich habe mir, das können Sie mir glauben, sehr genaue Gedanken über die Allokation meines Portfolios gemacht. Wenn Sie meine Auswhalkriterien wissen wollen, schlage ich vor, dass Sie das Buch von Swensen lesen. Ich weiß, dass das eine Allokation neben vielen anderen ist. Um zu beurteilen, ob etwas “erfolgsträchtig” ist, müsste man erstensdefinieren, was man unter “Erfolg” versteht. Und zweitens werden wir alle das erst in etwa 15 bis 20 Jahren, welche Allokation heute tatsächlich die beste gewesen ist. Heute muss ich so die Anlageklassen aufteilen, dass mir die Aufteilung so vernünftig wie möglich erscheint. Wenn Ihnen Ihre Aufteilung nach BIPs vernünftig erscheint, OK ich freue mich für Sie. Ich würde niemals sagen, dass dass “nicht erfolgsträchtig” ist. MIR erscheint meine Aufteilung für “erfolgsträchtig”. Sie haben Ihre Meinung – ich habe meine Meinung. Und ich bitte Sie, meine Meinung nicht schlecht zu reden. Können wir uns darauf einigen?
Zwei Punkte:
1. Korrigiere mich hinsichtlich der Formulierung “nicht erfolgsträchtig”. Kann und will nicht beurteilen, ob die vorgeschlagene Europa-Übergewichtung erfolgsträchtig ist. Gleichwohl bleibt es für mich eine Regionenwette.
2. Bin auch der Meinung, dass ein Vorgehen nach BIP durchaus Schwächen hat. Die interessantere Frage ist jedoch: Gibt es eine bessere für den Privatanleger praktikable Alternative? Sie scheinen für sich eine solche Alternative gefunden zu haben (Europa über- und EM und USA untergewichten?) aber gleichzeitig nichts über Ihre Methodik verraten zu wollen. Das ist Ihr gutes Recht. Diskutieren kann man so allerdings nicht.
Ich bedanke mich sehr für die Streichung der Formulierung “nicht erfolgsträchtig”. Die hat mich wirklich sehr geärgert. Also nochmals: Danke.
Zweitens will ich natürlich überhaupt kein Geheimnis daraus machen, wie ich auf “meine” Quoten gekommen bin. Ich habe mich tatsächlich sehr weit gehend an das gehalten, was David Swensen in seinem Buch “Erfolgreich Investieren” geschrieben hab.
Ich habe aber auch schon einmal einen ganzen Beitrag auf meinem Weblog der Frage gewidmet, wie genau ich zu meinen Quoten gekommen bin. Hier der Link: http://geldanlage-finanz-blog.com/2009/0..
Zu Ihrer Frage: “Gibt es eine bessere für den Privatanleger praktikalbe Alternative?” – da antworte ich: Wirklich, lesen Sie mal das Buch von David Swensen. Er wendet sich gerade an den kleinen Privatanleger und versucht diese Frage zu beantworten. Ich finde auch die Antwort, die er gibt (und an die ich mich mit Modifikationen halte) um vieles praktikabler als die BIP-Methode. Und vor allem sie ist “Ideologie-frei” (wenn ich das mal so nennen darf.)
Erst letztens, ich weiß nicht mehr wo genau (FTD oder FAZ) habe ich von einem Wirtschaftsprofessor gelesen, der behauptet, dass in China das BIP stärker wächst als es die chinesischen Aktien tun.
Gerade was die Praktikabilität betrifft ist ja die Frage auch: Nehmen wir die BIPs des letzten Jahres, um fürs nächste Jahr zu investieren. Oder wollen wir mit fürs nächste Jahr geschätzte BIPs arbeiten? Oder wolchen wir den Durchschnitt der BIPs über die letzten 5 Jahre nehmen? Oder einen gleitenden Durchschnitt? Wo soll hier “die Wahrheit” liegen?
Der Punkt ist eben (und das wollte ich von Anfang an klar machen), dass “die” Wahrheit gar keine Rolle spielt. Warum? Weil wir das optimale Portfolio IMMER NUR IM NACHHINEIN erkennen können.
Vor Jahren wurden mir Markowitz-optimierte Portfolios vorgelegt. Teilweise mit über 50% Europa und fast immer 0 Japan. Damals ist keiner auf die Idee gekommen, das als einseitig zu bezeichnen. Es war ja “Markowitz-optimiert” und also über jeden Zweifel erhaben.
Ich freue mich, dass wir uns zumindest ein wenig angenähert haben. Ich bin immer offen für sachliche Diskussionen. Aber eines möchte ich noch sagen: Mein Europa-Anteil kommt auf 35%. Warum das eine einseitige Regionalwette sein soll ist mir nicht klar. Von einem Home Bias spricht man in der Regel, wenn 80- 100 Prozent des Vermögens in Heimatwerte angelegt ist. Also ich bin hier meilenweit von einer Einseitigkeit entfernt. Aber bitte, ich respektiere Ihre Meinung. Wenn IHNEN das zu viel Europa ist, mir solls recht sein.
Ich wollte Ihnen noch einmal beiden für die wirklich spannende und aufschlussreiche Diskussion danken. Ich denke, sie ist wertvoller als der Artikel selbst. Gegen meine Gewohnheit habe ich deshalb auch mal meinen eigenen Artikel bewertet.
Über Ostern ist mir noch eine Art Metapher eingefallen für das, was ich eigentlich sagen wollte.
Nehmen wir an, Herr A und Herr B spielen ein Spiel, das folgendermaßen ausgestaltet ist. Zunächst wird ein Würfel 10 Mal hintereinander geworfen. Danach müssen A und B einen Tipp geben, welche Zahl bei den nächsten 10 Würfen am häufigsten kommt.
Nehmen wir weiter an, dass in einer solchen konkreten Spielsituation bei den ersten 10 Würfen bemerkenswert häufig die Drei geworfen wird. A sagt nun: “Also ich konnte beobachten, dass statistisch signifikant häufig die Drei kam, also gibt es für mich eine gute Begründung, dass auch die nächsten 10 Mal die Drei häufiger geworfen werden wird. Also setze ich – mit dieser Begründung- auf die Drei.”
B hingegen sagt: “Sorry, ich glaube nicht, dass das eine gute Begründung. Ich wähle einfach die Zwei und weiß, dass ich genauso gut die Vier oder Fünf wählen könnte.”
A sagt nun: “Ja, aber mit welcher BEGRÜNDUNG wählst du denn die Zwei aus. Dieser Tipp ist doch statistisch durch nichts gerechtfertigt. Die Drei ist doch offensichtlich deswegen richtig, weil sie in der Vergangenheit besonders häufig gekommen ist. Das ist dDER RICHTIGE Tipp. Dein Tipp ist falsch, weil du keine Begründung hast.”
B: “Ich gaube eben, dss du dir mit dieser ‘Begründung’ nur etwas vormachst. Dass es bei diesem Spiel einfach nicht statthfaft ist, von den vergangenden zehn Würfen auf die künftigen zehn Würfe zu schließen. Nicht, dass du auf die Drei setzt, halte ich für einen Irrtum, sondern deine Begründung halte ich für einen Irrtum. Und überhaupt dass du glaubst, dass man hier etwas begründen muss.”
Genau so ist meine Position. Eine BIP-Gewichtung kann man meiner Meinung machen. Sie ist aber nicht richtiger oder falscher als andere Gewichtungen (sofern sie nicht zu sehr aus dem Ruder laufen – aber das ist ein anderes Thema). Ich halte es aber nicht richtig, von einer Studie, die auf Vergangenheitsdaten beruht, auf künftige Entwicklungen schließen zu wollen. Dieser Glaube ist leider in Geldanlage-Dingen sehr weit verbreitet. Er ist aber ohne Frage falsch (und manchmal bezeichen ich diesen Glauben auch als “naiv”, wobei ich mich sofort entschuldigen möchte, wenn ich jemanden damit möglicherweise verletze).
Das trifft es sicher. Ich fürchte nur, dass man letzten Endes doch immer ein bisschen darauf angewiesen ist, Schlüsse aus der Vergangenheit zu ziehen. Dass Aktien eine höhere erwartete Rendite haben als Anleihen mag sich noch theoretisch begründen lassen. Aber schon die Argumentation, dass passives Investieren dem aktiven Management überlegen ist, stützt sich doch ganz wesentlich auf Vergangenheitsdaten – und weniger auf logische Schlussfolgerungen, oder?
Nein, das stimmt nicht. Bereits im Jahre 1900 (also über 100 Jahre her) hat der französische Mathematiker logische, theoretische, mathematische Argumente gebracht, warum man als Anleger nicht erwarten darf, den Markt zu schlagen. Es gibt also erstens starke theoretische Argumente dafür, nicht ans aktive Management zu glauben.
Bachelier formuliert es so: “Spekulation hat einen Ertragswert von Null, abzüglich der Kosten der Spekulation.”
Diese Aussage ließe sich widerlegen, wenn man einen langen Zeitraum finden würde, in dem im Schnitt mit Spekualtion anch Kosten ein positiver Mehrwert erwirtschaftet worden wäre. solche Zeiträume konnten bislang nicht gefunden werden. Umgekehrt ist diese Tatsache, dass man solche Zeiträume nicht gefunden hat, auch keine Beweis für die Richtigkeit von Bacheliers Satz. Das ist wieder einmal eine logische Sache.
Eine allgemeine Behauptung (z.B. “alle Männer sind Schweine”) kann man nicht belegten durch noch so viele einzelne Belege beweisen, also z.B. “Hans ist ein Schwein”, “Egon ist ein Schwein”, “Hubert ist ein Schwein” .. also stimmt die Aussage. So geht es einfach nicht.
Komischwerweise wird im Finanzbereich in der Regel von EINEM Besipiel auf einen verallgemeinerten Zusammenhang geschlossen. Also ich erlebe EiNMAL “Hans ist ein Schwein” ALSO sind ALLE Männer Schweine. So auch mit den BIPS. Die Studie ging denke ich bis in die 1970er Jahre zurück. Das sind dann, sagen wir, 3 Dekaden. Also 3 Stichproben (ähnlich “1. Hans ist ein Schwein”, “2. Hugo ist ein Schwein”, “3. Egon ist ein Schwein). Und aufgrund dieser 3 Stichproben wird dann verallgemeinert: “AHA, drei Mal hats gestimmt, also wird es wohl immer stimmen!”
So kann man doch nicht schließen. Stellen Sie sich vor, so würde man Medikamente testen. Nach dem Motto. “Wir haben Medikament X drei Mal geteste, und drei Mal sind die textpersonen gesund geworden.” Würden Sie aufgrund dessen jetzt diesem Medikament vertrauen?
Nur, wie gesagt, im Finanzbereich wird elementare Logik regelmäßig über Bord geschmissen. Seltsam, oder?
Hallo,
ich wollte nur eben kundtun, dass ishares mittlerweile einen ETF auf den MSCI All Country World Index (ACWI) anbietet und eine kleine Diskussion anregen, ob dieser ETF ggf. einen ETF auf den MSCI World und auf den MSCI Emerging Markets ersetzen kann. Meinungen?
Gruß Hans
Hallo Hans,
ich glaube, es gibt inzwischen sogar eine Reihe verschiedener Anbieter, die ACWI-ETFs im Programm haben. Meine Meinung: So ein ETF erspart einem viel Arbeit, und man hat keine wesentlichen Nachteile dadurch. Man hat halt dann ein Depot, das konsequent nach Marktkapitalisierung gewichtet ist. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, darüber streiten die Experten. Aber wenn man wirklich einfach und zugleich gut diversifiziert anlegen will, sollte man diese Möglichkeit ernsthaft ins Auge fassen, denke ich.
Andere Meinungen?
Viele Grüße
Hallo Holger,
welche Anbieter haben denn noch ACWI-ETFs im Programm? Habe noch keinen weiter gefunden…
Gruß, Hans
Hallo Hans,
SPDR bietet einen ETF auf den MSCI AWCI (ISIN IE00B44Z5B48) und einen auf den MSCI ACWI IMI (ISIN IE00B3YLTY66) an, Lyxor hat einen auf den MSCI ACWI (ISIN FR0011079466) im Angebot, außerdem gibt’s von UBS einen ETF auf den MSCI ACWI Risk-weighted (zugegeben, kein Standard-Index), ISIN IE00B6VS8T94. Falls Du viel Geld hast, gibt’s für den auch noch eine auf Institutionelle zugeschnittene Anteilsklasse. ![]()
Viele Grüße
Peterreins behauptet oben, das optimale Portfolio sei erst im nachhinein erkennbar, niemals im vorhinein. In dem Sinne, wie Peterreins den Begriff der Erkenntnis gebraucht, ist überhaupt nichts erkennbar, und damit auch nicht das optimale Portfolio im nachhinein (ich gehe natürlich davon aus, dass “nachhinein” eine endliche Zeit danach bedeutet und Peterreins keinen Weg gefunden hat, außerhalb der gesamten Zukunft zu stehen). Denn die Zukunft ist auch “im nachhinein” noch nicht abgeschlossen und der nächste Augenblick kann immer alles komplett ändern. Außerdem lässt sich an den Kursen auch “im nachhinein” nicht das wahre Risiko ablesen, sondern nur über die Volatilität annähern. (wenn mit einer W. von 1/10 ein Totalverlust eintritt und mit einer W. von 9/10 der Kurs unverändert bleibt, dann ist da ein ziemliches Risiko dahinter, das sich aber höchstwahrscheinlich nicht im Kursverlauf äußern wird) Umgekehrt kann man sehr wohl “erkennen” (im Sinne von Vermutungen anstellen, die mit der Wirklichkeit übereinstimmen können oder ihr zumindest sehr nahe kommen können), wie die zukünftigen Kennzahlen sind, und dann die Portfoliooptimierung ohne Rückgriff auf die Vergangenheit vornehmen. Peterreins lässt sich hier einfach von seien falschen philosophischen Vorstellungen hinters Licht führen.
Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass der Markt genau diese Portfoliooptimierung durchführt, und dass das “Marktportfolio” aller Güter überhaupt gerade das optimale Verhältnis von Risiko und Rendite hat. Warum? Der Wert von Gütern macht eine Aussage über die Summe der abgezinsten zukünftigen Erträge, die damit voraussichtlich erzielt werden. Im Marktportfolio sind dann alle zukünftigen Erträge richtig gewichtet und Änderungen in der Vorhersage können daher keine unnötigen Schwankungen verursachen. (Ist hingegen irgendetwas gegenüber dem Marktportfolio anders, so ist mindestens irgendein zukünftiger Ertrag zu stark gewichtet, und wenn sich die Vorhersage ändert, würde sich das unnötig stark auswirken).
Das “Marktportfolio” geht allerdings weit über den Aktienmarkt hinaus; es stellt sich also die Frage, wie es sich am besten mit den am Aktienmarkt verfügbaren Mitteln abbilden lässt. Dafür ist eine BIP-Gewichtung erstmal die naheliegende Idee. Sie hat allerdings ein paar Haken: 1. Man kann nicht Länder mit Aktien dieser Länder gleichsetzen; relevant sind Zahlungsströme, die in dem Land erzielt werden und oft haben Aktienunternehmen Zahlungsströme in anderen Ländern. 2. Der Investor hat seine Einnahmen und Ausgaben in einer bestimmten Währung, und unterliegt damit einem Währungsrisiko gegenüber anderen Erträgen. 3. Der Investor hat einen begrenzten Zugriff auf Investmentprodukte; in der Regel zahlt er höhere Gebühren für internationale Aktienanlagen als für lokale.
Bezieht man diese Faktoren alle mit ein, dann gelangt man durchaus in die Richtung dessen, was Peterreins selbst vorschlägt. Nur kann man dann auf die philosophisch falsche Behauptung verzichten, man müsse die Ansicht vertreten, “die Zukunft kennt keiner” und man müsse den Standpunkt kritisieren, es gebe “nur EINE Wahrheit”. Peterreins hat Recht, dass die Zukunft ungewiss ist, aber er verkehrt diese Wahrheit ins Gegenteil, wenn er daraus die skeptische Einstellung herleitet, Aussagen über die wirtschaftliche Zukunft seien quasi sinnlos und nur ein irrationaler Halt, an den sich die Menschen in ihrer angeblich so ausweglosen angeblichen Totalunwissenheit über die wirtschaftliche Zukunft klammern. Ich hoffe, Peterreins nimmt es sportlich, dass ich mir die Freiheit rausnehme, seine philosophischen Meinungen “schlecht zu reden”.
Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass der Markt genau diese Portfoliooptimierung durchführt, und dass das “Marktportfolio” aller Güter überhaupt gerade das optimale Verhältnis von Risiko und Rendite hat. Warum? Der Wert von Gütern macht eine Aussage über die Summe der abgezinsten zukünftigen Erträge, die damit voraussichtlich erzielt werden. Im Marktportfolio sind dann alle zukünftigen Erträge richtig gewichtet und Änderungen in der Vorhersage können daher keine unnötigen Schwankungen verursachen.
Hallo Anonymous,
ich will nicht einfach fragen: Warum? Aber letztlich läuft es darauf hinaus. Wieso meinen sie, dass der Markt von selbst die zukünftigen Erträge richtig gewichtet? Folgen Sie damit nicht einfach einem sehr umstrittenen wirtschaftswissenschaftlichen Glaubenssatz?
Viele Grüße
Holger,
Im Marktportfolio aller Güter überhaupt sind alle zukünftigen Erträge richtig gewichtet im Bezug auf die Vorhersagen, die (wie weiter vorne im Zitat angesprochen) der Wert von Gütern darüber macht. Diese Vorhersagen selbst können falsch sein; der Markt ist natürlich fehlbar. Und deshalb können selbstverständlich im Marktportfolio die zukünftigen Erträge auch falsch gewichtet sein im Bezug auf die Erträge, die dann in Zukunft tatsächlich erzielt werden. Nur deshalb kann es überhaupt erst die genannten Änderungen in der Vorhersage geben. Das heißt aber weder, dass es einfache Möglichkeiten gibt, bessere Vorhersagen zu machen, noch, dass die Vorhersagen notwendigerweise falsch, schlecht oder nicht ernstzunehmen sind.
Ich mag übrigens den Begriff “Glaubenssatz” nicht. Er suggeriert, dass Erkenntnistheorie irgendetwas anderes als Sophisterei ist, und sich insbesondere damit Aussagen in Glaubensaussagen und in Wissensaussage unterteilen ließen. Typischerweise wird damit nämlich nur implizit die höchst problematische Behauptung aufgestellt, Glaubensaussagen seien angeblich nicht rational diskutierbar, sondern eine Frage des Glaubens.
Hallo Anonymous,
der Begriff “Glaubenssatz” ist natürlich etwas unglücklich und einer ernsthafen Diskussion nicht unbedingt zuträglich. Aber Sie haben es ja auch so hinbekommen. ![]()
Aber ist das
Das heißt aber weder, dass es einfache Möglichkeiten gibt, bessere Vorhersagen zu machen, noch, dass die Vorhersagen notwendigerweise falsch, schlecht oder nicht ernstzunehmen sind.
nicht etwas völlig anderes als das:
Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass der Markt genau diese Portfoliooptimierung durchführt, und dass das “Marktportfolio” aller Güter überhaupt gerade das optimale Verhältnis von Risiko und Rendite hat.
Dass ein (in realistischen Grenzen umgesetzes) Marktportfolio eine ziemlich gute Möglichkeit ist, sein Geld anzulegen, habe zumindest ich ja nie bestritten – hoffe ich jedenfalls.
Viele Grüße
Holger,
Natürlich ist meine eine Aussage etwas anderes als meine andere, weil sie verschiedene Aspekte betrachten. Aber sie widersprechen sich nicht. Der Markt sagt u.a. zukünftige Erträge voraus. Diese Vorhersage steckt zwangsläufig implizit in den Güterpreisen. Das Portfolio sämtlicher Güter überhaupt muss dann im Bezug auf diese Vorhersage das optimale Verhältnis von Risiko und Rendite haben. Wie schon gesagt, ist der Markt fehlbar und deshalb ist dieses Portfolio natürlich üblicherweise nicht optimal hinsichtlich der tatsächlichen anfallenden Erträge, da diese üblicherweise von der Vorhersage abweichen.
Natürlich behaupte ich nicht, Sie hätten etwas bestritten. Meine Aussagen bezogen sich auf Peterreins, nicht auf Sie. Wie bereits gesagt: Ich teile im Großen und Ganzen die Sicht von Peterreins, was die Portfolioaufteilung angeht, die er letztendlich empfiehlt. Ich teile jedoch nicht seine Behauptung, wie diese vernünftigerweise zu erklären ist. Peterreins behauptet ja, über die ökonomische Zukunft könne man nichts wissen und es gäbe daher überhaupt keine Bezüge zwischen Portfolioaufteilung und Markt. Das ist in etwa wie der Fehlschluss, man könne über das Wetter von nächster Woche nichts wissen, weil man die Wettervorhersage von morgen, übermorgen etc. für nächste Woche nicht kennt, und daher sei die Wettervorhersage von heute für nächste Woche irrelevant für die Planung.
Ich teile wohlgemerkt gar nicht den von Ihnen so genannten “Glaubenssatz”, der ja darauf hinausläuft, der Markt habe immer recht. Dennoch verteidige ich die Möglichkeit, den Satz rational zu diskutieren.








Die Markowitz-Optimierung ist ein perfekter mathematischer Optimierungs-Algorithmus. Das Problem ist nur: “garbage in, garbage out”. Zu deutsch: “Datenmüll rein, Datenmüll raus”. In den Algorithmus muss man nämlich als Input einfüttern: _zukünftige _erwartete Renditen, _zukünftige _Volatilitäten, _zukünftige _Korrelationseffiziengen. Jetzt weiß leider niemand, wie beispielsweise die Volatilität der BMW-Aktie in den nächsten 10 Jahren sein wird. Noch schwieriger wird es bei den Korrelationen, etc.
Was macht man dann in seiner Not? Man greift einfach auf Vergangenheitsdaten zurück, wendet ein wenig Statistik an und schließt dann fröhlich von der Vergangenheit auf die Zukunft. Deswegen kommt bei Markowitz immer Müll heraus.
Denn die Frage ist schon: Welche Vergangenheit nehmen wir. Nimmt man die letzten 5 Jahre als Basis kommen andere Zahlen heraus im Vergelich zu einem 10-Jahres-Zeitraum.
Ich schätze die Bücher von Prof.Martin Weber sehr, aber das mit den BIPs halte ich für grenzenlos naiv.
Kritikpunkt Nr. 1: Gerade im Zusammenhang mit der Griechenland-Krise haben wir lernen dürfen, dass die BIP-Zahlen bisweilen getürkt sind. Dazu kommt, dass die verschiedenen Länder andere Methoden haben “ihr” BIP zu bestimmen. Die Chinesen rechnen sicher anders als die Deutschen. Und die wieder anders als die Amerikaner.
Kritikpunkt Nr 2: Eine Volkswirtschaft (wie z.B. die USA), in der die Unternehmen viel “outgesourct” haben, ist das BIP immer deutlich höher als bei solchen Volkswirtschaften (wie z.B. Deutschland), wo weniger ausgelagert wird.
Fazit: es grenzt wirklich an grenzenloser Naivität, das BIP als Maßstab für seine Anlageentscheidungen herzunehmen. OK, es ist eine Heuristik. Eine solche Heuristik ist aber auch nicht viel besser, als wenn man einfach sagt: “Naja, ich nehmen mal 25 % Europa und 20% USA”. Das mit den BIPs schafft nur eine Schein-Genauigkeit, die faktisch nicht da ist und sogar ohne Bedeutung ist.
Kritikpunkt Nr. 3 an dem Vorgehen: Auch hier wird – wieder einmal – von der Vergangenheit auf die Zukunft geschlossen. OK, die Studie nimmt einen sehr langen Zeitraum, von 1973 bis 2007. Dadurch soll wohl suggeriert werden: Je länger, je besser. Warum eigentlich? Vielleicht ist die Welöt in den 1970er Jahren eine ganz andere gewesen als heute und in der Zukunft. Und wohlgemerkt: Bei Anlageentscheidungen geht es um dei ZUKUNFT (nicht um die Vergangenheit).
Zum Schluss, lieber “Privatanleger”, schreiben Sie, dass man die Umsetzung einer Re-Balancing-Strategie mit ETFs kostengünstiger selbst hinbekommen kann. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Bei kleinen Vermögen schlagen die Mindest-Transaktionskosten in voller Wucht zu. Und bei etwas größeren die Abgeltungsteuer. Denn bei jedem Re-Balancing fällt dann ca. 28% Steuer auf die erzielten Kursgewinne an. Innerhalb eines Fonds ist solches Re-Balancing steuerfrei. Erst wenn Anteile des Fonds verkauft werden, fällt dann Abg.steuer an (=>Steuerstundungseffekt).
Ich glaube auch deswegen nicht daran, dass ein typischer Privatanleger die antizyklische Re-Balancing-Strategie durchhält, weil sie komplett gegen das normale Gefühl der meisten Menschen geht. Man muss das verkaufen, was gut gelaufen ist, und das nachkaufen, was schlecht gelaufen ist. Welcher Privatanleger schafft denn das psychologisch? Aus meiner langjährigen Erfahrung sage ich: Die Leute handeln gnadenlos prozyklisch. Vor einem Jahr z.B. als der DAX seinen Tiefpunkt erreichte, habe ich fast nur mit Leuten gesprochen, die panikartiv verkaufen wollten. Fast jeder sagte: das wird alles noch viel, viel schlimmer. Heute kaufen die Leute wieder Aktien. Warum? Weil sie in den letzten Monaten gut gelaufen sind. Sorry, ich glaube einfach nicht, dass es der typische Anleger schafft über seinen Schatten zu springen.