Buchbesprechung: Grundsätze soliden Investierens

Viele Stärken, ein paar Schwächen - ein sehr empfehlenswertes Buch

Hannes Peterreins ist nicht nur Vermögensverwalter, Honorarberater und Blogger - er hat auch ein Buch geschrieben. Das trägt den Titel "Grundsätze soliden Investierens" und ist ein gutes Buch mit kleinen Schwächen.

Der Aufbau von "Grundsätze soliden Investierens"

Das Buch ist 196 Seiten schlank. Wer, so wie ich, Bücher mag, die auch noch das letzte Detail ausleuchten, wird beim Blick auf die Seitenzahl also womöglich skeptisch sein. Kann ein Anlagebuch auf nicht einmal 200 Seiten tatsächlich die Fallen darstellen, die unsere eigene Psyche uns auf dem Weg zu einer erfolgreichen Geldanlage stellt, anschließend die im Titel genannten Grundsätze soliden Investierens erklären und am Ende auch noch ein "kleines Lexikon der Geldanlage bieten"?

Exakt das versucht Peterreins nämlich: Etwa 15 Seiten umfasst der erste Teil, "Vorsicht Falle! Wie Intuition zu Fehlentscheidungen verleitet". Auf den nächsten gut 50 Seiten geht es um die "Grundsätze soliden Investierens", das "kleine Lexikon" nimmt schließlich 100 Seiten ein.

Die Stärken des Buches

Bei einer solchen Aufteilung liegt der Verdacht nahe, dass vieles angerissen, aber nichts wirklich zufriedenstellend erklärt ist. Dieser Falle entgeht Peterreins allerdings geschickt. Das wird schon im ersten Teil des Buches deutlich: Die Darstellung psychologischer Fallen wie der mentalen Kontoführung, der Mustererkennung oder der Kontrollillusion ist kompakt, aber sehr verständlich - und ausreichend detailliert. Und falls sich jemand für weiterführende Literatur interessiert, gibt der Autor seine Quellen an.

Dieser Stil setzt sich im zweiten Teil fort. "Grundsätze soliden Investierens" mag leicht akademisch klingen, das Buch selbst ist aber durchgehend sehr verständlich und angenehm zu lesen. Aus der akademischen Welt hat Peterreins sich nur die vorteilhaftesten Arbeitstechniken geborgt. Das sind vor allem eine stringente Argumentation und immer wieder auftauchende Verweise auf weiterführende Literatur.

Inhaltlich sind die zehn von Peterreins herausgearbeiteten Grundsätze ohnehin sehr sinnvoll (Achtung, Bandwurmsatz): Anleger sollten sich

  1. überlegen, welche Ziele sie verfolgen,
  2. ihr Risiko minimieren,
  3. Vorsicht beim Umgang mit Vergangenheitsdaten walten lassen,
  4. sich bewusst sein, dass Kapitalmarktprognosen wertlos sind,
  5. nicht erwarten, den Markt zu schlagen,
  6. ihre Gebühren minimieren,
  7. ihr Vermögen diversifizieren,
  8. den Anlagehorizont ihrer Vermögensziele beachten,
  9. ihr Risiko managen und
  10. stets eine innere Distanz bewahren.

Die gleichen Stärken wie der Rest des Buches weist auch das kleine Anlagelexikon auf. Es bietet einen guten Überblick über verschiedene Anlageformen, wichtige Institutionen des Finanzmarktes und sogar einige finanzmathematische Methoden. Und trotz seiner Kürze bietet es Mehrwert auch für diejenigen Leser, die tiefer in die Materie eintauchen wollen - der Verbindung von differenzierter Argumentation und hilfreichen Literaturhinweisen sei Dank.

Die Schwächen des Buches

So entpuppen sich Befürchtungen über den möglicherweise zu geringen Umfang des Buches als Fehl am Platze. Dennoch: Völlig ohne Schwäche ist "Grundsätze soliden Investierens" nicht. So fehlt dem Buch ein wenig der rote Faden, der die einzelnen Teile zusammenhält. Jeder Teil für sich ist wertvoll - aber sie stehen relativ unverbunden nebeneinander. Natürlich bauen die Grundsätze des Investierens auf den psychologischen Erkenntnissen aus dem ersten Teil auf, und natürlich rekurriert der Autor auch im Anlage-Lexikon immer wieder auf seine Grundsätze. Aber das Gefühl bleibt: Die vielen guten Informationen fügen sich nicht zu einem großen Ganzen zusammen. Dieses Gefühl mag auch damit zusammenhängen, dass Peterreins anders als Autoren wie Bernstein, Kommer oder Malkiel auf die Zusammenstellung eines oder mehrerer konkreter Musterdepots verzichtet. Das ist aus Sicht des Autors verständlich - er vertritt die durchaus vernünftige Ansicht, dass Privatanleger sich von Fachleuten helfen lassen sollten. Für Leser, die sich selbst helfen wollen, limitiert es aber den Nutzwert des Buches.

Die einzige andere Schwäche von "Grundsätze soliden Investierens" sind einzelne Kapitel des Anlage-Lexikons, deren Argumentation mich nicht vollends überzeugt. Das mag daran liegen, dass ich den in diesen Kapiteln besprochenen Anlageformen grundsätzlich eher skeptisch gegenüberstehe. Es geht um (notorisch intransparente) Hedgefonds und Zertifikate. Im Falle der Hedgefonds behauptet Peterreins etwa: "Während sich bei herkömmlichen Fonds die Gebühren dramatisch negativ auf die zu erwartende Wertentwicklung auswirken, sind gute, teure Hedgefonds wohl ihr Geld wert." Nur echte Belege liefert er dafür nicht. Ähnlich verhält es sich bei Geschlossenen Immobilienfonds. Und auch wenn es um Deep-Discount-Zertifikate geht, darf man zumindest an seiner Argumentation zweifeln. Peterreins schreibt nämlich, die Wertentwicklung dieser Zertifikate sei für Privatanleger gut nachvollziehbar. Ich bin anderer Auffassung - auch wenn das im Vergleich zu vielen anderen Zertifikaten sicher richtig ist.

Fazit: Ich möchte es nicht mehr missen

Das sind allerdings eher Kleinigkeiten - schließlich verschweigt der Autor auch die Nachteile der genannten Anlageprodukte nicht. Für mich mindern sie den Wert des Buches ebenso wenig wie der ein wenig fehlende rote Faden. Denn "Grundsätze soliden Investierens" kann verschiedenen Anlegern auf verschiedene Weise helfen. Einsteigern bietet es einen kompakten Überblick über die Probleme der Geldanlage und die verschiedenen Anlageklassen. Fortgeschrittenen kann es als übersichtliches Nachschlagewerk dienen. Und wer sich mit einzelnen Themenkomplexen wirklich intensiv befassen möchte, der findet viele weiterführende Literaturhinweise.

  • Hannes Peterreins: "Grundsätze soliden Investierens", Gabler 2008, 29,90 Euro

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