Gehören Aktien in ein konservatives Depot?

Ich war ziemlich überrascht, als ich bei William Bernstein zum ersten Mal gelesen habe, dass auch im risikoärmsten Portfolio noch ein geringer Aktienanteil von vielleicht 10 Prozent enthalten ist. Noch überraschter war ich, als Malkiel us-amerikanischen Rentnern einen Aktienanteil von 30 bis 35 Prozent empfohlen hat, um ihr Kapital dauerhaft zu erhalten. Schließlich sind für viele risikoscheue Anleger Aktien komplett tabu. Aber ist das eine gute Einstellung?

Die Frage zu stellen ist einfach; sie zu beantworten ziemlich kompliziert. Das gilt erst recht, wenn man weder Mathematiker noch Investmentprofi ist und keinen Zugang zu wirklich langfristigen Daten über das Verhalten verschiedener Portfolios hat.

Trotzdem wollte ich selbst einmal testen, wie sich ein einfaches Depot aus einem weltweit diversifizierten Aktienfonds und einem Anteil Staatsanleihen bester Bonität in einem wirklich schlechten Jahr verhalten hätte. Das wirklich schlechte Jahr haben wir gerade hinter uns – es war das Jahr 2008, das Jahr der Finanzkrise. Und zwei ETFs, die die genannten Kriterien erfüllen, sind auch leicht zu finden. Ich habe mich für den MSCI-World-ETF von DB X-Trackers und den iBoxx €-Zone Souvereigns 7-10 aus dem gleichen Haus entschieden. Letzterer bildet die Entwicklung eines Korbes von Staatsanleihen aus der Eurozone mit mittlerer Laufzeit ab. Beide haben den Vorteil, dass sie thesaurierend sind. Also werden Dividenden und Zinsen direkt wieder angelegt. Das vereinfacht die Berechnung.

Das Verhalten des Musterdepots im Jahr 2008

Der MSCI-World-ETF hat im vergangenen Jahr ca. 39 Prozent verloren, der Renten-ETF dagegen hat ein Plus von 11 Prozent verbucht. Wie aber hätte sich ein Portfolio aus den beiden Fonds im Vorjahr verhalten? Die folgende Aufzählung gibt einen Überblick:

  • 100 Prozent Renten / 0 Prozent Aktien: +11 Prozent
  • 90 Prozent Renten / 10 Prozent Aktien: +6 Prozent
  • 80 Prozent Renten / 20 Prozent Aktien: +1 Prozent
  • 70 Prozent Renten / 30 Prozent Aktien: -4 Prozent
  • 60 Prozent Renten / 40 Prozent Aktien: -9 Prozent
  • 50 Prozent Renten / 50 Prozent Aktien: -14 Prozent
  • 40 Prozent Renten / 60 Prozent Aktien: -19 Prozent
  • 30 Prozent Renten / 70 Prozent Aktien: -24 Prozent
  • 20 Prozent Renten / 80 Prozent Aktien: -29 Prozent
  • 10 Prozent Renten / 90 Prozent Aktien: -34 Prozent
  • 0 Prozent Renten / 100 Prozent Aktien: -39 Prozent

Für meinen Geschmack wird es spätestens bei einem Aktienanteil von 70 Prozent eher ungemütlich, aber das mögen andere anders sehen. Was mich überrascht hat: Selbst mit 20 Prozent Aktien im Depot hätte man im vergangenen Jahr noch ein kleines Plus gemacht – natürlich nur vor Inflation und Steuern. Aber dennoch. 20 Prozent Aktien sind also auch für sehr risikoscheue Anleger in einem sehr schlimmen Jahr zu verkraften.

10 Prozent Aktien im Depot können nicht schaden

Meine persönliche Meinung bleibt also bestehen: Jeder, der langfristig Geld anlegt, sollte wenigstens einen Aktienanteil von 10 Prozent wagen – weil das praktisch kein Wagnis ist. Eventuelle Kursschwankungen können durch Staatsanleihen ausgeglichen werden, dafür besteht die Möglichkeit auf Teilhabe an der Rendite des Aktienmarktes. Und zugleich besteht die Möglichkeit, schlechte Renditen von Anleihen auszugleichen.

Natürlich soll das niemand als Empfehlung verstehen – es gibt sicher Ausnahmen zu dieser Regel. Aber genauso wie niemand das Risiko des Aktienmarktes unterschätzen sollte, sollte auch niemand das Risiko überschätzen. Und erst recht sollten sich nicht breite Bevölkerungsschichten vom Aktienmarkt abwenden, weil gerade ein hartes Jahr hinter uns liegt. Wer klug und vorsichtig in Aktien investiert, der braucht vor dem Risiko nämlich keine Angst zu haben.

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vier Kommentare

peterreins

Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht der Meinung bin, dass Aktien in ein konservatives Portfolio gehören. Zunächst einmal: Wenn jemand so konservativ ist, dass er überhaupt kein Verlustpotenzial haben möchte (und solche Menschen gibt es genug), denen bleibt nichts anderes übrig als ihr Geld in Tagesgeld Festgeld oder das gute alte Sparbuch anzulegen. Man kann jetzt darüber streiten, ob das real, d.h. nach Inflation, auch wieder ein Minus zur Folge haben wird. Nominal jedoch wird ein Anleger hier keine Verluste zu befürchten haben.

Wenn jemand durchaus etwas mehr Risiko bereit ist zu übernehmen, sichh aber dennoch als konservativ bezeichnet, dann ist die nächste wichtige Frage die nach seinem Anlagehorizont. Wenn jemand dann sagt, so auf Sicht von 10 Jahren und mehr anzulegen, dann halte ich Aktien für vertretbar.

Sehr viele Anleger, die sich konservativ nennen, haben aber einen deutlich niedrigeren Anlagehorizont. Sagen wir 3 bis 5 Jahre. Und da halte ich selbst eine Aktien-Beimischung von 10% für komplett falsch. Denn niemand stekct drin, ob nicht gerade die nächsten 3-5 Jahre ein extremer Bärenmarkt sein wird.

Die Frage ist dann natürlich: Was kann man jemanden empfehlen, der zwar ein wenig Risiko haben will, aber auch nicht zu viel, und vor allem nur auf Sicht von 3-5 Jahren anlegen will? Meine Antwort lautet: Die short-Put-Strategie.

peterreins, (E-Mail ) (URL) - 07-09-’09 17:54
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