Wie funktioniert ein Rohstoff-ETF?
Manchmal geben einem Google-Keywords interessante Anregungen für Artikel. Vor ein paar Tagen zum Beispiel ist jemand auf dieses Blog gestoßen, weil er bei Google "wie funktioniert ein rohstoff etf" eingegeben hat. Eine zufriedenstellende Antwort dürfte er nicht gefunden haben. Aber vielleicht kann man das ja ändern. Also: Wie funktioniert nun so ein Rohstoff-ETF?
Rohstoff-ETFs bilden die Wertentwicklung von Rohstoff-Futures ab
Der erste Schritt zur Erklärung der Funktionsweise ist, genau zu sagen, um welche Art von Rohstoff-ETFs es hier geht: nicht um ETFs, die einen Rohstoffaktien-Index abbilden nämlich. Sondern um ETFs, die versuchen, die Wertentwicklung von Rohstofffuture-Indizes nachzuvollziehen. Solche Indizes sind beispielsweise der DJ UBS Commodity Index oder der S&P Goldman Sachs Commodity Index.
Futures sind Terminkontrakte. Wer zum Beispiel einen Öl-Future kauft, der erwirbt damit das Recht auf die Lieferung von Öl zum Zeitpunkt der Fälligkeit des Futures (und übernimmt die Pflicht, das Öl dann auch abzunehmen). Dass Rohstoff-ETFs letztlich in Futures investieren statt direkt in Rohstoffe, ist ein wichtiger Punkt - denn die Futures vollziehen nicht eins zu eins die Entwicklung der Rohstoffpreise nach. Zum einen erhalten Anleger zusätzlich (niedrige) Zinsen für die Sicherheiten, die für den Kauf von Futures hinterlegt werden müssen. Und zum anderen können die Kurse von Futures theoretisch auch sinken, wenn zugleich die Rohstoffpreise steigen. Stichwort: Contango und Backwardation.
Rohstoff-ETFs generieren ihre Performance durch den Einsatz von Swaps
Nun ist es allerdings nicht so, dass Rohstoff-ETFs einfach Futures kaufen und damit Besitzer einer Reihe von Terminkontrakten sind. Vielmehr investieren sie in andere Wertpapiere, die sich im Grunde komplett unabhängig von den Rohstoffpreisen entwickeln. Dass ein ETF den nachzubildenden Index dennoch zuverlässig abbildet, erreicht die Fondsgesellschaft durch den Abschluss einer Swap-Vereinbarung. Diese garantiert dem ETF exakt die Index-Rendite - im Tausch gegen die Rendite des vom Fonds gehaltenen Wertpapierkorbes.
Vertragspartner für die Swap-Vereinbarung ist eine große Bank - oft die Muttergesellschaft der Fondsgesellschaft. So ist der Swap-Partner der DB X-Trackers die Deutsche Bank.
Ein Blick auf den tatsächlichen Wertpapierkorb eines Rohstoff-ETF ist wegen der Konstruktion dieser Fonds hoch interessant. Das zeigt zum Beispiel der Jahresbericht 2009 des iShares DJ AIG Commodity Swap. Zum 31. März dieses Jahres enthielt der Fonds nämlich ganz einfach europäische Standardaktien: Deutsche Telekom, Arcelor Mittal, Credit Agricole und andere. Sehr rohstofflastig, nicht wahr?
Rohstoff-ETFs sind thesaurierend
Vor allem beim Kauf von Rohstoff-Zertifikaten ist es wichtig, darauf zu achten, ob ein Zertifikat die Total-Return-Variante eines Index abbildet oder die Excess-Return-Variante. Die Total-Return-Variante bezieht die bereits angesprochenen Zinseinnahmen aus der Hinterlegung von Sicherheiten ein, die Excess-Return-Variante einzig die Entwicklung der Futures selbst. Ersteres ist - bei gleichen Kosten - selbstverständlich besser für den Anleger. Alle mir bekannten Rohstoff-ETFs bilden allerdings die Total-Return-Variante ihres Index ab. Etwaige Zinserträge thesaurieren sie dann ausnahmslos. Ausschüttende Rohstoff-ETFs sind mir nicht bekannt.
Und das war eigentlich die komplette Erklärung.
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vier Kommentare
Danke für das Lob. Nur aus Interesse: Was war denn ausschlaggebend für Ihre Entscheidung gegen Rohstoff-ETFs?
Grüße
Holger
nunja, ich habe kein gutes Gefühl dabei wenn ich in Rohstoffe investieren will und eigentlich irgendwelche Wertpapiere im Hintergrund stehen, wennauch mit dieser Strategie ein Index gut abgebildet wird. Wenn man die nächsten Jahre eher optimistisch sieht, bleibt es aber sicherlich eine sehr interessante Möglichkeit. Es kann aber zB niemand sagen was mit einem ETF passieren wird wenn eines lieben Tages der US-Dollar ein ernstes Problem bekommt und damit wohl alle anderen Währungen. Und das dies nicht ganz aus der Luft gegriffen ist sehe ich zB aktuell dadurch bestätigt daß PIMCO offiziell US-Bond leerverkauft.
Hmm, den ersten Einwand halte ich für sinnvoll – obwohl alle wissenschaftlichen Studien, die ich kenne, eben Rohstoff-Future-Indizes behandeln – nicht die Spot-Kurse von Rohstoffen.
Über das zweite Problem würde ich mir eher wenig Sorgen machen – ein Argument für Rohstoff-Investments ist ja klassischerweise, dass sie einen gewissen Schutz vor unerwarteter Inflation (=Wertverfall einer Währung) bieten.
Viele Grüße
Holger








Vielen Dank für die super Erklärung! Hat mir in meiner Entscheidung geholfen, und zwar gegen Rohstoff ETFs!