Warum es so schwer ist, die Entwicklung des Ölpreises vorherzusagen

Zu Beginn des Jahres konnte man überall lesen, dass ein weiterer Einbruch des Ölpreises (unter 30 Euro oder so) eigentlich gar nicht möglich sei. Dass es also nur nach oben könne mit dem Preis. Ich fand damals, die Argumentation sei zu schlicht. Dann verdoppelte sich der Ölpreis. Aber ich finde immer noch, dass ich Recht habe. Warum ich jetzt überhaupt darüber nachdenke? Ein Artikel auf Spiegel Online trägt die Schuld.

Möglicherweise ist die Aussage, dass ein Preis immer auch fallen kann, trivial. Aber vor dem Hintergrund der Entwicklung der vergangenen Monate lohnt es sich vielleicht doch, einmal innezuhalten und kurz über die Sinnhaftigkeit von Prognosen nachzudenken.

Den Anlass dazu bot mir der Artikel Ölindustrie erntet Früchte des Booms. Der macht nämlich noch einmal klar, warum Öl nicht zwangläufig immer teurer werden muss - auch wenn Goldman Sachs im vorigen Jahr schon Preise von 200 US-Dollar je Barrel prognostizierte und es nach dem Crash dann hieß, Öl könne zumindest nicht mehr unter 30 Dollar sinken.

Die einfache Wahrheit ist: Beides ist Quatsch. Denn jede neue Gegenwart bringt neue Informationen - und die ändern zwangsläufig die Lage am Markt. Erst recht, wenn niemand sie vorhergesehen hat. Und gerade die vergangenen Monate haben einige wunderbare Beispiele für solche, vorher von allen Experten nicht berücksichtigten Entwicklungen gebracht: Erst dominierte "Peak Oil", die Theorie, derzufolge der Höhepunkt der weltweiten Ölförderung schon erreicht ist oder bald erreicht wird. Und niemand konnte sich einen niedrigen Ölpreis vorstellen. Dann kam die Finanz- und Weltwirtschaftskrise, die Nachfrage brach ein, und plötzlich war der niedrige Ölpreis da.

Jetzt ist er wieder deutlich gestiegen, aber das muss nicht heißen, dass er auch weiter steigen wird - selbst wenn sich die Wirtschaftslage weiter bessert. Denn es passieren immer wieder "Zwischenfälle" wie die Entdeckung riesiger neuer Ölfelder. Vielleicht schreitet sogar die Entwicklung von Technologien, die uns unabhängiger vom Öl machen, an irgendeinem Punkt überraschend schnell voran. Und der Ölpreis sinkt. Das hat auch damit zu tun, dass sich durch Preisänderungen auch die Bedingungen für die Produzenten ändern, wie es im Artikel schön beschrieben wird.

Für mich heißt das: Ich habe keine Ahnung, wie es weiter geht. Es interessiert mich auch nicht richtig. Aber ich weiß, dass sich sehr viele Menschen sehr oft über die künftige Entwicklung der verschiedensten Märkte täuschen - ob es um Öl geht oder um Aktien. Und wer aufgrund irgendeiner Ahnung oder auch einer komplex begründeten Prognose auf künftige Entwicklungen spekulieren will, der sollte vielleicht noch mal darüber nachdenken. Die Welt ist nämlich wirklich kompliziert. Vor allem, wenn es um Ereignisse geht, die sich noch gar nicht ereignet haben.

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