ETFs: Was sind die größten Risiken?

Wer vorhat mithilfe von ETFs in Aktien, Anleihen oder was auch immer zu investieren, ist oft unsicher: Sollte man überhaupt Swap-ETFs kaufen, wo diese doch ein zusätzliches Risiko bergen? Schließlich könnte die Bank ausfallen, mit dem eine Fondsgesellschaft ihre Swap-Verträge schließt. Oder ist dieses Risiko eher theoretisch? Mich hat diese immer wiederkehrende Frage dazu bewogen, einmal die verschiedenen Risiken zu gewichten, auf die man sich als ETF-Anleger so einlässt. Mal schauen, wie gut das funktioniert.

Also, auf welche Risiken sollte man als Privatanleger besonders achten?

1. Das Kursrisiko

Es mag langweilig sein, aber es ist nach der Finanzkrise genauso wahr wie vorher: Bei den meisten ETFs und Investmentfonds dürfte das Kursrisiko die größten Auswirkungen auf den Anlageerfolg haben - und am häufigsten zu Verlusten führen. Natürlich gibt es in dieser Hinsicht große Unterschiede: Wer in einen Emerging-Markets-Aktien-ETF investiert, muss mit größeren Kursschwankungen rechnen als jemand, der einen ETF kauft, der europäische Staatsanleihen abbildet. Aber das bedeutet natürlich erst recht: Wer einen ETF kauft, sollte sich immer darüber im Klaren sein, welches Kursrisiko er damit eingeht.

Aus theoretischer Sicht ist das Kursrisiko übrigens vermutlich eine ziemlich Krücke - schließlich bilden die Kurse von Aktien nur die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen anderer Risiken ab - von Konjunkturrisiken etwa, von Zinsänderungsrisiken oder von politischen Risiken. Ich mache es mir an dieser Stelle aber einmal einfach und fasse all diese wichtigen, aber in ihren Auswirkungen nur schwer zu quantifizierenden Einzelrisiken zusammen.

2. Das Währungsrisiko

Zugegeben: Auch das Währungsrisiko schlägt sich letztlich im Kurs eines ETF nieder. Ich finde, es verdient trotzdem einen eigenen Punkt. Schließlich wirken Wechselkursschwankungen unabhängig von der Notierung in der eigentlichen Handelswährung von Aktien, Anleihen oder Rohstoffen. Auch diese Unabhängigkeit ist aber nicht vollkommen. Schließlich können Unternehmen durchaus davon profitieren, dass ihre Heimatwährung abgewertet wird - und die Aktien entsprechend steigen. Und Rohstoffe werden sowieso nicht schon deshalb billiger, weil der Dollarkurs zum Euro sinkt. Eher schon kann man einfach auch weniger Rohstoffe für einen Dollar kaufen.

Währungsrisiken lassen sich also auch schlecht komplett aus dem Gesamtzusammenhang reißen. Und Währungsschwankungen können sogar stabilisierend auf ein Depot wirken - dann nämlich, wenn wie im vergangenen Jahr die Aktien fallen, gleichzeitig aber der Dollarkurs steigt. Das führte dazu, dass sich US-Aktien aus europäischer Sicht erstaunlich gut gehalten haben. Kommer empfiehlt deshalb sogar, bei der Zusammenstellung seines Portfolios keine große Rücksicht zu nehmen. Ich stimme in dieser Hinsicht durchaus mit ihm überein: Bevor ich die Kosten für die Währungssicherung in Kauf nehme, komme ich lieber mit dem Währungsrisiko klar. Aber man sollte sich natürlich trotzdem darüber im Klaren sein, dass es ein solches Risiko gibt. Und dass es zu durchaus starken Kursschwankungen führen kann.

3. Das Steuerrisiko

Gerade erst haben es die Käufer von EONIA-ETFs erlebt: Fonds, die man eigentlich für steuerlich günstig hält, können sich aufgrund irgendwelcher merkwürdigen Konstruktionsmerkmale (Swaps mal wieder...) oder Änderungen in der steuerlichen Behandlung als Rohrkrepierer entpuppen. Und wie man weiß, ändern sich Steuergesetze und Verordnungen ständig. Das Risiko ist also real. Aber wie geht man damit um? Nicht leicht zu beantworten. Ich neige zum Ignorieren. Aber es hilft schon, wenn man zumindest versucht, das Produkt, das man kauft, zu verstehen. Und vermutlich hilft es auch, wenn man einen ETF nicht eigens deshalb kauft, um ein Steuerschlupfloch auszunutzen. Solche Schlupflöcher tendieren nämlich dazu früher oder später geschlossen zu werden.

4. Das Schließungs-Risiko

Bei aktiv gemanagten Fonds gibt es gerade Schließungen und Fusionen auf breiter Front. Das ist für die Fonds-Anteilseigner grundsätzlich unangenehm. Sie verlieren mögliche Steuervorteile (wenn sie ihre Anteile vor diesem Jahr gekauft haben). Und falls es keine Steuervorteile zu verlieren gibt, dann müssen sie zumindest direkt Abgeltungssteuer auf eventuelle Kursgewinne zahlen, die ansonsten erst in Jahren oder Jahrzehnten fällig würden. Und einen anderen Fonds haben sie plötzlich auch im Depot. Grundsätzlich kann das bei ETFs natürlich auch passieren - vor allem bei kleineren.

5. Das Swap-Risiko

Dieses Risiko ist wohl der eigentliche Grund dafür, dass ich diesen Text schreibe. Schließlich wird es in der medialen Diskussion sehr in den Vordergrund gestellt: Wie riskant sind die Swap-Vereinbarungen, die viele ETFs eingehen, um ihren Index einfacher und besser tracken zu können? Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass der Vertragspartner pleite geht und der Fonds plötzlich nur noch eine Forderung gegen eine insolvente Bank hat. Aber: Mal abgesehen davon, dass die Swap-Partner in der Regel systemrelevante Banken wie die Deutsche Bank, die Commerzbank oder Société Générale sind - das Risiko ist auch auf zehn Prozent des Fondsvermögens begrenzt und bei manchen Anbietern außerdem besichert. Ich würde es also bei meiner Anlage-Entscheidung eher vernachlässigen. Interessanter sind vermutlich die steuerlichen Implikationen, die ausländische Swap-ETFs so mit sich bringen.

6. Das Risiko der Wertpapierleihe

Für mich ist die Wertpapierleihe eine der geheimnisvollsten Aktivitäten von Fonds: Sie verleihen Aktien und Anleihen an institutionelle Investoren, die Leerverkäufe tätigen wollen - und bessern damit ihre Performance und ihre Gebühreneinnahmen auf. Allerdings, das habe ich letztens auch in der Zeitschrift einer Anlegerschutzvereinigung gelesen, deren Namen ich immer vergesse (war es die DSW?): Das dadurch entstehende Risiko ist komplett vernachlässigbar. Denn für diese Leihgeschäfte werden immer erstklassige Sicherheiten hinterlegt. Ein bisschen unheimlich ist mir nur, dass dadurch ja Zusatzerträge entstehen - also muss es auch ein zusätzliches Risiko geben. Oder nicht?

Fazit: Ob es mir jetzt gelungen ist, die Risiken in eine vernünftige Reihenfolge zu bringen - ich weiß es nicht. Vermutlich sind einfach zu viele Brüche in der Systematik. Aber der Weg ist ja das Ziel. Was sind für Sie die wichtigsten Risiken bei der Anlage in ETFs?

Zum Weiterlesen

Zum Weitersagen

These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages.
  • Del.icio.us
  • Digg
  • Google
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Facebook
  • Twitter

Kein Kommentar

Emoticons
Bitte beantworten Sie diese einfache Frage. Sie dient dazu, automatisierten Kommentar-Spam zu verhindern.
Persönliche Informationen speichern?
Benachrichtigen
E-Mail Adresse nicht anzeigen
Hinweis: Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt. URLs oder Mailadressen werden automatisch umgewandelt.