Offene Immobilienfonds im Portrait: der Degi Europa (WKN 980780)

Der Degi Europa ist ein mittelgroßer Offener Immobilienfonds mit Anlageschwerpunkt Europa. So weit ist das wenig aufregend. Spannend ist allerdings, dass die Fondsgesellschaft die Rücknahme von Anteilen des Degi Europa am 31. Oktober 2008 ausgesetzt hat. Und noch immer ist unklar, ob der Fonds zum 31. Oktober dieses Jahres wieder geöffnet wird.

Es war still um den Degi Europa in den vergangenen Monaten - weder machte er mit guten Nachrichten auf sich aufmerksam wie Konkurrenten SEB Immoinvest oder Axa Immoselect, noch gab es Horrormeldungen über Abwertungen wie etwa beim Morgan Stanley P2 Value.

Solche Abwertungen erscheinen beim Degi Europa allerdings auch heute noch undenkbar - schließlich handelt es sich um einen Fonds, der von der KAG in die Risikoklasse 1 (sicherheitsorientiert) eingestuft wird und bereits seit 1972 am Markt ist.

Anlagestrategie und Portfoliostruktur des Degi Europa

Anlageziel des Degi Europa ist eine "dauerhaft positive Rendite bei möglichst geringen Wertschwankungen". Dieses Ziel hat der Fonds - bisher zumindest - auch durch die Finanzkrise hindurch erreicht. Mit einer Jahresrendite von 2,88 Prozent zum 30. September 2009 liegt er allerdings nicht in der Spitzengruppe der Offenen Immobilienfonds.

Der Degi Europ investiert in Gewerbeimmobilien in europäischen Wirtschaftszentren. Derzeit gehören 22 Immobilien zum Portfolio. Der Schwerpunkt lag dabei zum Stichtag 30. September 2009 in Deutschland, wo sich 32,7 Prozent des Immobilienvermögens befinden. Zweitwichtigstes Investitionsland ist Frankreich (17,5 Prozent), gefolgt von den Niederlanden (15,2 Prozent). Das aufregende, aber volatile Immobilienland Großbritannien hat nur einen Anteil von 9,5 Prozent am Portfolio, das krisengeschüttelte Spanien kommt gar nicht vor.

Was die Nutzungsarten angeht, bilden Büroimmobilien mit 64,4 Prozent des Immobilienvolumens den Schwerpunkt im Portfolio. Daneben spielen nur Handels- und Gastronomie-Immobilien eine größere Rolle (22,4 Prozent). Hotellerie, Kfz-Stellplätze und andere Nutzungsarten spielen eine Nebenrolle.

Die Vermietungsquote lag am Stichtag bei 92,7 Prozent - und damit eher niedrig. Zum Vergleich: Der Marktführer Hausinvest Europa kommt auf eine Vermietungsquote von 95,9 Prozent.

Ratings und Bewertungen für den Degi Europa

Die Rating-Agentur Scope hat den Degi Europa im Februar dieses Jahres mit der Note "BBB+" bewertet - also ziemlich anständig. Nach Angaben der Fondsgesellschaft ist der Degi Europa außerdem durch TELOS und IPD Investment Property Databank GmbH (mir nicht bekannt) als "sehr gut (2)" eingestuft worden. Im jüngsten Fondsvergleich der Stiftung Warentest landete der Degi Europa nicht unter den besten zehn.

Degi Europa: Kosten und Gebühren

Den Ausgabeaufschlag für den Degi Europa gibt die Fondsgesellschaft mit 5 Prozent an. Maximal zulässig sind 5,5 Prozent. Ich gehe aber fest davon aus, dass der Fonds bei verschiedenen Direktbanken und Fondsdiscountern mit reduziertem Aufschlag zu haben ist - oder sogar ganz ohne. Und wer ihn wirklich haben will, kann den Degi Europa natürlich auch direkt an der Börse kaufen - derzeit sogar mit einem Abschlag auf den offiziellen Preis.

Die Verwaltungsgebühr für den Fonds liegt derzeit bei 0,65 Prozent pro Jahr, die Total Expense Ratio betrug im vergangenen Geschäftsjahr 0,78 Prozent.

Wird der Degi Europa bald wieder öffnen?

Die Frage aller Fragen: Wann nimmt der Degi Europa wieder Anteile zurück. Ich für meinen Teil habe natürlich keine Ahnung. Offiziell ist die Aussetzung der Anteilsrücknahme bis zum 31. Oktober befristet. Es wäre also sogar vorstellbar, dass der Fonds einfach so wieder öffnet - ohne große Mitteilung der Fondsgesellschaft.

Andererseits: Die Liquiditätsquote liegt der Degi zufolge nach wie vor bei vergleichsweise wenig komfortablen 13,1 Prozent. Andere Offene Immobilienfonds hatten kurz vor ihrer Öffnung höhere Liquiditätsquoten, wenn mich nicht alles täuscht. Dafür liegt die Kreditquote des Degi Europa allerdings relativ hoch, nämlich bei 36,8 Prozent. Das heißt: Der Fonds hat vergleichsweise wenig Spielraum, um sich über die Aufnahme zusätzlicher Kredite Liquidität zu besorgen. Auf genau diese Weise haben aber andere Fonds ihre Wieder-Öffnung gemanagt.

Kurz: Es bleibt spannend. Ich persönlich tippe fast, der Fonds bleibt noch eine Weile zu. Darauf wetten würde ich aber nicht, denn natürlich ist eine Öffnung angesichts der derzeit relativ entspannten Lage an den Finanz- und sonstigen Märkten ebenso denkbar. Lassen wir uns überraschen...

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