Lohnen sich Dividenden für Anleger?

Die Dividenden-Saison ist in vollem Gang. Gerade hat Handelsblatt.com berichtet, dass die Unternehmen trotz der Krise fleißig ausschütten: K+S etwa zahlt 2,40 Euro, BASF 1,95 Euro und selbst die Deutsche Bank spendiert ihren Aktionären noch 50 Cent je Aktie. Wobei "spendiert" eigentlich das falsche Wort ist - schließlich kommen die Dividenden aus dem Unternehmensvermögen: Was auf dem Konto des Aktionärs landet, fehlt auf dem des Unternehmens. Und die Aktie verliert am Tag der Ausschüttung entsprechend an Wert. Ist das für Privatanleger ein gutes Geschäft?

Wenn es um die Beantwortung dieser Frage geht, sind die Meinungen gespalten. Einerseits gibt es schließlich die Möglichkeit, das Geld im Unternehmen zu belassen und in die Weiterentwicklung des Geschäfts zu investieren. Das ermöglicht Wachstum. Aber wie profitabel ist dies? Andererseits sind Dividenden aber nicht einmal die einzige Möglichkeit, Geld an die Aktionäre zurückzugeben - das geht auch über Aktienrückkaufprogramme. Bei denen kauft die AG eigene Aktien an und vernichtet diese in der Regel. Dadurch steigt zunächst die Nachfrage nach den Aktien und damit tendenziell auch der Kurs. Außerdem verteilt sich anschließend der Unternehmensgewinn auf weniger Aktien - der Gewinn je Aktie steigt. Viele Experten argumentieren, diese Strategie sei effizienter als die Ausschüttung einer Dividende. Also: Was ist nun besser für einen privaten Kleinaktionär?

Argumente für die Dividende


  • Dividenden ermöglichen einen stetigen Cashflow: Nicht nur Pensionäre und Privatiers, die unter anderem von den Erträgen ihrer Wertpapiere ihren Lebensunterhalt bestreiten, haben gute Gründe, Ausschüttungen zu mögen. Grundsätzlich erhöhen Ausschüttungen die Liquidität und damit den finanziellen Handlungsspielraum jedes Anlegers. Das ist für viele Berufstätige, die hauptsächlich von ihrem Arbeitseinkommen leben, vielleicht weniger wichtig. Aber selbst die gewinnen durch Dividenden zusätzliche Freiheitsgrade - und wenn sie das Geld nicht benötigen, legen sie es einfach wieder an.
  • Dividenden geben den Aktionären mehr Macht: Geld im Unternehmen zu belassen, kann eine weise Entscheidung sein - wenn das Management weiß, was es damit anfangen soll. Wenn das nicht der Fall ist, kann es aber auch eine Verschwendung von Mitteln sein. Wenn Unternehmen zunächst einmal Geld ausschütten, überlassen sie dem Aktionär die Entscheidung über die Wiederanlage. Vielleicht sieht er anderswo eine profitablere Gelegenheit? Inwieweit man als Privatanleger kompetent genug ist, darüber zu entscheiden, ist eine andere Frage.
  • Früher oder später muss das Geld ohnehin zurück an die Anleger fließen: Nüchtern betrachtet (und allem Gerede von "Kursfantasie" etc. zum Trotz) ist jedes Unternehmen nur so viel wert, wie die Cashflows, die es künftig generiert - die Cashflows an die Eigentümer, die Aktionäre also. Da früher oder später jedes Unternehmen insolvent wird (auch wenn das sehr lange dauern kann), müssen die Cashflows irgendwann ausgeschüttet werden. Warum also nicht jetzt damit anfangen?
  • Eine Dividende ist ein Symbol: Auch wenn Ausschüttungen nicht direkt schaffen - als Symbol, als Mittel der Kapitalmarktkommunikation sind sie wichtig. Das ausschüttende Unternehmen sendet ein Signal: "Seht her, wir sind gesund, wir können uns eine Ausschüttung leisten." Oder auch: "Wir denken an unsere Aktionäre und wirtschaften nicht für uns selbst." Inwieweit sich diese Kommunikation über Symbole mit der Realität deckt, ist eine andere Frage. In jedem Fall aber kann eine lange, stetige Ausschüttungsgeschichte zu einem wichtigen Pfund in der Außendarstellung eines börsennotierten Unternehmens werden - und damit tatsächlich den Wert des Unternehmens steigern.

Argumente gegen eine Dividende


  • Dividenden sind steuerlich ungünstig: Dank der Abgeltungssteuer werden Ausschüttungen und Kursgewinne nun ja theoretisch gleich behandelt - beide unterliegen dem gleichen Steuersatz. Aber trotzdem gibt es nach wie vor zwei gewichtige Gründe, warum Dividenden Nachteile haben. Erstens gibt es die Abgeltungssteuer noch nicht lange - und die Kursgewinne von bis Ende 2008 gekauften Aktien sind weiterhin steuerfrei. Wenn Geld im Unternehmen bleibt, steigert das den Aktienkurs - und damit steuerfreie Gewinne. Zweitens werden Kursgewinne selbst bei in diesem Jahr gekauften Aktien erst nach der Veräußerung besteuert - Dividenden aber sofort. Das ist zwar nur ein Stundungs-Effekt, letzten Endes aber trotzdem bares Geld.
  • Die Wiederanlage der Dividende kostet Geld: Auch das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor - was tun mit dem ausgeschütteten Geld? Für eine Dividendenzahlung in Höhe von 200 Euro neue Aktien oder ETF-Anteile zu kaufen, wird ziemlich gebührenintensiv. Schließlich verlangt auch der günstigste Online-Broker eine Mindestgebühr. Und selbst wenn genügend frisches Geld zum Zuschießen vorhanden ist - die Gebührenbelastung wird relativ zur Anlagesumme zwar geringer, sie verschwindet aber nicht. Bleibt das Geld im Unternehmen, fällt dieses Problem weg.
  • Möglicherweise kann sich ein Unternehmen gar keine Dividende leisten: Falls es jemand noch nicht gemerkt hat: Wir haben eine Finanzkrise. Viele Unternehmen leiden unter Umsatz- und Gewinneinbrüchen oder sogar unter Refinanzierungsschwierigkeiten. Kapitalerhöhungen sind an der Tagesordnung, Insolvenzen häufen sich ebenfalls. In dieser Situation ist es für viele Unternehmen sicher klüger, ihre Cashbestände zu halten, um sich unabhängiger vom Kapitalmarkt zu machen und die Wirtschaftskrise durchstehen zu können. Denn selbst für grundsätzlich gesunde Unternehmen gilt: Geld an die Aktionäre auszuschütten, um anschließend furchtbar teures Fremdkapital aufzunehmen, ist nicht unbedingt profitabel.
  • Aktienrückkaufprogramme können wirklich besser sein: Gerade wenn die Kurse im Keller sind - vielleicht ist die Aktie des eigenen Unternehmens ja tatsächlich so unterbewertet, dass es ein totales Schnäppchen ist, sie zu kaufen. Wie immer gilt: Angesichts der hohen Effizienz der Aktienmärkte dürfte selbst Unternehmensvorständen die Beurteilung schwer fallen. Aber selbst wenn: Die Steuervorteile kommen ja noch hinzu - schließlich sorgen Aktienrückkäufe für Kurs- statt Ausschüttungsgewinne.
  • Eine Dividende ist ein Symbol: Kommunikation funktioniert auch in die andere Richtung. Eine Dividende auszuschütten und gleichzeitig die Streichung von, sagen wir mal, 10.000 Stellen zu verkünden, kommt in der breiten Öffentlichkeit möglicherweise nicht soo gut an. Insofern kann für ein Unternehmen sogar ein Image-Schaden entstehen, wenn es eine hohe Ausschüttung durchzieht. Es hat halt alles zwei Seiten.

Wahrscheinlich sogar noch viel mehr.

Weiterlesen: Handelsblatt.com über sprudelnde Dividenden.

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