Staatsanleihen oder Sparbrief - was ist eigentlich riskanter?

Wer sein Geld für fünf Jahre in einem Sparbrief anlegt, der kann über die komplette Zeit nicht auf sein Kapital zugreifen. Aber er erlebt keine Kursschwankungen - und am Ende bekommt er das Geld garantiert zurück. Wer eine Staatsanleihe mit gleicher Laufzeit kauft, bekommt das angelegte Kapital ebenfalls sicher zurück. Und er kann die Anleihe jederzeit verkaufen. Nur muss er eben Kursschwankungen in Kauf nehmen. Welche Anlageform ist sicherer?

Die Frage ist im Grunde leicht zu beantworten: Staatsanleihen (Bundesschatzbriefe lassen wir mal außen vor) sind liquide handelbar. Dass man während der Laufzeit eventuell Kursabschläge hinnehmen muss, wirkt wie ein Risiko. Die Kursschwankungen geben aber nur die Wertveränderungen wieder, denen die Anleihe aufgrund von Schwankungen des Marktzinses ohnehin unterliegen. Ein Sparbrief unterliegt den gleichen Schwankungen - nur werden sie nicht sichtbar.

Ein Sparbrief ist riskanter als eine Staatsanleihe gleicher Laufzeit

Der Grund dafür ist einfach: Sie können einen Sparbrief nicht verkaufen. Es gibt keinen Markt und also auch keinen Marktpreis. Und aus genau diesem Grund sind Sparbriefe riskanter als Staatsanleihen der Bundesrepublik: Bei beiden Anlagen ist die komplette Rückzahlung zum Laufzeitende faktisch garantiert. Aber nur eine können Sie auch während der Laufzeit jederzeit zu Geld machen. Sollten Sie dagegen nach drei Jahren Anlagedauer dringend auf das im Sparbrief gebundene Geld zugreifen müssen, stehen Sie dumm da.

Sind Sparbriefe also eine schlechtere Anlageform?

Diese Frage lässt sich naturgemäß deutlich schwieriger beantworten als die Frage nach dem Risiko. Denn: Als Anleger werden Sie für das zusätzliche Risiko unter Umständen belohnt. Weil Sie auf Liquidität während der Laufzeit verzichten, erhalten Sie eine Prämie - in Form höherer Zinsen. Deshalb rentieren Sparbriefe in der Regel höher als deutsche Staatsanleihen gleicher Laufzeit.

Damit ist auch schon gesagt, woran Sie ein gutes Sparbrief-Angebot erkennen: Bringt es eine niedrigere Rendite als eine vergleichbare Staatsanleihe, sollten Sie vor dem Abschluss noch mal gut nachdenken. Ist die Rendite höher, müssen Sie allenfalls noch überlegen, ob das den Verzicht auf Liquidität rechtfertigt - und ob es anderswo nicht doch ein noch besseres Angebot gibt.

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