Kriterien zur Auswahl und zum Kauf eines ETF
Die Zahl der in Deutschland handelbaren ETFs ist inzwischen ziemlich unüberschaubar geworden. Sie liegt bei über 500. Umso wichtiger ist es, nicht einfach nur einen ETF zu kaufen, weil der Name so hip ist und nach einem günstigen, fairen Produkt klingt. Schließlich gibt es immer mehr börsengehandelte Fonds, die eigentlich niemand ernsthaft braucht.
Aber wie unterscheidet man die guten von den schlechten, die hilfreichen von den nutzlosen ETFs? Hier ist ein kleiner Katalog von Kriterien.
Welcher Index wird überhaupt abgebildet?
Die zentrale Frage am Beginn: Zwar gibt es auch aktive ETFs, aber die große Mehrzahl von ihnen bildet einen Index ab. Und mit der Qualität dieses Index steht und fällt die Eignung des entsprechenden ETF als Anlagevehikel. Einige einfache Regeln: je etablierter, desto besser. Je marktbreiter, desto besser. Je einfacher es ist, an Informationen über den Aufbau und natürlich den Stand des Index zu gelangen, desto besser.
Wie repliziert der ETF seinen Index?
Zwei Arten des Indexnachbaus dominieren: volle Replikation über den Kauf der tatsächlich im Index enthaltenen Wertpapiere und synthetische Replikation über die Vereinbarung eines Swapgeschäftes mit einer Bank. Beide Replikationsmethoden haben ihre Vorteile, wobei die synthetische Replikation überlegen scheint, wenn es um die Kosten und die Genauigkeit der Indexabbildung geht. Das jedenfalls behaupten die Anbieter der Swap-ETFs. Und die anderen widersprechen nicht. Allerdings geht mit Swaps ein Kontrahentenrisiko einher - Teile des Fondsvermögens könnten verloren gehen. Darüber hinaus sind diese Derivate vielen einfach unheimlich. Anbieter wie DB X-Trackers oder Comstage wollen die Bedenken mit der Besicherung der Swap-Vereinbarung zerstreuen. Ob sie erfolgreich sind? Ich kaufe trotzdem lieber voll replizierende Produkte, habe aber auch einige Swapper im Depot.
Ausschüttend oder thesaurierend?
Dass es nicht noch mehr Swapper sind, hat auch damit zu tun, dass viele von ihnen Erträge thesaurieren. Das hat Vor- und Nachteile, auch in steuerlicher Hinsicht. Vor der Abgeltungssteuer waren thesaurierende Swapper auf Aktienindizes wohl sogar deutlich im Vorteil. Ich mag aber Ausschüttungen einfach. Sie sorgen für stetige Cashflows und senken dadurch das Anlagerisiko. Andererseits gibt es natürlich ein Wiederanlagerisiko für das ausgeschüttete Geld - und Kosten für die Wiederanlage. Kurz: Ich kann verstehen, wenn man thesaurierende Fonds bevorzugt. Ich kann aber nicht verstehen, wenn man sich vor dem Kauf keine Gedanken darüber macht.
Wie hoch ist die Verwaltungsgebühr?
Vielleicht hätte ich das Kriterium noch weiter nach vorne packen sollen. Für mich ist es in jedem Fall wichtiger als die Replikationsmethode - denn auch bei ETFs gibt es teilweise recht deutliche Unterschiede. Ansonsten muss man zu diesem Kriterium wohl nicht viel schreiben: je billiger, desto besser.
Wie hoch ist der Tracking Error?
Ein etwas schwieriges Kriterium: Der Tracking Error ist ein Maß für die Abweichung eines ETF von dem Index, den er abbildet. Ist er groß, ist das schlecht. Möglicherweise deutet es sogar auf systematische Mängel in der Indexreplikation hin. Bei swappenden ETFs sollte das Problem eigentlich nicht existent sein (von den Kosten mal abgesehen), aber einer Statistik zufolge, die ich letztens gesehen habe, gibt es in der Praxis auch Swapper mit sehr hoher negativer Abweichung. Problem: Nicht alle Anbieter weisen diese Kennzahl aus. Und sie ist rein vergangenheitsorientiert. Trotzdem kann es nicht schaden, mal darauf zu schauen.
Wie groß ist der Bid-Ask-Spread?
Der Unterschied zwischen Geld- und Briefkursen im Börsenhandel ist für Langfrist-Anleger eine vernachlässigbare Größe. Für Trader ist er dagegen enorm wichtig. Grundsätzlich gilt: je kleiner, desto besser. Klar. Am kleinsten sind die Spreads bei großen ETFs auf etablierte Indizes wie den Euro Stoxx 50 (womit wir wieder beim ersten Kriterium wären).
Wie groß ist das Fondsvolumen?
Auch ETFs werden schon mal geschlossen. Am ehesten trifft es naturgemäß kleine Fonds. Also lohnt es sich zu schauen, wie groß der ETF ist, in den man investieren möchte. Noch wichtiger war das vor der Einführung der Abgeltungsteuer. Aber auch jetzt gilt: Fondsschließungen und -fusionen sind doof. Also sollte man sie vermeiden.
Zum Weiterlesen
- ETFs: Was sind die größten Risiken?
- Musterdepot: komplettes Portfolio mit nur drei ETFs
- Verbraucherzentrale NRW: Worauf sollte man beim Kauf eines ETF achten?
dreizehn Kommentare
Hallo zusammen,
ich habe mal eine (Anfänger-) Frage zur Auswahl eines ETF:
Wie kann es denn sein, das die Verwaltungsgebühr höher ist, als die TER? Ich dachte TER wäre TOTAL expense ratio, also incl. Verwaltungsgebühr.
Z.B. ETFLAB MSCI USA LC (ETFL09) Verwaltungsvergütung 0,3%, Total Expense Ratio 0,14% laut Comdirect.
Grüße
Hallo Malefiz,
das empfinde ich nicht als Anfängerfrage. Ich denke, es ist sogar mal einen eigenen kleinen Artikel wert. Kurze, nicht gegenrecherchierte Antwort: Die Verwaltungsgebühr ist in der Regel auf die Gegenwart bezogen, die TER gilt jeweils für das zurückliegende Geschäftsjahr. Mir fallen spontan zwei Möglichkeiten ein, warum die TER unter der Verwaltungsvergütung liegen kann. 1. Die Verwaltungsgebühr wurde erhöht. 2. Die KAG räumt sich das Recht ein, einzelnen (Groß-)Investoren Rabatte auf die VWG zu gewähren. Dadurch sinkt die tatsächlich an die KAG geflossene Verwaltungsgebühr unter den Standardsatz. Da die TER mit Bezug auf das gesamte Fondsvermögen berechnet wird, schlägt sich das entsprechend nieder.
Aber wie gesagt: Ich mache da mal nen kurzen Artikel draus und frage nach.
3. Möglichkeit: Die Daten bei Comdirect stimmen nicht. Der (noch aktuelle) Jahresbericht für das am 31. Januar 2010 endende Geschäftsjahr weist eine TER von 0,3 % aus. Woher die 0,14 % bei CD kommen – keine Ahnung. Trotzdem meine ich, ich hätte vor einem oder zwei Jahren mal einen ETFlab-ETF gesehen, bei dem die TER tatsächlich unter der Verwaltungsgebühr lag und es die o. g. Möglichkeit im Verkaufsprospekt gab. Ich kann mich leider nicht erinnern, welcher das war.
Hallo,
Mich würde interessieren, ob man eher einen ETf in Euro kaufen sollte oder welche Risiken bestehen, wenn man einen ETF kauft dessen Währung US Dollar sind. Viele ETFs haben ja Dollar als Fondswährung.
Danke und Gruss
Sven
Hallo Sven,
ich persönlich mache da keinen Unterschied. Relevant ist für mich die Währung, in der die im jeweils abgebildeten Index enthaltenen Wertpapiere notieren (vor allem bei Anleihen). Ansonsten werden ja auch ETFs mit Fondswährung USD an der Deutschen Börse in Euro gehandelt. Ich glaube nicht, dass man dadurch einen Nachteil hat (muss aber ehrlich sagen, dass ich das nie überprüft habe).
Viele Grüße








Sehr gut recherchierter Artikel
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