Wie schlecht sind fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen wirklich?
Es wird mittlerweile wie ein offenes Geheimnis behandelt: Fondsgebundene Riester-Rentenverträge sind so ziemlich das Letzte. Weil Sie die Nachteile von Versicherungen (hohe Kosten) mit den Nachteilen von Aktienfonds (hohes Risiko) verbinden - und weil die Vorteile der beiden Produktklassen aus irgendeinem Grund auf der Strecke bleiben. Gerade erst hat auch die Sitftung Warentest wieder in diese Kerbe gehauen: Finanztest empfiehlt Riester-Fondssparpläne. Und wieder einmal frage ich mich: Bin ich doof, weil ich immer noch an meiner fondsgebundenen Riester-Versicherung festhalte?
Ja, ich habe tatsächlich so etwas: eine Fondsgebundene Rentenversicherung nach dem Altersvermögensgesetz vom Volkswohlbund. 2006 habe ich erstmals eingezahlt. Warum? Was soll ich sagen: Ich war halbwegs jung und hatte das Geld. Ich habe mir gedacht, Fonds seien etwas Tolles, und wenn der Staat auch noch fördert, kann schon nichts schiefgehen. Und als mein freundlicher Cortalconsors-Berater die fondsgebundene Versicherung (ohne Ausgabeaufschlag bei den Fonds!) empfohlen hat, habe ich einfach mal zugegriffen.
Inzwischen liegen vier Jahre Zillmerung hinter mir, den Großteil der Kosten habe ich also schon gezahlt. Also habe ich - nach einer zwischenzeitlichen kritischen Nachfrage bei der vermittelnden Bank - gedacht: Ich bleib einfach mal drin.
Riester: Fondssparplan und Fondsgebundene Rentenversicherung im Vergleich
Denn mal ehrlich: Der Hammer sind die Riester-Fondssparpläne auf dem Markt auch nicht. Nehmen wir nur die viel gepriesene DWS Riester-Rente Premium (auch von Finanztest empfohlen). Da fallen 5,5 Prozent Kosten auf die vereinbarten Eigenbeiträge über die gesamte Vertragslaufzeit an. Und wie bei meiner Versicherung werden diese Kosten über die ersten fünf Jahre der Laufzeit verteilt. Bei meinem Vertrag fallen aber nur 4 Prozent Kosten an. Abschlusskosten heißen sie bei mir.
Für eingehende staatliche Zulagen fallen beim DWS-Fondssparplan 5 Prozent der Zulagensumme an. Bei meinem Vertrag sind es 5,5 Prozent. Auch nicht wirklich der Höllen-Unterschied. Einen größeren Unterschied gibt es dann schon bei der jährlichen Verwaltungspauschale. Die liegt, wenn ich das richtig verstanden habe, bei meinem VWB-Vertrag tatsächlich bei 68 Euro im Jahr. Bei der DWS-Riester-Rente sind es nur 15,40 Euro. Und 50 Euro Unterschied sind auch bei einer verwalteten Summe von 10.000 Euro (habe ich noch nicht) noch stolze 0,5 Prozent.
Die Sache mit dem Deckungskapital
Nun sind die Kosten aber ja nur ein Teil der Gleichung. Der andere ist die Tatsache, dass bei den Fondsgebundenen Versicherungen große Teile der Eigenbeiträge von der Versicherung einbehalten und sicher angelegt werden, um einen Kapitalstock zu bilden - schließlich müssen am Ende zumindest die eingegangenen Beiträge garantiert werden. Also fließt nur ein Teil tatsächlich in Fonds.
Nur: Die Anbieter von Riester-Fondssparplänen müssen die gleiche Garantie erbringen. Also gibt es für Anleger keine freie Fondswahl, und mehr oder weniger große Teile des Kapitals sind ständig in langweiligen (und trotzdem nicht günstigen) Rentenfonds angelegt. Ich dagegen kann mein Fondskapital zu 80 Prozent in Aktienfonds und zu 20 Prozent in Immobilienfonds anlegen, bis ich 50 bin. Und dann kann ich allmählich übers Umschichten nachdenken.
Was der Beitrag soll? Ich weiß es nicht genau. Auf keinen Fall soll er Werbung für Fondsgebundene Rentenversicherungen machen. Ich bin mir nämlich sicher, dass ich zu wenig von der Sache verstehe, um wirklich alle Einflussfaktoren angemessen zu berücksichtigen. Trotzdem keimt bei mir öfter mal der Verdacht auf, dass die Fonds-Versicherungen zu pauschal verdammt werden. Und auch der Artikel in der letzten Ausgabe von Finanztest konnte meine Bedenken nicht wirklich zerstreuen - zumal die Stiftung Warentest neben drei Fondssparplänen auch zwei Fondsgebundene Versicherungen empfiehlt. Na ja, die Welt der Altersvorsorge ist halt wunderbar und rätselhaft...
Zum Weiterlesen
- Finanztest: neuer Vergleich Offener Immobilienfonds
- Stiftung Warentest rät: Immobilien kaufen
- Finanztest: Banken mit kostenlosem Girokonto im Vergleich
neun Kommentare
Das klingt in der Tat nach einer ziemlich typisch-dreisten “Beratung”. Aber die schwer wiegenden Unterschiede zwischen den Abzock-Fondssparplänen und den Abzock Fonds-Versicherungen erschließen sich mir nach wie vor nicht völlig – zumal die Stiftung Warentest ja sogar zwei Fondsgebundene Verträge empfiehlt.
Was der Finanztest schreibt, muss ich gestehen, erschließt sich mir nicht immer. Ich selbst möchte mich auch vor Verallgemeinerungen hüten. Ich darf schätzungsweise alle drei Monate für einen Kunden einen Riester-Rentenversicherungsvertrag überprüfen. Ich habe bis heute noch nicht einmal erlebt, dass hierbei was Vernünftiges herausgekommen ist. Nach meiner bisherigen Erfahrung kann ich also sagen, lohnt sich eine Riester-Rentenversicherung definitiv nicht. Ich bin aber so korrekt zu sagen: Vielleicht gibt es ja einen guten Vertrag, der noch nicht seinen Weg auf meinen Schreibtisch gefunden hat.
Klar ist auch, dass es einige schlechte Riester-Fondssparpläne gibt. Schlecht weil zu teuer. Wenn ich um eine pauschale Antwort zum Thema Riester gebeten werde, sage ich immer folgendes:
Wer gar kein Risiko haben möchte, sollte einen Riester-Banksparplan machen. Das scheint mir solide zu sein. Wer mit etwas höheren Rendite-Chancen “riestern” möchte, kann das UnionInvest-Riester-Fondssparen machen oder die DWS TopRente. Wer einen Riester-Rentenversicherungsvertrag abgeschlossen hat, tut gut daran, ihn schnellstmöglich beitragsfrei zu stellen.
Hallo! Ich habe eben noch die Seite http://www.riestermeister.de entdeckt! Da kann man sich nochmal in aller Kürze über die verschiedenen Formen der Riester-Rente informieren.
Liebe Leute,
ich habe mir nur die ersten Sätze durchgelesen und gesehen, dass mal wieder über Dinge gelästert wird von denen keiner was versteht. Kosten! Kosten! Kosten! Versicherung schlecht weil teuer und Sparplan gut weil er günstig ist.
Warum ist die Versicherung ob Fonds oder Klassisch teurer? Weil ein Rentenfaktor gewährt wird, was kein Sparplan tut. Sparpläne orientieren sich bei Ablauf nach den aktuellen Rentenfaktoren. In 2002 lag der Rentenfaktor bei 48 und heute bei 37. Eine tierische Kürzung. Wie wird er wohl in 2030 oder 2040 sein?
Auch der Spezi petereins schreibt von Dingen, von denen er keine Ahnung hat. Rentenversicherungen getestet????????
Sparpläne sehen gut aus, weil sie die Rentenfaktoren von heute heranziehen, aber diese wiederrum nicht garantieren. Toll, dass wir schöne Rentenfaktorkürzungen hatten und diese auch weiterhin haben werden, weil wir ja alle länger leben.
Fakt ist, dass jemand der in 2002 einen Riesterrentenvertrag abgeschlossen hat und heute 50.000 Euro Kapital hat, eine Rente von 240 Euro monatlich erhält. Der Sparplan der zur gleichen Zeit in 2002 abgeschlossen wurde und den heutigen Rentenfaktor heranziehen muss bräuchte ein Kapital von 64.000 Euro, um die gleiche Rente wie die Versicherung zu gewähren. Cool.
Bitte mal ehrlich kostet eine Versicherung 14.000 Euro? Vielleicht 2.000 Euro wenn überhaupt.
Den Predigern der Sparpläne wünsche ich viel Spaß für die Zukunft, wenn die Rentenfaktoren weiter in den Keller gehen und die Sparpläne mit 65 in solche Renten das Geld umschichten. Wohl denen, die sich den teuren Rentenfaktot gesichert haben, und den Kunden die Rentenfaktoren garantieren.
Schaut Euch hierzu den Artikel aus der FAZ vom 27.06.2010 an. Sparpläne lohnen sich für Leute kurz vor Renteneintritt, vielleicht 10 Jahre, wenn eine Kürzung des Rentenfaktors unter Umständen nicht so hoch ist. Versicherungen hingegen lohnen sich bei längeren Laufzeit. Break even point kommt nach 15 Jahren.
Ach übrigens noch zu den Fondssparplänen. Welche Bank hält sich an die Diversifikations-Grundsätze von Markowitz? Für die Unwissenden, der Kerl ist der Einstein des Kapitalmarkts mit der Kapitalmarkttheorie. Alle verkaufen nur ihre eigenen Fonds. Manche Versicherungen hingegen bieten den Kunden individuelle Fondsauswahl an von mehreren Gesellschaften. Wer so einen Einfirmen-Fonds macht geht sowieso in der Regel baden.
Aber genug jetzt hier. Macht weiterhin Eure Sparpläne für 30, 40 jährige oder jüngere. Die werden sich freuen, wenn es in Rente geht.
LG
Hallo Jens,
immer langsam – in den ersten Sätzen habe ich nur, etwas zugespitzt, die herrschende Meinung wiedergegeben. Der Rest des Artikels enthält zwar nicht viel Erhellendes, soll aber eher meine Unsicherheit zum Ausdruck bringen, ob diese Pauschal-Verurteilungen wirklich angebracht sind. Deshalb habe ich z. B. auch geschrieben:
Trotzdem keimt bei mir öfter mal der Verdacht auf, dass die Fonds-Versicherungen zu pauschal verdammt werden.
Daher danke ich Dir ganz herzlich für den Kommentar, weil er einen Knackpunkt anspricht, den ich für mich bisher nicht geklärt habe: Ist es wirklich auch bei fondsgebundenen Versicherungen so, dass der Rentenfaktor schon zu Beginn festgelegt wird? Wenn das so wäre, wäre das nämlich in der Tat ein Vorteil. Ich habe nur in irgendeinem Forum schon mal das Gegenteil gelesen. Allerdings wirkt es auf mich, als hätte das, was Du schreibst, Hand und Fuß. Oder kann es auch sein, dass manche fondsgebundenen Versicherungen den Rentenfaktor zu Beginn festlegen und andere erst mit Eintritt in die Auszahlphase?
Danke und Grüße








Auch ich halte fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen – trotz Förderung – für unsagbar schlecht. Nur eine Bemekrung zu Riester-Fondssparplänen.
Bevor die DWS die Riester-Rente Premium auflegte, gab es ja bereits die DWS TopRente. Schade, dass dieser Riester-Fondssparplan immer mehr in Vergessenheit gerät. Hier stimmen nämlich einigermaßen die Gebühren. Das “Problem” ist aber eben, dass hier der Vertrieb zu wenig verdient, deswegen wird es aktiv kaum angeboten oder verkauft.
Man mache einmal selbst den Test, indem man in eine Deutsche Bank Filiale geht und sagt, dass man sich gerne wegen Riester beraten lassen möchte. Der nette Bankberater wird einem zuerst eine Riester-Rentenversicherung (ob klassich oder fondsgebunden) andrehen wollen. Wenn man dann sagt: “Nein, ich will einen Riester-Fondssparplan.” Dann macht der Berater vielleicht noch einen Versuch, einem von einer Versicherung zu überzeugen (warum? weil hier mehr verdient wird).
Wenn man aber standhaft bleibt, bequemt sich dann doch irgendwann der Bankangestellte, einem einen Riester-Fondssparplan anzubieten. Das wird aber immer die DWS-RiesterRente Premium sein. Wenn man nun sagt, dass man aber die DWS-TopRente will, dann wird man mit dem Bankberater regelrecht kämpfen. Das geht so weit (so hat es eine Kundin von mir tatsächlich erlebt) dass keck behauptet wird, die TopRente sei gar kein Riester-Produkt.
Daran sieht man sehr deutlich, dass die DWS TopRente für den Anleger mit zu den attraktivsten Formen des Riester-Sparens gehört.