Der Degi International ist wieder geschlossen - der Degi Europa immer noch

Kehrt die Krise der Offenen Immobilienfonds zurück? Heute ist eingetreten, was die Fondsgesellschaft dem Vernehmen nach über den ganzen Sommer hinweg gefürchtet haben: Der erste Offene Immobilienfonds wurde nach einer vorübergehenden Phase der Öffnung wieder geschlossen. Ironischerweise trifft es mit dem Degi International den Fonds, der im Frühjahr als erster wieder Anteile zurücknahm und damit den Reigen der Fonds-Wiederöffnungen begonnen hatte. Doch die erneute Schließung hat eine andere Qualität als die erste: Die Gesellschaft gibt auch keine Anteile des Degi International mehr aus. Für den Degi Europa gilt das Gleiche.


Das teilte die Fondsgesellschaft Aberdeen Immobilien (bis vor Kurzem hieß sie Degi) heute mit. Der Mitteilung zufolge hatte sich die Situation beim Degi International nach der Öffnung im Februar zunehmend entspannt. Nach Mittelabflüssen von 260 Mio. Euro direkt nach der Wiederöffnung seien im Mai nur noch 18 Mio. Euro abgeflossen. "Eine voll­kom­me­ne Er­ho­lung bis hin zu Net­to­mit­tel­zu­flüs­sen schien in Reich­wei­te", so die Fondsgesellschaft. Nach einer wirklichen Erholung klingt das allerdings nicht - offenbar hat es zu keiner Zeit Mittelzuflüsse gegeben.

Diskussion um Verlustrisiken bei Offenen Immobilienfonds im Sommer

Im Juni habe es dann eine erneute Diskussion um Verlustrisiken bei Offenen Immobilienfonds gegeben. Dies dürfte eine Anspielung auf die Probleme beim Morgan Stanley P2 Value sein, der im Sommer ebenfalls die Ausgabe von Anteilen vorübergehend eingestellt hatte. Danach erfolgte eine komplette Neubewertung des Portfolios - und eine Abwertung des Immobilienvermögens um ca. 14 Prozent.

Die Diskussion habe in der gesamten Branche zu Mittelabflüssen geführt - und auch beim Degi Europa. Von Juni bis September waren es den Aberdeen-Angaben zufolge stolze 250 Mio. Euro. Derzeit hat der nach Angaben von Onvista ein Volumen von etwa zwei Mrd. Euro. Da sind dreistellige Millionenbeiträge eine ganze Menge.

Fehlende Unterstützung durch die Dresdner Bank als Grund

Das Handelsblatt bringt allerdings einen weiteren möglichen Grund für den Liquiditätsmangel beim Degi International ins Spiel: Dem Fonds sei das Fehlen eines starken Vertriebspartners zum Verhängnis geworden. Die Degi war nämlich bis zum April 2008 ein Tochterunternehmen der Dresdner Bank. Mit dem Verkauf der Dresdner an die Commerzbank fiel dieser wichtige Vertriebskanal für die Degi offenbar weg. Laut Handelsblatt ist "aus der Branche" zu hören, dass die Commerzbank nicht nur keine Degi-Fonds mehr verkauft, sondern ihren Kunden sogar aktiv zum Umstieg auf hauseigene Produkte wie den Hausinvest Europa rät.

Das würde das Phänomen erklären, dass es offenbar zu keinem Zeitpunkt nach der Wiederöffnung Netto-Mittelzuflüsse in den Degi International gegeben hat. Was es für die Zukunft der Degi-Fonds bedeutet, darüber lässt sich nur mutmaßen. Rosig sieht sie auf keinen Fall aus: Das Image dürfte zunächst einmal ruiniert sein, denn die Schließung nach einer erneuten Öffnung ist für den Fonds und die Anleger der GAU.

Schließung der Degi-Fonds zunächst auf drei Monate befristet

Immerhin: Die Komplett-Schließung der Fonds ist zunächst auf drei Monate befristet. In dieser Frist will Aberdeen offenbar Immobilien abstoßen. In der Mitteilung der Gesellschaft heißt es nämlich: "Auf­grund von an­ste­hen­den Im­mo­bi­li­en­ver­käu­fen kön­nen sich die In­ves­ti­ti­ons­schwer­punk­te der Fonds und damit auch die Port­fo­lio­aus­rich­tun­gen än­dern. Des­halb möch­te die Fonds­ge­sellschaft mit der Ein­stel­lung der An­teil­schein­aus­ga­be den An­le­gern die Mög­lich­keit geben, sich vor einer Kauf­ent­schei­dung aus­führ­lich über die Si­tua­ti­on des je­wei­li­gen Of­fe­nen Im­mo­bi­li­en­fonds zu in­for­mie­ren."

Ob die Anleger damit schon auf mögliche Verluste durch Verkäufe von Objekten unter Buchwert vorbereitet werden?

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