Fehler eines Privatanlegers: die Telekom-Aktie

Aus Fehlern soll man lernen - am besten aus den Fehlern anderer. Ich versuche, mich an diesen Leitsatz zu halten, wo immer es geht. Aber es geht halt nicht immer. Und: Früher war ich dümmer. Aber vielleicht kann ja der eine oder andere das eine oder andere aus meinen eigenen Fehlern von früher lernen. Also werde ich mal in einer kleinen Serie davon berichten.

Die Serie fängt an mit meinem ersten Aktienkauf. Der betraf, wie sollte es anders sein, die ehemals vermeintliche "Volksaktie" schlechthin: die Deutsche Telekom. Es war 1996, ich war 20 Jahre alt, Zivildienstleistender und hatte ein wenig (Betonung auf wenig) Geld übrig. Und ich hatte Lust auf Aktien. Besonders auf die Deutsche Telekom, wahrscheinlich wegen der Fernsehwerbung, die damals rauf und runter lief.

Fehler 1: zu viel Geld in eine Aktie stecken

Also ging ich zu meinem freundlichen Volksbankberater und sprach mit ihm über die Telekom-Aktie. Wäre der Mann verantwortungsbewusst und kompetent gewesen, hätte er mir vom Aktienkauf wohl komplett abraten müssen - mein Vermögen war schließlich so klein, dass ich für die Zeichnung von 100 T-Aktien zum Privatanleger-Vorzugspreis von 28 D-Mark circa die Hälfte davon binden musste. Der Kauf einer einzelnen Aktie war also hochgradig schwachsinnig. Aber gut, er riet mir halt nicht davon ab.

Fehler 2: die Aktie zu früh verkaufen

Stattdessen versuchte er, mir klarzumachen, worauf es bei der Geldanlage mit Hilfe von Aktien wirklich ankomme: auf die Dividende. Ich habe den Satz noch heute im Ohr: "Selbst wenn der Aktienkurs mal um zwei Mark steigen sollte - langfristig verdient man sein Geld mit der Dividende." Der Mann war eben Bankberater im ländlichen Mittelhessen und konnte sich offenbar den Wahnsinn nicht vorstellen, der die Aktienmärkte in den folgenden Jahren ergreifen sollte.

Ich konnte es noch viel weniger. Also verkaufte ich ziemlich bald wieder. Der Grund: Die Aktie war um stolze vier Mark gestiegen - auf 32 D-Mark. Also doppelt soviel, wie mein Bankberater in seinem "Extrembeispiel" genannt hatte. Scheiß auf die Dividende, dachte ich mir damals als junger Investment-Noob - und stieg noch vor dem großen Höhenflug aus.

Dass man Aktien eigentlich immer mit einem Anlagehorizont von mindestens fünf, besser zehn Jahren kaufen sollte - davon hatte ich keinen Schimmer. Ich war 20, Zivi und Mini-Spekulant mit einem großen Mangel an Phantasie.

Ich habe die T-Aktie schon wieder gekauft

Immerhin: Einen Fehler machte ich damals nicht. Ich wurde nicht gierig, bereute meinen (wie ich damals dachte) viel zu frühen Verkauf nicht und stieg nicht zu den viel, viel höheren Kursen gegen Ende des Jahrtausends wieder ein. Und so konnte ich bis letztes Jahr sagen: Ich habe keinen Verlust mit der T-Aktie gemacht.

Dann kaufte ich ein weiteres Mal die Telekom-Papiere. Und machte wieder den einen oder anderen Fehler. Aber das ist eine ganz neue Geschichte...

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acht Kommentare

Karl

Der Börsengang der T-Aktie war damals sicher so was wie ein Startschuß für breite Bevölkerungsschichten, um sich in das Abenteuer Geldanlage in Wertpapiere zu stürzen. Ich persönlich wurde zumindest durch diese Telekom-Aktion überhaupt auf das ganze Börsen-Business aufmerksam und habe mich dann voller Neugier auf dieses Terrain begeben. Somit also: der T-Aktie sei Dank. g
Fehler: ich denke, man kommt in diesem Geschäft nicht umhin, auch aus eigenen Fehlern zu lernen – Probieren geht über Studieren. Wichtig ist nur, dass man es tut – LERNEN eben….

Karl, (URL) - 26-01-’10 19:05
Holger

Hallo Karl,

mir ging es ja im Grunde genauso: die T-Aktie war auch für mich der Startschuss. Aber für viele war sie wahrscheinlich auch ein derart abschreckendes Beispiel, dass sie anschließend komplett die Finger von der Börse gelassen haben. Ich finde meine eigene Unbeleckheit damals heute einfach nur putzig. Aber andere, die deutlich mehr Geld investiert haben, können darüber wahrscheinlich nicht lachen…

Holger, (URL) - 26-01-’10 22:04
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