Enttäuschung auf ganzer Linie?

Ein Artikel des Handelsblatt bescheinigt den Offenen Immobilienfonds eben das

Die Performance Offener Immobilienfonds im vergangenen Jahr war in diesem Blog schon mehrmals Thema - zuletzt mit einem Blick auf die offizielle Statistik des Fondsverbandes BVI. Nun bringt auch einen Handelsblatt einen Artikel zu diesem Thema - und bescheinigt den Fonds, sie hätten "auf ganzer Linie enttäuscht".

Aber: Stimmt das wirklich? Einerseits lässt sich der Vorwurf des Handelsblatt-Artikels schwer von der Hand weisen: Wer im vergangenen Jahr ein gleich gewichtetes Portfolio aus allen deutschen Offenen Immobilienfonds gehalten hätte, der hätte sich tatsächlich nur über 2,5 Prozent Rendite "freuen" dürfen. Bei derart mageren Zahlen dürften auch die Steuervorteile der Immobilienfonds nur ein schwacher Trost sein.

Auch ein anderer Satz lässt sich schwer von der Hand weisen: "Keiner der Fonds erreichte die Durchschnittsrendite des Vorjahres von 4,7 Prozent, geschweige denn die 5,7 Prozent des Jahres 2007."

Allerdings ist ja auch das Zinsniveau allgemein deutlich niedriger als im Vorjahr. Das ist erstens ein wesentlicher Grund für die niedrigere Performance der Offenen Immobilienfonds, die stets einen beachtlichen Anteil an Liquidität vorhalten müssen. Und zweitens relativiert es die schwache Performance auch ein wenig: Tagesgeld, Festgeld und Staatsanleihen brachten schließlich auch weniger ein als noch 2008.

Die Renditen der Offenen Immobilienfonds sind sehr ungleich verteilt

Einen anderen wichtigen Grund für die schwache Durchschnittsrendite erwähnt der Handelsblatt-Artikel ebenfalls: negative Ausreißer. "Die gravierenden Abwertungen der Gebäude des Morgan Stanley P2 Value führten dazu, dass der Fonds das Jahr mit einem Minus von mehr als zwölf Prozent abschloss."

Im Umkehrschluss heißt das: Ein hoher Anteil der Offenen Immobilienfonds hat im vergangenen Jahr eine höhere Rendite als diese mageren 2,5 Prozent gebracht. Ein Performancevergleich der Fondsgesellschaft des CS Euroreal verdeutlicht dies sehr schön. Die Grafik zeigt 22 Offene Immobilienfonds mit einer mittleren Performance von 2,0 Prozent (keine Ahnung, woher der Unterschied zwischen dieser Zahl und der des BVI kommt). Der Median der Performance, also die Rendite der Fonds, die genau im Mittelfeld dieser 22 Fonds liegen, beträgt allerdings 3,0 Prozent - und das hört sich schon besser an. Es kommt also immer darauf an, welche Kennzahl man heranzieht.

Natürlich beantworten all diese Gedanken nicht die Frage, ob Offene Immobilienfonds langfristig und von ihrem ganzen Konzept her ein gutes Investment sind. Da bin ich zwar auch skeptisch. Aber wer weiß...

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