Das Emittentenrisiko bei ETCs

Lohnt es sich, über das Ausfallrisiko der Emittenten von Exchange Traded Commodities nachzudenken?


red oil barrels
Ursprünglich hochgeladen von ezioman

Exchange Traded Commodities (ETCs) sind für viele Privatanleger die praktischste Möglichkeit, in einzelne Rohstoffe wie Gold oder Öl zu investieren. Sie sind an der Börse handelbar wie ETCs, die Kosten für die Papiere halten sich in Grenzen, und einigermaßen transparent sind die Dinger auch noch. Im Gegensatz zu ETFs sind ETCs allerdings Schuldverschreibungen der Emittenten - genau wie Anleihen und Zertifikate. Sollte man sich als (potenzieller) Rohstoff-Anleger deswegen Sorgen machen?

Grundsätzlich natürlich: ja. Sorgen machen sollte man sich immer. Oder zumindest vorm Kauf intensiv nachdenken. Ob aber das Emittentenrisiko wirklich das größte Problem bei der Geldanlage in ETCs ist?

Die Emittenten besichern ETCs auf verschiedene Weise

Die beiden wichtigsten Emittenten von ETCs, Source und ETF Securities, besichern ihre Produkte nämlich, um das Ausfallrisiko zu minimieren. So bietet Source auf Swaps basierende ETCs an, die durch eine "dritte Partei" besichert sind - und zwar mit Barmitteln und kurzlaufenden US-amerikanischen Staatsanleihen, den so genannten T-Bills. Die dritte Partei ist hier nach Source-Angaben die Deutsche Bank, die die Rolle eines Treuhänders einnimmt. Diese ETCs werden von Source "T-ETCs" genannt. Mit Ihnen ist sowohl die Abbildung von Futures-Indizes auf einzelne Rohstoffe als auch von Futures-Indizes, die mehrere Rohstoffe umfassen möglich. Alle ETCs lehnen sich an die GSCI-Indizes von S&P an.

Auch der Konkurrent ETF Securities bietet ETCs an, die auf Swaps basieren und nach Angaben der Deutschen Börse "zu 100 Prozent" besichert sind. Diese ETCs bilden die Indizes der DJ-UBS-Familie nach. Daneben gibt es auch swap-basierte ETCs, die "durch eine mit AA bewertete dritte Partei gedeckt" sind und Warentermingeschäfte nachbilden.

Physisch besicherte ETCs

Eine Besonderheit stellen die mit physischen Rohstoffen (meist Edelmetallen) besicherten ETCs. Diese sollen einen echten Anspruch auf den jeweiligen Rohstoff verbriefen und den Spotpreis abbilden statt der Preise von Warentermingeschäften. Das zugehörige Edelmetall wird den Emittenten-Angaben zufolge in Tresoren in London und Zürich (oje, die Schweiz schon wieder...) gelagert. Diese ETCs sollen überhaupt kein Emittentenrisiko bergen - und zwar schon deshalb nicht, weil ein Treuhänder jede Herausgabe von Edelmetall genehmigen muss.

Zuguterletzt: Xetra-Gold

Viele Eigenschaften eines physisch hinterlegten ETC weist auch das von der Deutschen Börse emittierte Xetra-Gold auf. Dazu hat die Deutsche Börse ein Gemeinschaftsunternehmen mit sieben Partnerbanken gegründet. Xetra-Gold ist den Angaben der Deutschen Börse zu 100 Prozent durch physisches Gold gedeckt. Gelagert wird das Gold beim deutschen Wertpapier-Zentralverwahrer Clearstream - einem weiteren Tochterunternehmen der Deutschen Börse.

Die Besonderheit von Xetra-Gold: Rein rechtlich erwerben die Anteilskäufer eine unbesicherte Schuldverschreibung. Sollte die Emittentin über die Wupper (oder den Main) gehen, stehen sie gleichberechtigt neben allen anderen Gläubigern. Der Trick bei Xetra-Gold ist allerdings: Eigentlich soll es gar keine anderen Gläubiger geben. Die Deutsche Börse versichert nämlich:

Allerdings beabsichtigt die Emittentin keine Geschäftstätigkeiten außer der Emission von Xetra-Gold und damit zusammenhängenden Dienstleistungen wie Verwahrung, Marketing oder Abschlussprüfungen. Das heißt, es werden keine Forderungen von anderen Gläubigern aus einer sonstigen Geschäftstätigkeit der Emittentin entstehen.

Fazit: Es ist alles schwierig

Die Tatsache, dass ich jetzt einen ellenlangen Text geschrieben habe und trotzdem nicht wirklich tief in die Materie eingetaucht bin, zeigt schon: Das Thema der Besicherung von ETCs ist zumindest ziemlich kompliziert. Die Emittenten agieren zwar einigermaßen transparent, die Mechanismen zur Minimierung des Emittentenrisikos sind aber vielfältig und kompliziert. Trotzdem gilt: Mit simplen, unbesicherten Schuldverschreibungen sind ETCs kaum vergleichbar.

Muss man deshalb sofort hingehen und ETCs einkaufen? Ich denke: nein. Ich besitze kein einziges dieser Papiere und denke auch nicht daran, eines zu erwerben. Ich bin derzeit ohnehin nur an Wertpapieren interessiert, die die Entwicklung diversifizierter Rohstoff-Indizes abbilden. Und das geht auch mit ETFs - zu praktisch den gleichen Kosten wie für ETCs. Warum also überhaupt so viel nachdenken über das Emittentenrisiko?

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