Die Performance von ETFs auf den Euro Stoxx 50 im Vergleich

Ein Vergleich der Rendite von ETFs ist sinnlos, weil sie ja ohnehin alle einen Index abbilden? Mal schaun...

ETFs sind ziemlich berechenbar, jedenfalls in der Theorie. Ihre Performance entspricht exakt der des von ihnen abgebildeten Index - abzüglich Kosten, versteht sich. In der Praxis ist es aber nicht ganz so einfach. Denn die verschiedenen ETFs unterscheiden sich nicht nur durch die Höhe der Gebühren. Auch das Replikationsverfahren (voll replizierend oder swappend) macht einen Unterschied. Und schließlich kann auch die Besteuerung einen positiven oder negativen Einfluss auf die Rendite haben - je nach Herkunftsland. Warum die Unterschiede zwischen den ETFs verschiedener Anbieter derart groß sind, verstehe ich aber, ehrlich gesagt, trotzdem nicht. Aber sehen Sie selbst.

Jedenfalls: Unter diesen Umständen bietet sich ein Vergleich der Performance verschiedener ETFs auf den wohl populärsten Aktienindex Euro Stoxx 50 förmlich an. Die Verbraucherzentrale NRW bietet praktischerweise eine handliche Übersicht über die ETFs auf verschiedene wichtige Indizes an. Da kann ich mich also bedienen. Die Performance gebe ich jeweils in Prozentpunkten relativ zum Index an. Der Index selbst hat laut Stoxx.com vom 18.3.2009 bis zum 19.3.2010 eine Performance von 50,4 Prozent erzielt. Die Zahl bezieht sich auf den Total Return Net Index, der Dividendenzahlungen einbezieht, Steuerzahlungen aber bereits abzieht.

Schaut man nun auf die Performance der ETFs mehrerer großerAnbieter relativ zum Euro Stoxx 50, dann ergibt sich ein doch recht merkwürdiges Bild.

Vergleich der Performance verschiedener ETFs auf den Euro Stoxx 50 im vergangenen Jahr

ETFISINTERReplikationPerformance
iShares Euro Stoxx 50 (DE)DE00059339560,17 %voll-0,28 %
iShares Euro Stoxx 50
IE00084710090,35 %voll+0,20 %
DB X-Trackers Euro Stoxx 50 (the.)
LU03808650210,00 %
 synth.+1,90 %
Lyxor ETF Euro Stoxx
FR00070543580,25 %
 synth.-5,27 %
Comstage ETF Euro Stoxx 50 TRLU03784340790,10 %
 synth.+0,80 %
ETFlab Euro Stoxx 50DE000ETFL0290,13 % voll+0,80 %

Das merkwürdigste Ergebnis ist natürlich die krasse Underperformance des Lyxor-ETF. Lyxor gibt auf seiner Homepage eine Einjahresperformance von 45,13 Prozent an. Das entspricht allerdings ziemlich genau der Entwicklung des Euro-Stoxx-50-Kursindex im gleichen Zeitraum (45,17 Prozent). Hier scheint es sich also eher um eine eigenwillige Angabe der Fondsperformance durch Lyxor zu handeln. Zwar gibt der Lyxor-ETF Dividenden tatsächlich in Form von Ausschüttungen weiter. Das tun die Produkte von iShares aber auch - und trotzdem bezieht iShares die Ausschüttungen bei der Rendite-Angabe mit ein. Sie wegzulassen, ist ja auch Quatsch, weil es einen völlig falschen Eindruck erweckt (nämlich den, dass thesaurierende Fonds besser sind).

Lässt man diese Merkwürdigkeit mal außen vor, dann fällt auf: Viele ETFs schlagen ihren Vergleichsindex tatsächlich. Wie kann das sein? Nun: Die Gründe dafür liegen einerseits im Vergleichsindex selbst. Weil für die Indexberechnung bereits Steuern auf die Erträge der enthaltenen Aktien abgezogen werden, ergeben sich für die ETF-Anbieter Möglichkeiten, durch das Ausnutzen steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten besser abzuschneiden als der Index. Andererseits sind auch Wertpapierleihgeschäfte ein Einflussfaktor - sie bringen den ETFs zusätzliche Erträge und erhöhen folglich die Rendite (aber auch das Risiko des ETF).

All das führt offensichtlich dazu, dass es für ETFs, die Swaps einsetzen und nur geringe Gebühren verlangen, relativ leicht ist, ihren Index zu schlagen. Der einzige Swap-ETF, dem das nicht gelingt, ist der von Lyxor, dessen Wertentwicklung um 0,04 Prozent unter dem Kursindex liegt. Allerdings gilt hier: Die Dividenden sind in der Performance eben überhaupt nicht berücksichtigt. Und gerade bei denen ergeben sich überhaupt erst die oben angesprochenen Gestaltungsmöglichkeiten. Es ist also durchaus realistisch, dass auch der Lyxor-ETF in der Gesamtbetrachtung besser abschneidet als der Index.

Insgesamt gilt: Der Einfluss der Verwaltungsgebühr auf die Performance ist zumindest nicht eindeutig zu erkennen. Zwar sind die drei günstigsten ETFs zugleich auch die, die am besten abgeschnitten haben. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen ETFs deutlich größer als die Unterschiede in der Verwaltungsgebühr.

Und der teurere irische iShares-ETF schneidet sogar besser ab als sein auf den ersten Blick günstigerer deutscher Bruder. Allerdings gibt es auch hier eine Merkwürdigkeit: Die TER wird zwar mit 0,35 Prozent angegeben, allerdings gibt es auf der iShares-Website auch einen Vermerk, das bis auf Weiteres nur eine Verwaltungsgebühr von 0,15 Prozent erhoben werde. Mache jeder aus dem Durcheinander, was er will...

Ach so: Natürlich sind alle Angaben zwar nach bestem Gewissen recherchiert und wiedergegeben, aber eine Gewähr für ihre Richtigkeit gibt's natürlich trotzdem nicht.

Zum Weiterlesen

Zum Weitersagen

These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages.
  • Del.icio.us
  • Digg
  • Google
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Facebook
  • Twitter

Kein Kommentar

Emoticons
Bitte beantworten Sie diese einfache Frage. Sie dient dazu, automatisierten Kommentar-Spam zu verhindern.
Persönliche Informationen speichern?
Benachrichtigen
E-Mail Adresse nicht anzeigen
Hinweis: Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt. URLs oder Mailadressen werden automatisch umgewandelt.