Fondsspezialisten geben gute Ratschläge
Aber: Ratschläge sind auch Schläge
Seit Der Privatanleger ein paar Leser mehr gefunden hat, bekomme ich immer öfter auch ungefragt Pressemitteilungen zugesandt: "Exklusiv"-Interviews mit Fondsmanagern, "wissenschaftliche" Studien zur Geldanlage oder einfach nur hanebüchener Unsinn - alles Mögliche ist dabei. Das klingt auf Anhieb vielleicht eher nervig, ist aber eigentlich eine tolle Sache. Schließlich fühlt man sich viel wichtiger, wenn man solche Mitteilungen kriegt. Und schmunzeln kann man hin und wieder auch. Erst vor ein paar Tagen zum Beispiel hat eine PR-Agentur mich mit der Feststellung beglückt, dass die Anleger nach der Finanzkrise verunsichert seien (ach!). Doch die Agentur wusste Rat: "Guten Rat bekommt man nur bei Fondsspezialisten, die sogar in den letzten Jahren die Milliardenvermögen ihrer Kunden sicher gemanagt haben." NUR bei denen also? Die Honorarberater dieser Welt können dichtmachen, wenn sich das herumspricht.
Wobei: Mir persönlich fallen auf Anhieb ca. 95 Menschen ein, auf deren Ratschläge ich mehr Wert lege als auf die der "Fondsspezialisten". Darunter: meine Frau, gute, unabhängige Honorarberater, die ich teuer bezahlen müsste; ein Haufen Blogger, die ich nicht näher kenne; bestimmt 50 anonyme Mitglieder meines Lieblings-Finanzforums, einige meiner Freunde und sogar mein Papa - obwohl der aus Prinzip nie Aktien oder Aktienfonds kauft.
Sie wollen nur mein Bestes
Kurz: Dass sich Fondsanbieter im Jahr 2010 immer noch trauen zu behaupten, guten Rat gäbe es nur bei Ihnen, und das dann auch noch mit dreister Werbung für ihr Produkt verknüpfen, löst bei mir heftiges Kopfschütteln aus. Schließlich sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, was Organisationen wollen, die solche Pressemitteilungen versenden: verkaufen nämlich. Und diese Absicht verträgt sich nur schwer mit meiner Idee von gutem Rat.
Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass der in der Mitteilung gepriesene Fonds tatsächlich eine ziemlich niedrige Kostenquote aufweist und meinem ersten Eindruck nach zu den faireren Produkten am Markt gehört: Ich werde ihn hier nicht nennen. Lieber gebe ich einen guten Rat: Seien Sie vorsichtig, wenn jemand Ihnen einen seiner Ratschläge als besonders guten Tipp verkauft.
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zwei Kommentare
Danke. Und volle Zustimmung. Es ist leider tatsächlich so, dass über viele Kanäle viel Schwachsinn verbreitet wird – gerade von “Experten” und auch in Fachblättern. Klar, dass es mit der finanziellen Allgemeinbildung nicht weit her ist. Andererseits gibt es in den Wirtschaftsmedien auch jeden Tag viel Richtiges und Wichtiges über Geldanlage zu lesen. Nur ist es halt sehr schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen…








Hallo,
nicht nur per Newsletter, sondern auch im Fernsehen oder in Finanzmagazinen bieten Fondsmanager vermeintlich gute Produkte und Tipps an. Unsere Gesellschaft ist finanziell erschreckend unaufgeklärt. Wir, die sich hier auf solchen Seiten wie dieser aufhalten (sehr informativ übrigens), befinden uns klar in der Minderheit. Wenn von den wenig aufgeklärten/interessierten Leuten auch nur ein kleiner Teil den Fondsmanagern glaubt und dort Produkte erwirbt, haben sich derartige Statements wie oben beschrieben schon gelohnt.
Grüße und noch viel Spaß!