Neue Ratings von Scope für Offene Immobilienfonds
23 von 29 bewerteten Fonds haben sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert
Das Timing könnte wahrlich besser sein: Gut eine Woche nach der Veröffentlichung eines kontroversen Vorschlags des Bundesfinanzministeriums zur Reform Offener Immobilienfonds und wenige Tage nach der erneuten Schließung des Kanam Grundinvest und des SEB Immoinvest legt die Ratingagentur Scope ihre neuen Ratings für die Offenen Immobilienfonds vor. Grundsätzliche Aussage: Angesichts von Abwertungen, Liquiditätsproblemen und der kontroversen Reformvorhaben sehen Offene Immobilienfonds deutlich weniger attraktiv aus als vor einem Jahr. Wenn man das nur vor einem Jahr gewusst hätte...
Die heute von Scope vorgelegten Ratings verdeutlichen einmal mehr das Problem, dass eigentlich allen im Finanzbereich vergebenen Ratings anhaftet – ob sie sich nun auf die Ausfallwahrscheinlichkeit von Staatsanleihen beziehen oder eben auf die Qualität Offener Immobilienfonds: Ihr prognostischer Gehalt ist ziemlich gering. Im Klartext: Wenn irgendwo was schiefläuft, dann ist das meist erst im Nachhinein auch an schlechteren Ratings abzulesen.
War bei den Offenen Immobilienfonds 2009 etwa noch alles in Ordnung?
Dies ist auch bei den neuen Ratings von Scope der Fall. Die letzten, im Februar 2009 vorgelegten Ratings, erweckten noch den Eindruck, dass bei vielen Offenen Immobilienfonds eigentlich alles in Ordnung sei.
Ein Beispiel: Der auf institutionelle Anleger ausgerichtete Fonds Degi Global Business wurde von Scope mit dem hervorragenden Rating AA- bewertet (die Bestnote ist das berühmte AAA). Das hielt den Fonds allerdings nicht davon ab, hohe Verluste für die Investoren zu produzieren. In den zwölf Monaten bis zum 31. März 2010 lag die Rendite des Degi Global Business bei -22,6 Prozent. Das ist zwar ein Spitzenwert – aber leider in negativer Hinsicht.
Was tut nun Scope in der neuen Ratingrunde? Klar: Der Fonds wird herabgestuft auf das Rating D. Jetzt soll er also überhaupt nichts mehr taugen. Das mag zwar durchaus sein – aber brauche ich für diese Erkenntnis wirklich eine Ratingagentur?
Ein weiteres, weniger drastisches Beispiel für den Mechanismus „Erst schlechte Nachrichten, dann schlechtes Rating“ ist die Bewertung des derzeit geschlossenen Offenen Immobilienfonds Degi International: Der erhielt im Vorjahr das Rating A, erzielte nun eine Rendite von -0,2 Prozent – und wurde anschließend heruntergestuft auf das Rating BB.
Den zweiten großen Verliererfonds des vergangenen Jahres, den Morgan Stanley P2 Value nämlich, hat Scope allerdings schon im Vorjahr nur mit der Note D bewertet. So jedenfalls steht es in der mit der Pressemitteilung veröffentlichten Übersichtstabelle. Der dadurch erweckte Eindruck ist allerdings falsch: Vor der Abwertung der Fondsimmobilien im Sommer 2009 hatte der Fonds nämlich noch ein ziemlich gutes Scope-Rating: A. Die Herabstufung erfolgte erst, als die Verluste der Anleger schon eingetreten waren. Warnfunktion? Fehlanzeige.
Die Ratings für 23 von 29 bewerteten Offenen Immobilienfonds haben sich verschlechtert
Insgesamt verschlechterte sich das Rating von 23 der 29 untersuchten Offenen Immobilienfonds im Vergleich zum Vorjahr. Zwei Fonds konnten sich verbessern, bei vieren blieb das Rating unverändert. Für die insgesamt schlechteren Bewertungen macht Scope „Verdichtungen aus verschiedenen Risikofaktoren“ verantwortlich – unter anderem Marktrisiken, Kreditrisiken und die „problematische Liquiditätssituation“ vieler Fonds.
Der laut Rating beste europaweit anlegende Fonds und der beste Fonds insgesamt ist nun der von der Deutsche-Bank-Tochter Rreef aufgelegte Grundbesitz Europa (AA-) vor dem Hausinvest Europa von Commerz Real. Bester Deutschlandfonds und achter in der Gesamtwertung wurde der UniImmo Deutschland (A). Als bester Globalfonds wurde der Deka-ImmobilienGlobal (A) vor dem UniImmo Global (A) ausgezeichnet.
Die Ratings für die Offenen Immobilienfonds im Überblick
Dies sind die neuen Ratings für Offene Immobilienfonds im Überblick. Das Rating des Vorjahres wird jeweils in Klammern angegeben.
- Axa Immoselect: B- (BB)
- CS Euroreal EUR A: B+ (BB-)
- Degi Europa: B (BBB+)
- Degi German Business: BBB (AA-)
- Degi Global Business: D (AA-)
- Degi International: BB (A)
- Deka-ImmobilienEuropa: A (A)
- Deka-ImmobilienGlobal: A (AA)
- Euro ImmoProfil: D (D)
- Grundbesitz Europa: AA- (AA)
- Grundbesitz Global: A- (AA)
- HansaImmobilia: CC+ (BB+)
- Hausinvest Europa: A (AA)
- Hausinvest Global: BBB- (AA-)
- Immo-Invest Europa: A+ (AA)
- Inter ImmoProfil: B (B+)
- Kanam Grundinvest Fonds: BBB+ (A)
- Kanam US-Grundinvest Fonds: BB- (BB+)
- Morgan Stanley P2 Value: D (D)
- SEB Immoinvest: BBB (BBB+)
- SEB ImmoPortfolio Target Return: A+ (AA)
- TMW Immobilien Weltfonds: BBB- (A+)
- UBS (D) 3 Sector Real Estate Europe: BBB (BB-)
- UBS (D) Euroinvest Immobilien: A (BBB-)
- UniImmo Deutschland: A (A)
- UniImmo Europa: A- (A+)
- UniImmo Global: A (AA)
- WestInvest ImmoValue: A+ (AAA)
- WestInvest InterSelect: BBB (A)
Morgen möchte ich gerne einen detaillierten Blick auf die den Ratings zugrunde liegende Analyse von Scope werfen.
Zum Weiterlesen
- Scope: neue Ratings für vier Offene Immobilienfonds
- Die Performance Offener Immobilienfonds im Test
- Finanztest: neuer Vergleich Offener Immobilienfonds
ie Das Timing könnte wahrlich besser sein: Gut eine Woche nach der Veröffentlichung eines kontroversen Vorschlags des Bundesfinanzministeriums zur Reform Offener Immobilienfonds und wenige Tage nach der erneuten Schließung des Kanam Grundinvest und des SEB Immoinvest legt die Ratingagentur Scope ihre neuen Ratings für die Offenen Immobilienfonds vor. Grundsätzliche Aussage: Angesichts von Abwertungen, Liquiditätsproblemen und der kontroversen Reformvorhaben sehen Offene Immobilienfonds deutlich weniger attraktiv aus als vor einem Jahr. Wenn man das nur vor einem Jahr gewusst hätte...
Die heute von Scope vorgelegten Ratings verdeutlichen einmal mehr das Problem, dass eigentlich allen im Finanzbereich vergebenen Ratings anhaftet – ob sie sich nun auf die Ausfallwahrscheinlichkeit von Staatsanleihen beziehen oder eben auf die Qualität Offener Immobilienfonds: Ihr prognostischer Gehalt ist ziemlich gering. Im Klartext: Wenn irgendwo was schiefläuft, dann ist das meist erst im Nachhinein auch an schlechteren Ratings abzulesen.
Dies ist auch bei den neuen Ratings von Scope der Fall. Die letzten, im Februar 2009 vorgelegten Ratings, erweckten noch den Eindruck, dass bei vielen Offenen Immobilienfonds eigentlich alles in Ordnung sei.
Ein Beispiel: Der auf institutionelle Anleger ausgerichtete Fonds Degi Global Business wurde von Scope mit dem hervorragenden Rating AA- bewertet (die Bestnote ist das berühmte AAA). Das hielt den Fonds allerdings nicht davon ab, hohe Verluste für die Investoren zu produzieren. In den zwölf Monaten bis zum 31. März 2010 lag die Rendite des Degi Global Business bei -22,6 Prozent. Das ist zwar ein Spitzenwert – aber leider in negativer Hinsicht.
Was tut nun Scope in der neuen Ratingrunde? Klar: Der Fonds wird herabgestuft auf das Rating D. Jetzt soll er also überhaupt nichts mehr taugen. Das mag zwar durchaus sein – aber brauche ich für diese Erkenntnis wirklich eine Ratingagentur?
Ein weiteres, weniger drastisches Beispiel für den Mechanismus „Erst schlechte Nachrichten, dann schlechtes Rating“ ist die Bewertung des derzeit geschlossenen Offenen Immobilienfonds Degi International: Der erhielt im Vorjahr das Rating A, erzielte nun eine Rendite von -0,2 Prozent – und wurde anschließend heruntergestuft auf das Rating B.
Auf der anderen Seite hat Scope allerdings den zweiten großen Verliererfonds des vergangenen Jahres, den Morgan Stanley P2 Value nämlich, schon im Vorjahr nur mit D bewertet. Ein Jahr und 12,6 Prozent Verlust für die Anleger später hat sich an diesem Rating nichts geändert – dem Fonds droht nun angeblich sogar die Liquidation.
Insgesamt verschlechterte sich das Rating von 23 der 29 untersuchten Offenen Immobilienfonds im Vergleich zum Vorjahr. Zwei Fonds konnten sich verbessern, bei vieren blieb das Rating unverändert. Für die insgesamt schlechteren Bewertungen macht Scope „Verdichtungen aus verschiedenen Risikofaktoren“ verantwortlich – unter anderem Marktrisiken, Kreditrisiken und die „problematische Liquiditätssituation“ vieler Fonds.
Der laut Rating beste europaweit anlegende Fonds und der beste Fonds insgesamt ist nun der von der Deutsche-Bank-Tochter Rreef aufgelegte Grundbesitz Europa (AA-) vor dem Hausinvest Europa von Commerz Real. Bester Deutschlandfonds und achter in der Gesamtwertung wurde der
UniImmo: Deutschland (A). Als bester Globalfonds wurde der Deka-ImmobilienGlobal (A)
vor dem UniImmo: Global (A) ausgezeichnet.








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