Sportwetten sind auf deutschem Boden rechtlich gesehen ein heikles Thema. Völlig durchschaue ich es nicht, aber derzeit dürfte der staatliche Wettveranstalter Oddset der einzige definitiv legale Anbieter sein. So gesehen finde ich es ziemlich komisch, dass in Deutschland ohne Weiteres Sportzertifikate gehandelt werden dürfen. Diese in Schuldverschreibungen verbrieften Wetten auf den Ausgang von Sportereignissen sind nämlich nichts anderes als ein äußerst notdürftig verpacktes Glücksspiel, das durch den Handel an der Jungbörse Tradegate wohl einen Hauch von Seriosität erhalten soll. Dabei unterscheidet sich ihre Funktionsweise kaum von Sportwetten, und der Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist die Regel, nicht die Ausnahme.
Zur WM erhalten die Papierchen natürlich besondere Aufmerksamkeit. Tradegate bietet nämlich so genannte Meisterzertifikate für alle Teams an. Die können an der Börse zu wechselnden Kursen ge- und verkauft werden. Und am Ende sind sie alle wertlos - bis auf das Zertifikat des Weltmeisters. Wer das nach dem Finale besitzt, erhält eine Auszahlung von 100 Euro je Zertifikat. Glücksspiel halt.
Sportzertifikate als kaum verdecktes Glücksspiel
Anbieter Tradegate macht aus dem Glücksspiel-Charakter denn auch keinen Hehl. "Anders als bei einer Wette auf ein Sportereignis kann der Anleger bei Ex-tra Sportzertifikaten® bei Veränderungen der Wettquote zu seinen Gunsten oder Ungunsten das Sportzertifikat wieder veräußern und so Zwischengewinne realisieren oder das Verlustrisiko begrenzen", heißt es auf der Unternehmenshomepage. Und: "Die An- und Verkaufspreise der Sportzertifikate werden nicht einseitig vorgegeben, sondern ergeben sich im Börsenhandel aus der Gesamtheit aller vorliegenden Kauf- und Verkaufsaufträge. Damit sind für die Sportzertifikate weitaus attraktivere Preise gegenüber den teilweise mit hohen Margen versehenen Quoten vieler Wettanbieter wahrscheinlich."
Kurz: Tradegate ist mit den Sportzertifikaten im Grunde eher karitativ tätig als betriebswirtschaftlich. Oder?
Sportzertifikate: Riesige Handelsspannen und andere Kosten
Ein Blick auf die Handelsspannen, also die Unterschiede von Geld- und Briefkurs der einzelnen Papiere, zeigt nämlich: Irgendjemand verdient ziemlich gut am Handel mit Sportzertifikaten. Nur sind das halt nicht die Zocker, die die Dinger kaufen. Beispiel Deutschland-Zertifikat: Der Geldkurs (Bid) liegt (Samstag, 17.50 Uhr - keine Ahnung, wann zuletzt gehandelt wurde) bei 12 Euro, der Briefkurs (Ask) bei 15 Euro. Die Handelsspanne beträgt also satte 25 Prozent des Geldkurses. Und das ist noch eine relativ geringe Spanne. Wer auf die dumme Idee kommt, Serbien-Zertifikate zu kaufen, erhält einen Geldkurs von 0,95 Euro und einen Briefkurs von 2,61 Euro - die Spanne mag ich in Prozenten gar nicht mehr ausdrücken. Solche Handelsbedingungen spotten der oben genannten Werbung mit "attraktiveren Preisen".
Angesichts solcher Zahlen muss man gar nicht erst anfangen, noch über Ordergebühren oder Emittentenrisiken zu diskutieren. Und man muss auch nicht mahnen, dass man Geldanlage und Sportbegeisterung fein voneinander trennen sollte, auch wenn die Werbung einem das Gegenteil erzählt.
Nein, man kann einfach festhalten: Das Zocken mit Sportzertifikaten ist ein Spiel für Verlierer.
Zum Weiterlesen
- Also gut: Bei einem WM-Börsenspiel mache ich auch mit
- Anleihen: die Spreads an verschiedenen Börsen im Vergleich
- Komplizierte Produkte: Zertifikate jetzt mit Montageanleitung

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Das Zocken mit Sportzertifikaten ist ein Spiel für Verlierer.
Unterschrieben, sehe ich genauso.