Offene Immobilienfonds: Anbieter können aufatmen – und Anleger?
Kein Bewertungsabschlag, lasche Mindesthaltefristen - ist das gut?
Dass der vom Bundesfinanzministerium ursprünglich geplante pauschale 10-prozentige Bewertungsabschlag auf von Offenen Immobilienfonds gehaltene Immobilien nicht kommen soll, wurde bereits Ende voriger Woche öffentlich. Heute nun hat das Handelsblatt weitere Details zur geplanten Reform der Offenen Immobilienfonds veröffentlicht. Offenbar soll es faktisch auch keine Haltefristen für Kleinanleger geben. Wie das Handelsblatt berichtet, sollen Anleger nämlich Fondsanteile im Wert von 5.000 Euro pro Monat zurückgeben können, ohne irgendwelche Fristen beachten zu müssen.
Für die Fondsindustrie ist das natürlich eine gute Nachricht – jetzt können die Gesellschaften nämlich kräftig weiter mit der täglichen Verfügbarkeit Offener Immobilienfonds werben. Wirklich eingeschränkt wird die Handelbarkeit von Fondsanteilen nur für Großinvestoren und den einen oder anderen wohlhabenden Privatinvestor, der viel Geld in einen einzelnen Fonds investiert.
Einschränkungen treffen nur die Hauptverantwortlichen
Allerdings: Die jetzt offenbar vorgenommene Einschränkung der geplanten Einschränkungen dürfte auch vielen Privatanlegern entgegenkommen. Schließlich waren es die massenhaften Anteilsrückgaben Institutioneller Investoren, die im Herbst 2008 zu massenhaften Schließungen Offener Immobilienfonds und damit letztlich zur nach wie vor andauernden Immobilienfondskrise geführt haben – nicht das Verhalten der Privatanleger.
Die verfügen nämlich in der Regel gar nicht über genug Kapital und oft auch nicht über genug Flexibilität, um Fonds durch massenhafte plötzliche Verkäufe in Liquiditätsnöte zu stürzen. Warum sollten sie also für das Verhalten von Profi-Investoren bluten, die Offene Immobilienfonds als (damals) gut verzinsten Tagesgeldersatz missbraucht haben?
Die Mini-Reform birgt die Gefahr des "weiter so"
Andererseits birgt die jetzt diskutierte Mini-Reform natürlich auch eine Gefahr – die des „weiter so“. Von den Fondsgesellschaften und ihren Lobbyisten wird schließlich gerne propagiert, dass das grundlegende Konstruktionsprinzip Offener Immobilienfonds nach wie vor funktioniert.
Ob das aber wirklich der Fall ist, bleibt für mich offen. Ich zumindest vertraue den Bewertungen der von Fonds bezahlten Gutachter nach wie vor nicht, wenn es um Offene Immobilienfonds geht – auch wenn man trefflich darüber streiten kann, ob das tägliche Auf und Ab der Aktienmärkte dazu führt, dass REITs fairer und marktnäher bewertet werden als Offene Immobilienfonds. Und ich bin nach wie vor der Ansicht, dass es gefährlich ist, wenn die glatten Kursverläufe Offener Immobilienfonds Anlegern suggerieren, dass die Fonds völlig risikolos sind – weil damit eine Gruppe von Investoren angezogen wird, für die sich diese Fonds eigentlich nicht eignen.
Jedenfalls: Gerade in Sachen Bewertungen ändert sich offenbar nichts Einschneidendes. Einen pauschalen Bewertungsabschlag gibt es nicht. Und die Einführung vierteljährlicher (statt jährlicher) Objektbewertungen ändert an dem grundlegenden Problem ebenfalls nichts. Das Verfahren führt allenfalls zu höheren Kosten. Und wenn Gutachter und Fondsgesellschaften kungeln wollen, dann können sie das auch im vierteljährlichen Rhythmus.
Fazit dieses zunehmend ausufernden Textes: Der Stein der Weisen ist nach wie vor nicht gefunden. Ich persönlich finde es aber grundsätzlich gut, dass es nicht zu harten Einschränkungen für Kleinanlegern kommt. Erstens, weil sie es nicht waren, die die Fonds in diese Krise gestürzt haben. Und zweitens, weil ich das schon länger gefordert habe.
Zum Weiterlesen
- Offene Immobilienfonds: Abschläge im Börsenhandel
- Beste Offene Immobilienfonds: die Performance 2009 im Vergleich
- Neue Ratings von Scope für Offene Immobilienfonds








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