Sind Finanzmärkte effizient? Drei Argumente
Die These effizienter Finanzmärkte ruht vor allem auf diesen wesentlichen Annahmen
Als Argument für passive Geldanlage mit ETFs wird oft angeführt, dass Finanzmärkte effizient seien, dass also die Preise der gehandelten Wertpapiere stets fair sind, alle öffentlich verfügbaren Informationen bereits enthalten und sich in Windeseile an neue Informationen anpassen. Dabei wird diese These immer wieder in Zweifel gezogen - vor allem von der verhaltensorientierten Ökonomik (Behavioral Finance). Da ich mich seit einiger Zeit damit beschäftige, möchte ich in einer kleinen Artikelserie verschiedene Aspekte des Themas Effizienz/Ineffizienz der Finanzmärkte beleuchten. Heute: Grundlagen.
Die Annahme, dass Finanzmärkte, also etwa Aktien- und Anleihenmärkte effizient sind, stützt sich auf verschiedene Argumente. Das Charmante: Jedes für sich würde alleine ausreichen, um die Effizienz der Märkte zu begründen. Wenn eines also nicht haltbar ist, dann sagt das noch nichts über die Gültigkeit der Theorie insgesamt aus.
1. Argument: Investoren handeln rational
Das erste Argument ist denkbar einfach: Die an den Märkten tätigen Investoren handeln rational und sind nicht bereit, für ein Wertpapier einen Preis zu zahlen, der über den fairen Preis hinausgeht. Daher sind die Finanzmärkte effizient.
2. Argument: Die irrationalen Investoren neutralisieren sich gegenseitig
Das zweite Argument räumt im Grunde bereits ein, dass die Annahme von den rationalen Investoren zu optimistisch ist. Es besagt nämlich, dass die Handlungen derjenigen Investoren, die nicht rational handeln, sich gegenseitig neutralisieren. In anderen Worten: Die irrationalen Handlungen uninformierter Investoren sind größtenteils zufällig und korrelieren nicht miteinander. Sie sind nicht von einem gemeinsamen Fehler, einer einheitlichen Tendenz geprägt.
3. Argument: Arbitrageure beseitigen die verbleibende Ineffizienz durch ihre Geschäfte
Das dritte Argument schließlich legt nahe, dass Finanzmärkte auch dann effizient sind, wenn die rationalen Investoren in der Minderheit sind und die Fehler der irrationalen Investoren miteinander zusammenhängen (wenn sie etwa alle gemeinsam Aktien von Internetunternehmen kaufen). Es besagt, dass Arbitrageure eventuell bestehende Ineffizienzen schnell abbauen. Arbitrageure - das sind rational handelnde Investoren, die überbewertete Wertpapiere erkennen und diese dann (leer-)verkaufen, um in ein identisches oder zumindest sehr ähnliches Papier zu investieren. Das einfachste Beispiel dafür ist der Kauf einer Aktie an einer und der gleichzeitige Verkauf der gleichen Aktie an einer anderen Börse. Denkbar ist aber auch der Verkauf deutscher und gleichzeitige Kauf französischer Staatsanleihen. Oder der Verkauf eines überbewerteten Unternehmens einer Branche zugunsten eines unterbewerteten. Die Möglichkeiten sind vielfältig (und doch begrenzt, wie wir später sehen werden...).
Das jedenfalls sind die wesentlichen theoretischen Argumente für die These, dass Finanzmärkte effizient sind.
Zum Weiterlesen
- Der stachlige Weg zur richtigen Entscheidung
- Buchbesprechung: Burton G. Malkiel - A Random Walk Down Wall Street
- Ihre 4 größten Schwächen als Anleger
zwei Kommentare
Hallo Kleinanleger,
Sie haben natürlich Recht – ich habe da einen kleinen logischen Sprung gemacht. Fairness kommt in wissenschaftlichen Definitionen zur Markteffizienz (die es ja in verschieden strenger Form gibt) nicht vor. Allerdings bin ich trotzdem geneigt zu sagen: Je effizienter, desto fairer sind die Preise. Man kann ja deshalb (theoretisch) keine Überrenditen erzielen, weil es keine Informationsvorteile einzelner geben kann, da eben alle Informationen in Windeseile in den Kursen enthalten sind. Was aber kann einen fairen Preis gewährleisten, wenn nicht diese Eigenschaft effizienter Märkte?
Übrigens sollte auf diesen kleinen Artikel eigentlich noch eine Reihe von Nachfolge-Artikeln erscheinen, die erklären, warum Finanzmärkte eben doch nicht so richtig effizient sein dürften. Na ja, aufgeschoben, ist nicht aufgehoben…
Grüße








Hallo, Herr Handstein!
Ich habe einen kleinen Einwand zu Ihrem ersten Absatz, in dem Sie die Effizienz der Finanzmärkte damit gleichsetzen, dass die Preise der Wertpapiere “fair” seien.
Das leuchtet mir nicht ein. Soweit ich das verstanden habe, ist ein Markt dann effizient, wenn man weder durch Charttechnik noch durch Fundamentalanalyse eine (risikoadjustierte) Überrendite gegenüber dem Markt erzielen kann. “Fairness” oder “Unfairness” kommen darin überhaupt nicht vor.
Erstaunte Grüße vom KLEINANLEGER