Eigentlich finde ich die allmonatliche BVI-Absatzstatistik mittlerweile zu langweilig, um über sie zu berichten - schon, weil sie immer so lange nach den tatsächlichen Mittelbewegungen erscheint. Die jetzt veröffentlichte Statistik für den Monat Mai hat aber zumindest einen ziemlich interessanten Artikel in der FTD provoziert und wirft eine spannende Frage auf: Wurde der Offene Immobilienfonds SEB Immoinvest im Mai geschlossen, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre?
Wir erinnern uns: Das Bundesfinanzministerium hat Anfang Mai einen - inzwischen entschärften - Gesetzentwurf vorgelegt, der unter anderem einen zehnprozentigen Bewertungsabschlag auf alle Immobilien vorsah, die von Offenen Immobilienfonds gehalten wurde. Nach der Veröffentlichung herrschte für einige Zeit Panik unter den Immobilienfonds-Anlegern (und wohl auch bei den Anbietern, wenn man sich einige Veröffentlichungen aus diesen Wochen anschaut). Die Anleger gaben massenweise Fondsanteile zurück. In kurzer Folge wurden der Kanam Grundinvest, der SEB Immoinvest und der CS Euroreal geschlossen.
Alles in allem zeichnet die BVI-Statistik diese Bewegung wohl auch nach: 1,4 Mrd. Euro wurden laut FTD im Mai aus Offenen Immobilienfonds abgezogen - die höchste Summe seit dem Herbst 2008. Kein Wunder also, dass einige Fonds schließen mussten.
Nur: Der FTD zufolge flossen aus dem SEB Immoinvest gerade einmal 8,6 Mio. Euro ab. Der Fonds hat ein Volumen von 6,3 Mrd. Euro. Wir reden also über 1,3 Promille des Fondsvermögens - und das bei einer Bruttoliquidität des Immoinvest von 1,2 Mrd. Euro oder 18,6 Prozent des Fondsvermögens (wieder: der FTD zufolge). Der SEB Immoinvest hätte also wohl Mittelabflüsse in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe verkraften können.
Gab es überhaupt hohe Mittelabflüsse beim SEB Immoinvest?
Aber gab es die überhaupt? Irgendwelche von der FTD zitierten Insider argwöhnen, dass unfassbar hohe Mittelabflüsse innerhalb von einem oder zwei Tagen nötig gewesen wären, um den Immoinvest ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die Fondsgesellschaft selbst spricht in der Tat von einem dreistelligen Millionenbetrag. Aber noch mal: Auch so was hätte der Fonds wohl verkraften können.
Musste er aber offenkundig nicht - schließlich gab es auf Monatssicht nur ein minimales Minus. Vermutlich hat die Fondsschließung einen Großteil der Abflüsse verhindert. Derartige Rücknahmeaussetzungen erfolgen schließlich immer von jetzt auf gleich, so dass auch bereits angemeldete Rückgabewünsche in der Regel nicht mehr ausgeführt werden.
So, jetzt die Preisfrage: Verdient die Fondsgesellschaft nicht kräftig Geld daran, dass hunderte Millionen von Euro im Fonds gebunden bleiben - und zwar für mindestens drei Monate vom Mai an gerechnet? Die Verwaltungsvergütung liegt laut SEB-Website bei 0,65 Prozent. Die Verhinderung von 100 Mio. Euro an Mittelabflüssen rettet also über einen Zeitraum von drei Monaten Einnahmen in Höhe von 163.000 Euro. Die Verhinderung von 500 Mio. Euro an Mittelabflüssen bringt folglich sogar mehr als 800.000 Euro.
Da kann man schon mal schwach werden und "zum Schutz aller Anleger" ein bisschen vorschnell die Anteilsrücknahme aussetzen. § 81 des Investmentgesetzes scheint dafür allemal genügend Spielraum zu bieten.
Oder ist dieses Gedankenspiel aus irgendeinem Grund fehlerhaft?

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Es ist nicht nur, dass es wenig Mittelabflüsse gab. Die SEB wusste zu der Zeit längst, dass ihr größtes Vertriebsnetz in Deutschland verkauft werden sollte; denn das deutsche Retail-Geschäft der SEB sollte an Santander verkauft werden und hat Milliarden in den Fonds gespült.
Da Santander ein eigenes Research hat, ist es fraglich, dass der ImmoInvest auch weiterhin von der Santader vertrieben wird. Die SEB hat also Zeit gewonnen, um neue Vertriebspartner zu gewinnen.
Lustig ist auch, das Barbara Knoflach sowohl Vorstandsvorsitzende der SEB Asset Management als auch Fondsmanagerin des ImmoInvest ist und gleichzeitig im Vorstand des BVI residiert. Sie wusste genau, dass es knapp für ihren Fonds wird.