Glaubt eigentlich noch jemand Analysten und ihren Empfehlungen?
Alstria Office REIT und ein schönes Beispiel für die Verflechtung von Interessen
Nach dem Platzen der Internet-Blase habe ich aufgehört, an den Wert von Analystenempfehlungen zu glauben. Und ungefähr seit dieser Zeit wundere ich mich wieder und wieder, warum nicht auch alle anderen mit mir vom Glauben abgefallen sind. Meiner Skepsis zum Trotz bezahlen praktisch alle großen Banken aber immer noch Analysten. Und die sprechen immer noch Empfehlungen für (und nur selten gegen) Aktien aus. Und wenn ich über diese Empfehlungen stolpere, dann wundere ich mich.
Beispiel Alstria Office REIT: Das Immobilienunternehmen hat gestern gemeldet, dass es einen großen Konsortialkredit refinanziert und damit die eigene Finanzierung bis zum Jahr 2014 gesichert hat. Ich als Kleinaktionär habe mich natürlich darüber gefreut, dass mein Unternehmen eine große Sorge weniger hat. Und natürlich habe ich einen genaueren Blick auf die entsprechende Ad-hoc-Mitteilung geworfen.
Kredit und Kaufempfehlung für Alstria Office von den gleichen Banken
Da steht unter anderem: „Der neue Kredit wurde von der UniCredit Bank AG arrangiert, weitere Mitglieder des Konsortiums sind die Berlin-Hannoversche Hypothekenbank AG, Eurohypo Aktiengesellschaft, HSH Nordbank AG und Natixis.“
Und was darf ich heute lesen? „Positives Feedback auf den Kreditabschluss“. Hinter der Überschrift bei Stock World verbergen sich - klar - „Analysen“ zweier Banken. Es handelt sich um die Analysten von Unicredit (also dem Konsortialführer) und der Commerzbank (deren Immer-noch-Tochterunternehmen Eurohypo ebenfalls zum Kreditkonsortium gehört).
Wer hätte da mit einer positiven Reaktion gerechnet? Aber egal – ich bin mir sicher, die Analysten beider Häuser beobachten die Aktie schon lange. Und selbstverständlich sind sie völlig unabhängig von anderen Abteilungen im Konzern.
Oder?
Zum Weiterlesen
- Alstria und ich - mein Aktien-Tagebuch
- Fehler eines Privatanlegers - der Neue Markt
- Aktien: IPOs als Warnzeichen für die Entwicklung der Börse
vier Kommentare
Hallo Marc,
ich stimme Dir zu. Der kleine Artikel ist ja auch eher eine Polemik, weil es mich gerade so ansprang. Ich höre mir aber zum Beispiel auch sehr gerne Analystenkonferenzen an, wenn die Unternehmen sie mir als Normalo zugänglich machen – einfach weil sie oft sehr interessante Fragen stellen, aus denen man lernen kann. Kluge Leute sind Analysten in aller Regel ja doch. Dennoch sollte man ihre Aussagen nie überbewerten (ich würde zum Beispiel nie eine Kaufentscheidung davon abhängig machen).
Am deutlichsten wird ja, wie absurd manche dieser Ein-Wort-Empfehlungen sind, wenn zwei Analysten bei gleicher Datenlage zu zwei entgegengesetzten Einschätzungen kommen…
Letztendlich versuchen die Analysten doch nur einen Trend vorzugeben. Je nachdem ob die Masse es glaubt, stimmt der Trend, ansonsten eben nicht.
Analysten für Modetrends oder Schokoriegel erscheinen mir dabei jedoch glaubwürdiger und besser einschätzbar. Bei allem was noch direkter mit Geld zu tun hat, überwiegt die Skepsis.








Naja blind sollte man Analysen, egal von wem, nie glauben. Aber oftmals kann man die darin verwendeten Argumente und Hintergründe ja überprüfen und sich selbst ein Bild machen – so wie Du im aktuellen Fall. Ich schätze die Arbeit der Analysten aber weiterhin, auch wenn die “chinese walls” zwischen Kredit-/Handels- und Researchabteilung oftmals doch nicht so hoch sind, wie gehofft. I.Ü. darf man eben einfach nicht das kurze Endresultat von “Kaufen” bis “Verkaufen” so ernst nehmen…