Noa Bank: der Tag nach dem Aus

Die Einlagensicherung springt ein, aber Anleger müssen wohl noch Monate auf ihr Geld warten

Erst im November 2009 nahm die Noa Bank das Kundengeschäft auf, gestern verhängte die Bafin ein Moratorium über die Bank. Das Ende. Für die Anleger beginnt nun das Warten auf eine Entschädigung. Aufregend war die kurze Geschichte der alternativen Bank aber schon in den Monaten zuvor. Ein kurzer Überblick über Anfang und Ende der Noa Bank (und einige wichtige Ereignisse zwischendrin).

November 2009: der Start als "andere Bank"

Gegründet wurde die Noa Bank im August 2009. Im November ging es dann richtig los. Nach dem Start versprach Gründer Francois Jozic, das Institut zu einer "anderen Bank" zu machen. Das war dann auch die Domain, unter der das hauseigene Blog firmierte, Jozic' bevorzugtes Kommunikationsinstrument. Die Bank startete mit einer übersichtlichen Angebotspalette. Es gab ein Girokonto, Tagesgeld, Festgeld und die (deutlich riskantere) Möglichkeit, "Citizen Partner" zu werden. Mit dem Geld der Kunden wollte Jozic nicht spekulieren - sondern Firmen aus der von den Anlegern gewünschten Region Geld zur Verfügung stellen oder Projekte aus dem Umwelt- und Kulturbereich finanzieren. Zur schönen Geschichte des kamen hohe Zinsen. Und der kurze Noa-Bank-Boom begann.

April 2010: ein kritischer Bericht ohne viel Substanz

Schon bald allerdings mischten sich kritische Stimmen unter die Jubelchöre - anfangs noch ohne viel Substanz. Ein Bericht von Spiegel Online nahm sich im April die umstrittene Vergangenheit der Gründer vor. Es ging um die offenbar kontroversen Geschäftspraktiken des Factoring-Unternehmens Quorum, das später als Noa Factoring in die Noa Bank integriert werden sollte. Der Bericht enthielt wenig Konkretes, und so verteidigte die Blogosphäre die Noa Bank vehement.

Juni 2010: Die Noa Bank verstößt gegen die eigenen AGB

Ende Juni dann der Anfang vom Ende: Die Noa Bank verkündet, sie nehme keine neuen Einlagen mehr an - nicht einmal mehr Tagesgeld von Bestandskunden. Grund: zu hohe Einlagen, zu niedrige Kreditvergabe. Die Noa Bank weiß nicht wohin mit dem Geld ihrer Kunden.

Der Annahmestopp ist umstritten: Die AGB enthalten eine Klausel, nach der die Einzahlung jederzeit möglich ist. Verständlich, dass auch die Kunden im Blog laute Kritik äußern. Viele allerdings stehen der Bank nach wie vor wohlmeinend gegenüber.

Einige Wochen durfte man sich über das rätselhafte Vorgehen der Bank äußern, dann brachte Bankgründer Jozic selbst Licht ins Dunkel - im bankeigenen Blog, klar. In einer ziemlich wüsten Mischung aus Fakten und Verschwörungstheorien erklärte er, die Bafin habe der Noa Bank untersagt, weitere Kundengelder anzunehmen. Weil die Bank nach der Integration der Noa Factoring über zu wenig Eigenkapital verfüge und die Bafin an der Profitabilität des Instituts zweifle. Und natürlich, weil mächtige Drahtzieher im Hintergrund die "andere Bank" zu Fall bringen wollten:

"In diesem Moment, in dem ich zu Ihnen spreche, üben die großen Banken und das Establishment Druck auf die Finanz-Autoritäten aus um die noa bank verschwinden zu lassen und sicherzustellen, dass ihre Herrschaft nie wieder in Frage gestellt wird … damit die finanzielle Demokratie eine Totgeburt ist."

Was soll man sagen? Nicht gerade der Stil eines Menschen, dem ich persönlich mein Geld anvertrauen würde.

August 2010: Anleger kommen nicht mehr an ihr Geld

Gestern meldete die Noa Factoring dann Insolvenz an, und die Bafin verhängte ein Moratorium über die Noa Bank. Sie untersagte der Bank, Zahlungen entgegenzunehmen, die nicht der Begleichung von Schulden dienen, und sie hat die Schließung des Kundenverkehrs veranlasst. Das war's wohl.

Die Menschen, die auch nach der jüngsten Zinssenkung noch Einlagen bei der Noa Bank haben, müssen nun zunächst auf ihr Geld warten. Der Bafin zufolge hat die Bank gegenüber ihren Kunden Verbindlichkeiten Einlagen bis 50.000 Euro sind aber von der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken gedeckt. Nach Angaben der Stiftung Warentest dauert es in der Regel einige Monate, bis Kunden von Pleitebanken tatsächlich entschädigt werden. Was mit Kundengeldern geschieht, die die 50.000-Euro-Grenze überschreiten, bleibt wohl abzuwarten. Und ob auch die Citizen Partner etwas von ihrem Geld wiedersehen, ist (zumindest für mich) derzeit völlig unklar.

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zwölf Kommentare

Niels

Was soll man sagen? Nicht gerade der Stil eines Menschen, dem ich persönlich mein Geld anvertrauen würde.

So sehen Du und ich das. Mancher Zeitgenosse mit Hang zu querulatorischen und paranoiden Tendenzen dürfte sich von so einer Tonlage aber warmherzig angesprochen gefühlt haben. :) “Endlich versteht mich einer!”

Niels, (E-Mail ) (URL) - 19-08-’10 19:35
Holger

Da hast Du wohl recht – Verschwörungstheorien waren ja schon immer beliebt, um einen Kreis von Anhängern hinter sich zu scharen…

Holger, (URL) - 19-08-’10 20:56
Rene

Habe mich leider auch von anfänglichen positiven Presseartikeln blenden lassen…

Rene, - 23-08-’10 19:07
Holger

Ist ja keine Schande – das Tagesgeldkonto war ja, glaube ich, sogar Testsieger bei Finanztest. Bis Mitte Juni hätte ich mir – trotz negativer Presse im April – auch keine Sorgen gemacht. Ich hoffe, Du hast nicht zu viel angelegt und bist nicht “Citizen Partner” geworden – dann hilft ja zumindest die deutsche gesetzliche Einlagensicherung, und der größte Schaden dürften die entstehenden Unannehmlichkeiten sein.

Holger, (URL) - 23-08-’10 19:22
Rene

@Holger: Ich hatte mal nach einer anderen Anlage gesucht und fand die Citizen-Idee gut. Also ist mein Geld weg. Ich denke nicht, dass in der Insolvenzmasse noch was stecken wird.

Rene, (E-Mail ) - 31-08-’10 22:42
Holger

Tut mir leid, das zu hören. Die Idee wurde am Anfang tatsächlich gut verkauft, finde ich. Aber solche Genussrechts-Geschichten sind halt immer schweineriskant. Nur wusste damals leider niemand so richtig, wie inkompetent die ganze Bank geführt wurde. Ich denke auch, das Geld ist weg – zunächst mal werden ja alle anderen Gläubiger aus der Insolvenzmasse befriedigt.

Holger, (E-Mail ) (URL) - 01-09-’10 20:55
Nils

Ist eigentlich inzwischen schon etwas passiert? Ich bin von der Noa Bank auf Grund eines schlechten Bauchgefühls glücklicherweise rechtzeitig wieder weg. Dennoch würde mich interessieren, ob die betroffenen inzwischen ihr Geld erhalten haben…

Nils, (URL) - 17-10-’10 10:05
Holger

Gehört habe ich davon auch nichts mehr. Laut EdB-Banken wurde am 23. September mit der Entschädigung begonnen. Ich gehe davon aus, dass das Verfahren inzwischen weit gehend abgeschlossen sein sollte. Für Anleger, die Ansprüche im Insolvenzverfahren anmelden müssen, dürfte sich das Ganze aber noch eine Weile hinziehen (wobei auch das eine bloße Vermutung ist – darüber habe ich jedenfalls überhaupt nichts Neues gehört in den vergangenen Wochen.

Holger, (URL) - 17-10-’10 10:19
Nils

Danke für die schnelle Rückmeldung.
Ich gehe auch mal davon aus, dass das alles geregelt seinen Gang geht. Sonst hätte man vermutlich auch schon was von den Betroffenen gehört, denke ich mal. So deute ich zumindest die “Ruhe” zu diesem Thema.

Nils, (URL) - 17-10-’10 10:54
Holger

Ja, das denke ich auch. Keine Nachrichten bedeutet hier: gute Nachrichten.

Holger, (URL) - 17-10-’10 13:22
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