Der Noa Bank nachzuweinen lohnt sich nicht
Die Idee des gescheiterten Instituts erschien anfangs charmant - doch es gibt genügend Alternativen
Mit dem Ende der Noa Bank ist es ein wenig wie damals mit dem Untergang des Kommunismus: In den 90er Jahren gab es nur wenige, die ernsthaft die Sowjetunion oder die DDR gut fanden – aber dass Kommunismus an sich eine schöne Idee sei, damit konnten sich viele anfreunden.
Auch die gute Idee hinter der Noa Bank wurde in den vergangenen Tagen immer mal wieder gelobt – bei aller Kritik im Detail.
Lob für die "gute Idee" im Blick Log
Ein Beitrag im Blick Log wartete sogar in der Überschrift mit dem Ausdruck aus: „Ende eines Newcomers: Die Noa Bank war eine gute Idee“. Aber ernsthaft: Die (öffentlich kommunizierte) Idee hinter der Noa Bank war alles andere als neu. Und wer wirklich wegen irgendwelcher Ideen Geld bei der Bank angelegt hat und nicht wegen der lange Zeit verführerisch hohen Zinsen, der kann jetzt auf ähnliche, besser geführte Institute zurückgreifen.
Noch mal zurück in die Blogosphäre. Ein genauerer Blick ins Blick Log lohnt sich ja fast immer. Im Beitrag zur Noa Bank heißt es unter anderem:
„Die Schwäche der Noa Bank ist für den noch sehr zerbrechlichen Markt ein herber Rückschlag und wird die Kritiker der neuen Form eines transparenteren und die Kunden einbeziehenden Bankings bestärken. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Freudetänze der Bewahrer des Traditionsbankings zu früh kommen. Das Ende des Banking 2.0 ist damit genau so wenig eingeläutet, wie das Ende des Investmentbankings, das viele Beobachter nach der Pleite von Lehman und dem Erwerb “normaler” Banklizenzen von Goldman Sachs und Co. vor zwei Jahren ausgerufen haben.“
Aha, Banking 2.0 also. Was aber an den Angeboten der Noa Bank so sehr „2.0“ gewesen sein soll, hat sich mir nie erschlossen und erschließt sich mir auch jetzt nicht. Transparente Kreditvergabe nach strengen Vorgaben? Machen die genossenschaftliche GLS Bank oder die börsennotierte Umweltbank (um nur zwei Beispiele zu nennen) schon lange – und offenbar deutlich kompetenter. Kommunikation mit den Kunden über ein Blog? Hat bei der Noa Bank eher schlecht als recht funktioniert – und außerdem hat mittlerweile jede größere Strukkibude ein eigenes Blog. Auch kein Qualitätskriterium.
Viel mehr fällt mir schon gar nicht mehr ein. Höchstens noch die schicke Intellektuellen-Brille von Noa-Bank-Gründer Francois Jozic, das Gerede von der „finanziellen Demokratie“ und die Tatsache, dass die Noa Bank eben neu war, ein Kind des Web-2.0-Zeitalters, zu dem aus irgendeinem Grund auch Banking 2.0 gehören muss. Und als Bannerträger für eine solche Bewegung eignet sich eine in den 70er-Jahren gegründete Öko-Bank scheinbar nicht, egal wie viel sie über Twitter mit ihren Kunden kommuniziert und egal wie nachhaltig und transparent ihre Kreditvergabe ist.
Lothar Lochmaier: "neue, sehr unterschiedliche Ansätze"
Wirklich nachvollziehen kann ich das aber alles nicht. Auch Lothar Lochmaiers Beitrag zum Thema hat mir in dieser Hinsicht nicht wirklich weitergeholfen. Lochmaier spricht mit Verweis auf sein eigenes Social-Banking-Buch „von klassischen Ansätzen beim Social Banking – und von neuen, sehr unterschiedlich ausgerichteten internetbasierten Konzepten der Ausrichtung ,2.0', die ein deutlich anderes Klientel ansprechen – und die sich in ganz unterschiedliche evolutionäre Ansätze auffächern."
Nun habe ich das Buch nicht gelesen. Vielleicht verstehe ich deshalb nicht, inwiefern die Noa Bank eine grundlegend neue Idee gewesen sein soll, nur weil das Marketing stärker internetbasiert ist als das anderer „sozialer Banken“. Mir scheint aber ein entscheidenderer Unterschied zu sein, dass andere Banken ihre Versprechungen hinsichtlich Transparenz und regelgeleiteter (um nicht direkt zu sagen: ethischer oder ökologischer) Mittelverwendung besser erfüllen können.
Und vielleicht, dass andere Banken nicht zur Refinanzierung von Factoring-Töchtern mit merkwürdiger Vergangenheit dienen.
Aber das ist zynisch und nach dem Aus der Bank natürlich schnell geschrieben. Dennoch: Der Noa Bank sollte niemand eine Träne nachweinen – von den Menschen, die Geld in die Bank gesteckt haben, mal abgesehen. Schließlich liegt nach wie vor im Dunklen, welche Idee wirklich hinter der Gründung des Instituts steckte. Und das, was als Idee kommuniziert wurde, können andere auch.
Zum Weiterlesen
- Noa Bank: der Tag nach dem Aus
- Wie sicher sind Prokon Genussrechte?
- Finanztest: Banken mit kostenlosem Girokonto im Vergleich
sieben Kommentare
Ja, die Fidor Bank würde ich auch am ehesten mit Banking 2.0 verbinden. Ich habe sie aber hier absichtlich rausgelassen, weil ich immer noch denke, dass sie wenig mit der Noa Bank gemeinsam hat.
Lieber “Privatanleger”,
vielleicht kann ich doch noch mit einem Leserkommentar jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei zur Noa Bank (und jenseits von Parteinahme) mit einem Leserkommentar zur Aufhellung der Frage beitragen, was das Besondere an deren Web 2.0-basiertem Ansatz ist oder war. Auf meinem Weblog gibt es dazu folgenden Kommentar zum Scheitern der Noa Bank:
“Schade eigentlich, denn das Konzept der transparenten Geldvergabe hatte schon etwas für sich. Nach ethischen oder ökologischen Gesichtspunkten agierende Banken gibt es ja noch einige in Deutschland aber nur die noa bank gab ihren Anlegern die Möglichkeit, zu entscheiden, in welche Themen ihr Geld investiert werden soll. Mal schauen, wann eine neue oder andere Bank diese Idee wieder aufgreift.”
Wohl gemerkt, es geht hier nicht darum, die Seriösität der Firma zu thematisieren oder diese gar zu verteidigen, da gab es (mindestens) gravierende Managementfehler, die noch ein großes Nachspiel haben werden – sondern es gilt, einige grundsätzliche Besonderheiten jenseits der (zu) hohen Zinsen für die Anleger heraus zu streichen.
Wer die Unterschiede in der Anlage der Business-Strategie (jenseits der fatalen Integration von Noa Factoring in das neue Firmenkonstrukt) etwa zwischen einer Fidor Bank und einer Noa Bank genauer untersuchen möchte, der sollte sich das Buch “Die Bank sind wir” genauer anschauen. Dort können professionelle Akteure sich mit neuen Ansätzen in der Zielgruppensegmentierung auseinandersetzen.
Hallo Lothar,
Sie haben Recht – da habe ich einen entscheidenden Aspekt ausgelassen. Bewusst ist das aber nicht geschehen. Die Wahlmöglichkeit ist in der Tat etwas, dem man als Bankkunde nachweinen darf.
Der Beweis, dass sie auch Teil des Geschäftsmodells einer profitabel wirtschaftenden Bank sein kann, steht aber noch aus. Ich habe meine Zweifel, weil es dadurch halt deutlich schwerer wird, dass Geldangebot und Kreditnachfrage zusammenkommen. Aber vielleicht gibt es ja eine Lösung für dieses Problem.
Danke für den Hinweis!
Eigentlich müsste jedem klar sein, das man wegen 0,x Prozent höherer Zinsangebote nicht zu einer völlig neuen Bank wechseln sollte – wie bei der noa Bank.
Wer wert auf hohe Zinsen legt, kann sich in jeder Finanztest-Ausgabe seriöse und erfahrene Banken raussuchen.
Wer hingegen wirkliche Umwelt- oder Ökobanken sucht, sollte sich die GLS-Bank oder die Umweltbank anschauen. Infos beispielswiese unter http://www.forestfinance.de/GLSBank_Oeko..
Beide Banken sind sehr empfehlenswert, sehr erfahren und sehr seriös. Die GLS Bank ist etwas ökologischer, die Umweltbank zahlt etwas höhere Zinsen.
“Eigentlich müsste jedem klar sein, das man wegen 0,x Prozent höherer Zinsangebote nicht zu einer völlig neuen Bank wechseln sollte – wie bei der noa Bank….”
aber genau so ist es. Im neuen Jahr plant jeder zehnte Bankkunde, seine Bank zu wechseln.
Hier der Artikel dazu:
http://www.biallo.de/finanzen/Konten_Kar..








Eine neue Bank, die den 2.0-Gedanken noch stärker aufnimmt, ist z. B. die Fidor Bank.