ETF-Depot: Was bringt Rebalancing?

ETFexplorer hat die Effekte der regelmäßigen Anpassung der Portfoliogewichte für verschiedene Depots untersucht

Als ich die Überschrift "Portfolio Backtesting: Mehr Rendite bei weniger Risiko durch geschickte Depotanpassungen" las, wollte ich eigentlich schon dazu ansetzen zu erklären, warum eine Optimierung eines auf die Zukunft ausgerichteten Portfolios anhand von Vergangenheitsdaten zumindest immer mit Vorsicht zu genießen ist. Aber: Hinter der Newspaper-Headline verbarg sich eigentlich nur eine kleine Untersuchung des Einflusses von Rebalancing auf Rendite und Volatilität verschiedener Depots. Und dagegen lässt sich eigentlich nichts einwenden.

Rebalancing - das funktioniert wie folgt: Man legt zunächst fest, wie die verschiedenen Anlageklassen in einem Depot gewichtet werden sollen. Also zum Beispiel: 40 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen, 20 Prozent Immobilien, 10 Prozent Rohstoffe. Nun beobachtet man die Entwicklung seines Depots. Durch die Bewegung der Märkte verschieben sich mit der Zeit die Gewichte der Anlageklassen zueinander. Dem begegnet man, indem man regelmäßig durch Käufe und Verkäufe dafür sorgt, dass die Tatsächliche Gewichtung der Anlageklassen wieder mit der zu Beginn festgelegten Gewichtung übereinstimmt. Also: Hat sich der Aktienmarkt gut entwickelt, dann verkauft man Aktien-ETFs. Gab es einen Börsencrash, kauft man Aktien-ETFs nach.

Wie hätte die optimale Rebalancing-Strategie ausgesehen?

Die Kollegen vom ETFexplorer haben nun überprüft, welche Rebalancing-Strategie in den vergangenen 10 Jahren die besten Effekte erzielt hätte. Dazu haben sie sich vier ETF-Depots mit verschieden hohen Aktien-Gewichtungen zwischen 20 und 100 Prozent angeschaut. Verglichen wurde die Entwicklung der Depots in zwei Szenarien: In einem wurden sie "aktiv bewirtschaftet", also Rebalancings unterzogen, im anderen wurden sie einfach liegengelassen. Letzteres ist auch als Buy & Hold bekannt.

Die Untersuchung zeigt nun, wie oft man in den vergangenen Jahren solche Rebalancings hätte durchführen müssen, um optimale Ergebnisse zu erzielen - und bei welcher Abweichung der tatsächlichen Depot-Gewichtung von der Ziel-Gewichtung die Rebalancings hätten erfolgen müssen.

Ergebnis: Wer zu oft rebalanciert, verringert (wohl durch die entstehenden Kosten) die Portfoliorendite. Grundsätzlich führt "aktives Bewirtschaften" aber zu einer Überrendite.

Erstaunlich war für mich dabei, wie selten Rebalancings durchgeführt werden mussten - nämlich zwischen zwei und vier Mal über fünf Jahre hinweg. Das führte zu Überrenditen von bis zu 2 % pro Jahr gegenüber dem reinen Buy & Hold. Gleichzeitig schwankten die Depots auch noch weniger stark.

Problem: die Optimierung der Rebalancing-Strategie für die Vergangenheit

Einziges Problem: Auch wenn die Zahlen noch so schön den Sinn des Rebalancings zeigen - eine richtige Anleitung für zukünftiges Verhalten können sie nicht liefern. Die Strategien sind eben für einen ganz bestimmten Zeitraum nachträglich optimiert worden.

Mitnehmen kann man allerdings, dass man keinesfalls zu oft rebalancieren sollte. Vielmehr sollte man neben der Ausgangsgewichtung auch eine Investitionsbandbreite festlegen. Also zum Beispiel: Mein Depot soll 40 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen und 20 Prozent Rohstoffe enthalten - und Schwankungen von +/- 5 Prozentpunkten um diese Werte herum toleriere ich. Werden diese Schwellen überschritten, erfolgt ein Rebalancing.

Das erscheint mir auch intuitiv sinnvoller, als stumpf feste Rebalancing-Intervalle festzulegen und dann die Gewichte exakt anzupassen, egal wie klein die Abweichung von der Zielgewichtung ist.

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acht Kommentare

KLEINANLEGER

Hallo, Herr Handstein!

Das ist ein sehr interessanter Beitrag. Zunächst einmal 5 Sterne dafür.

Aber: Wie kann es sein, dass beim dynamischen Depot in 5 Jahren nur 3 Rebalancierungen vorkommen sollen?

Die Investitionsbandbreite liegt (nur) bei 8,75%.

Wenn ich mir den für die Performancemessung verwendeten Zeitraum vom 01.01.2001 bis zum 01.01.2010 anschaue, dann schwankt der SMI (der ja im Aktienanteil enthalten ist) heftig zwischen 4000 und 9000 Punkten hin und her. Ich kann dort keinen Fünfjahreszeitraum entdecken, in dem es keine starken Schwankungen gegeben hätte. Es müssten demnach etliche Rebalancierungssignale ausgelöst worden sein. Wie kann es dann nur zu drei Rebalancings kommen?

Viele Grüße vom KLEINANLEGER

KLEINANLEGER, - 14-09-’10 16:37
Holger

Hallo Kleinanleger,

ich habe ja geschrieben, dass ich auch überrascht war, wie selten ein Rebalancing nötig ist. Ernsthaft aufklären kann ich das auch nicht – ich verfüge weder über die nötigen Daten noch über halbwegs ernstzunehmende Kenntnisse der Mathematik. Es ist auch schade, dass die kleine Untersuchung beim ETFExplorer so knapp gehalten ist.

Aber es ist wohl tatsächlich so, dass einiges geschehen muss, damit ein Rebalancing nötig ist. Ich habe das dynamische Depot der Einfachheit halber mal in einen risikobehafteten Teil aus Aktien, Immobilien und Rohstoffen (80 %) und einen risikolosen Teil aus Staatsanleihen (20 %) geteilt. Wenn nun der risikobehaftete Teil 35 Prozent an Wert verliert und der risikolose Teil unverändert bleibt, dann ist das Gewicht des risikobehafteten Teils im Portfolio nur um 7,8 Prozentpunkte gesunken. Und auch bei steigenden Kursen dauert es sehr lange, bis der Anteil auf 87,5 Prozent angestiegen ist. Intuitiv würde ich sagen: Das passt schon. Oder übersehe ich etwas?

Holger, (URL) - 14-09-’10 21:48
KLEINANLEGER

Hallo, Herr Handstein!

Ihre Berechnung kann so nicht stimmen. Wenn der risikoBEHAFTETE Teil im Wert um 35% fällt, dann muss umgekehrt der Wert des (unbewegten) risikoLOSEN Teils relativ dazu steigen. In Ihrem Beispiel täte er das auch; um ca. 7,8%.

Aber das ändert nichts daran, dass nach Ihren eigenen Angaben im geschilderten Beispiel der risikobehaftete Teil ja gerade eben um 35% fällt und dadurch eben MEHRERE Rebalancing-Signale ausgelöst werden.

Oder ist die Studie so zu verstehen, dass nur dann rebalanciert werden soll, wenn SÄMTLICHE Assets den Toleranzbereich verlassen haben? Dies indes leuchtete mir nicht ein.

Viele Grüße vom KLEINANLEGER

KLEINANLEGER, - 15-09-’10 17:22
Holger

Ich verstehe die Studie so, dass rebalanciert wird, wenn die Wunsch-Allokation von der tatsächlichen Allokation um mindestens 8,75 Prozentpunkte abweicht – wenn also statt 80:20 ein Verhältnis von 71,25:28,75 vorliegt. In der Tat haben sich dabei allerdings beide Assetklassen um jeweils 8,75 Prozentpunkte bewegt.

Ob diese Interpretation richtig ist, kann ich nicht sagen. Aber sie würde erklären, warum so selten rebalanciert werden muss. Ein bisschen mehr Text zur Untersuchung wäre halt schön gewesen.

Grüße

Holger, (URL) - 15-09-’10 20:43
KLEINANLEGER

Ja, klar; bei 2 Assetklassen haben Sie recht. Aber schon bei 3 Assetklassen kann es problematisch werden.

Beispiel: Kapital 100.000 Euro, Aktienquote 80%, Anleihenquote 10%, Immobilienquote 10%. Nun halbiert sich der Wert der Aktien; die übrigen Assets bleiben unberührt. Ergebnis: Kapital 60.000 Euro, Aktienquote 66,7%, Anleihenquote 16,7%, Immobilienquote 16,7%.

Damit weicht die Aktienquote um 13,3% vom Zielwert ab, die Anleihen- und Immobilienquoten weichen jedoch jeweils nur um 6,7% vom Zielwert ab. Wenn der Toleranzbereich bei 8,75% liegt, haben die Aktien ihn verlassen, die übrigen Assets jedoch nicht. Das Signal ist in diesem Fall also nicht “eindeutig”; dennoch hätte ich wohl rebalanciert.

Sie haben vollkommen damit recht, dass “mehr Text” schön gewesen wäre.

Genug gerechnet! Viele Grüße!

KLEINANLEGER, - 16-09-’10 12:45
Holger

Hallo Kleinanleger,

Ihr Depot hat nun zwar drei Anlageklassen, aber nur dem Namen nach – zwei davon verändern sich nämlich überhaupt nicht, können also für unsere Zwecke als eine betrachtet werden. “Echte” drei Anlageklassen wären es ja nur dann, wenn sie sich auch unterschiedlich entwickeln würden.

Der Unterschied zu meiner Beispielrechnung: Der Absturz des Aktien-Anteils ist schlimmer. Ich würde in dem Beispiel übrigens auch zum Rebalancieren neigen – wenn die Schwelle hier nicht erreicht ist, wo dann?

Grundsätzlich sollten mehr Assetklassen das Risiko eines Portfolios aber eher verringern. Ich probiere noch mal ein Beispiel:

60 Prozent Aktien, 20 Prozent Rohstoffe, 20 Prozent Anleihen. Die Rohstoffe sind, für sich genommen, etwa so riskant wie Aktien. Jetzt gibt es einen Crash, die Aktien verlieren 50 Prozent, die Rohstoffe 25 Prozent, die Anleihen bleiben unverändert.

Aus 100.000 Euro werden demnach: 30.000 + 15.000 + 20.000 = 65.000 Euro.

Asset Allocation neu: 46.2 Prozent Aktien, 23 Rohstoffe + 31 Prozent Anleihen.

Rebalancing also auch hier – nur haben sich die Anteile von Rohstoffen und Anleihen unterschiedlich und weniger stark verändert als in Ihrem Beispiel.

Der Punkt meiner Beispielrechnung sollte aber auch eher sein: Schwankungen von +/- 30 Prozent sind eher selten. Und ein Verlust von 30 Prozent im Aktienanteil löst eben noch kein Rebalancing aus. Deshalb halte ich den Wert von 3 Rebalancings in 5 Jahren für sehr realistisch. Dass bei einem Verlust von 35 Prozent zurückgesetzt wird, ist in Ordnung. Dann aber dauert es erst mal eine ganze Weile, bis wieder was passiert.

Holger, (URL) - 16-09-’10 19:15
KLEINANLEGER

Hallo, Herr Handstein!

Auch ich hätte in Ihrem Beispiel rebalanciert (weil die Aktien so stark gefallen sind). Allerdings hat sich die Gewichtung der Rohstoffe eben nur um 3% verändert – und wie das nach der Studie zu bewerten ist, wird dort leider nicht gesagt.

Aber generell halte ich es für fraglich, ob man – wie Sie – bei der Berechnung der Prozentsätze immer vom Gesamtportfolio als Grundwert ausgehen sollte. Ich persönlich hielte es für logischer, als Grundwert den für die Assetklasse angestrebten Betrag anzusetzen.

Beispiel bei einem Depot über 100.000 Euro mit folgenden Sollquoten: Aktien 20%, Anleihen 80%.

Die Aktien fallen von 20.000 auf 15.000. Gesamtportfoliowert nunmehr 95.000.

Davon Aktienquote: 15,8%; Anleihenquote: 84,2%. Sie hätten nicht rebalanciert, da keine große Abweichung.

Ich dagegen sehe die Sache so: 20% (Aktiensollbestand) von 95.000 wären 19.000. Der Istbestand beträgt jedoch nur 15.000. Damit liegt der Istbestand ca. 21% unter dem Sollbestand. Ich sähe eine hohe Abweichung und hätte rebalanciert.

Allerdings müsste ich dann viel häufiger rebalancieren, als die Studie vermuten lässt.

Es handelt sich hier um eine der spannendsten Fragestellungen des passiven Investments. M. E. wird die Frage von der Studie leider nicht abschließend beantwortet.

Trotzdem natürlich vielen Dank für die Darstellung und die Diskussion!

Viele Grüße vom KLEINANLEGER

KLEINANLEGER, - 17-09-’10 13:03
Holger

Hallo Kleinanleger,

Sie haben völlig Recht – ist eine spannende Frage, und alles, was wir angesichts der dürftigen Informationen tun können, ist spekulieren. Als ich angefangen habe, passiv zu investieren, habe ich mir mal vorgenommen, ganz einfach einmal im Jahr zu rebalancieren. In der Praxis hat sich für mich aber gezeigt: Wenn man hin und wieder etwas hinzuspart, kann man sich Rebalancing eigentlich so ziemlich sparen.

Holger, (URL) - 18-09-’10 09:56
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