Buchtipp zur Finanzkrise: "The Big Short"

Zwei Jahre nach dem Fall von Lehman Brothers auf jeden Fall lesenswert: Michael Lewis' Buch über die Entstehung der Krise

Am 15. September jährt die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers sich zum zweiten Mal. Und ganz kurz vor diesem traurigen Jubiläum habe ich endlich ein wirklich tolles Buch zur Finanzkrise in die Hand bekommen: "The Big Short. Inside the Doomsday Machine" (deutsch: "The Big Short. Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte"). Es erklärt erstens anschaulich und verständlich, wie es zur Krise kam. Und zweitens ist es auch noch extrem spannend und zwischendurch sogar lustig.

Das durfte man allerdings auch erwarten, denn Michael Lewis hat in den 80er Jahren selbst als Investmentbanker bei Salomon Smith Barney gearbeitet und anschließend ein Buch darüber geschrieben: "Liar's Poker", sicher eines der berühmtesten Bücher über den Wahnsinn, der in den 80er Jahren an der Wall Street herrschte. Und ein Buch, das vor allem deshalb faszinierend ist, weil es aus der Insider-Perspektive über diesen Wahnsinn berichtet.

The Big Short - ein paar Porträts ungewöhnlicher Männer

Das Gleiche lässt sich auch über "The Big Short" sagen - auch wenn Lewis im Jahr 2010 nicht mehr über eigene Erfahrungen berichtet. Stattdessen porträtiert er ein paar ungewöhnliche Männer, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts in der US-Finanzbranche arbeiten. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben früh erkannt, dass etwas faul ist im Subprime-Sektor. Und sie wollen mit dieser Erkenntnis Geld verdienen.

Da ist Steve Eisman, der in den 90ern einen Job bei der eher kleinen Investmentbank Oppenheimer arbeitet. Dort wird er zum Subprime-Experten und macht sich einen Namen als jemand, der bei seinen Aktienanalysen kein Blatt vor den Mund nimmt. Schließlich gründet er seinen eigenen Hedgefonds. Der investiert in Aktien. Eigentlich. Irgendwann aber bauen Eisman und seine Kollegen große CDS-Positionen auf, mit denen sie darauf wetten, dass die von einer verantwortungslosen Branche vergebenenen und anschließend in Anleihen verpackten Subprime-Kredite ausfallen.

Dann ist da Michael Burry, ein einäugiger Einzelgänger, der am Asperger-Syndrom leidet und deshalb Probleme hat, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Allerdings fällt es ihm auch besonders leicht, Bilanzen und Verkaufsprospekte zu analysieren. Auch er betreibt einen Hedgefonds und investiert erfolgreich in Aktien. Eigentlich.

Weniger einzelgängerisch (und weniger sympathisch) ist Greg Lippmann, ein Händler der Deutschen Bank an der Wall Street, der es auch in Deutschland zu einiger Prominenz gebracht hat. Er wird als ziemlich aalglatt und ziemlich gewissenlos beschrieben, versucht aber tatsächlich seinen Kunden im großen, ein aus seiner Sicht gutes Geschäft zu verkaufen: CDS auf Subprime-Wertpapiere, Mortgage Backed Securities und Collateralized Debt Obligations (beim Schreiben dieses Begriffs habe ich immer noch große Schwierigkeiten, aber zumindest habe ich beim Lesen des Buches erstmals verstanden, wie die Dinger funktionieren). Aber natürlich handelt Lippmann dabei nicht selbstlos.

Skrupellosigkeit, Dummheit, regulatorische Rahmenbedingungen

Das ist nicht das gesamte Personal des Buches, denn natürlich kommen alle großen Investmentbanken, die Ratingagenturen, Versicherungen etc. vor,  aber ich will es mal bei dieser Aufzählung belassen. Jedenfalls: Anhand dieser verschiedenen Personen beschreibt Lewis sehr anschaulich und kraftvoll die Mischung aus totaler Skrupellosigkeit, erschreckender Dummheit und katastrophalen regulatorischen Rahmenbedingungen, die den Zusammenbrach von Fannie Mae, Freddie Mac, AIG, Hypo Real Estate und vielen anderen ermöglicht haben - und natürlich auch den Zusammenbruch von Lehman Brothers, dessen Jubiläum wir heute "feiern".

Und damit es am Ende auch ein bisschen lustig wird, hier noch ein Zitat aus dem Buch:

"Lippmann brimmed with fascinating details: the historical behavior of the American homeowner; the idiocy and corruption of the rating agencies, Moody's and S&P, who stuck a triple-B rating on subprime bonds, that went bad when losses in the underlying pools of home loans reached just 8 percent; the widespread fraud in the mortgage market; the folly of subprime mortgage investors, some large number of whom seemed to live in Düsseldorf, Germany. 'Whenever we'd ask him who was buying this crap,' said Vinny, "he always just said 'Düsseldorf'.'"

Welche Pleitebanken waren noch mal in Düsseldorf ansässig und wollten in New York ein großes Rad drehen?

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Ein Kommentar

Fadir

Der Einzelhandel ist nicht mehr normal

Fadir, - 07-01-’11 17:08
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