Geringerer Spread oder geringere Gebühren - an welcher Börse sollte man kaufen?
Gerade wer schwer handelbare Aktien kauft oder verkauft, sollte genau auf die impliziten Kosten achten
Den richtigen Börsenplatz zu finden, ist ein Dauerproblem - vor allem, wenn man ausländische oder aus einem anderen Grund schwer handelbare Wertpapiere kaufen oder verkaufen will. Eine Frage, vor der man dabei immer wieder steht: Soll man einen Handelsplatz mit niedrigen Gebühren wählen? Oder sollte man höhere Gebühren in Kauf nehmen, um an einer liquideren Börse mit geringerem Spread zu handeln?
Beispiel: Aktien eines amerikanischen, im S&P 500 geführten Unternehmens mit einer Marktkapitalisierung von knapp 10 Mrd. Euro werden an der NYSE mit einem Spread von 1 Cent gehandelt. Über Tradegate ist die Aktie mit einem Spread von 35 Cent handelbar. Wenn man über die NYSE handelt, erhält man einen 20 Euro-Cent besseren Kurs (bei einem Aktienkurs um 25 Euro).
Das Problem: Als deutscher Privatanleger zahlt man an US-Börsen höhere Gebühren. Bei meiner Bank beträgt die fixe Gebühr 20 statt 5 Euro. Die umsatzabhängige Provision liegt bei 0,25 % des Handelsvolumens.
Unter welchen Umständen sollte man nun an welchem Börsenplatz handeln? Gehen wir der Einfachheit halber mal davon aus, dass beide Börsen eine sofortige und komplette Orderausführung garantieren und zudem im Vorhinein einen verbindlichen Kurs anzeigen. Dann bleibt die reine Kostenfrage.
Börsenplätze im Vergleich - explizite und implizite Kosten
Dazu ein paar Beispiele.
Wer 50 Aktien im Wert von 1250 Euro kauft, zahlt an beiden Börsen die Mindestgebühr. Der Kauf an der NYSE schlägt also mit 15 Euro mehr zu Buche. Dem steht eine Ersparnis von 10 Euro durch den geringeren Spread gegenüber. Also: Der Kauf über Tradegate lohnt sich eher.
Schon bei einem Volumen von 100 Aktien bzw. 2500 Euro sieht die Sache aber anders aus. Für den Kauf über Tradegate fallen nun 11,20 Euro an, eine Order über die NYSE kostet 26,20 Euro. Die Differenz bleibt gleich - logisch. Was sich ändert, ist die Ersparnis durch den geringeren Spread. Die liegt nun schon bei 20 Euro. Die US-Börse hat die Nase vorn. Der Vorsprung fällt umso größer aus, je höher das Ordervolumen ist.
Auch bei kleineren Summen kann die liquidere Börse Vorteile bieten
Aber selbst bei kleinen Summen können die Vorteile durch den liquideren Handel ausgleichen. So hatte ein mir gut bekannter Privatanleger jüngst wiederholt darunter zu leiden, dass Tadegate zwar eine Kursindikation anbot, die folgende Order aber nicht nur nicht ausführte, sondern gar nicht erst annahm.
Ein Glück: So wurde der betroffene Anleger überhaupt erst auf die Kostenvorteile durch den Kauf in New York aufmerksam.
Jedenfalls: Es geht auch mir immer noch so, dass ich die durch den Spread verursachten Kosten unterschätze. Dabei sollte man auf sie mindestens genauso sehr achten wie auf die von Banken und Börsen berechneten Gebühren.
Zum Weiterlesen
- Anleihen: die Spreads an verschiedenen Börsen im Vergleich
- Warum man keine Einzelaktien kaufen sollte
- Aktienbewertung: schlichte Ratschläge vom Handelsblatt








Kein Kommentar