Fehler eines Privatanlegers: der Deka-TeleMedien

Nach langer Zeit: Teil 3 der Serie über Anlagefehler, aus denen man vielleicht etwas lernen kann

Eine Serie ist ja erst dann eine richtige Serie, wenn sie aus mindestens drei Teilen besteht. Deshalb wird es dringend Zeit für einen erneuten Rückblick auf meine fehlerbehaftete Geldanlage-Vergangenheit. Diesmal im Blickpunkt: ein nicht so kluger Aktienfonds-Kauf irgendwann gegen Ende der 90er Jahre.

Wir erinnern uns: Nachdem meine Eltern mich mittels Sparbüchern und Sparbriefen eigentlich ganz gut auf ein solides Anlageleben vorbereitet hatten, begann ich - kaum der Minderjährigkeit entkommen - dennoch zu zocken: 1996 erwarb ich beim Börsengang der Deutschen Telekom eine handvoll Aktien (nur um sie bald darauf wieder zu verkaufen), wenig später meinte ich sogar, in den Neuen Markt investieren zu müssen. Na ja.

Das Ergebnis der ahnungslosen Zockerei war nicht einmal so schlecht, trotzdem lernte ich dazu: Einzelaktien waren nichts für mich, einen Kleinstanleger fast ohne Geld und komplett ohne relevantes Wissen. Viel besser: Aktienfonds. Die werden schließlich von Experten betreut und ermöglichen, das Anlagerisiko zu streuen - selbst, wenn man nur Kleinstbeträge investiert.

Die kleinen Nachteile - 5 Prozent Ausgabeaufschlag, Einskommairgendwas Prozent Verwaltungsgebühr erschienen mir im Vergleich dazu nicht weiter erwähnenswert. Und so ging ich dann eines schönen, unifreien Tages zur örtlichen Sparkassenfiliale, um mich beraten zu lassen.

Wer würde einer so netten, adretten Beraterin kein Vertrauen schenken?

Eine junge Dame im, so meine ich mich zu erinnern, hellbraunen Hosenanzug empfing mich. Sie war vielleicht Mitte 20, nett und durchaus attraktiv, wenn auch ein bisschen langweilig. Perlenohringe, Halstuch. So stellt man sich eine Sparkassen-Kundenberaterin wohl auch heute noch vor. Jedenfalls: Ich fühlte mich wohl.

Dann fing die Beratung an. Allzu viele Details sind mir nicht in Erinnerung geblieben. Was ich noch weiß: Ich wollte selbstverständlich ein oder zwei Aktienfonds mit guten Zukunftsaussichten. Und natürlich hatte die Beraterin auch prompt das Passende für mich da. Einmal den AriDeka (als solide Basis) und einmal den Deka-TeleMedien. Der sollte Aktien von Unternehmen aus der Medien- und Telekommunikationsbranche kaufen._Wie wir alle wissen, waren die Aussichten für diese Unternehmen nie besser als im Jahr 1998. Klar, dass ich begeistert war. Doch damit nicht genug: Die nette Verkäuferin stachelte meine Begeisterung noch an. "Das ist wirklich ein sehr guter Fonds - unser Fonds des Monats."

Fonds des Monats - ein Qualitätssiegel?

Fonds des Monats! Ich war damals offensichtlich nicht nur jung, sondern auch noch ziemlich naiv. Denn ich betrachtete dieses Prädikat nicht etwa als Teil einer leicht plumpen Verkaufsstrategie, sondern als echtes Gütesiegel (was wiederum zeigt, dass die Strategie vielleicht plump, aber definitiv effektiv war).

Damit ging es mit Sicherheit auch damals schon vorwiegend um Provisionen. Und darum, innerhalb eines Monats möglichst viele Anteile des Deka TeleMedien in die Depots der Sparkassen-Kunden zu bekommen.

Ich nehme an, das hat in der allgemeinen IT-Telekom-Medien-Euphorie um die Jahrtausendwende auch ziemlich gut funktioniert. Ich kenne jedenfalls einige, die den Deka-TeleMedien gekauft und damit heftige Verluste erlitten haben. Mein eigenes Anlage-Ergebnis verschwimmt glücklicherweise im Nebel der Vergangenheit. Dass ich Gewinne gemacht habe, kann ich mir nicht vorstellen, aber auch an schlimme Verluste kann ich mich nicht erinnern.

Bedenklich finde ich im Rückblick auch eher, mit wie viel Vertrauen in die Fähigkeiten einer völlig unbekannten Beraterin und wie viel Bereitschaft, irgendein mir ebenso unbekanntes riskantes Produkt zu kaufen, ich in die Filiale marschiert bin.

Diesen Willen, anderen zu vertrauen, habe ich heute grundsätzlich immer noch. Vermutlich ist das eine gute Sache, weil das Zusammenleben mit anderen Menschen dadurch doch erheblich erleichtert wird. Nur wenn es um wichtige Kaufentscheidungen, egal in welchem Bereich, geht ist es sehr anstrengend: Ich muss mich dann nicht nur mit einem Verkäufer auseinandersetzen, dessen Interessen mir exakt entgegensetzt sind - sondern auch mit mir selbst. Na ja, ich bin ja nicht der einzige.

Und als kleine Zugabe gibt's hier noch einen eindrucksvollen Zehn-Jahres-Chart des Deka-TeleMedien. Wahrlich ein Juwel unter den Aktienfonds...

Zum Weiterlesen

Zum Weitersagen

These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages.
  • Del.icio.us
  • Digg
  • Google
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Facebook
  • Twitter

sechs Kommentare

Honk

Der TeleMedien ist doch gar nicht so schlecht – er hat immerhin in der meisten Zeit seinen Vergleichindex geschlagen ;)

Honk, - 01-12-’10 18:11
Holger

Wow, das hätte ich ernsthaft nicht gedacht. Ich lösche den Artikel trotzdem mal nicht. ;-)

Holger, (URL) - 01-12-’10 20:10
Peter

So schlecht war der doch wirklich nicht, du wusstest damals wahrscheinlich nur noch nicht, was ein Stop-Loss ist.
(Chart Deka TeleMedien)

Peter, - 01-12-’10 20:22
Holger

Selbstverständlich wusste ich das damals nicht (wobei ich auch heute nichts davon halte). ;) Mir ging es auch gar nicht darum, den Fonds zu dissen – sondern eher um meine eigene Naivität.

Aber bist Du Dir sicher, dass der MSCI World Electronic Equipment & Instru(ments) der richtige Vergleichsindex ist? Der Fonds investiert in Telekommunikations- und Medienunternehmen. Und zwei europäische Telekom-Indizes hat er deutlich underperformt:

Noch ein Chart

Holger, (URL) - 01-12-’10 22:10
Peter

Der Vergleichsindex war nur der von Onvista vorgeschlagene, den ich ungeprüft übernommen habe. Die von dir vorgeschlagen Benchmarks passen besser. Aber unabhängig davon, ich meinte, 300% Rendite in 3 Jahren – das hat man doch nicht alle Tage.

Peter, - 02-12-’10 17:47
Holger

Stimmt, so gesehen hast Du Recht. Ich fürchte nur, dass ich diese 300 Prozent nicht gemacht habe. Noch mal in den alten Unterlagen kramen…

Holger, (URL) - 03-12-’10 08:53
Emoticons
Bitte beantworten Sie diese einfache Frage. Sie dient dazu, automatisierten Kommentar-Spam zu verhindern.
Persönliche Informationen speichern?
Benachrichtigen
E-Mail Adresse nicht anzeigen
Hinweis: Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt. URLs oder Mailadressen werden automatisch umgewandelt.