Zwei neue ETFs für die ethische Geldanlage

Mit den neuen Produkten können Anleger in christliche Werte investieren - und in Unternehmen, die einen Fonds zum Kampf gegen gefährliche Krankheiten unterstützen

Des ETF-Booms zum Trotz ist die Auswahl an ETFs, mit denen man ökologisch, ethisch oder sonstwie nachhaltig investieren kann, nach wie vor extrem übersichtlich. Komisch eigentlich - schließlich boomt die so genannte Grüne Geldanlage doch beinahe genauso sehr, wie die ETFs. Nun sind über Xetra zwei neue ETFs handelbar, die das Angebot auf dem ethisch-sozialen Feld ergänzen. Beide stammen von DB X-Trackers.

Der eine ETF heißt DB X-Trackers Stoxx Europe Christian ETF (DR), trägt die ISIN IE00B3QWFQ10 und bildet seinem Namen gemäß die Wertentwicklung der Aktien von Unternehmen ab, die bestimmten christlichen Werten gerecht werden. Der andere trägt den Namen DB X-Trackers Global Fund Supporters ETF (DR), seine ISIN lautet IE00B46F7724, und der von ihm abgebildete Index enthält die 50 größten Unternehmen der Welt, die in den Global Fund einzahlen.

Der DB X-Trackers Global Fund Supporters ETF im Überblick

Dieser Global Fund ist laut Deutscher Börse die weltweit größte multilaterale Finanzierungsinstitution zur Bekämpfung von Tuberkulose, Malaria und HIV. Von Krankheiten also, die vor allem in wenig entwickelten Ländern verheerenden Schaden anrichten. Der zugehörige Index ist offenbar heute erst an den Start gegangen. Er ist, wie ich das sehe, eine zwiespältige Angelegenheit.

Einerseits vom moralischen Blickwinkel aus betrachtet: Zwar scheint das Aufnahmekriterium "trägt zur Finanzierung des Global Fund bei" relativ klar zu sein, allerdings lädt es zum Greenwashing förmlich ein: Wer den Fonds unterstützt, erkauft sich die Eintrittskarte in einen ethisch-sozialen Index - egal, was er sonst so tut. Der Index wird dann auch noch nach Marktkapitalisierung gewichtet. Das heißt: Wirkliche Riesen-Unternehmen müssen im Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nur kleine Beiträge leisten und landen trotzdem im Index. Kleinere Unternehmen können sich dagegen noch so sehr anstrengen und kommen trotzdem nicht rein. Das zumindest ist meine Interpretation der doch recht oberflächlichen Pressemitteilung zum Indexstart.

Andererseits ist der Index aber auch unter Anlagegesichtspunkten fragwürdig: Ein einziges Land darf bis zu 40 Prozent des Indexgewichts stellen, einzelne Unternehmen immer noch 20 Prozent. Breite Diversifikation sieht anders aus. Aber das ist ja ein allgemeines Problem ethisch-ökologischer Geldanlage.

Die Kostenbelastung des ausschüttenden ETFs hält sich dagegen in Grenzen: Die Verwaltungsgebühr liegt bei 0,25 Prozent im Jahr. Nicht unfair, würde ich sagen.

Der DB X-Trackers Stoxx Europe Christian ETF im Überblick

Zum Stoxx Europe Christian ETF fällt mir nicht so viel ein. Der Index enthält Aktien von Unternehmen aus dem entwickelten Europa, die von einem unabhängigen Ausschuss für kompatibel mit christlichen Werten und Prinzipien erklärt werden. Unter anderem heißt das: Unternehmen aus den Bereichen Waffen, Glücksspiel, Alkohol und Tabak, aber auch Geburtenkontrolle sind ausgeschlossen. Welche Werte im Einzelnen enthalten sind - ich weiß es nicht.

Der ETF schüttet seine Erträge ebenfalls aus und ist eine Ecke teurer als der Global Fund ETF. Die Verwaltungsgebühr liegt bei 0,4 Prozent im Jahr.

Im Vergleich zu traditionellen Aktienfonds ist das immer noch ein Klacks. Und dass auch Anlegern, die sich bei ihren Investitionen von ideellen Werten leiten lassen, allmählich eine breitere Auswahl an günstigen Anlageprodukten zur Verfügung steht, ist in jedem Fall zu begrüßen. Neben den beiden hier vorgestellten ETFs fallen mir als ähnliche Produkte (wenn auch mit anderen Schwerpunkten) eigentlich nur noch der iShares DJ Euro Stoxx Sustainability 40 und der DB X-Trackers S&P U.S. Carbon Efficient ein.

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vier Kommentare

Niels

Spätestens bei solchen eher exotischen Anlegerwünschen stoßen Indexfonds wohl an Grenzen.

Und ich blicke auch gerade nicht, wieso Alkohol mit christlichen Werten nicht vereinbar sein soll. :D

Niels, (URL) - 13-12-’10 21:43
Holger

Ja, der Index ist wohl eher amerikanisch-evangelikal orientiert als rheinisch-katholisch…

Dass Indexfonds hier an Grenzen stoßen, ist richtig – das ist ja nicht auf das ethisch-soziale Thema beschränkt, sondern tritt auch bei kleinen Länderindizes oder Konstrukten wie Eurozonen-REIT-Indizes auf. Allerdings dürften da auch aktive Fonds schnell an Grenzen stoßen, wenn sie eine bestimmte Größe erreichen.

Holger, (URL) - 14-12-’10 08:05
Niels

Einen Branchen-Index-ETF habe ich allerdings auch im Depot. Immobilien als Anlageklasse ins Depot zu packen ist momentan ja nicht ganz einfach, wenn man bei offenen Immobilienfonds lieber noch etwas abwarten möchte, wie sich das Ganze entwickelt.

Also habe ich in meiner Not dafür auch auf einen ETF auf einen Immobilienbranchenindex zurückgegriffen.

Niels, (URL) - 14-12-’10 20:07
Holger

Ich hab auch so einen – deshalb kam mir das Beispiel auch sofort in den Sinn. ;-)

Holger, (URL) - 15-12-’10 07:51
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