Aktien, Anleihen, REITs, Rohstoffe - Korrelationen in der Hausse

Wie stark beeinflusst die Entwicklung einer Assetklasse andere Anlageformen?

Man hat verschiedene Anlageklassen im Depot, weil man so das Anlagerisiko streuen kann. Allerdings gilt das nur dann, wenn diese verschiedenen Anlageklassen - Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe zum Beispiel - sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln. Wenn also die Korrelationen zwischen den Anlageklassen möglichst gering sind - oder vielleicht sogar negativ. Vor längerer Zeit hatte ich schon mal auf die Korrelationen in der Krise und nach der Krise geschaut. Ich denke, allmählich lohnt ein erneuter Blick.

Grundlage bildet wie jedes Mal die Website assetcorrelation.com, auch wenn es inzwischen vermutlich Möglichkeiten gibt, die weniger usa-zentriert sind.

Was hat regionale Diversifikation über die internationalen Aktienmärkte gebracht?

Die Antwort bei der letzten Überprüfung lautete: fast nichts, zumindest die Aktienmärkte der entwickelten Länder korrelierten sehr stark miteinander. Im vergangenen Jahr hat sich der Zusammenhang allenfalls leicht abgeschwächt. Der Korrelationskoeffizient für deutsche und französische Aktien liegt nach wie vor bei eindrucksvollen 0,96 - ein fast perfekter Zusammenhang also. Die Korrelation zwischen deutschen und us-amerikanischen Aktien hat sich gegenüber dem Vorjahr dagegen von 0,94 auf 0,87 abgeschwächt, die mit japanischen Aktien von 0,79 auf 0,74. Immerhin.

Korrelation des deutschen Aktienmarktes mit...

  • ...britischen Aktien: 0,9 (vorher: 0,88)
  • ...brasilianischen Aktien: 0,78 (vorher: 0,82)
  • ...südafrikanischen Aktien: 0,82 (vorher: 0,85)

Tendenziell sind die Märkte in der Hausse also etwas unabhängiger voneinander geworden. Leider fehlen in den Übersichten bei assetcorrelation.com allerdings wichtige Schwellenländer, und auch die Korrelation europäischer Aktien mit den Emerging Markets insgesamt lässt sich nicht ermitteln. Die Korrelation von US-Aktien mit Emerging-Markets-Aktien lag zwischen 0,85 und 0,9. Auch kein wesentlicher Diversifikationsgewinn also.

Die Korrelationen verschiedener Anlageklassen untereinander

Wirklich interessant ist unter Diversifikationsgesichtspunkten aber ohnehin die Korrelation verschiedener Anlageklassen untereinander. Wie stark werden REITs von der Entwicklung am (übrigen) Aktienmarkt beeinflusst? Was bringt die Aufnahme von Rohstoff-Futures ins Depot? Und wie stark ist der Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Gold und anderen Rohstoffen? Die Übersicht unten gibt Aufschluss.

Korrelationen verschiedener Anlageklassen im Überblick

  • US-Large-Cap-Aktien und internationale Immobilien: 0,89 (vorher: 0,82)
  • US-Large-Cap-Aktien und US-Staatsanleihen: -0,2 (vorher: -0,15)
  • US-Large-Cap-Aktien und Gold: 0,2 (vorher: 0,06)
  • US-Large-Cap-Aktien und Rohstoffe: 0,73 (vorher: 0,54)
  • US-Staatsanleihen und Gold: 0,13 (vorher 0,07)
  • US-Staatsanleihen und Rohstoffe: -0,25 (vorher -0,15)
  • US-Staatsanleihen und internationale Immobilien: -0,29 (vorher -0,07)
  • Gold und internationale Immobilien: 0,20 (vorher 0,11)
  • Gold und Rohstoffe insgesamt: 0,37 (vorher 0,18)
  • Rohstoffe und internationale Immobilien: 0,74 (vorher 0,52)

Was lernen wir daraus? Die Korrelation von Gold mit anderen Anlageklassen ist etwas höher als vor einem Jahr, Immobilienaktien taugen nach wie vor nicht viel zur Diversifikation des Portfolios - und US-Staatsanleihen sind immer noch die Anlageklasse mit den besten Korrelationseigenschaften. Also: Aktien und Anleihen bleiben der Kern des Portfolios, der Rest ist Schnickschnack.

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sieben Kommentare

sparFuxx

> Also: Aktien und Anleihen bleiben der Kern des Portfolios, der Rest ist Schnickschnack.

Schön zusammengefasst. Das ist meine Meinung seit langem. Freut mich, das auch hier mal zu lesen.

PS: sehr schöne Webseite, wollte ich schon lange mal schreiben!

sparFuxx, (URL) - 23-12-’10 14:08
Matthias Hofmann

Hallo,
interessantes Thema, zu dem ich gerne einen Aspekt diskutieren möchte: Die Korrelationen zwischen den Aktienmärkten sind relativ hoch, dennoch führt dies zu stark unterschiedlichen Ergebnissen, wenn man auf die Jahresscheiben schaut.

Ich mach mal ein Beispiel aus meinem eigenen Portfolio für die Jahre 2007, 2008 und 2009 (2010 habe ich leider noch nicht ausgerechnet). Die Regionen habe ich über ETFs abgedeckt. Die Ergebnisse beziehen sich auf meine ETFs (gerechnet in EUR), sollten aber im Wesentlichen mit den Ergebnissen der Indizes (gerechnet in EUR) übereinstimmen:
2007: MSCI Europa: +2%
2007: S&P 500 USA: -4%
2007: MSCI Emerging Markets: 26%

2008: MSCI Europa: -43%
2008: S&P 500 USA: -35%
2008: MSCI Emerging Markets: -52%

2009: MSCI Europa: +27%
2009: S&P 500 USA: +22%
2009: MSCI Emerging Markets: +66%

An den Ergebnissen kann man erkennen, dass trotz der hohen Korrelation der Indizes am Ende des Jahres sehr unterschiedliche Ergebnisse stehen können.

Das kann man m. E. auch gut illustrieren, wenn man bei einer Onlinebank zwei ETF auf Indizes vergleicht. Zum Beispiel
LU0274209237: db x-trackers MSCI Europe
LU0274210672: db x-trackers MSCI USA ETF

Zeitraum ein Jahr: Die Charts gehen im schönen Gleichklang hoch und runter, weil sehr hohe Korrelation, dennoch steht am Ende ein deutlich anderes Ergebnis:
Europa: ca. +14%
USA: ca. +25%

Mir ist die Problematik von negativen Korrelationen in der Krise natürlich bekannt.

Ich würde aber gerne eure Meinung zu den genannten Punkten hören. Denn man hört ja oft, dass Korrelationen > 0,7/0,8% kaum zur Diversifikation beitragen. Aus den Zahlen lese ich aber was anderes raus…

Danke für Eure Kommentare!

Wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest!

Grüße,
Matthias

Matthias Hofmann, - 23-12-’10 15:50
Holger

@sparFuxx: Danke.

@Matthias: Danke für Deine Zahlen. Die sind natürlich sehr viel anschaulicher als irgendwelche Korrelationskoeffizienten.

Meine Meinung:

Ich denke schon, dass auch bei relativ hohen Korrelationen noch ein, wenn auch geringerer, Diversifikations-Effekt da ist. Zudem sind die Koeffizienten im Artikel oben ja mehr oder weniger Momentaufnahmen. Selbst wenn die Korrelation zwischen Eurozonen-Aktien und britischen respektive us-amerikanischen Aktien sehr hoch ist, heißt das ja nicht, dass es immer so bleiben muss. Das ist für mich ein wichtiger Grund, nicht einfach zu sagen: Ich lege mir nen Stoxx-600-ETF ins Depot, und der ganze Rest, von Nordamerika bis zu den Emerging Markets interessiert mich einfach nicht.

Andererseits denke ich aber tatsächlich, dass man es sich, wenn es um kleine Summen geht oder man einfach keine Lust auf viel Aufwand hat, zumindest etwas einfacher machen und einfach einen einzigen MSCI-World-ETF zur Abdeckung des Aktienanteils nehmen kann. Oder dass man eben auch sagen kann: Immobilien interessieren mich nicht – Geschlossene Immobilienfonds sind Abzockprodukte, Offene Immobilienfonds leiden an einem Konstruktionsfehler, REITs korrelieren furchtbar stark mit dem Aktienmarkt insgesamt und sind außerdem ja auch in marktbreiten Aktienindizes enthalten.

Der weniger schöne Teil Deiner Feststellung “Die Charts gehen im schönen Gleichklang hoch und runter, weil sehr hohe Korrelation, dennoch steht am Ende ein deutlich anderes Ergebnis” ist natürlich, dass dieses Verhalten in schlechten Jahren einfach nur dazu führt, dass ein Teil des Depots -20 % Rendite erzielt und der andere Teil -40 %. Richtig gut funktioniert Diversifikation halt tatsächlich nur, wenn sich die Anlageklassen nicht nur unterschiedlich stark in die gleiche Richtung bewegen, sondern wenn sie tatsächlich auch mal in der Lage sind, sich gegenläufig oder einfach nur unabhängig voneinander zu entwickeln.

Von mir auch schon mal ein frohes Weihnachtsfest!

Holger

Holger, (URL) - 23-12-’10 16:26
Matthias Hofmann

Ich stimme in allen von dir erwähnten Punkten überein. Insbesondere die Möglichkeiten des Immobilien-Investments halte ich ebenfalls für hoch problematisch.

Aber nochmal ein Gedanke zu Rohstoffen:
Wenn man sich Zahlen über die letzten Jahrzehnte anschaut, dann kommt man zum Ergebnis, dass die Korrelation zwischen Rohstoffen und Aktien sowie Rohstoffen und Anleihen leicht negativ ist, obwohl sich die geometische Mittel der Rendite von Rohstoffen etwa auf Aktienniveau liegt. Ich beziehe mich bei diesen Zahlen auf das Buch von Larry Swedroe / Jared Kizer: The Only Guide to Alternative Investments You’ll Ever Need, S. 41ff. Interessant finde ich den Hinweis auf Seite 47: Hier wird gezeigt, dass während der 8 Verlustjahre des S&P 500 zwischen 1973 und 2007 Rohstoffe in 6 Jahren positive Ergebnisse erzielt haben (zum Teil stark positive). Das wäre insgesamt für mich ein deutlicher Hinweis, dass sich ein Rohstoffinvestment lohnt.

Ich kann mich natürlich noch an die letzte Krise erinnern, da sind Rohstoffe auch gefallen…

Aber ich denke, dass es sich lohnt, den Aktienanteil zugunsten des Rohstoffanteiles zu reduzieren. (Eine ähnliche Überlegung liegen ja auch den Forschungsarbeiten von Martin Weber und seinem ARERO-Konzept zugrunde).

Was meint ihr?

Matthias Hofmann, - 23-12-’10 17:03
Holger

Mit Rohstoffen habe ich mich hier am Anfang mal ziemlich ausführlich beschäftigt (natürlich auch orientiert an Weber…), zum Beispiel hier (Rendite und Risiko von Rohstoffen) und hier Rohstoffe – was ist der Markt

Inzwischen bin ich nicht mehr so sicher, ob Rohstoff-Investments ein Muss sind. Erstens, weil sich der Markt in den vergangenen Jahrzehnten und vor allem in den letzten Jahren stark verändert haben dürfte – Rohstoffe sind zu einem großen Investmentthema geworden, was in der Zeit, aus der die niedrigen Korrelationen und die hohen Renditen stammen, nicht der Fall war. Und zweitens wird immer wieder Kritik an den Produkten laut, mit denen man als Privatanleger in Rohstoff-Futures investieren kann, vor allem also ETFs und ETCs. Da ist oft davon die Rede, dass die Passivanleger beim Rollen von Arbitrageuren “geschlachtet” werden. So richtig belegt ist das aber, glaube ich nicht.

Trotzdem bleibt es für mich dabei: Aktien und Anleihen sind ein Muss, Rohstoffe fallen letztlich auch unter “Schnickschnack”, auch wenn das nicht heißen muss, dass sie ein Portfolio nicht sinnvoll ergänzen können. Aber: In den wichtigen Aktienindizes sind auch eine Menge Rohstoff-Unternehmen enthalten. Vielleicht ist der schlichteste Weg, an der Wertschöpfung durch Rohstoffe teilzuhaben, zugleich auch der beste…

Holger, (URL) - 23-12-’10 17:55
Matthias Hofmann

Hallo Holger,
interessante Aspekte, die du hier ansprichst. Ich nutze die Weihnachtsfeiertage vielleicht mal dazu, mich mit dem Thema etwas ausführlicher zu beschäftigen.

Übrigens schade, dass man – wenn man in der Kategorie Rohstoffe sucht – nicht an die alten Artikel kommt. Ich habe aber noch rausgefunden, dass es über das Archiv geht…

Beste Grüße,
Matthas

Matthias Hofmann, - 23-12-’10 19:01
Holger

Hallo Matthias,

ja, interessante Aspekte – und ich bin sehr unsicher, was das ganze Thema angeht.

Die Suchfunktion hier ist dafür ganz gut: Sie listet die Suchergebnisse halbwegs sinnvoll nach Relevanz auf. Und mit einem Klick auf das Stichwort “Rohstoffe” sollten (fast) alle relevanten Artikel aufgelistet werden.

Grüße
Holger

Holger, (URL) - 23-12-’10 19:14
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