Langzeit-Experiment: ein Musterdepot für Konservative
Können auch sehr risikoscheue Anleger mit 10 Prozent Aktien im Portfolio leben? Und brauchen sie die überhaupt?
Die Weisheit, dass es gut ist, sein Vermögen über verschiedene Anlageklassen zu streuen, ist so weit verbreitet, man ist schon fast geneigt, sie für eine inhaltslose Phrase zu halten. Für mich ist Diversifikation bei der (längerfristigen) Geldanlage trotzdem das A und O – auch und gerade dann, wenn man sehr konservativ, also risikoarm anlegen will. In einem älteren Artikel habe ich deshalb einmal dafür plädiert, dass jeder einen geringen Aktienanteil im Portfolio haben sollte – und traf damit auf Widerspruch.
Jetzt möchte ich mich des Problems noch einmal annehmen – und zwar mit einem kleinen Musterdepot-Experiment. Ich werde die Entwicklung eines konservativen Musterdepots verfolgen, das aus einem Aktien-ETF (10 Prozent des Depotvolumens) und einem Staatsanleihen-ETF (90 Prozent des Depotvolumens) besteht. Messen werde ich die jährliche Rendite, die Volatilität, die Zahl der Verlustmonate und -jahre und den maximalen Verlust des Depots gemessen an einem vorher erreichten Höchststand (Max. Drawdown). Außerdem soll die Sharpe-Ratio ermittelt werden, um die erzielte Rendite ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko zu setzen.
Das Ziel: ermitteln, wie sich das konservative, extrem einfach umzusetzende Musterdepot im Vergleich zu einer risikolosen Tagesgeld- oder Geldmarkt-Anlage schlägt. Meine These lautet: Das konservative Depot mit einem zehnprozentigen Aktienanteil ist der Tagesgeld-Anlage langfristig überlegen, erzielt eine höhere Rendite, nur geringe Schwankungen und folglich eine Sharpe-Ratio größer 0.
Bei den für das Musterdepot ausgewählten ETFs handelt es sich um einen Aktien-ETF, der den MSCI World abbildet (ISIN LU0274208692) und einen über verschiedene Laufzeiten diversifizierten ETF auf deutsche Staatsanleihen (ISIN LU0290355717). Einmal jährlich zum Jahresende findet ein Rebalancing statt, falls die Ist-Allokation um 2,5 Prozentpunkte oder mehr von der Zielallokation abweicht.
In diesem Artikel soll zunächst die Entwicklung in den ziemlich spannenden Jahren 2008 und 2009 betrachtet werden. Später folgt ein Beitrag, der die Entwicklung des Jahres 2010 einbezieht. Anschließend wird die Entwicklung des Musterdepots mindestens einmal jährlich unter die Lupe genommen.
Die Entwicklung des konservativen Musterdepots im Jahr 2008
- Rendite: 4,39 %
- Volatilität: 4,65 %
- Verlustmonate: 4
- Max. Drawdown: 3,83 %
- Sharpe-Ratio: 0,19
- Risikoloser Zins: 3,5 Prozent (Tagesgeld-Durchschnittszins laut Onvista)
Der Überblick zeigt, dass die Schwankungen des Depots sich auch im Crashjahr 2008 in Grenzen hielten. Zwar gab es vier Verlustmonate, der schlimmste zwischenzeitliche Verlust lag jedoch bei weniger als 4 Prozent des Depotvolumens – und dass, obwohl der Kurs des Aktien-ETF zwischenzeitlich um 43,5 Prozent einbrach. Am Ende des Jahres lag die Rendite knapp einen Prozentpunkt über dem risikolosen Zins, und die Sharpe-Ratio war positiv.
Hätte das Depot ausschließlich aus dem Renten-ETF bestanden, hätte die Rendite übrigens sogar 9 Prozent betragen – die Volatilität wäre mit 5,02 Prozent aber sogar etwas höher gewesen als die des konservativen Musterdepots. Und vier Verlustmonate hätte das reine Renten-Depot auch gebracht – nur eben andere.
Die Entwicklung des konservativen Musterdepots im Jahr 2009
- Rendite: 6,3 %
- Volatilität: 3,53 %
- Verlustmonate: 5
- Max. Drawdown: -1,28 %
- Sharpe-Ratio: 1,24
- Risikoloser Zins: 1,91 Prozent (Tagesgeld-Durchschnittszins laut Onvista)
Das Jahr 2009 brachte also eine deutliche Überrendite gegenüber eine risikolosen Anlage, geringere Wertschwankungen (abzulesen am Max. Drawdown und der Volatilität) und eine richtig hohe Sharpe-Ratio.
Betrachtet man beide Jahre zusammen, erzielte das konservative Musterdepot eine annualisierte Rendite von 5,33 Prozent bei einer Volatilität von 4,05 Prozent. Die annualisierte Rendite der Tagesgeldanlage betrug 2,7 Prozent, die eines reinen Renten-Depots 6,57 Prozent – bei einer etwas höheren Volatilität als das konservative Musterdepot. Die Sharpe-Ratio unseres Musterdepots über zwei Jahre hinweg lag bei 0,65. Schon ein Depot mit 30 Prozent Aktienanteil hätte eine negative Sharpe-Ratio erzielt.
Die Frage aller Fragen lässt sich durch diese Zahlen aber natürlich nicht beantworten: Kann ein wirklich konservativer, risikoaverser Anleger mit den Wertschwankungen des hier betrachteten Depots leben? Oder muss er letzten Endes beim Tagesgeld bleiben?
Was meinen Sie?
Zum Weiterlesen
- Wie baut man ein weltweit diversifiziertes Aktiendepot auf?
- ETF-Depot: Was bringt Rebalancing?
- Musterdepot: die Strategie des Arero mit ETFs nachbauen
Siebzehn Kommentare
Hallo Matthias,
Du hast sicher recht – hier über ein solches Depot zu schreiben, hat was von Eulen nach Athen tragen. Und so bald jemand sagt, er will definitiv nie Verluste machen, ist das Depot nicht mehr geeignet. Auch ein Berater dürfte einem wirklich risikoscheuen Kunden ein solches Depot nicht verkaufen. Ich denke, auch die Rechtsprechung würde dem Anleger beipflichten, wenn er nicht das Gesamtdepot betrachtet, sondern die einzelnen Positionen.
Ein weiteres praktisches Hindernis: Viele Menschen wissen einfach nicht viel über Geldanlage – schon gar nicht über Wertpapiere, Depots, Börsenhandel etc. Und so einfach ein solches Passiv-Depot auch funktioniert – für diese Menschen eignet es sich nicht, denn natürlich sollte jeder Anleger verstehen, was er tut (und warum).
Viele Grüße
Holger
Hallo Holger,
hier noch mal eine andere Überlegung, sozusagen aus eigener Erfahrung.
Ein Bekannter hatte mich vor einiger Zeit nach einem Rat zu seinen Geldanlagen gefragt. Seine bisherigen Anlagen bestanden ca. zur Hälfte aus Festanlagen bei Banken bzw. Bausparkassen und zu anderen Hälfte aus börsengehandelten Firmenanleihen. Ein Teil des Geldes wurde fällig und es stellte sich die Frage, wie es neu anzulegen war. Der Bekannte wir von der Risikoneigung her nicht maximal konservativ ausgerichtet und das Geld wird auch die kommenden Jahre nicht benötigt.
Mein Ratschlag folgte einer ähnlichen Überlegung, wie die, die du in deinem Artikel beschreibst: Es kann nicht sinnvoll sein, 100% seiner Anlagen in Anleihen (und noch dazu in Einzeltitel) bzw. Festanlagen zu tätigen. Ich habe ihm empfohlen, 10% seines Gesamtvermögens im ARERO-Fonds anzulegen.
Folgende Gründe haben mich zu dieser Empfehlung bewogen:
- sinnvolle Diversifikation mit automatischen Rebalancing (zumindest bei diesen 10% des Vermögens)
- einfacher Kauf über die Filialbank
- kein Kauf über die Börse notwendig
- kein Gebühren beim Kauf oder Verkauf, weil ohne Ausgabeaufschlag (relevant bei den hohen Gebühren der Filialbanken für den Börsenhandel)
- Der ARERO-Fonds schwankt wohl weniger als ein Aktien-ETF (Mein Bekannter wird bei Einzelbetrachtung dieser Position in schlechten Zeiten nicht so stark psychisch belastet wie bei einem Aktien-ETF)
- Die Rendite des Gesamtvermögens wird wohl langfristig steigen, das Risiko wohl bei 10% Gewichtung des ARERO-Fonds tendenziell sinken bzw. zumindest nicht steigen.
Mir sind die Nachteile des ARERO-Fonds bekannt (insbesondere Investition in Anleihen von Landesbanken und Einsatz von SWAPs, um die Performance nachzubilden). Ich persönlich würde dem ARERO-Fonds nicht als Anlage für den Großteil meines Vermögens nutzen, aber ein kleinerer Teil kann dort ganz gut und unkompliziert angelegt werden.
Diese Empfehlung war die beste Alternative, die mir eingefallen ist. Was meinst du dazu? Andere Ideen?
Grüße,
Matthias
Hallo,
der Artikel gibt im wesentlichen auch meine Überzeugung wieder.
Was mir fehlt:
- für den konservativen Anleger kann es durchaus interessant sein, den Anleihen-Anteil in Fest-, Termin- und Tagesgeld-Anlagen aufzuteilen. Vorteile: keine Kursschwankungen, keine Gebühren.
- Der Aktien-ETF-Anteil sollte abhängig von der geplanten Laufzeit gewählt werden – was natürlich nur geht, wenn bei Anlage schon bekannt ist, wann das Geld verfügbar sein soll.
- Falls dauerhafte Verfügbarkeit im Sinne einer Notfallreserve gefordert sein sollte, so wird man einen konservativen Anleger kaum mit einem solchen Depot überzeugen können, siehe Matthias erster Beitrag: er wird nämlich überhaupt kein Depot wollen.
Was den Schreibstil betrifft, möchte ich die Frage nach der Zielgruppe in den Raum werfen:
- sollen Finanz-Laien angesprochen werden? Dann müsste viel mehr erklärt werden… (die verstehen das vermutlich nicht)
- sollen erfahrenere Anleger angesprochen werden? Dann wird wohl fast jeder dem Artikel zustimmen und kaum Neuwert herausziehen können. Allenfalls, und so gings mir, freut man sich, daß die eigene Meinung von kompetenter Stelle bestätigt wird.
Viele Grüße
Hallo SparFuxx,
das Problem mit einem großen Anteil der Anlagen in Fest-, Termin- und Tagesgeld sehe ich darin, dass man damit – soweit man langfristig orientiert investieren möchte – nicht so gut fährt, als wenn man selbst (sinnvoll diversifiziert) in Rentenpapierte investieren würde. Man zahlt zwar für Fest-, Termin und Tagesgeld keine Gebühren, aber dafür ist die Rendite entsprechend gering (Banken wollen auch Geld verdienen).
Aber wie überzeugt man einen langfristig orientierten Anleger davon, in Rentenpapiere in Form eines ETFs zu investieren, wenn dieser täglich sichtbar schwankt? Wenn man zum Beispiel eine 3-jährige Festgeldanlage bei einer Bank abschließt, dann kann man halt drei Jahre nicht an sein Geld. Es schwankt zwar nix, aber dafür ist das Geld illiquide. Rentenpapiere sollten auf Sicht von 3 Jahren auf jeden Fall positive Rendite liefern (sofern man keine 30-jährigen Anleihen kauft und die Zinsen massiv steigen).
Der Nachteil der Bankanlage besteht also in der Illiquidität, der Nachteil des Renten-ETFs im Schwanken. Aus meiner Sicht ist Schwanken besser als Illiquidität. Denn am Ende wird mit recht hoher Wahrscheinlichkeit beim Renten-ETF mehr rauskommen als bei der Festgeldanlage (denn die Bank will ja auch Geld verdienen).
Das Problem ist aus meiner Sicht daher eher ein Problem der Psyche, nicht so sehr ein real existierendes Problem.
(Einverstanden mit er Argumentation? Bitte korrigiert mich, wenn ich hier was übersehen habe.)
Und das genau ist meine Frage an alle da draußen:
Wie vermittelt man einem Laien das Thema so einfach und klar in möglichst weniger als 5 Minuten (größer ist die Aufmerksamkeitsspanne bei Nichtinteressierten sowieso nicht), so dass er es versteht und auch nach einem kleineren Einbruch trotzdem an der festgelegten Strategie fessthält?
Oder ist das schlichtweg nicht möglich? (könnte auch sein…)
Grüße,
Matthias
Hallo Matthias, hallo sparFuxx,
ich versuche mal so gut wie möglich auf all Eure guten Argumente und Ideen einzugehen und entschuldige mich jetzt schon: Komplett werde ich das wohl nicht schaffen.
Diese Empfehlung war die beste Alternative, die mir eingefallen ist. Was meinst du dazu? Andere Ideen?
Diese Empfehlung finde ich auch gut. Den Arero mit risikolosen Anlageformen zu mischen, stellt für mich eine gute Möglichkeit für eher konservative Anleger dar, die sich wenig Mühe machen wollen oder über kein großes Vermögen verfügen. Die wesentlichen Vorbehalte gegen den Arero hast Du ja schon genannt – besonders transparent ist er halt nicht konstruiert. Ansonsten fällt mir nur noch ein: wieso ausgerechnet Industrieanleihen?
für den konservativen Anleger kann es durchaus interessant sein, den Anleihen-Anteil in Fest-, Termin- und Tagesgeld-Anlagen aufzuteilen. Vorteile: keine Kursschwankungen, keine Gebühren.
Ich denke, man sollte Tages-, Fest- und Termingeld zumindest als Möglichkeit ins Auge fassen. Einen wesentlichen Nachteil von Festgeld/Sparbriefen etc. hat Matthias schon genannt: Sie sind nicht liquide. Das mag ich nicht. Und wenn ich einen Teil meines Geldes in Festgeld stecke, möchte ich zumindest eine Prämie dafür, dass ich auf jederzeitige Verfügbarkeit verzichte. Ich glaube, manchmal sind die Zinsen solcher Angebote aber gut genug, dass sich das lohnt – mal vorausgesetzt, man geht davon aus, dass die gesetzliche Einlagensicherung für praktische Zwecke genauso sicher ist wie eine Schuldverschreibung der BRD.
Ein anderes Problem hat Matthias in seinem ersten Kommentar schon angedeutet: Bei Festgeld sieht man die Kursschwankungen zwar nicht, aber sie sind natürlich trotzdem da. Das würde man dann feststellen, wenn man eine Festgeldanlage nach einem Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus verkaufen wollte. Der erzielbare Preis müsste unter 100 Prozent des Anlagevolumens liegen.
Der Aktien-ETF-Anteil sollte abhängig von der geplanten Laufzeit gewählt werden – was natürlich nur geht, wenn bei Anlage schon bekannt ist, wann das Geld verfügbar sein soll.
Wichtiger Hinweis. Das habe ich oben vermutlich nicht hinreichend deutlich gemacht. Bei diesem Depot geht es grundsätzlich um längerfristige Geldanlage (wobei die Schwankungen sich auch kurzfristig in engen Grenzen halten sollten – sonst wäre das Depot ohnehin für konservative Anleger ungeeignet). Als Notfallreserve würde ich ein Wertpapierdepot überhaupt nicht empfehlen. Da würde ich immer sagen: Tagesgeld, evtl. Bundeswertpapiere.
Danke auch für die Kritik am Schreibstil. Darauf geht eher selten mal jemand ein. Und sie ist in jedem Fall berechtigt – letzten Endes habe ich einfach drauflos geschrieben. Vorteil und Nachteil eines Blogs: Niemand kann mich stoppen. ![]()
Von begrenztem Nutzen ist der Artikel in jedem Fall. Seinen Zweck als Diskussionsgrundlage erfüllt er allerdings ziemlich gut, finde ich.
Wie auch Matthias weiß ich aber nicht, ob es überhaupt möglich ist, jemandem das Thema zu vermitteln, der sich nicht dafür interessiert. Auf viel Verständnis darf man jedenfalls nicht rechnen, wenn man anfängt zu erzählen, dass es Wertschwankungen auch gibt, wenn man sie nicht sieht…
Bleiben als Zielgruppe also diejenigen, die sich zwar für das Thema interessieren, sich aber (noch) nicht damit auskennen. Und denen hilft der Artikel vermutlich auch herzlich wenig. Aber vielleicht bietet sich später mal ein verständlicherer, weniger zahlenlastiger Text an. Dieser hier sollte ja irgendwie eine Grundlage bilden und erst mal viele Fakten liefern.
Darauf möchte ich noch eingehen: “Ansonsten fällt mir nur noch ein: wieso ausgerechnet Industrieanleihen?”
Das frage ich mich ehrlich gesagt auch. War nicht meine Empfehlung, sonderne eine “Altlast”.
Wie ist diese Investition zustande gekommen? Ganz einfach: Die Filialbank hatte halt ein paar Unternehmensanleihen im Angebot (z. B. im Rahmen einer Neuemission), der Anleger biegt um die Ecke und sucht nach einer Anlagemöglichkeit und kaum versieht man sich als nicht so gut informierter Anleger, dann hat man z. B. Damiler-Anleihen im Wert von 10000 EUR im Portfolio. Nicht das es besonders viel Sinn machen würde, aber Bankberater sind halt eben doch nur Verkäufer, die die Unwissenheit der Kunden schamlos ausnutzen. Oder noch schlimmer – in letzter Zeit habe ich immer öfter diese Vermutung – die Bankberater haben selbst keine Ahnung.
Viele Grüße,
Matthias
Oder noch schlimmer: Sie nutzen ihre Kunden aus und haben keine Ahnung. ![]()
Das ist übrigens tatsächlich ein Grund dafür, dass man beim Thema Wertpapiere für Risikoscheue nicht zu schnell aufgeben sollte – am Ende haben nämlich doch viele Anleger Depots mit irgendwelchen Wertpapieren. Garantiezertifikate, Discountzertifikate, das ganze Vermögen in einem einzigen Offenen Immobilienfonds, was weiß ich noch alles.
Viele Grüße
Holger
Hallo,
ja, als Diskussionsgrundlage taugt der Artikel offensichtlich ![]()
An Matthias:
> Das Problem ist aus meiner Sicht daher eher ein Problem der Psyche,
> nicht so sehr ein real existierendes Problem.
> (Einverstanden mit er Argumentation? Bitte korrigiert mich,
> wenn ich hier was übersehen habe.)
99% Zustimmung. Das eine Prozent kommmt daher, daß Festgeld etwas bietet, was es anderswo kaum gibt: feste Endfälligkeit zu festem Kurs bei maximaler Sicherheit (durch Einlagensicherungsfonds). Anleihen bzw Anleihen-Fonds bieten jeweils mindestens eines davon nicht. Einzige Ausnahme sind eventuell Laufzeitfonds, deren Endtermin aber naturgemäß maximal unflexibel ist.
> Wie vermittelt man einem Laien das Thema so einfach und
> klar in möglichst weniger als 5 Minuten (größer ist die
> Aufmerksamkeitsspanne bei Nichtinteressierten sowieso
> nicht), so dass er es versteht und auch nach einem
> kleineren Einbruch trotzdem an der festgelegten Strategie
> fessthält?
In der Regel gar nicht.
Im Ernst: wenn es passt, lasse ich eine kurze Bemerkung in diese Richtung fallen. Wenn der Gesprächspartner nachfragt, hat er Glück gehabt, dann versorge ich ihn mit so vielen Informationen, wie er will. Fragt er nicht nach, läuft das Gespräch eben in eine andere Richtung.
Viele Grüße
Hallo Holger,
das Thema ist interessant, und den Schreibstil finde ich OK.
Bei dem Anleihen-ETF ist mir aufgefallen, dass es nicht der risikoloseste ist, er war Ende Juli 2010 z. B. zu 25 % in ital. Staatsanleihen investiert. Der Fonds investiert gewichtet nach Emissionsvolumen in Staatsanleihen der Eurozone.
Dadurch ist er sicher viel schwankungsintensiver als es ein Fonds wäre, der nur in dt. Staatsanleihen investieren würde. Ist das Beispiel extra so gewählt?
Und wenn ich es richtig (Pi mal Daumen) überschlagen habe, ist die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen etwa 5 Jahre.
Ich persönlich mag solche Anleihen-ETFs (d. h. Rentenfonds jedweder Art) nicht so gerne, denn man weiß nie, was dabei herauskommt, anders als bei einer Anleihe oder Sparbriefen z. B.
Bei dem vorgegebenen Depot soll es aber wohl, wenn ich es richtig verstanden habe, auch darum gehen, zu zeigen, dass sich Anlagerisiken durch Diversifikation zumindest teilweise neutralisieren, also dass man hofft, dass die Aktien steigen, wenn die Anleihekurse sinken – und umgekehrt.
Zu Festgeld und Sparbriefen:
Man kann auch mit ein- und mehrjährigen Sparbriefen gute Renditen erzielen, vor allem, wenn man sie zur richtigen Zeit mit der richtigen Laufzeit kauft (das ist bei Anleihen auch so).
Und ich finde, die Zinsen bei Sparbriefen sind ausreichend hoch. Jedenfalls sind sie derzeit (wenn man sich unter fmh.de die Spitzenreiter ansieht) deutlich höher als die Renditen bei dt. Staatsanleihen oder Bundeswertpapieren, wo man ja quasi auch eine staatl. Einlagensicherung hat.
Man wird also meiner Meinung nach für die Illiquidtät ausreichend entschädigt, sofern man das Geld nicht während der Laufzeit benötigt.
Natürlich ist es aber auch eine Spekulation, die Sparbriefe zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Laufzeit zu kaufen. Allerdings kann man hier keine Verluste machen, es kann einem nur eine höhere Rendite entgehen.
Ende 2008/Anfang 2009 hatten gut geratete Unternehmensanleihen auch sehr hohe Renditen, wenn ich mich recht erinnere hatte eine 3-jährige Daimler-Anleihe eine Rendite von mehr als 7 %.
Hallo Gerhard,
die Zusammensetzung der allermeisten Euro-Anleihen-ETFs ist in der Tat ein Problem (oder zumindest kann man sie nicht so recht als “risikolos” betrachten), weil ich eigentlich keinen kenne, der nicht hohe Anteile italienischer und spanischer Anleihen enthält. Dennoch waren Euro-Anleihen-ETFs zumindest bis vor Kurzem so was wie eine Standard-Empfehlung (z. B. auch in Finanztest). Jetzt kann man immerhin noch sagen, dass man für das höhere Risiko auch eine höhere Rendite enthält. Ein ETF, der nur deutsche Anleihen enthält, wäre vermutlich tatsächlich die bessere und vor allem sicherere Wahl gewesen. Hmm, mal schauen, vielleicht vergleiche ich das Depot demnächst noch mal mit einem anderen.
Die Laufzeit habe ich dagegen tatsächlich mit Bedacht gewählt – sie liegt in etwa bei dem, was Bernstein mal empfohlen hat. Ich selbst vermute, dass längere Laufzeiten (und damit höhere Kursschwankungen) sogar noch besser sind, um die Schwankungen des Aktienanteils auszugleichen, aber das müsste man mal überprüfen. Für dieses Depot wollte ich definitiv Schwankungen haben, aber halt auch nicht übertreiben, deshalb die mittleren Laufzeiten. Aber es geht definitiv um den Diversifikationseffekt, ja.
Und was die Unternehmensanleihen Ende 2008 angeht: Ja, das war wirklich ein Fest – zumindest im Rückblick. Da war wirklich Armageddon eingepreist. Auch z. B. bei vorrangigen Anleihen systemrelevanter Banken. Ich weiß noch, dass ich damals eine DZ-Bank-Anleihe zu einem unfassbaren Kurs nachgekauft habe (jetzt kaufe ich keine einzelnen, unbesicherten Unternehmensanleihen mehr). Die Details müsste ich mal nachschauen. Oder bei Aktien von grundsolide aufgestellten Immo-Unternehmen. Aber das wird dann doch zu sehr off-topic. Fast wünscht man sich die Zeiten zurück, nicht? ![]()
Hallo zusammen,
das Thema entwickelt sich ja ziemlich interessant. Ich habe mir auch schon ein paar mal die Frage gestellt, wie der (möglichst) risikolose Anteil im Portfolio am besten abzudecken sei.
Ich hatte bis zum Beginn der Eurokrise auch einen ETF mit europäischen Staatsanleihen im Portfolio. Idee war damals, nur auf beste Schuldner zu setzen und zwischen diesen auch noch zu diversifizieren, weil man sich bei der Güte des Schuldners ja nicht 100% sicher sein kann.
Zu Beginn der Eurokrise habe ich diesen ETF verkauft und mir einen ETF mit rein deutschen Staatsanleihen gekauft. Idee war wiederum, dass ich nicht in einen ETF mit so hohen Anteilen an Staaten investieren wollte, die doch nicht mehr ganz so sicher sind.
Inzwischen bin ich mir auch hier nicht mehr sicher, ob das der Weisheit letzter Schluss ist. Wenn man sich ganz unvoreingenommen fragt, ob es risikolose Papiere gibt, dann muss man eigentlich mit einem Nein antworten. Mein Portfolio soll ja noch mindestens 30 Jahre laufen, mit Rente vielleicht mehr als 50 Jahre. In diesem Zeitraum möchte ich keine Wette darauf eingehen, dass nicht auch der deutsche Staat in Zahlungsschwierigkeiten kommen kann. Wir sprechen ja hier explizit vom möglichst risikoarmen Anteil.
Daher: Vielleicht ist es doch besser, breit diversifiziert in Anleihen von gut bis sehr gut bewerteten Schuldnern zu investieren.
Praktisch umzusetzen ist das gar nicht so einfach, weil eben ETFs auf Staatsanleihen nicht breit diversifiziert sind, sondern z B. hohe Anteile von Italien haben. (Ich betrachte Italien trotzdem als guten Schuldner, aber ganz sicher kann man sich halt nicht sein.) Daher spiele ich mit dem Gedanken, jetzt auch Unternehmensanleihen von guten Schuldnern in Form eines ETF zu kaufen.
Konkret könnte man folgende Strategie fahren: 50% des “risikolosen” Anteils des Portfolios in deutschen Staatsanleihen investieren (weil irgendwie immer noch am sichersten, aber eben nicht ganz sicher) und 50% des “risikolosen” Anteils des Portfolios in einen ETF mit Unternehmensanleihen von besonders kreditwürdigen Schuldner.
Was meint ihr?
Keine Geldanlage ist wohl zu 100 % sicher, aber bei dt. Staatsanleihen halte ich ein Pleiterisiko für sehr gering. Das heißt aber natürlich nicht, daß es keine Kursschwankungen geben kann.
Zum Thema Unternehmensanleihen: Manche Vermögensverwalter halten diese zur Zeit für sicherer als die Staatsanleihen mancher Länder.
Stopp! Das führt doch alles zu weit – schließlich hatte ich schon vor einer Woche einen ellenlangen Text fertig gemacht, der die Tiefen des “risikolosen” Depotteils mal oberflächlich ausleuchten sollte. ![]()
Jetzt ist er – in zwei Teilen – auch veröffentlicht:
Meiner Meinung nach ist die o.g. Zusammensetzung schon sehr konservativ zusammen gesetzt. Kann man eigentlich noch breiter als beim MSCI World streuen? Ein kleines Risiko stellt meiner Meinung nach aber der Anteil des ETFs auf deutsche Staatsanleihen dar. Warum nicht auch diese weltweit streuen? Deutschland mag zwar als Schuldner atm sicher sein, aber warum unnötigerweise nur diesen einen Strohalm?
Hallo Manuel,
der MSCI World eignet sich in solchen Betrachtungen ganz gut als Stellvertreter für weltweite Diversifikation, weil so nur die Betrachtung eines Indizes notwendig ist. Allerdings ist der MSCI World weit weniger diversifiziert als du vermutest.
Zum einen sind nur wirtschaftlich weit entwickelte Länder enthalten. Es fehlen also Emerging Markets wie China, Indien, Brasilien, Russland etc.
Zum anderen ist der MSCI nach der Marktkapitalisierung gewichtet. Das führt zu folgenden aktuellen Gewichten: USA 49%, Japan 10%, Großbritannien 10% und Rest 31%. Das ist aus meiner Sicht nicht gerade breit gestreut.
Mein Fazit dazu: Wenn man den Risikoanteil seines Portfolios mit nur einem ETF abbilden möchte, dann ist ein ETF auf den MSCI World unumgänglich. Sonst sollte man m. E. breiter streuen.
Zu den Anleihen: Anleihen sollen zur Stabilisierung des Portfolios dienen. Weltweite Anlage ist aufgrund des Wechselkursrisikos daher m. E. nicht sinnvoll. Eine Investition in einen ETF auf europäische Staatsanleihen ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, weil hier auch potentielle Pleitekandidaten wie Italien, Spanien, Portugal, Griechenland enthalten sind. Das Problem bei ETFs auf europäische Staatsanleihen besteht darin, dass diese nach den Schuldenbergen der Länder gewichtet sind. Schlechte Schuldner sind also überproportional enthalten. Eine Möglichkeit zur Diversifikation könnte darin bestehen, Euro-Unternehmensanleihen von guten Schuldnern (Investment-Grade) zu kaufen.
Beste Grüße,
Matthias
Hallo Manuel,
Matthias’ Antwort ist kaum etwas hinzuzufügen. Ich kenne einen Index, der neben den Aktienmärkten der entwickelten Welt auch die der Schwellenländer einbezieht: den MSCI All Countries World Index. Allerdings ist mir kein in Deutschland notierter ETF bekannt, der diesen Index abbildet. Warum es keinen gibt, weiß ich nicht – eigentlich eine Schande.
Für dieses Musterdepot habe ich daher den MSCI World gewählt. An ETFs, die ihn abbilden, herrscht kein Mangel, und man hat den größten Teil des weltweiten Aktienmarktes abgedeckt. Mehr Diversifikation erscheint mir nicht sinnvoll, wenn der Aktienanteil am Depot so niedrig ist – es sei denn, das Gesamtdepot ist ziemlich groß. In der Praxis dürfte es aber dennoch keinen allzu großen Unterschied machen, ob man nun 10 % MSCI World im Depot liegen hat oder 7 % MSCI World und 3 % MSCI Emerging Markets. Und ja: Sehr konservativ ist das Depot, das war aber auch das Ziel – die Entwicklung eines einfachen Langzeitdepots für sehr konservative Investoren zu verfolgen.








Hallo Holger,
sehr interessanter Beitrag! Ich stimme mit dir inhaltlich überein, dass 100% Gewichtung von Anleihen für den maximal risikoscheuen Anleger nicht optimal ist. Die Gewichtung von 90% Staatsanleihen und 10% Aktien dürfte für so einen Anleger besser sein.
Dennoch vermute ich, dass die meisten konservativen, maximal risikoscheuen Anleger eher Tagesgeld bevorzugen, weil dort eben keine sichtbare Schwankung stattfindet und die Rendite immer positiv ist. Dennoch ist das natürlich ein schwerer Trugschluss, weil einerseits die Insolvenz des Anlageinstituts droht und damit der Totalverlust und andererseits die Inflation doch gewaltig an der vergleichsweise geringe Rendite nagt (und damit reale Verluste drohen).
Ich habe zudem den Eindruck, dass konservative Anleger sehr häufig vor einem Depot mit ETFs, deren Kurse täglich sichtbar schwanken, generell zurück schrecken. Selbst wenn darin maximal konservative Anlagen enthalten sind. Ich habe die Erfahrung im Freundes- und Bekanntenkreis gemacht, dass solche Anleger eher auf Kapitallebensversicherung und Co zurückgreifen. Hier sind Schwankungen nicht, einmal im Jahr oder im Grenzfall erst bei der Ausschüttung nach 30 Jahren sichtbar. Diese Produkte vermitteln also irgendwie das gute Gefühl, sicher anzulegen und vermeintliche Profis damit zu beauftragen…
Ich glaube nicht daran, dass viele Anleger ihre Anlageentscheidung so rational beurteilen, wie in deinem Beitrag beschrieben. Typischerweise wird ein maximal risikoscheuer Anleger nach so einem Jahr wie 2008 Bauchschmerzen mit seinem Aktienanteil haben, weil der Wert massiv gesunken ist. Er beurteilt Depotpositionen eben meistens einzeln und nicht das Depot in der Summe. Der gleiche Anleger würde wahrscheinlich – wenn er in Tagesgeld investiert hätte – sich deutlich besser fühlen, obwohl er letztlich eine geringere Rendite erzielt.
Mein Fazit: Irgendwie fehlen der passiven Anlagestrategie inzwischen nicht mehr die guten Argumente, warum sie überlegen ist, sondern eher die Möglichkeiten, die verletzliche Psyche der Anleger im Griff zu behalten. Nicht falsch verstehen: Aufklärung ist natürlich trotzdem wichtig. Daher: Bitte weiter so!
Beste Grüße,
Matthias