Staatsanleihen, Festgeld und Co. - Optionen für den „risikolosen“ Teil des Depots
Von Bundeswertpapieren bis zu Pfandbriefen: Welche Instrumente eignen sich für die weit gehend risikolose Geldanlage?
Leser Lords hat sich letztens anlässlich eines Beitrags über Rebalancing einen Artikel gewünscht, der sich mit dem Aufbau des „risikolosen“ Depotteils befasst. Dem Teil des Depots also, der das Gegengewicht zu den schwankungsanfälligen, konjunkturabhängigen Aktien(-ETFs) im Portfolio bildet. Die einschlägigen Investment-Ratgeber befassen sich, so weit ich das sehe, in der Regel eher oberflächlich mit dem Thema. Vermutlich weil die korrekte Strategie für die Autoren klar ist: Man kaufe Staatsanleihen bester Bonität aus dem eigenen Währungsraum und fertig. Allenfalls das optimale Laufzeitenprofil bietet Raum für Diskussion und Spekulation. Geht es um Aktien, darf dagegen bändelang über das beste Verfahren zur Gewichtung der Regionen im Portfolio gestritten werden.
Aber ist das Thema Anleihen wirklich so einfach? Ich habe große Zweifel – und deshalb bisher auch nicht viel darüber geschrieben. Als Einstieg soll deshalb mal eine Darstellung der verschiedenen Möglichkeiten, in zinstragende Anlagen zu investieren dienen, Erörterung von Vor- und Nachteilen inklusive.
Der Klassiker: Bundeswertpapiere
Wer sich Bundesanleihen verschiedener Laufzeiten, einen entsprechenden ETF oder einfach Bundesschatzbriefe ins Depot legt, dürfte nach wie vor nicht viel falsch machen. Innerhalb des Euroraums sind Bundesanleihen wahrscheinlich die sichersten Wertpapiere. Und wenn Panik herrscht, werden sie normalerweise gekauft. Das ist genau, was man mit dem Anleihen-Teil des Portfolios erreichen will. Ein Nachteil: Man bezahlt für die Sicherheit mit dem Verzicht auf nennenswerte Renditen. Ein anderer: Deutschland gehört zum Euroraum, und der macht in letzter Zeit wenig Spaß. Aber ist das wirklich ein stichhaltiges Argument?
Die fragwürdigen: Euro-Staatsanleihen
Seit es den Euro gibt, bieten sich eine Reihe staatlicher Emittenten bester – oder halbwegs guter – Bonität an, deren Anleihen man kaufen kann. Seit es ETFs gibt, geht das sogar sehr komfortabel. Der Vorteil gegenüber Bundesanleihen: Man streicht eine höhere Rendite ein. Möglicherweise bietet der Kauf eines ETFs, der vor allem Anleihen von Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland enthält, sogar ein besseres Verhältnis von Risiko und Rendite, weil er eine Diversifikation über verschiedene Staaten ermöglicht. Allerdings ist es mit dieser Diversifikation so eine Sache: Die Länder der Eurozone sind offensichtlich extrem aufeinander angewiesen und voneinander abhängig. Nachteil: Ob Anleihen der südlichen Euroländer wirklich als „risikolos“ bezeichnet werden können, ist sehr fraglich. Es besteht die Gefahr, dass sie gerade dann in die Knie gehen, wenn man am nötigsten auf sie angewiesen ist.
Die (hoffentlich) soliden: Pfandbriefe und Covered Bonds
Pfandbriefe – das sind mit Hypotheken oder anderen Krediten besicherte Schuldverschreibungen von Pfandbriefbanken. Sie gelten als sehr sicher, erhalten meist Triple-A-Ratings von den großen Ratingagenturen und wurden bisher noch immer zurückgezahlt. Die ausländischen Pendants des deutschen Pfandbriefes werden als Covered Bonds bezeichnet – auch bei ihnen handelt es sich um besicherte Schuldverschreibungen, allerdings sind die Regeln zum Teil (oder immer?) weniger streng als bei deutschen Pfandbriefen. Jedenfalls: Die Dinger kann man wohl insgesamt als ziemlich sicher bezeichnen – und sie bieten höhere Renditen als deutsche Staatsanleihen. Nachteil: Ich verstehe nicht, welche Qualität die Sicherheiten haben, die die Bedienung der Bonds auch im Fall einer Pleite des ausgebenden Instituts sicherstellen sollen. Und das ist kein gutes Gefühl. Außerdem sind Covered Bonds allgemein, aber auch deutsche Pfandbriefe zur Hochzeit der Finanzkrise ziemlich in die Knie gegangen – anders als deutsche Staatsanleihen.
Für Privatanleger: Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe
Was in den Investmentbüchern vorwiegend us-amerikanischer Prägung praktisch nie vorkommt, ist Tagesgeld und Festgeld. Dabei ist es ebenfalls eine gute und potenziell sogar ziemlich renditeträchtige Möglichkeit, sicher anzulegen. Die gesetzliche Einlagensicherung garantiert die Rückzahlung, das lässt Tagesgeld und Festgeld ähnlich sicher erscheinen wie Staatsanleihen – schließlich dürfte ein Ausfall der Einlagensicherung mit folgendem Bankrun ungefähr gleichbedeutend mit einem Staatsbankrott sein. Ein Nachteil: Man hat keine (sichtbaren) Kursschwankungen, also auch keine Hoffnung auf einen Wertzuwachs, wenn die Aktienmärkte im Sinkflug sind. Ein anderer: Zumindest Festgeld und Sparbriefe sind sehr unflexible Anlagen. Vor dem Laufzeitende kann man nicht über das Geld verfügen.
Zum zweiten Teil des Artikels
24 Kommentare
Hallo,
auch wenn ich mich damit in der Minderheit befinde (c-:), möchte ich im Zusammenhang mit der oben aufgeworfenen Frage nochmals auf die “inflationsindexierten” Staatsanleihen hinweisen. Sie dürften im Verhältnis zu “normalen” Staatsanleihen über zusätzliches Diversifikationspotential verfügen.
Grüße vom KLEINANLEGER
Hallo Kleinanleger,
inflationsindexierte Staatsanleihen sind aus meiner Sicht aus folgenden Gründen ebenfalls eine relevante Anlageklasse:
- Die sind eine gute Absicherung gegen unerwartete Inflation. Kurzlaufende Staatsanleihen sichern zwar auch gegen Inflation, weil sie bei steigender Inflation den dann wohl auch steigenden Zinsen folgen und gleichzeitig aufgrund ihrer kurzen Laufzeit kaum Kursverluste verursachen. Allerdings bieten inflationsindexierte Staatsanleihen eine noch bessere Absicherung gegen Inflation, weil eben immer garantiert der vereinbarte Basiszinssatz plus Inflation ausgezahlt wird.
- Allerdings kostet die Absicherung gegen Inflation natürlich auch etwas Rendite, denn der Schuldner muss ja auch etwas davon haben („inflation risk premium“)
- Insbesondere US-amerikanische Forschungsergebnisse zeigen, dass der Anleiheanteil trotz „inflation risk premium“ zum Teil auf inflationsindexierte Anleihen setzen sollte.
Ich habe momentan keine inflationsindexierten Anleihen in meinem Portfolio aus folgenden Gründen:
- Die realen Zinsen sind historisch betrachtet momentan sehr niedrig. Jetzt inflationsindexierte Anleihen zu kaufen würde bedeuten, diese realen Zinsen längerfristig zu akzeptieren. Normale kurzlaufende Anleihen bieten zumindest die Chance, dass – wenn die Zinsen wieder steigen – höhere reale Zinsen realisiert werden können. (mit dem Preis, dass sie eine nicht so guter Schutz gegen Inflation sind.)
- Larry Swedroe gibt den Ratschlag, dass man ein Investment in inflationsindexierte Anleihen insbesondere ab einem realen Zinssatz von 2% in Betracht ziehen sollte. Darunter eher nicht. (Um der Anmerkung zuvor zu kommen: Das ist aus meiner Sicht kein aktives Investieren. Es ist eigentlich nur ein Risikomanagement. Wir sind historisch auf einem niedrigen Realzinsniveau. Steigende reale Zinsen bieten mehr Potential als sinkende reale Zinsen. Das sagt anderseits nichts über die Wahrscheinlichkeit von steigenden oder fallenden Zinsen aus.)
- Inflationsindexierte Anleihen sind für Menschen mit höherem Alter wichtiger als für jüngere Menschen. Wenn man bald in Rente geht oder schon in Rente ist, dann benötigt man die Absicherung gegen Kaufkraftverlust dringender als wenn man noch über 30 Jahre von der Rente entfernt ist. Denn in jungen Jahren bietet das eigene Gehalt ja sozusagen einen eingebauten Inflationsschutz. (Die Gehaltssteigerungen werden an die Inflation angepasst.) Wenn man in Rente ist, dann gilt dieser Effekt nicht mehr so uneingeschränkt. (Andererseits werden die gesetzlichen Renten auch – mit kleineren Einschränkungen – an die Lohnentwicklung angepasst. Also vielleicht zieht dieses Argument nur besonders für Selbständige, die keine gesetzliche Rente bekommen.)
- Im Euroraum haben inflationsindexierte Anleihen keine so lange Tradition. Ich bin mir persönlich nicht sicher, ob nicht aufgrund der fehlenden Konkurrenz vielleicht ein besonders hohes „inflation risk premium“ verlangt wird. Außerdem sind mir keine guten Studien zum Thema inflationsindexierte Anleihen im Euroraum/Europa bekannt. Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob US-amerikanische Ergebnisse ohne weiteres nach Europa übertragen werden können.
Bitte kritisch kommentieren!
Grüße,
Matthias
- Pfandbriefe und Covered Bonds: Ich habe mich mit den Dingern auch nicht intensiv beschäftigt. Für strikte Passiv-Anleger sind sie aber vermutlich eine gute Wahl. Erstens weil sie ein wichtiger Teil des Anleihenmarktes sind. Zweitens weil sie, wenn man auf die Ratings und Renditen schaut, tatsächlich sehr sicher sind. Drittens weil sie zumindest höhere Renditen als Bundesanleihen bieten. Ich bin dafür. ![]()
- Tagesgeld: Ich stimme zu, für Festgeld und Sparbriefe bin ich aber auch offen. Im Juni z. B. gab es 4 % bei drei Jahren Laufzeit und deutscher Einlagensicherung – dafür verzichte ich für einen Teil des Depots auch mal auf Liquidität. Und stabilisierend wirkt das Ganze auch ohne sichtbare Kursschwankungen. Schließlich liegt die Korrelation zu Aktien immer bei 0.
- Inflationsindexierte Anleihen: Es ist mir peinlich, aber ich habe sie einfach vergessen. Das kann aber auch daran liegen, dass ich mich mit den Dingern überhaupt nicht auskenne. Dass sie sich anders entwickeln als normale Staatsanleihen – okay. Aber sollten nicht eigentlich Aktien/Immobilien/Rohstoffe Schutz vor Inflation bieten? Braucht man dafür wirklich auch noch Staatsanleihen?
Noch mal zu Pfandbriefen: Was das Verhalten in der vorigen Krise angeht, denke ich, dass beide von Dir genannten Faktoren am Werk waren – es gibt ja reichlich Literatur, die nahe legt, dass Märkte in solchen Krisen eben nicht völlig effizient reagieren. Ein dritter Grund für die relativ hohen Verluste damals war sicher die im Vergleich zu Bundesanleihen geringere Liquidität. Interessieren würde mich, wie Pfandbriefe sich in früheren Krisen verhalten haben. Da die jüngste Krise sogar eine politische Diskussion über Pfandbriefe ausgelöst hat, gehe ich davon aus, dass sie die erste war, in denen diese Anlageklasse so stark gelitten hat. Ist aber Spekulation.
Hallo Holger,
- Pfandbriefe und Covered Bonds: Komme auf meine „Research-Liste“ für 2011. Die Pro-Argumente klingen nachvollziehbar.
- Festgeld und Sparbriefe: Wenn man ein gutes Angebot auswählt, dann sind sie wohl auch ok. Korrelation zu Aktien ist 0, stimmt absolut. Aber halt nicht leicht negativ. Allerdings muss man dazu oft auch zu einer neuen Bank wechseln, weil diese Angebote nicht überall verfügbar sind. Vorteil von Anleihen im Gegensatz zum Festgeld wäre auch, dass man – wenn zum Beispiel Aktien stark im Wert sinken – seinen Anleiheanteil zum Teil verkaufen kann um dann wieder neu in Aktien zu investieren (Rebalancing). Das ist nicht möglich, wenn man beim „risikolosen“ Anteil voll auf Festgeld setzt. Daraus sollte man aber keine Glaubensfrage machen. Ich denke, dass man mit Festgeld im „risikolosen“ Anteil des Portfolios auch gut fährt.
- Inflationsindexierte Anleihen: Vielleicht sind sie nicht so irrelevant. Trotz der oben aufgeführten Gründe, warum ich sie nicht besitze sollte man sie m. E. im Auge behalten. Dabei sollte man m. E. bedenken, dass nur inflationsindexierte Anleihen und kurzlaufende Anleihe wirklich gegen eine unerwartete Inflation schützen. Aktien sind (auch wenn immer das Gegenteil behauptet wird) negativ mit Inflation korreliert. Das heißt, wenn Inflation (unerwartet) ansteigt, dann ist das tendenziell schlecht für Aktien. Unternehmen haben offenbar Schwierigkeiten mit größeren preislichen Veränderungen gut zurecht zu kommen. Das gilt zumindest kurz- und mittelfristig (bis zu ca. fünf Jahre). Langfristig sieht das anders aus.
Man stelle sich nur die Situation mal in real vor: Wenn Inflation steigt, dann bieten nur inflationsindexierte Anleihen die Sicherheit. Inflation steigt und im gleichen Jahr steigen auch die Kurse der inflationsindexierten Anleihen (weil eingebauter Automatismus). Bei Aktien: Inflation steigt, Aktien machen irgendwas (Aktien sind sehr volatil, unterliegen auch noch vielen anderen Effekten). Tendenziell leiden sie sogar eher unter unerwarteter Inflation.
Viele Grüße,
Matthias
Man sollte wissen, dass die Inflationsindexierten Anleihen (die vom dt. Staat emittierten haben die WKNs 103050, 103051 und 103052) die Eigenschaft haben, dass ihre Kurse nicht nur aufgrund der erwarteten zukünftigen Inflation schwanken, sondern dass ihre Kurse auch vom allgemeinen Zinsniveau beeinflusst werden. Wenn also die Marktzinsen steigen und die Kurse der normalen Staatsanleihen deshalb sinken (wie es zur Zeit gerade geschieht), sinken auch die Kurse der inflationsindexierten Anleihen.
Absolut einverstanden bezüglich der Preisschwankungen inflationsindexierter Anleihen. Sie unterliegen auch Preisschwankungen. Allerdings ist zu beachten, dass inflationsindexierte Anleihen weniger stark auf Zinserhöhungen reagieren als normale Anleihen (bei gleicher Restlaufzeit). Der Grund liegt darin, dass Zinsen i. d. R. dann steigen, wenn die Inflation steigt. Daher wird der Effekt von Preisschwankungen bei inflationsindexierten Anleihen gemildert. Bedeutet, dass inflationsindexierte Anleihen nur dann im Preis fallen, wenn die realen Zinsen steigen.
Beispiel:
Ausgangssituation:
- Inflation: 1,5%
- nominaler Zinssatz: 3%
- reale Zinssatz: 1,5% (= nominaler Zinssatz – Inflation)
Szeanario 1:
- Inflation steigt auf 2,5%
- nominaler Zinssatz wird angehoben auf 4%
- realer Zinssatz: 1,5%
- Kurs der inflationsindexierten Anleihen müsste gleich bleiben
Szenario 2:
- Inflation bleibt bei 1,5%
- norminaler Zinssatz wird angehoben auf 4%
- realer Zinssatz jetzt bei 2,5%
- Kurs der inflationsindexierten Anleihen sinkt
Der reale Zinsatz bewegt sich normalerweise in einer Range zwischen 1 und 4%. (Diesen Range kann er natürlich kurzzeitig verlassen.) Momentan liegt der reale Zinssatz eher am unteren Ende dieser Range. Bedeutet, dass auch bei inflationsindexierten Anleihen ein nicht zu unterschätzendes Kursrisiko besteht. (Aber ein geringeres als bei normalen Anleihen bei gleicher Restlaufzeit.)
Hallo,
in meinem Portfolio habe ich die herkömmlichen Staatsanleihen mit einem ETF von iShares abgedeckt (DE000A0H08C4) und die inflationsindexierten mit einem ETF von Lyxor (FR0010174292).
Wenn ich die Charts der beiden Fonds übereinanderlege – was man übrigens bei Ariva.de gut tun kann – dann ergeben sich immer wieder Phasen mit unterschiedlichen Entwicklungen. Das ist genau das, was ich anstrebe.
Einige Fragen an Herrn Hofmann: Welches Buch von Swedroe können Sie empfehlen? Gibt es das auch in deutscher Sprache? Falls nicht, ist es schwer zu verstehen?
Viele Grüße vom KLEINANLEGER
Hallo Kleinanleger,
die Bücher von Swedroe sind – soweit ich weiß – nur in englischer Sprache erhältlich. Die Bücher von Swedroe sind relativ anspruchsvoll, vorallem wegen dem Inhalt (nicht so aufgrund der Sprache). Er hat zwar auch Grundlagenbücher wie “The only Guide to a winning investment strategy you’ll ever need”, für diesen Zweck finde ich die Bücher von Gerd Kommer aber fast besser.
Was Swedroe meines Erachtens hervorragend beherrscht, ist es, eine Sache sehr fundiert, präzise, tiefgehend und inhaltlich richtig darzustellen. Das Buch von ihm zu “The only guide to alternative investsments you’ll ever need” finde ich super. Hier lässt er die ganzen Grundlagen und Anmerkungen zu Aktien und normalen Anleihen aus, dafür werden aber alle restlichen Anlageklassen sehr gut behandelt: z. B. Immobilien, inflationsindexierte Anleihen, Rohstoffe, high-yield Bonds etc. Ich kenne kein deutschsprachiges Buch, das dieses Thema annähernd in dieser Tiefe beleuchtet. Dieses Buch ist jedoch schon anspruchsvoll. Dazu sollte man die Grundlagen des passiven Investierens gut verinnerlicht haben.
Eine Frage zu Ihren ETFs: Warum nutzen Sie den ETF von iShares mit Laufzeiten > 10,5 Jahre? (Die Restlaufzeit der Anleihen beträgt in diesem ETF ca. 18 Jahre.) In der Regel werden Empfehlungen gegeben, eine Laufzeit von ca. 5 Jahren für den Anleihenanteil in einem diversifizierten Portfolio anzustreben. Für bestimmte Konstellationen (z. B. wenn man einen bestimmten Anteil von Rohstoffen im Portfolio liegen hat) könnte die Restlaufzeit vielleicht leicht auf ca. 6-7 Jahre erhöht werden. Dagegen scheint mir 18 Jahre sehr hoch zu sein. Diese Laufzeiten wirken auf mich wie eine starke Absicherung gegen eine schwere Deflation.
Viele Grüße,
Matthias
Hallo, Herr Hofmann,
vielen Dank für die Darstellung der Bücher Swedroes.
Und ja, ich habe die Staatsanleihen (auch) unter dem Gesichtspunkt gewählt, gegen deflatorische Einflüsse gewappnet zu sein. Für gute Ergebnisse reicht es ja schon, wenn der Markt eine Deflation auch nur befürchtet. Der andere Aspekt ist die höhere Verzinsung der Langläufer. Ich meine, mit alldem Swensens Empfehlungen befolgt zu haben.
Viele Grüße!
Hallo Matthias,
ich hatte nicht mal den ersten Deiner Beiträge zu inflationsindexierten Anleihen gelesen, als ich meinen Kommentar geschrieben habe. Also habe ich jetzt etwas Nachholbedarf…
Normale kurzlaufende Anleihen bieten zumindest die Chance, dass – wenn die Zinsen wieder steigen – höhere reale Zinsen realisiert werden können. (mit dem Preis, dass sie eine nicht so guter Schutz gegen Inflation sind.)
Hast Du denn normale kurzlaufende Anleihen im Depot? Schwanken die nicht zu wenig? Sollte man nicht eine mittlere Restlaufzeit von 5 Jahren oder mehr anstreben? In diesem Zusammenhang: Ich finde den Gedanken, konsequent auf längere Laufzeiten zu setzen, wie Kleinanleger das tut, charmant. So holt man sich größere Schwankungen ins Depot, die eher geeignet sind, Schwankungen des Aktienteils auszugleichen. Das zumindest ist meine Überlegung. Umgesetzt habe ich sie nicht, ernsthaft untersucht ebenfalls nicht.
Vorerst ist mir auch unwohl bei dem Gedanken, gerade jetzt längere Laufzeiten zu kaufen. Andererseits betrachte ich das aber schon als eine aktive Investitionsentscheidung – genauso wie die Entscheidung bei einem niedrigen Realzinsniveau keine inflationsindexierten Anleihen zu kaufen. Könnte man nicht genauso gut sagen, dass man nur bei historisch niedrigen KGVs in den Aktienmarkt investiert, und das dann Risikomanagement statt aktives Investieren nennen?
Ich meine, das muss ja nicht schlecht sein. Aber als passiv empfinde ich es nicht.
Und das Alternative-Investments-Buch von Swedroe kommt mal auf meine Leseliste.
Viele Grüße
Holger
Hallo Matthias,
könnten Sie bitte mal sagen, welchen Zinssatz Sie als “nominalen Zinssatz” bezeichnen in Ihrer aufschlußreichen Berechnung? Vielleicht die Umlaufrendite oder die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen?
Hallo Kleinanleger, hallo Holger, hallo Gerhard
ich habe die Bücher von David Swensen auch gelesen. Dort bezeichnet er „long-term bonds“ als Möglichkeit, sich gegen Deflation zu schützen. Allerdings konkretisiert er nicht, welche Laufzeiten private Investoren mit ihrem Anleihenanteil anstreben sollten.
Zu diesem Thema habe ich einen Beitrag gefunden, der als Klarstellung betrachtet werden kann: http://socialize.morningstar.com/NewSoci..
Hier wir David Swensen zitiert. Er empfiehlt hier eine Laufzeit von Anleihen von ca. 5 Jahren. (Das finde ich vernünftig. Diese Empfehlung stimmt zum Beispiel auch mit der Empfehlung von Larry Swedroe überein.)
Das Problem mit den Laufzeiten von Anleihen liegt m. E. darin, dass kurze Laufzeiten eben gut vor Inflation schützen, lange Laufzeiten vor Deflation. Beides auf einmal kann man nicht haben. Daher wird häufig die Empfehlung ausgesprochen, Laufzeiten von ca. 5 Jahren anzustreben, um beiden Szenarien irgendwie Rechnung zu tragen. Das ist wohl ein vernünftiger Kompromiss.
Was ist der nominale Zinssatz?
Wikipedia: Nominalzins ist der für einen Kredit vereinbarte oder bezahlte Zinssatz, Realzins der Zinssatz nach Abzug der Inflationsrate.
Kommt drauf an, in was man investiert.
Wenn man heute in die Tagesanleihe des Bundes investiert, bekommt man 0,23% nominalen Zinssatz. Wenn man in Bundesschatzbriefe investiert, bekommt man 2,04% und wenn man in 10-jährigen Anleihen investiert, bekommt man noch ein bisschen mehr. Die Umlaufrendite dürfte aber für praktische Zwecke eine gute Abschätzung sein. Liegt also aktuell so um die 2,5%, oder?
Zum Thema aktiv/passiv:
Ich habe darüber auch lange nachgedacht und stehe aktuell aber auf dem Standpunkt, dass diese Art von „Risikomanagement“ etwas anderes als aktives Investieren ist.
Man muss sich dabei vor Augen führen, dass ich mir keine Aussage über die Wahrscheinlichkeit zutraue, ob die realen Zinsen in Zukunft fallen oder steigen werden. Außerdem weiß ich auch nichts über deren Höhe.
Wenn ich mir historisch die Höhe der realen Zinsen betrachte, dann liegt man fast immer im Bereich zwischen 1% und 4%. Viel weniger als 1% wird kein vernünftiger Anleger über längere Zeit akzeptieren, denn dann lohnt sich die Geldanlage irgendwie ja nicht mehr.
- Annahme: Ich habe bei einem realen Zinssatz von 1,5% inflationsindexierte Anleihen gekauft.
Jetzt schaue ich mir an, was passiert, wenn sich die realen Zinsen an die untere bzw. obere Grenze bewegen: Untere Grenze bedeutet, ich habe es richtig gemacht. Kursgewinne folgen, aber im kleineren Rahmen. Obere Grenze bedeutet, ich habe es falsch gemacht. Kursverluste folgen, aber im durchaus höheren Ausmaß.
- Annahme: Ich habe bei einem realem Zinssatz von 3,5% inflationsindexierte Anleihen gekauft.
Was passiert? Wenn die realen Zinsen auf 1% fallen folgen hohe Kursgewinne, wenn die realen Zinsen steigen, folgen kleinere Kursverluste.
Folglich wäre ich bei zum Beispiel hohen realen Zinsen bestrebt, einen hohen Anteil meines Anleiheportfolios in inflationsindexierte Anleihen mit langen Laufzeiten zu investieren, um diese hohen realen Zinssatz über einen möglichst langen Zeitraum zu konservieren. Anzumerken ist aber hier noch, dass man diesen Regeln nicht je Situation und Stimmung ändern darf, sondern fix an ihnen festhalten muss.
Zum Thema Investieren in den Aktienmarkt bei niedrigen KGVs:
Diese Überlegung könnte einer ähnlichen Argumentation folgen wie die gerade beschriebene. Allerdings hat sich halt heraus gestellt, dass Investoren, die den Markt timen wollen, fast immer eine Minderrendite erzielen. Daher sollte man das nicht tun.
Dennoch gibt es Verfechter des passiven Investierens, die empfehlen, den Aktienanteil leicht (zum Beispiel von 50% auf 55%) zu erhöhen, wenn die KGVs historisch betrachtet sehr niedrig liegen (Das ist eigentlich nix anderes als Market Timing). Ich selbst tue das nicht, weil ich dieser Sache nicht vertraue.
Ich würde mich zu kontroversen Meinungsäußerungen zu diesen Themen freuen!
Viele Grüße,
Matthias
Hallo noch mal,
Laufzeiten von etwa 5 Jahren empfiehlt auch Bernstein, wenn ich das richtig in Erinnerung habe – belegt durch Statistiken, nach denen Bonds mit mittleren Restlaufzeiten bei geringerer Volatilität ähnliche oder sogar leicht höhere Renditen gebracht haben als länger laufende.
Man muss sich dabei vor Augen führen, dass ich mir keine Aussage über die Wahrscheinlichkeit zutraue, ob die realen Zinsen in Zukunft fallen oder steigen werden. Außerdem weiß ich auch nichts über deren Höhe.
Na ja – zumindest spekulierst Du darauf, dass Du im Mittel eine höhere Rendite erzielen wirst, wenn Du auf einem hohen Realzinsniveau investierst, weil Du offenbar die Wahrscheinlichkeit, dass die Realzinsen künftig fallen werden, auf einem höheren Realzinsniveau höher einschätzt (und umgekehrt).
Das ist für mich Market Timing. Und warum sollte das bei Anleihen besser funktionieren als bei Aktien (aber ich sage nicht, dass es nicht funktionieren kann)?
Zurück zum Aktienmarkt: In Zeiten niedrigerer Bewertungen (mehr) zu investieren, ist ebenfalls Market Timing. Aber die Strategie des Value Averaging baut zum Beispiel darauf auf. Allerdings habe ich mich noch nicht näher damit befasst. Ganz ähnlich funktioniert letztlich auch Value Investing, nur dass es dabei eher um die Auswahl von im Vergleich zum Gesamtmarkt unterbewerteten Wertpapieren geht, nicht um die Auswahl eines Investitionszeitpunkt, an dem der Gesamtmarkt unterbewertet ist.
Aber das ist alles weit off-topic. Die Essenz aus Deinen Ausführungen zu inflationsindexierten Anleihen ist für mich erst mal, dass es ein genaues Regelwerk braucht, wenn man sie nicht als festen Bestandteil ins Depot aufnehmen will. Und dass der europäische Markt dafür im Vergleich zum US-Markt sehr unterentwickelt ist.
Beides Gründe, zumindest nichts zu überstürzen und erst mal das Swedroe-Buch zu lesen. ![]()
Viele Grüße
So, ich musste ein bisschen recherchieren, um mir selbst zu verdeutlichen, weshalb ich Staatsanleihen mit längerer Laufzeit für mein Portfolio gewählt habe. (Ist ja schließlich schon gut zwei Jahre her; soviel zur Halbwertszeit des Gedächtnisses eines Kleinanlegers.)
Zu Bernstein: Er befürwortet fünfjährige Laufzeiten, da diese bei vergleichbarer Rendite ein geringeres Risiko als die Langläufer aufwiesen. Die Zahlen, mit denen er dies begründet, beziehen sich jedoch ausnahmslos auf Dollar-Staatsanleihen der USA. Ob dies für Euro-Staatsanleihen europäischer Länder ebenso galt, ist (jedenfalls mir) damit nicht gesagt.
Zu Swensen:
In seinem Buch “erfolgreich investieren” spricht er nur von “langfristigen” Anleihen, ohne zu verdeutlichen, welche Laufzeit er meint.
Jedoch wird er in seinem Buch “Proaktive Portfoliostrategien” deutlicher: Dort betont er, dass die Staatsanleihen zur Absicherung gegen eine Deflation oder eine Finanzkrise dienen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse man den damit verbundenen Renditenachteil in Kauf nehmen, der umso größer ist, je mehr Kapital man in Staatsanleihen gebunden hat und welches somit für ein Aktienengagement nicht zur Verfügung steht.
Und jetzt kommt der m. E. entscheidende Gedanke, den Swensen wie folgt formuliert: “Gestaltet man das Anleiheportfolio so, dass die wesentlichen Diversifikationseigenschaften festverzinslicher Papiere hervorgehoben werden, wird der erwartete Nutzen in Krisenzeiten erhöht, während die langfristigen Kosten des Anleihebesitzes reduziert werden.” Dies untermauert er mit einer Tabelle über den Nutzen einer Portfolioversicherungswirkung verschiedener Anlagen im Zuge der Asienkrise des Jahres 1998. Damals haben die Staatsanleihen mit einer mehr als zehnjärigen Laufzeit deutlich besser abgeschnitten als die kürzerlaufenden Staatsanleihen. Das heißt, man kann mit einer geringeren Menge an Langläufern dieselbe Wirkung erzielen wie mit einer größeren Menge an Kurzläufern. Durch die Bevorzugung längerer Laufzeiten vermindert man jedoch die mit dem Halten der Staatsanleihen stets verbunden Opportunitätskosten.
Ein weiteres von ihm angeführtes Argument entwickelt er aus der höheren Zinssensitivität der Langläufer (welche ja gerade den Grund des von Bernstein kritisierten höheren Risikos darstellt). Swensen weist darauf hin, dass gerade durch die höhere Volatilität der Langläufer Gelegenheiten entstehen, “das Streuungspotential der Anleihen zu herabgesetzten Preisen zu kaufen”.
Diese beiden Argumente fand ich – und finde ich noch – derartig überzeugend, dass ich mich für eine möglichst lange Laufzeit bei den Staatsanleihen entschieden habe. Das höhere Risiko, dem ich bei Inflationsszenarien ausgesetzt bin, hoffe ich durch die – von Swensen ja ebenfalls exlizit empfohlenen – inflationsindexierten Staatsanleihen ausgeschaltet oder zumindest hinreichend reduziert zu haben.
Fazit: So wie ich Swensens Gedanken verstehe, bewertet er die von Bernstein kritisierte “Riskantheit” der Langläufer ganz anders: Er befürwortet, sich der Volatilität der Papiere bewusst auszusetzen, um in Krisenzeiten eine starke Ausgleichswirkung zu erzielen und um in Inflationszeiten diese Anlageklasse preiswert (nach-)kaufen zu können. Im übrigen: Sowohl Swensen als auch gerade Bernstein meinen mit dem Risiko ja gerade die Standardabweichung; und diese steigt eben auch dann, wenn es “Ausschläge nach oben” gibt. Wenn dies im rechten Moment geschieht – nämlich beim Absturz der übrigen Assets – habe ich als Kleinanleger dagegen nicht nur nichts einzuwenden, sondern bin froh über dieses “Risiko” der Langläufer.
Was mich nun ein wenig verwirrt, ist der von Herrn Hofmann erwähnte Hinweis auf die Tatsache, dass Swensen sich in einem Forum wohl dafür ausgesprochen hat, man möge mit seinem Bond-Portfolio die durchschnittliche Duration des Bond-Marktes von ca. fünf Jahren abbilden. Das kann ich mit dem zuvor Geschilderten nicht in Einklang bringen.
Als Kleinanleger bleibt mir daher nur eines: nach dem zu verfahren, was ich glaube verstanden zu haben. Da dies für die Argumente pro Langläufer der Fall ist und dies für die Argumente contra Langläufer nicht der Fall ist, werde ich b. a. w. ein Befürworter der Langläufer bleiben.
Einen schönen Ansatz von Herrn Hofmann darf ich plagiieren: Auch ich bitte darum, meine Gedanken kritisch zu kommentieren.
Viele Grüße sendet und einen schönen Urlaub für Herrn Hofmann wünscht der KLEINANLEGER.
Hallo Kleinanleger,
danke für die Recherche! Zwei Jahre sind in der Tat eine lange Zeit, wenn es um Details geht – das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
Ich finde die Argumentation, dass länger laufende Anleihen einen besseren Schutz vor Deflation bieten, insgesamt nachvollziehbar. Das ist auch, worauf ich hoffen würde, wenn ich denn mal dazu durchringen könnte, die durchschnittliche Restlaufzeit meines Anleihenportfolios tatsächlich zu erhöhen. Ihre Anmerkungen zur höheren Standardabweichung unterschreibe ich voll – zumal Swensen sie ja offenbar durch empirische Belege untermauert.
Etwas rätselhaft ist für mich nach wie vor der Nutzen inflationsindexierter Anleihen. Ich hatte mir bisher immer selbst zurecht gereimt, dass der Stabilisierungsteil des Depots tatsächlich vor allem vor Wirtschaftskrisen/Deflation schützen soll, während schwerpunktmäßig andere Assetklassen für den Schutz vor Inflation zuständig sind. Vor einigen Monaten gab es auch einen Artikel in Finanztest, der darauf hinauslief, dass Aktien langfristig in der Tat einen guten Inflationsschutz bieten. Methodisch war das aber nicht alles unbedingt nachvollziehbar, und ich habe auch die von Matthias vertretene Position (Aktien reagieren “irgendwie” auf Inflation, und oft leiden die Unternehmen sogar darunter) schon öfter gelesen.
Dennoch bleibt es für mich schwer nachvollziehbar, warum man zum einen mit länger laufenden Staatsanleihen auf eine stärkere Versicherung gegen Deflation setzen sollte und dies zum anderen durch die Hinzunahme von inflationsindexierten Anleihen wieder aufweichen sollte, obwohl diese offenbar eine noch geringere Erwartungsrendite aufweisen als klassische Anleihen. Allerdings: Ich verstehe inflationsindexierte Anleihen natürlich nach wie vor nicht richtig.
Skeptisch bin ich, was Swensens Hinweis auf Gelegenheiten zu “herabgesetzten Preisen” angeht. Ist das ein Aufruf zum Market Timing? Solche Spekulation kann man sich zumindest ersparen, wenn man sich tatsächlich (halbwegs) konsequent bemüht, in seinem eigenen Portfolio die tatsächliche Duration des Staatsanleihen-Marktes abzubilden.
Hi!
Ich verstehe Swensens Ausführungen zum Nutzen inflationsindexierter Anleihen so: Aktien bieten guten langfristigen, jedoch schlechten kurzfristigen Schutz gegen Inflation. Das liegt möglicherweise daran, dass die Unternehmen erst im Laufe der Zeit ihre Preise an die Inflation anpassen können, während die Diskontierung der künftigen Gewinne sofort mit Erhöhung der Zinssätze stattfindet. Inflationsindexierte Anleihen reagieren anders: Sie steigen sofort mit der Inflationsrate. Diese Unterschiedlichkeit in der Reaktion bietet Diversifikationspotential.
Zum Ihrem letzten Absatz: Swensen warnt davor, Market Timing zu betreiben. Ich verstehe seine Bemerkung wie folgt: Der kluge Anleger soll regelmäßig rebalancieren, bzw. “frisches Geld” zeitnah in sein Portfolio aufnehmen. Wenn nun die Langläufer stark schwanken, kauft er beim Rebalancieren viele Anteile bei gesunkenen Kursen und wenige bei gestiegenen; dadurch mindert er im Laufe der Zeit seinen durchschnittlichen Einstiegskurs. Wir kennen diesen Gedanken ja als “cost averaging”. Nur geht es hier nicht darum, einen schon vorhandenen Geldbetrag zeitlich gestreckt in eine Position zu investieren, sondern um einen sofortigen Einstieg dann, wenn der Rebalancierungsanlass oder -termin vorliegt. Aber der Effekt der Verminderung des durchschnittlichen Kaufpreises ist derselbe. Man bezahlt somit peu a peu aufgrund der stärkeren Schwankungen der Langläufer für die Portfolioversicherung eine geringere Prämie als bei (weniger volatilen) Staatsanleihen mit mittleren Laufzeiten. Mir erscheint das nachvollziehbar.
Aber der letztgenannte Aspekt ist wohl nur eine Zusatzerwägung Swensens. Seine Hauptargumente scheinen mir folgende zu sein: Erstens ist die Wirkung als Portfolioversicherung bei Langläufern größer als bei kürzeren Laufzeiten; zweitens muss man eben deswegen weniger Kapital in Staatsanleihen binden, so dass die Opportunitätskosten geringer sind. Mich hat das überzeugt.
Viele Grüße vom KLEINANLEGER
Hallo KLeinanleger,
allmählich haben Sie mich überzeugt.
Das Schnäppchen-Argument kann ich zwar immer noch nicht so recht nachvollziehen – wenn Märkte effizient sind, kann man das ohnehin vergessen und wenn nicht, bedeuten höhere Kursschwankungen zumindest auch, dass man “bessere” Chancen hat, die Renten auch zu niedrigen Kursen wieder zu verkaufen. Ich meine, dieser vermeintliche Vorteil hoher Volatilität sei in dem an anderer Stelle schon mal diskutierten Cost-Average-Effekt-Aufsatz von Nauhauser et. al. auch als Scheinargument bezeichnet worden.
Swensens Hauptargumente finde ich aber sehr gut nachvollziehbar.
Außerdem hatte ich heute zufällig Malkiel in der Hand und habe mal nachgeschlagen, was er so zu Anleihen schreibt. Es ist insgesamt eher oberflächlich, aber vielleicht trotzdem interessant:
- Er empfiehlt vor allem lang laufende Nullkuponanleihen (für uns mangels Angebot keine ernsthafte Möglichkeit, glaube ich), TIPS, also inflationsindexierte Anleihen, und Anleihen-Indexfonds, am besten einen, der den gesamten Anleihenmarkt über verschiedene Anleihentypen hinweg abbildet. Letzteres ist natürlich eine verführerisch schöne passive Anlagemöglichkeit. Mir ist aber kein solcher Fonds bekannt, das kann aber an meiner Unkenntnis liegen.
Argumente für TIPS: “No other financial instrument today offers investors as reliable an inflation hedge. TIPS are also great portfolio diversifiers.”
Der letzten Aussage kann man nur zustimmen, wenn man sich die TIPS-Korrelationen mit anderen Assetklassen auf assetcorrelation.com ansieht: stark negativ korreliert mit Aktien, nicht perfekt korreliert mit Staatsanleihen.
Malkiel empfiehlt in seinen Musterdepots einen TIPS-Anteil von 5 % – je nach Größe des Anleihen-Anteils sind das 12,5 bis 25 % des Anleihenteils im Portfolio.
Unser Problem, dass es kaum deutsche inflationsindexierte Anleihen gibt, bleibt trotzdem bestehen – wer einen entsprechenden europäischen ETf kauft, investiert vor allem in Frankreich und Italien.
Viele Grüße
Holger
Hallo,
noch eine Ergänzung von Swedroe zum Thema Restlaufzeit von Anleihen. Analysiert wird ein Portfolio mit Aktien und Anleihen:
- In einem Portfolio mit 60% Aktien und 40% Anleihen sollte der Anleihenanteil mit Anleihen von ca. 5-jähriger Restlaufzeit abgebildet werden. (= höchstes Sharpe Ratio) Kurzlaufende Anleihen und langlaufende Anleihen liefern schlechteres Sharpe Ratio. Mit langlaufenden Anleihen liefert das Portfolio zwar eine bessere Rendite, allerdings ein schlechteres Sharpe Ratio. Fazit: Um die Rendite zu erhöhen, wäre es besser, den Aktienanteil leicht zu erhöhen statt die Restlaufzeit der Anleihen.
- In Portfolios mit Aktienanteil von größer als 80% und demnach Anleihenanteil von kleiner als 20% sind längerlaufende Anleihen eine bessere Wahl als mittelfristige Restlaufzeiten. (langlaufende Anleihen liefern das beste Sharpe Ratio in so einem Portfolio.) Grund: “At high equity allocations, the higher returns from longer-term bonds dominate the effect of the higher standard deviation: The volatility of equities is the dominant factor in the portfolio’s volatility.”
Als konkrete Restlaufzeit gibt er nichts an, spricht aber oft von einigen Jahren mehr; also wohl ca. 6-10 Jahre.
Grüße,
Matthias
Hallo, Herr Hofmann!
Das sind ja interessante Aspekte. Offenbar bietet die englische Literatur nicht unwesentliche zusätzliche Erkenntnisse gegenüber der deutschen. Aus welchem Buch von Swedroe ist das?
Viele Grüße vom KLEINANLEGER
Hallo Kleinanleger,
Larry Swedroe stützt sich dabei auf eine eigene Studie, die er im „Journal of Investing“ unter dem Titel „The Maturity of Fixed-Income Assets and Portfolio Risk“ in der Ausgabe Winter 2009 veröffentlicht hat. (Seine Studie ist übrigens sehr lesenswert. Ist zwar nicht frei erhältlich, aber über Universitätsbibliotheken beschaffbar.) In seinem Blog und seinem Buch „Right Financial Plan“ erwähnt er diese Ergebnisse.
Meine Antwort hat nun etwas gedauert, weil ich unterschiedliche Aussagen im Buch/Blog und in der Studie entdeckt habe und bei ihm direkt nachgefragt habe. Bei Interesse, seine Ideen, meine Frage und seine Antwort ist hier zu finden: http://moneywatch.bnet.com/investing/blo..
Kurz zusammen gefasst: Es kommt etwa das Ergebnis raus, das ich bereits oben erwähnt habe. Die genauen Prozentsätze variieren ein wenig, Investment ist halt keine exakte Wissenschaft…
Beste Grüße,
Matthias








Hallo,
ich schreibe mal ein paar Gedanken von mir zu den einzelnen Themen:
- Bundeswertpapiere: ok, AAA-Rating, sehr sicher, ich selbst habe meinem Anleihenanteil zu 100% mit deutschen Staatsanleihen abgedeckt. Ich möchte aber in Zukunft mehr über sichere Schuldner hinweg diversifizieren, weiß aber noch nicht so recht wie konkret.
- Euro-Staatsanleihen: sind immer noch relativ sicher, Ratings sind gut. Ich habe aber ein Problem damit, wenn in einem ETF zum Beispiel ein Staat wie Italien ein Gewicht von deutlich größer als 10% hat. Das ist mir deutlich zu schlecht diversifiziert. Daher kaufe ich nun keine ETFs, die in europäische Staatsanleihen investieren.
- Pfandbriefe und Covered Bonds: Weiß ich zu wenig davon, um es sinnvoll beurteilen zu können. Ein Grund dafür, warum die Pfandbriefe und Covered Bonds in der Krise gefallen sind, könnte darin liegen, dass ihre Sicherheiten eben doch nicht so gut sind (Annahme dabei: der Markt ist ziemlich effizient und kann das gut beurteilen). Ein anderer Grund könnte darin liegen, dass der Markt in der Krise alles mit Assed-Back Securities in einen Topf geworfen hat und die Kurse unberechtigt gefallen sind (Annahme dabei: Der Markt ist hier vielleicht doch nicht so effizient). Fazit: Weil ich mir hier nicht sicher bin, kaufe ich diese Anlageklasse nicht. Wäre aber für gute Infos und Argumente pro und contra sehr dankbar.
- Tagesgeld, Festgeld, Sparbriefe: Im Stabilisierungsanteil meines Portfolios möchte ich die nicht haben, weil sie sich eben nicht gegenläufig zu Aktien bewegen. Der Stabilisierungsanteil meines Portfolios soll sich aber auch mal gegenläufig zu Aktien bewegen können. Als Liquiditätsreserve ist Tagesgeld ok, Festgeld ist aus meiner Sicht dann ok, wenn ein Anleger vorrangig konservativ anlegt und daher einen geringen Anteil an Aktien-ETFs hält.
Viele Grüße,
Matthias