Die "innovative Strategie" des ETFlab DAXplus Maximum Dividend

Vor nicht allzu kurzer Zeit hatte ich in diesem Blog den neu eingeführten ETF ETFlab DAXplus Maximum Dividend (furchtbare Schreibweise eigentlich) vorgestellt. Was ich damals noch nicht ausreichend berücksichtigt hatte, sind die Auswirkungen des „innovativen Verfahrens“, dass die Deutsche Börse nutzt, um den zugrunde liegenden Strategie-Index DAXplus Maximum Dividend zu berechnen.

Ziel des Index ist es schließlich, Anlegern eine möglichst attraktive Dividendenrendite zu bescheren. Das ist eine durchaus andere Zielsetzung als die herkömmlicher Dividendenstrategien, die eher darauf aufgebaut sind, niedrig bewertete Aktien mit hoher Ertragskraft zu finden – in der Hoffnung, dass diese sich künftig besser entwickeln als der Gesamtmarkt.

Herkömmliche Dividendenindizes enthalten denn auch in der Regel Werte, die in der Vergangenheit (also etwa in den vergangenen zwölf Monaten) eine möglichst hohe Ausschüttungsrendite aufwiesen. Das wird auch häufig kritisiert, weil dadurch ja eben gerade keine hohe Ausschüttung in der Zukunft garantiert wird. Ein Extrembeispiel dafür sind die Dow-Jones-Select-Dividend-Indizes, die im vorigen Jahr extrem viele Banken und Finanzwerte enthielten. Und gerade die haben nun in diesem Jahr „leichte“ Probleme mit ihren Ausschüttungen.

Jedenfalls: Der Maximum-Dividend-Index vermeidet dieses Problem, indem er auf Aktien setzt, die in der Zukunft mutmaßlich eine besonders hohe Dividende ausschütten. Das heißt: innerhalb der jeweils nächsten sechs Monate.

Das hat zwei wesentliche Effekte: Erstens wird zweimal jährlich der komplette Index ausgetauscht – es sei denn, es gibt keine 20 HDAX-Werte mit genügend hoher Marktkapitalisierung und Liquidität, die im auf den Austausch folgenden Halbjahr eine Dividende ausschütten.

Dass der Index im Januar komplett andere Aktien enthält als im Juni, könnte theoretisch zu Transaktionskosten auf Ebene des ETF führen, denn der Fonds von ETFlab bildet den Index voll replizierend ab, muss also die Aktie in seinem Vermögen mit den Änderungen im Index austauschen. Es könnte darüber hinaus auch dazu führen, dass Aktien vor der Aufnahme in den Maximum-Dividend-Index besonders gut laufen (weil die Aufnahme in den Index antizipiert wird) – und hinterher eben nicht mehr. Das Problem besteht aber grundsätzlich bei allen Indizes mit häufig wechselnder Zusammensetzung.

Der zweite Effekt ist die – angestrebte – wahnwitzig hohe Ausschüttungsrendite für die Anleger. Die halten nämlich immer nur die Aktien, die im Haltezeitraum auch tatsächlich eine Dividende ausschütten. Wozu das führt, zeigt eine kleine Beispielrechnung: Wir kaufen den ETF im April zu einem Kurs von 100 Euro. Im Mai schüttet er die aufgelaufenen Dividenden aus. Die Unternehmen haben eine durchschnittliche Dividendenrendite von fünf Prozent erreicht. Wir erhalten also fünf Euro je Anteil zurück.

Nun bleibt der Kurs bis zum nächsten Ausschüttungstermin im November konstant (bei 95 Euro). In der Zwischenzeit haben die im Index enthaltenen Unternehmen wieder eine Dividendenrendite von fünf Prozent erreicht. Entsprechend hoch fällt die Ausschüttung aus. Fünf Prozent von 95 Euro sind 4,75 Euro. Die erhalten wir also je Anteil. Anschließend ist ein Anteil noch 90,25 Euro wert. Wir haben also, ausgehend vom Einstiegskurs, eine Dividendenrendite von 9,75 Prozent erreicht.

Inwieweit eine so hohe Dividendenrendite für Privatanleger (oder Anleger überhaupt) erstrebenswert ist, fällt mir schwer zu beurteilen. Immerhin sind Kursgewinne und Ausschüttungen durch die Abgeltungssteuer zumindest prinzipiell gleichgestellt. Aber bei Kursgewinnen gibt es zumindest einen Steuerstundungseffekt, weil die erst am Ende der Haltedauer versteuert werden müssen.

Ziemlich schräg ist der Effekt aber in jedem Fall. Die Beispielrechnung ist zwar fiktiv, aber die verwendeten Zahlen sind zumindest nicht aus der Luft gegriffen – mit dem Unterschied, dass Anleger natürlich im Laufe eines Jahres auf Kursgewinne hoffen dürfen. Die müssen aber ziemlich hoch ausfallen, wenn sie die Ausschüttungen ausgleichen sollen. Und wenn das nicht klappt, droht der lustige Fall, dass das angelegte Geld im Laufe der Zeit immer weniger wird, wenn man die Dividenden nicht reinvestiert (was Kosten verursacht).

Der Index und der ETF sind gar nicht so wichtig, ich weiß. Aber interessant finde ich das Thema halt, also werde ich auch weiter ein Auge drauf haben – kaufen werde ich den ETFlab Maximum Dividend aber auf keinen Fall.

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sechs Kommentare:
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LotharB am 20-04-’11 09:46

Hallo, kurzer Hinweis: Ich habe bei ETFLab nachgefragt und die Auskunft erhalten, dass der Fonds voll replizierend ist. Er hat also keine Swaps oder sonstigen Derivate drin.

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Daniel am 16-07-’12 05:38

Hallo.

Erstmal würde ich gerne diesen Blog loben. Die nüchtern formulierten Artikel und ihre objektive Art gefallen mir. Der Header ist eine nette Anspielung auf uns Klein-/Privatanleger.

Nun zum Thema: So wie ich das verstehe geht Ihre Rechnung davon aus das die Dividende vom Fondsvermögen abezogen wird, bzw. dieses mindert. Meinem Verständniss nach werden Dividenden in Fonds erstmal in Geldmarkt/Kasse gebucht und dann entweder neu angelegt (thesaurisiert), oder ausgeschüttet. Das Fondsvermögen in diesem Indexfond scheint sich nur durch Kursgewinne/-verluste in den sechs Monaten nach der Neumischung zu verändern. Wie bei allen passiven Anlagestrategien scheint sich das aber über längere Zeiträume auszugleichen. Die Kurse von Dividendentiteln schwanken generell weniger. Der DivDax entwickelte sich historisch besser als der DAX (jeweils Performance Index). Das langfristige Fondsvermögen scheint nur durch Kursgewinne/-verluste beeinflusst zu sein, nicht aber durch die Dividende der Aktien.

Oder habe ich irgendwo einen Gedankenfehler gemacht?

In dieser Niedrigzinsphase interessiere ich mich für diesen ETF und würde mich daher über eine Antwort freuen.

Viele Grüße.

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Holger am 16-07-’12 22:35

Hallo Daniel,

danke für das Lob – ich freue mich besonders, dass Sie die Anspielung im Header mögen.

Zum möglichen Denkfehler: Ich bin mir nicht sicher. Ihre Erklärungen sind richtig, denke ich – aber die Schlussfolgerung nicht. Der ETF schüttet seine Erträge aus. Je höher also die Dividendenrendite, desto höher die Ausschüttungen – und desto stärker sinkt das Fondsvermögen regelmäßig. Dadurch entstehen natürlich keine Verluste für Anleger. Aber man bekommt sein Geld halt unter Umständen schneller zurück, als einem lieb ist. ;-)

Oder reden wir aneinander vorbei?

Viele Grüße
Holger

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Daniel am 17-07-’12 16:02

Hallo Holger.

Meine Verwirrung ist leider nicht gesunken. ;-)

Folgender Gedankengang:
x=Fondsvermögen
d=Dividende

Gründung des Fonds. Startvermögen und erste Indexabbildung: x
Unternehmen zahlen anteilseignern Dividenden: x+d
ETF unternimmt erste Ausschüttung: x-d

Das Fondsvermögen (x) wird doch aber nur durch folgende Ereignisse verändert:
a) Anteile werden gekauft/verkauft.
b) Zwischen den Neumischungen in den jeweils folgenden sechs Monaten zwischen werden Kursgewinne/-verluste eingefahren.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der ETF sein Vermögen ausschüttet. Nur die Dividenden, die durch Aktienbesitz hinzukamen. So wie ich mir das vorstelle, werden bei jedem ETF Anteilskauf auch automatisch Aktien gekauft, welche in dem jeweiligen Index enthalten sind. ETFs weichen demnach nur ihrem Index ab, sollten nicht liquide Märkte die jeweiligen Neukäufe temporär nicht zulassen, oder zusätzliches Geld für Neukäufe fehlt (besonders hohe Einzelaktienpreise). Bei Anteilsverkauf werden dementsprechend auch im ETF enthaltene Aktien verkauft.

Renten-ETFs verlieren durch Ausschüttung des Koupons auch nicht Fondsvermögen. Nur den Anteil der vor Ausschüttung, durch Kouponzahlung, temporär hinzukam. Aber die Rentenpapiere sind ja noch enthalten. Nach Fälligkeit werden sie in neue Papiere aus dem Index eingetauscht. Nur durch den Verkauf von ETFs werden auch die Rentenpapiere verkauft.

Nach dem Formulieren dieser Nachricht kann ich mir nur verstellen, dass ich sie entweder missverstanden habe, oder meine Vermututungen, wie ETFs funktionieren, nicht den Tatsachen entsprechen.

Viele Grüße und eine angenehme Sommerpause. ;-)

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Holger am 17-08-’12 21:55

Hallo Daniel,

nach langer Pause: Dein Fehler liegt darin, dass Du nicht berücksichtigst, dass sich durch Dividendenzahlungen der Wert der jeweiligen Aktie vermindert.

Nehmen wir an, der Fonds hält nur eine einzige Aktie, dann sehen die Mittelbewegungen so aus:

Start:
Fondsvermögen = x

Dividendenzahlung:
Fondsvermögen = x-d
Barvermögen (offiziell nicht Teil des Fondsvermögens) = d

Nun schüttet der Fonds das Barvermögen aus. Es bleibt: x-d. Und diesen Dividendenabschlag muss die im Fonds enthaltene Aktie erst wieder durch Kursgewinne wettmachen. Ob auch Renten-ETFs nach Ausschüttungen an Wert verlieren, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Es sollte aber so sein. Ansonsten entstünden große Probleme, wenn jemand einen Tag vor der Ausschüttung einen Renten-ETF kauft und noch x % Ausschüttungsrendite einfährt, während der Investor, der einen Tag später kauft, dieses Glück nicht mehr hat.

Und auch einzelne Anleihen sind ja direkt nach der Kuponzahlung billiger (wenn sich das auch nicht im offiziell ausgewiesenen Kurs widerspiegelt, sondern nur im vom Käufer zusätzlich zu zahlenden Stückzins).

Übrigens entstehen nur dann neue ETF-Anteile, wenn ein autorisierter Partner am Primärmarkt einen ETF kauft (in größeren Mengen). Beim normalen Handel über die Börse wechseln nur schon bestehende Anteile den Besitzer.

Viele Grüße
Holger

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Tim B. Uktu am 05-11-’12 14:06

Holger, Daniel, die Dividende mindert natürlich den Wert der Aktie um den Dividendenwert. Wenn Siemens bei 75 Euro steht und 2,50 Euro zahlt, wird die Aktie ex Dividende mit 72,50 gehandelt. Das ist am Zahltag meistens an einem “hohen Verlust” zu erkennen. Allerdings steigen die Aktienkurse oft auch wieder schnell an, so daß es nicht zwangsläufig zu einem Verlust kommt. Der ETF wird zweimal im Jahr angepaßt und das wird meistens nicht der Tag nach der Dividendenzahlung sein.

Viele Grüße,
Tim

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