Von Fremdwährungsanleihen zu Corporate Bonds - Alternativen fürs Anleihenportfolio
Wie kann man den "risikolosen" Teil des Portfolios sinnvoll ergänzen? Müssen es immer Bundeswertpapiere sein?
In den vergangenen Jahren war es wohl in Ordnung, sich vorwiegend mit der richtigen Strategie für die Anlage in Aktien und anderen riskanten Assets zu beschäftigen. Doch Anleihen sind stärker ins Blickfeld gerückt. Erstens, weil das niedrige Zinsniveau und die Krise verschiedener Euro-Staaten einen doch ziemlich verunsichern können. Und zweitens weil jeder, der auf eine feste Asset Allocation setzt, derzeit eher an den Verkauf von Aktien und den Zukauf von Anleihen denkt. In diesem Artikelkomplex geht es deshalb um mögliche Anlageinstrumente für den Anleihenteil des Depots. Nachdem im ersten Teil klassische Anlageformen wie Bundeswertpapiere und Festgeld dran waren, sollen nun exotischere Alternativen im Mittelpunkt stehen.
Für Weltbürger: Fremdwährungsanleihen
Ein wichtiges Argument für die Strategie, ausschließlich Staatsanleihen aus dem eigenen Währungsraum ins Depot aufzunehmen, lautet: Wer im Euroraum wohnt, bestreitet normalerweise auch seine Ausgaben vorwiegend in Euro. Er sollte also im „risikolosen“ Teil des Portfolios keine Währungsrisiken eingehen, da der geringe Gewinn an Sicherheit durch Diversifikation durch diese Risiken aufgefressen wird. Ich bin allerdings nicht sicher, ob dieses Argument zutreffend ist. Denn: Ein Währungsrisiko ist zugleich auch eine Chance. Und zumindest in meinem Aktienportfolio hat die Aufnahme von Aktien, die in US-Dollar oder YEN notieren, über die vergangene Krise hinweg eher für Stabilität gesorgt. Wieso sollte man also nicht auch im Anleihen-Teil weltweit diversifizieren? Schließlich bietet dies die Chance, dass die Fremdwährungsanleihen gerade dann im Wert steigen, wenn man es am nötigsten hat. Sprich: in einer Krise des eigenen Wirtschafts- und Währungsraumes. Das Risiko, also eine Abwertung der fremden Währungen relativ zum Euro, realisiert sich vermutlich vorwiegend dann, wenn es unserer Region sowieso gut geht. Ich muss allerdings gestehen: Ich traue dieser Argumentation selbst noch nicht so weit, dass ich Fremdwährungsanleihen bester Bonität in mein Depot aufgenommen habe. Aber warum sollte man nicht – über einen ETF oder sonstwie – in Anleihen investieren, die in US-Dollar, Schweizer Franken oder meinetwegen auch japanischen Yen notieren?
Für Mutige: Anleihen von Schwellenländern
Anleihen von Schwellenländern wie Russland, Indien oder Brasilien haben einen immensen Vorteil gegenüber allen anderen bisher besprochenen Anlageformen: Sie bieten deutlich höhere Zinsen – zumindest galt das bisher immer. Heute werden natürlich auch Anleihen aus Irland, Griechenland oder Portugal wie die von Schwellenländern kurz vor dem Staatsbankrott behandelt. Die hohe Verzinsung hat natürlich auch Nachteile, geht sie doch mit einem entsprechend höheren Risiko einher. Oder zumindest muss man sagen: Die Märkte schätzen die Anleihen als ziemlich riskant ein, selbst wenn sie in Euro oder US-Dollar begeben wurden. In der Vergangenheit litten Schwellenländer-Anleihen in Krisen denn auch besonders stark. Insofern ist es sicher keine brillante Idee, sie als wichtigen Baustein des „risikolosen“ Portfolio-Teils zu betrachten. Andererseits: Wir alle wissen, dass die Vergangenheit nicht als Basis für vernünftige Zukunftsprognosen taugt. Und für den Fall, dass Schwellenländer-Anleihen tatsächlich nach wie vor so riskant sind, wie der Markt sie einschätzt, wird man zumindest durch einen höheren Zins entschädigt. Allerdings sollte Diversifikation über einen ETF hier Pflicht sein. Und weil das so ist, bietet es sich womöglich direkt an, Schwellenländer-Anleihen gar nicht erst im "risikolosen" Depotteil anzusiedeln.
Für Staatsferne: Unternehmensanleihen
Unternehmensanleihen gibt es grundsätzlich in zwei Qualitäten: Als Investment-Grade Bonds mit relativ gutem Rating und als Schrottpapiere (Junk Bonds) von Schuldnern mit geringer Bonität, die entsprechend höhere Zinsen zahlen müssen. Junk Bonds stellen meiner Ansicht nach sehr aktiennahe Investments dar. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Papiere sich negativ entwickeln, wenn es mit der Konjunktur und dem Aktienmarkt bergab geht, ist sehr hoch. Einfach deshalb, weil schwachbrüstige Schuldner als erste in die Insolvenz rutschen, wenn die Wirtschaft stockt. Diese Anleihen würde ich folglich überhaupt nicht kaufen. Sie taugen nicht für den risikolosen Teil des Portfolios, und wenn ich Risiken eingehen will, kann ich auch direkt in Aktien investieren. Aber wie sieht es mit Unternehmensanleihen guter Bonität aus? Skeptisch muss man wohl auch bei denen sein, schließlich sind auch solvente Unternehmen nicht unabhängig von der Konjunktur. Andererseits: Auch die Kreditwürdigkeit von Staaten verschlechtert sich natürlich in Konjunkturkrisen. Schließlich brechen dann die Steuereinnahmen weg. Und außerdem gibt es auch Unternehmen, die von den Ratingagenturen mit AA oder sogar AAA bewertet werden. Kurz und gut: Ich weiß auch nicht, ob man Investment-Grade-Unternehmensanleihen haben muss. Ich habe einen entsprechenden ETF, aber besonders klug fühle ich mich deshalb nicht.
Das war also mein kleiner Ritt durch die Welt der verzinslichen Anlagen. Alle Anlageformen, die ich nicht aufgeführt habe, von Genussrechten bis zu irgendwelchen Hybridanleihen halte ich für sinnlos (oder direkt für Abzockprodukte).
Was die Eignung der aufgeführten Anlageformen angeht, freue ich mich auf kluge Kommentare, die mir einen Erkenntnisgewinn bescheren. Der Beitrag ist ausdrücklich nur als Grundlage für eine Diskussion gedacht.
Zum Weiterlesen
- Langzeit-Experiment: ein Musterdepot für Konservative
- Die Vorteile von Anleihen-ETFs im Vergleich zu einzelnen Anleihen
- Anleihen: die Spreads an verschiedenen Börsen im Vergleich
22 Kommentare
Hallo, Herr Handstein!
Kurzer Hinweis zu den Unternehmensanleihen: iShares hat einen ETF mit Euro-High-Yield-Corporate-Bonds herausgebracht (DE000A1C8QT0). Vorteil gegenüber einer Direktanlage: Hohe Diversifikation durch Verteilung auf viele Schuldner. Kosten: 0,5% pro Jahr.
Ich habe ihn zwar nicht, finde ihn aber nicht uninteressant, da er regelmäßig hohe Ausschüttungen vorzunehmen beabsichtigt.
Er wäre – wie Sie schon sagten – natürlich keinesfalls zum risikolosen Teil des Portfolios zu zählen.
Mit besten Wünschen für das Jahr 2011,
Ihr KLEINANLEGER
Hallo sparFuxx, hallo Kleinanleger,
ich würde sagen: Man duzt oder siezt sich hier – je nachdem, was einem besser gefällt. Ich habe mich nur irgendwann entschieden, nicht einfach die Leser zu duzen, nur weil das hier ein Blog ist. Aber ich schreibe auch deshalb unter meinem Vornamen, damit niemand Hemmungen hat, mich zu duzen. Sie ist für mich aber auch völlig in Ordnung.
Inhaltlich: Ja, es geht im Grunde um den Anleihenteil des Langfristdepots, der in der Regel schon aufgrund der enthaltenen Anleihen-Laufzeiten nicht in dem Sinne risikolos ist wie etwa Tagesgeld.
Der High-Yield-ETF ist auch für mich die derzeit einzig akzeptable Möglichkeit, in Junk-Bonds zu investieren (obwohl ich leider auch schon mal einzelne Ramsch-Anleihen gekauft habe…). Ich frage mich trotzdem, ob man ihn überhaupt braucht. Klar wird er etwas weniger Risiko aufweisen als Aktien, nicht perfekt mit dem Aktienmarkt korrelieren etc. Aber sind das schon genug Gründe, Junk Bonds ins Depot zu nehmen? Und wenn ja: ab welcher Depotgröße?
Und ein gute Jahr 2011 wünsche ich Ihnen natürlich auch.
Viele Grüße
Vergessen: Einen festen Ort für Artikelwünsche gibt es nicht. Loswerden kann man sie überall, aber ich kann nicht versprechen, dass ich dann auch liefere. :)
Hallo,
ich selbst spreche von meinem Langfristportofolio in Abgrenzung von der Liquiditätsrücklage bzw. dem Kurzfristportfolio. Im Rahmen des Langfristportfolios spreche ich vom Risikoanteil (z. B. Aktien-ETFs, Rohstoff-ETFs) und vom Stabilisierungsanteil (z. B. Anleihen-ETFs). Den Begriff risikoloser Anteil trifft die Sache aus meiner Sicht nicht so gut, denn eine risikolose Anlage gibt es per se nicht (selbst Tagesgeld ist nicht risikolos) und der Stabilisierungsanteil ist ja gerade (im Langfristportfolio) dazu da, sich auch mal entgegengesetzt zum Risikoanteil zu bewegen (das schließt auch ein, dass er mal leicht fallen kann).
Beste Grüße,
Matthias
Hallo,
mit dem Thema High-Yield-Bonds habe ich mich in letzter Zeit mal ausführlicher beschäftigt.
Aus Sicht der Theorie kann man einen High-Yield-Bond als eine Kombination aus einer Zinsanleihe und einer Put-Option betrachten, die man selbst verkauft. Wenn man eine Put-Option verkauft, dann bekommt man dafür einen Preis bezahlt (Preis= höherer Zins der Yield-Bonds im Vergleich zu sicheren Anleihen). Andererseits kann es eben passieren, dass die Option eingelöst wird, in diesem Fall bedeutet es, dass das Unternehmen pleitegeht. Dann muss man der versprochenen Versicherung nachkommen (in diesem Fall heißt das, man bekommt den Nennwert der Anleihe nicht zurück).
Ich schließe diese Anlageklasse aus folgenden Gründen nicht in mein Langfristportfolio ein:
- High-Yield-Bonds sind eine Anlageklasse, die man weder dem Risikoanteil noch dem Stabilisierungsanteil seines Portfolios eindeutig zuordnen kann. Sie nehmen eine Zwischenstellung ein. Damit ist die eigene Vorstellung, wie viel jeweils als Risikoanteil und als Stabilisierungsanteil zu investieren ist, schwer realisierbar.
- High-Yield-Bonds sind häufig relativ illiquide. (Ein ETF ist hier auch keine Lösung, denn der hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie ein Privatanleger.)
- High-Yield-Bonds beinhalten häufig einseitige Kündigungsklauseln für die Unternehmen. Diese werden dann ausgeübt, wenn sich das Rating des Unternehmens verbessert und es sich dann günstiger am Kapitalmarkt refinanzieren kann. Das ist von Nachteil für den Besitzer von High-Yield-Bonds, denn der Preis der High-Yield-Bonds würde steigen, wenn sich das Rating verbessert.
- Historisch (über lange Zeiträume) betrachtet liefern High-Yield-Bonds keine besseren Renditen als Anleihen von sehr guten oder guten Schuldnern (bei etwas höheren Standardabweichungen). Der höhere Zinssatz wird offenbar von den Unternehmenspleiten und den anderen erwähnten Nachteilen überkompensiert.
- Es ist kein relevanter Diversifikationseffekt von High-Yield Bonds in einem bereits gut diversifizierten Portfolio von Aktien und Anleihen erkennbar. Das liegt vor allem an dem Zwittercharakter von High-Yield-Bonds. (Sie haben eben zu wenig eigenständiges Risiko.)
Habe ich etwas übersehen? Bitte kritisch überprüfen!
Viele Grüße,
Matthias
Hallo,
ein paar Gedanken zu den einzelnen Themen:
- Fremdwährungsanleihen: Das Argument von Holger finde ich sehr interessant. So habe ich das noch nie betrachtet. Allerdings habe ich dazu noch nie etwas in einem Buch oder einer Studie gelesen. Ist euch eine Studie bekannt, die dieses Thema genauer beleuchtet und empirisch prüft, ob dieser theoretisch ansprechende Gedanke sich in Zahlen ausgedrückt ebenso darstellt?
- Anleihen von Schwellenländern: Anleihen von Schwellenländern, die in Euro begeben sind und unter der Voraussetzung, dass das Schwellenland ein sicherer Schuldner ist (AAA, AA-Rating) würde ich unter Umständen in mein Stabilisierungsportfolio aufnehmen. Muss aber gut diversifiziert sein.
- Unternehmensanleihen: Finde ich bedenkenswert, allerdings sind die verfügbaren ETFs aus meiner Sicht nicht gerade so ideal.
Gründe: – Die ETFs beziehen sich auf Investment Grade (d. h. AAA, AA, A und BBB –Ratings). Ich bin würde mich wohler fühlen, nur in Anleihen von Schuldnern mit AAA, AA, vielleicht A, aber nicht BBB zu investieren. – Die ETFs enthalten oft auch Banken. Das Wohl von Banken und Staaten ist ja in letzter Zeit sehr eng verbunden. Würde man 50% Staatsanleihen und 50% Unternehmensanleihen investieren, dann möchte man wohl eher nicht, dass in den Unternehmensanleihen zu großen Teilen Bankenanleihen enthalten sind. Oder? Was meint ihr? (Es gäbe auch Alternativen ohne Banken-Anleihen. – Würdet ihr eher in einen ETF investieren mit Anleihen großer Schuldner (z. B. iShares Markit iBoxx Euro Corporate Bond) oder in einen ETF mit Anleihen auch etwas kleinerer Schuldner (z. B. iShares Barclays Capital Euro Corporate Bond). Nachteil des ersten: weniger gut diversifiziert, Nachteil des zweiten: Anleihen nicht so liquide. Wenn Nachteil überwiegt bzw. ist überhaupt relevant?
Mein aktueller Kenntnisstand würde mich am ehesten zum „iShares Barclays Capital Euro Corporate Bond ex-Financials“ tendieren lassen, weil ohne Banken und gut diversifiziert. Hier sind auch ein paar wenige Unternehmen enthalten aus nicht Euroländern, die aber ihre Anleihen in Euro begeben. Anzahl der Positionen im ETF: 622.
Ich bin gespannt auf eure Kommentare!
Viele Grüße,
Matthias
Aus Sicht der Theorie kann man einen High-Yield-Bond als eine Kombination aus einer Zinsanleihe und einer Put-Option betrachten, die man selbst verkauft. Wenn man eine Put-Option verkauft, dann bekommt man dafür einen Preis bezahlt (Preis= höherer Zins der Yield-Bonds im Vergleich zu sicheren Anleihen). Andererseits kann es eben passieren, dass die Option eingelöst wird, in diesem Fall bedeutet es, dass das Unternehmen pleitegeht. Dann muss man der versprochenen Versicherung nachkommen (in diesem Fall heißt das, man bekommt den Nennwert der Anleihe nicht zurück).
Hallo Matthias,
das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Was wird bei einer High-Yield-Anleihe genau kombiniert? Eine sichere Anleihe und der Verkauf eines Puts worauf? Die High-Yield-Anleihe selbst kann es nicht sein, die Aktie des Unternehmens ergäbe auch keinen Sinn. Geht es um den Verkauf eines Credit Default Swaps?
Was die einseitigen Kündigungsklauseln angeht: Sollten die nicht eingepreist sein? Oder funktionieren Junk-Bond-Märkte so schlecht? Die von Dir erwähnten historischen Renditen sprechen ja dafür, dass dem tatsächlich so ist.
Alles in allem fühle ich mich in meiner Entscheidung, auf die Dinger zu verzichten, erst mal bestätigt. Aber einige Details sind mir doch unklar.
Grüße
Holger
Hallo Holger,
ich habe mich bei meinen Anmerkungen zu High-Yield-Bonds nicht gerade nachvollziehbar ausgedrückt, sorry!
Was ist damit sagen wollte ist nichts anderes als, dass High-Yield Bonds die Charakteristika von sicheren Anleihen und Aktien haben. Eine (wie auch immer geartete und gewichtete) Kombination von sicheren Anleihen und Aktien müsste in der Theorie zum gleichen Ergebnis führen wie der Kauf von High-Yield-Bonds.
Dieses Faktum wollte ich damit illustrieren, wie manche Wissenschaftler High-Yield Bonds erklären. Man kann High-Yield-Bonds so betrachten, als ob man (man tut dies nicht wirklich) mit einem Teil des Geldes eine sichere Anleihe kaufen würde und mit dem anderen Teil eine Put-Option auf die Aktie des Unternehmens verkauft. Ausübungspreis: 0 EUR (was gleichbedeutend ist mit Insolvenz des Unternehmens). Für diese Put-Option bekommt man einen Preis bezahlt, weil man ja schließlich die Insolvenz des Unternehmens versichert. Wenn das Unternehmen aber insolvent geht, dann muss man andererseits den Käufer dieser Put-Option entschädigen (man bekommt den Nennwert der Anleihe nicht zurück). Das ist so real nicht konstruierbar, es soll nur zeigen, dass High-Yield Bonds die Charakteristika von Anleihen und Aktien haben. (Ich bin mir nicht sicher, ob das nachvollziehbarer war als zuvor… hoffe!)
Aus dieser Überlegung folgt, dass High-Yield-Bonds keinen zusätzlichen Diversifikationseffekt in einem bereits gut diversifizierten Portfolio aus Aktien und Anleihen erbringen können. Soweit die Theorie.
Praxis/Empirie:
- Tatsächlich konnte in Studien kein kein zusätzlicher Diversifikationseffekt in einem bereits gut diversifizierten Portfolio aus Aktien und Anleihen gezeigt werden. Unterstützt also die Theorie.
- Die Kündigungsklauseln müssten eigentlich eingepreist sein (wenn man effiziente Märkte unterstellt), jedoch zeigt die Empirie, dass die Renditen von High-Yield-Bonds eben niedriger sind als sie eigentlich sein müssten. Warum weiß keiner so genau. Meine Vermutung: Anleger lassen sich von hohen Zinsversprechen ködern, bedenken aber zu wenig das Insolvenzrisiko.
Liebe Grüße,
Matthias
Hallo Matthias,
danke für die Klarstellung.
Was ist damit sagen wollte ist nichts anderes als, dass High-Yield Bonds die Charakteristika von sicheren Anleihen und Aktien haben. Eine (wie auch immer geartete und gewichtete) Kombination von sicheren Anleihen und Aktien müsste in der Theorie zum gleichen Ergebnis führen wie der Kauf von High-Yield-Bonds.
Das finde ich nachvollziehbar. Die Betrachtung von High-Yield Bonds als Kombination von sicherer Anleihe und Short-Put auf die Aktie des Emittenten überzeugt mich allerdings nach wie vor nicht (das war einer meiner ersten Gedanken beim Lesen Deines ersten Kommentars, ich hatte ihn dann aber schnell als nicht sinnvoll verworfen). Gründe dafür:
- Wenn man High-Yield Bonds so betrachtet, muss man auch alle anderen Anleihen so betrachten können, schließlich gibt es keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen einer Anleihe mit einem Rating von BB- und einer mit einem Rating von A- – nur dass bei ersterer das Bonitätsrisiko höher eingeschätzt wird und die Risikoprämie entsprechend höher ausfallen sollte. Insofern müsste man also auch eine Bundesobligation nach dem gleichen Muster dekonstruieren können – nur dass die BRD keine Aktien ausgibt.
- Das Bonitätsrisiko jeder Anleihe sollte man theoretisch eliminieren können, indem man einen CDS kauft, der den Ausfall der Anleihe versichert. Zieht man die Versicherungskosten ab, sollte – ohne Berücksichtigung von Kosten – der Zins einer risikolosen Anleihe übrig bleiben. Kauft man keinen CDS, trägt man das Ausfallrisiko selbst. Also könnte man die Anleihe als Kombination von risikoloser Anleihe und dem Verkauf eines CDS bezeichnen. Ist diese Betrachtungsweise nicht konsistenter? Ich kann nämlich nach wie vor nicht nachvollziehen, was die Aktie des Emittenten mit der Anleihe zu tun hat.
Jedenfalls: Wenn High-Yield-Bonds die Risiken von Anleihen und Aktien vereinen, sollte dies auch für Investmentgrade-Bonds gelten. Nur ist eben das Risikoprofil verschoben (insofern, als man für die Nachbildung wohl einen höheren Anteil risikoloser Anleihen nehmen müsste).
Ergibt das Sinn?
Viele Grüße
Holger
Noch ein paar Anmerkungen zu Deinem anderen Kommentar:
- Fremdwährungsanleihen: Ich habe vor einigen Monaten einmal kurz nach kostenlos verfügbaren Studien gesucht, die das Problem untersuchen. Das Ergebnis war sehr dürftig: einige US-Studien, die sich mit Effekten von Anleihen in fremder Währung beschäftigen, sich aber ausnahmslos entweder auf Corporate Bonds beziehen oder von einer Währungssicherung ausgehen.
- Schwellenländer-Anleihen: Es gibt ja mindestens zwei ETFs dafür (einen von iShares, einen X-Tracker) . Ich glaube, beide bilden Indizes ab, die nur in USD oder EUR begebene Anleihen enthalten. Ich denke, dem Risiko einer Abwertung der Heimatwährung der jeweiligen Länder ist man indirekt dennoch ausgesetzt – schon deshalb, weil sich bei einer Abwertung die Fähigkeit zur Bedienung von Anleihen, die in einer fremden Währung begeben wurden, verschlechtert. Ich finde Schwellenländer-Anleihen in jedem Fall deshalb interessant, weil ich keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Staatsanleihen von Industrieländern und Staatsanleihen von Schwellenländern sehe.
- Unternehmensanleihen: Schwierig. Banken-Anleihen sind de facto nun mal ein riesiger Teil des Anleihenmarktes. Sollte man ausgerechnet den außen vor lassen? Und spricht es überhaupt gegen Bankenanleihen, dass das Wohl der Emittenten eng mit dem Wohl des Staates verbunden ist? Zunächst mal ist das ja einfach ein Fakt, den man zur Kenntnis nehmen kann. Ich habe mich für den ersten von Dir genannten ETF entschieden (allerdings gab es zumindest den Ex-Financials-ETF damals auch noch nicht). Alternativ könnte man natürlich tatsächlich einfach eine Anleihe von Exxon-Mobil oder Johnson und Johnson kaufen – wenn das mit der Stückelung hinhaut. Ein Problem im Unternehmensanleihen-Sektor ist in jedem Fall, dass die Auswahl an wirklich erstklassigen Schuldnern so hoch nicht ist. “A”-Ratings gibt’s zuhauf, aber schon bei “AA” wird die Luft ziemlich dünn, finde ich – erst Recht, wenn man nur nach Unternehmen aus der Eurozone schaut.
Viele Grüße
Holger
Hallo Holger,
Thema High-Yield-Bonds:
Die Argumentation mit den Credit Default Swap (CDS) von dir finde ich deutlich besser nachvollziehbar als meine Argumentation mit der Put-Option auf die Aktie. Vor allem, weil sie auf alle Schuldner anwendbar ist.
Ich glaube übrigens in der Tat, dass die Argumentation mit den Put-Optionen bzw. besser CDSs auf alle Anleihen anwendbar ist. Bei High-Yield-Bonds hat der Verkauf eines CDS einen messbaren Wert, bei Investmentgrade Bonds und Staatsanleihen ist die Versicherung halt vernachlässigbar gering. Daher kann ich deine Argumentationskette dazu gut nachvollziehen.
(Wenn Staaten sich immer mehr verschulden, dann steigt der Wert des CDSs immer weiter und man halt sich so ungewollt aktienähnliche Risiken in seinen Stabilisierungsanteil. )
Thema Schwellenländer-Anleihen:
Ich stimme mit dir überein, dass Schwellenländer interessant sind. Allerdings hätte ich mit dem ETF von dbxtrackers zum Beispiel Bauchschmerzen, weil hier die größten Schuldner Anteile von 10% haben (Brasilien, Türkei, Polen). Das wäre mir zu viel. Genauso wie es mir zu viel ist, das Italien einen Anteil von mehr als 10% in ETFs auf europäische Staatsanleihen hat.
Gibt es vielleicht noch einen anderen ETF, der auch, aber nicht nur in Staatsanleihen von Nicht-Euroländern investiert, die in Euro begeben sind?
Thema Unternehmensanleihen:
Warum will ich nicht in Banken investieren?
Wenn ich 50% meines Anleiheanteils in Staatsanleihen halte und die anderen 50% in Unternehmensanleihen, dann möchte ich mit den 50% Unternehmensanleihen etwas erreichen, nämlich das – wenn auch geringe – Risiko einer Staatspleite (oder kurzfristigen Zahlungsunfähigkeit oder ähnliches) zu diversifizieren. Wenn dann in den Unternehmensanleihen ein sehr großer Anteil Bankanleihen schlummern, dann frage mich halt, ob ich so das Ziel der Diversifikation erreicht habe…
Was ich bewusst mit den 50% Unternehmensanleihen nicht machen möchte, ist es, höhere Renditen als bei Staatanleihen erzielen. (Dazu ist der Risikoanteil meines Portfolios da.) Daher schreibe ich immer wieder, dass ich möglichst sichere Anleihen möchte (möglichst AAA, AA und vielleicht A-Rating).
Vielleicht sind diese Überlegungen mit Bankanleihen auch etwas überzogen… (Ich bin mir hier noch recht unsicher.)
Welche ETF auf Unternehmensanleihen hast du? (iShares Markit iBoxx Euro Corporate Bond?)
Sollte man vielleicht auch einen ETF mit kleineren Schuldnern, wie den iShares Barclays Capital Euro Corporate Bond in Betracht ziehen? Könnte es hier Liquiditätsrisiken geben?
Viele Grüße,
Matthias
PS Ich bin die nächsten Tage im Urlaub. Also nicht wundern, wenn meine Antwort auf sich warten lässt. Ich finde die Diskussion hoch spannend.
Ich stimme mit dir überein, dass Schwellenländer interessant sind. Allerdings hätte ich mit dem ETF von dbxtrackers zum Beispiel Bauchschmerzen, weil hier die größten Schuldner Anteile von 10% haben (Brasilien, Türkei, Polen). Das wäre mir zu viel. Genauso wie es mir zu viel ist, das Italien einen Anteil von mehr als 10% in ETFs auf europäische Staatsanleihen hat.
Das ist in der Tat ein Problem. Vermutlich dürften aber die Anleihen kleinerer Schuldner sehr illiquide sein. Vermutlich ist Liquidität sowieso schon ein Problem bei diesen ETFs – zumal diese nicht gerade klein sind (iShares-ETF: mehr als 1 Mrd. USD). Der iShares-ETF scheint aber etwas breiter aufgestellt zu sein (Factsheet). Hinzu kommt, dass Du dir weiter oben Anleihen mit guten Ratings gewünscht hast. Ich fürchte, das ist auch ein Problem. Ich schaue immer zuerst auf die Fitch-Ratings, weil ich dort einen Account habe und die Website am übersichtlichsten ist. Also: Brasilien – BBB-, Mexiko – BBB, Russland – BBB+, Philippinen – BB. Wirklich sicher ist das nicht. Andererseits: Die tollen Ratings von Spanien und Irland haben in der jüngeren Vergangenheit auch nicht soo viel gebracht.
Was die Banken-Anleihen angeht, bin ich auch auf Input von anderen gespannt. Deine Argumentation kann ich in jedem Fall nachvollziehen.
Und: Schönen Urlaub!
Grüße
Holger
Hallo Holger,
kannst du bitte den Beitrag von 17:16 löschen. Er ist so nicht zu verstehen. Ich habe Prozentzeichen benutzt, das darf man wohl nicht.
Grüße,
Malefiz
Hallo Malefiz,
hab ich getan. Obwohl ich glaube, der Beitrag war schon verständlich, auch mit den Unstimmigkeiten. Wenn ich nur die Geheimnisse der Kommentar-Formatierung ergründen könnte…
Grüße
Hallo Holger,
danke! Jetzt noch mal ohne die Zeichen. .-)
Hallo zusammen,
je mehr ich hier über den “risikolosen”, “stabilisierenden” Anteil eines passiven Depots lese, desto verwirrter werde ich – dabei habe ich gedacht, das sei der einfachere Teil eines Depots.
Die Zinsen sind ja im Moment so ziemlich am Boden, tiefer kann es ‘eigentlich’ nicht mehr gehen, denn negative Zinsen kann ich mir nicht vorstellen. Der ISHARES EB.REXX GOVERNMENT GERMANY 5.5-10.5 hat in den letzten beiden Jahren je ca. 3 Proz. erzielt. Das ist auch so in etwa die Durchschnittsrendite für 10-jährige Bundesanleihen. Wenn die Zinsen steigen fallen natürlich die Kurse.
Was mache ich denn falsch, wenn ich heute mit dem “sicheren” Teil in Tagegeld (2 Proz.) oder 6- bis 12-Monats-Festgeld (2,6 Proz) gehe?
Ja klar: wenn die Zinsen stabil bleiben verliere ich 0,5 bis 1 Proz. pro Jahr. Wenn sie fallen mehr. Damit könnte ich leben, weil sie so weit unten sind, dass sie nicht mehr viel fallen können.
Wenn sie aber steigen habe ich Liquidität um dann in einen ETF zu gehen und von höheren Zinsen zu profitieren.
Man mag jetzt einwenden,dass dieser Ansatz nicht passiv investieren ist, weil ich die Zinsentwicklung vorhersage, und deshalb spekuliere. Dem stimme ich zu, aber wenn doch das Risiko, das ich eingehe so gering ist, wie ich denke, dann kann man das doch machen, oder?
Für Argumente, warum ich jetzt (März 2011) in o.g. ETF investieren sollte wäre ich dankbar, was ist verkehrt an meiner Festgeldidee?
Viele Grüße,
Malefiz
Hallo Malefiz,
Deine Verwirrung kommt wahrscheinlich auch daher, dass der Artikel selbst und auch die Diskussion dazu eher von Unsicherheit geprägt ist.
Ob der Anleihenteil tatsächlich der einfachere Teil des Depots ist, weiß ich nicht. Aber man kann es sich sicher einfach machen, indem man schlicht deutsche Staatsanleihen kauft – oder eine Bundesschatzbriefleiter oder eben Festgeldanlagen. Festgeld hat Nachteile (vor allem Illiquidität), aber eben auch Vorteile (oft eine höhere Rendite).
Ein Argument für länger laufende Anleihen ist halt, dass sie stärker auf Krisen am Aktienmarkt reagieren (sollten), dass ihre Kurse also stärker steigen sollten, wenn es am Aktienmarkt bergab geht. Und dass sie überhaupt größeren Schwankungen unterliegen, so dass sie eher in der Lage sind, den starken Schwankungen am Aktienmarkt etwas entgegenzusetzen. Ob diese Überlegungen richtig sind, weiß ich aber nicht.
Allerdings bin ich schon sicher, dass man nicht viel falsch macht, wenn man es sich einfach macht. Nur von Tagesgeld halte ich wenig, wenn es um längerfristige Anlagen geht – Zinsen unterhalb der Inflationsrate mag ich nicht.
Ein bisschen off-topic: Auch im Aktienteil des Depots kann man es sich sehr einfach machen – wer nur einen MSCI-World-ETF kauft, steht schon ziemlich gut da. Wer drei Viertel in einen MSCI-World-ETF und ein Viertel in einen MSCI-EM-ETF steckt, hat schon so ziemlich das Maximum an Diversifikation erreicht, das sinnvoll ist.
Viele Grüße
Deine Verwirrung kommt wahrscheinlich auch daher, dass der Artikel selbst und auch die Diskussion dazu eher von Unsicherheit geprägt ist.
Danke, dass du das schreibst, Holger, das tröstet mich. seufz
Dem, was du schreibst, entnehme ich auch, dass ich keinen schwerwiegenden Fehler mache, wenn ich erst mal im Tage- bzw. Festgeld bleibe. Tagegeld mit 2,2 Proz. Zinsen finde ich z.Z. gar nicht so schlecht, bei Bundesschatzbriefen gibt es 2,45 Proz. wenn man sich 6 Jahre bindet.
Das Staatsanleihen, entsprechende ETFs oder vielleicht auch Pfandbriefe langfristig die bessere Wahl sind, mag schon sein.
Die von dir angesprochene gegenläufige Bewegung zum Aktienmarkt nach oben hat es gegeben. Ich möchte halt noch warten, bis die gegenläufige Bewegung nach unten stattgefunden hat. Ob ich damit richtig liege, weiß ich natürlich nicht. Da Risiko fallende Zinsen und höhere Anleihekurse zu verpassen halte ich aber für gering.
Viele Grüße,
Hallo an alle,
erstmal ein Lob an Holger, für diese wirklich gute Seite.
Zum Thema Unternehmensanleihen: ishares bietet einen ETF Barclays Capital Euro Aggregate Bond an (WKN: A0RM44) Dieser kombiniert Investmentgrade-Staatsanleihen mit ebensolchen Unternehmensanleihen. Könnte das nicht ein sinnvoller ETF für den gesamten Anleiheteil des Depots sein? Was haltet ihr davon? Ich konnte leider keine Infos finden mit wieviel Prozent die Unternehmensanleihen max. gewichtet werden
Gruß, Horst
Hallo Horst,
danke für das Lob. Ein derart breit gefasster Index ist sicher eine brauchbare und einfache Möglichkeit, in Staats- und Unternehmensanleihen zugleich zu investieren. Nur etwas unübersichtlich ist das Ganze. ![]()
Auf der Website des Anbieters findest Du aber eine Übersicht über alle Fondspositionen, inklusive einer Einteilung nach Sektoren: http://de.ishares.com/de/rc/produkte/IEA..
Ich weiß nicht, ob “Non-Corporate” dabei für supranationale Institutionen wie die Europäische Investitionsbank steht und “European Collateralized” Covered Bonds (Pfandbriefe etc.) darstellt, aber dort gewinnt man zumindest einen Überblick und hat auch die Möglichkeit, sich eine Tabelle mit allen enthaltenen Anleihen anzeigen zu lassen.
Also: Ich persönlich bevorzuge getrennte ETFs für Staats- und Unternehmensanleihen, aber eine schlechte Lösung ist das sicher nicht. Andere Meinungen?
Hallo,
noch eine Ergänzung nachdem ich heute mal den Kundenservice von ishares angesprochen habe (Zitat aus der Antwortmail):
Bei unserem iShares Barclays Capital Euro Aggregate Bond handelt es sich unter Position 3.) European Collateralized um speziell besicherte europäische Pfandbriefe mit A-Rating. Diese werden in aller Regel mit Immobilien besichert.
Bei den “Non-Corporate” handelt es sich meines Erachtens um staatsnahe Institutionen wie z.B. Europ. Investitionsbank, KfW usw.
Ich bin jetzt echt am Überlegen ob ich mir den Fonds für den Aufbau des Anleiheanteils meines Depots nehme. Ich will sehr konservativ agieren und strebe daher einen Anleiheanteil von 40-50% an, den ich allerdings erst sukzessive aufbauen möchte. Da der o.g. ETF recht breit streut käme der mir da gelegen.
Insgesamt bin ich aber was die Aufteilung auf die einzelnen Anlageklassen angeht noch recht unsicher.
Gruß, Martin
Danke für die Nachfrage!
Die Aufteilung des Vermögens auf die einzelnen Anlageklasse ist in der Tat ein sehr schwer zu lösendes Problem – ich bin mir auch nach Jahren noch nicht sicher, ob ich wirklich das richtige Risikoprofil für mich gefunden habe. Von den Feinheiten wie Staatsanleihen vs. Unternehmensanleihen ganz zu schweigen…
Viele Grüße








Hallo,
wenn Sie (Duzt man sich hier eigentlich, wenn man sich nicht kennt?) vom risikolosen Teil eines Depots sprechen, frage ich mich, welchen der beiden Zwecke dieser erfüllen soll:
Ich denke eher das erste, oder? Wäre schön, wenn Sie das nochmal konkretisieren wollen.
Viele Grüße!
PS: da stand, jemand hätte sich den Artikel “gewünscht”. Ich habe auch einen Artikelwunsch; gibt es einen Ort, wo ich den abladen darf?