Neuer ETF auf High-Yield-Unternehmensanleihen

Lyxor bringt einen neuen Junk-Bond-ETF an die Börse. Ein Vergleich mit dem Platzhirschen von iShares.

Als wir in diesem Blog vor einigen Wochen intensiv über den richtigen Aufbau eines Anleihenportfolios diskutiert haben, waren auch High Yield Corporate Bonds Thema. Also: Anleihen von Unternehmen mit schlechten Ratings. So richtig erwärmen konnte sich niemand für diese Junk Bonds - zum einen, weil das hohe Risiko dieser Anleihen mutmaßlich einem aktienähnlichen Verhalten führt, und zum anderen, weil fraglich ist, ob dieses hohe Risiko auch mit einer hinreichend hohen Rendite-Erwartung belohnt wird. Diesen Bedenken zum Trotz ist seit heute ein neuer High-Yield-ETF über Xetra handelbar: der Lyxor ETF iBoxx € Liquid High Yield 30 (ISIN FR0010975771). Wie steht er im Vergleich mit schon länger eingeführten High-Yield-ETF von iShares da?

Die abgebildeten Indizes: Varianten des Markit iBoxx EUR Liquid High Yield

Der neue Lyxor-ETF bildet - seinem Namen entsprechend - den Index Markit iBoxx EUR Liquid High Yield 30 ab. Dieser Index enthält 30 in Euro begebene Anleihen von Unternehmen mit einem Nicht-Investmentgrade-Rating, also mit Ratings unterhalb von BBB- bzw. Baa3. Das ausstehende Volumen jeder Anleihe muss nach Angaben der Deutschen Börse bei mindestens 500 Mio. Euro liegen, die Restlaufzeit muss - bei Aufnahme in den Index - mindestens 15 Monate betragen.

Demgegenüber bildet das Konkurrenzprodukt von iShares (ISIN DE000A1C8QT0) den Index Markit iBoxx Euro High Yield Bond ab. Der ähnliche, aber nicht identische Name deutet auf ein paar feine Unterschiede hin: Der vom iShares-ETF abgebildete Index stellt geringere Anforderungen an die Liquidität der aufgenommenen Anleihen. Um sich zu qualifizieren, müssen Anleihen nur ein Mindestvolumen von 250 Mio. Euro aufweisen. Die ursprüngliche Restlaufzeit der Anleihen muss mindestens 2 und darf höchstens 10,5 Jahre betragen - eine Mindest-Restlaufzeit für bereits enthaltene Anleihen gibt es aber nicht. Der Anteil jeder einzelnen Anleihe ist auf höchstens 5 Prozent beschränkt. Laut Factsheet hat die größte Position derzeit allerdings einen Anteil von weniger als 2 Prozent.

Grundsätzlich lässt sich also sagen: Der iShares-ETF bietet eine breitere Streuung, während der Lyxor-ETF geringere Schwierigkeiten (und möglicherweise auch Kosten) bei der Abbildung des Index haben dürfte. Schließlich enthält der Index nur die größten Junk-Bond-Emissionen, und die dürften leichter handelbar sein als Anleihen mit kleinerem Volumen.

Kosten, Replikations-Methode und so weiter - die beiden ETFs im Vergleich

Apropos Kosten: Die Gesamtkostenquote des iShares-ETF beträgt 0,5 Prozent, die des Lyxor-ETF wird mit 0,45 Prozent angegeben. Beide sind also eher teuer, auch das etwas günstigere Produkt von Lyxor.

Dennoch gibt es aus meiner Sicht einiges, das den iShares-ETF attraktiver erscheinen lässt. Er bildet den Index mittels physischer Replikation (Sampling) nach. Der Lyxornutz-ETF dagegen nutzt Swaps. Auch schüttet der iShares-ETF Erträge aus, während es sich bei dem Lyxor-ETF um einen ausländischen Thesaurierer handelt. Und ich mag thesaurierende Anleihen-Fonds nach wie vor nicht.

Hinzu kommt das deutlich höhere Fondsvolumen: Gut 450 Mio. Euro sind es bei iShares, knapp 40 Mio. Euro bei Lyxor. Aber das kann sich ja mit der Zeit noch angleichen.

Fazit: Ich würde keinen von beiden kaufen

Dass ich keinen von beiden ETFs kaufen werde, ergibt sich ja schon aus der Einleitung. Wenn ich müsste, würde ich aber wohl den iShares-ETF bevorzugen, hauptsächlich, weil er ausschüttet. Ansonsten hat das Konkurrenzprodukt von Lyxor durchaus handfeste Vorteile - vor allem eben die höhere Liquidität der Anleihen im Index und die geringeren Kosten.

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sieben Kommentare

<span class='registered'>KLEINANLEGER</span>

Hallo, Herr Handstein!

Ihr obiger Artikel enthält alles, was man wissen muss. Meine Erfahrung: Ausländische Thesaurierer erzeugen schlechte Laune.

Themenwechsel: Peterreins hat nun eine Trilogie über die Verwendung von Vergangenheitsdaten in seinem Blog (3. bis 6. März). Fundstelle: http://www.geldanlage-finanz-blog.de/
Was meinen die hiesigen Diskutanten?

Gruß, KLEINANLEGER

KLEINANLEGER, - 09-03-’11 09:35
<span class='registered'>KLEINANLEGER</span>

Ach ja – und sein Beitrag vom 8. März handelt auch von diesem Thema….

Gruß

KLEINANLEGER, - 09-03-’11 09:40
Holger

Hallo Kleinanleger,

ich fürchte, ich habe aufgegeben, weil das drüben allmählich wie ein Buch anmutet. ;-) Vor der Trilogie gab es ja auch schon mehrere Artikel zum Thema.

Holger, (URL) - 10-03-’11 08:13
<span class='registered'>KLEINANLEGER</span>

Soeben sehe ich, dass aktuell im Peterreins-Blog die hiesige Diskussion über die Vorteile (oder Nachteile) negativ korrelierender Anlagen verarbeitet wurde. Im Wesentlichen wird – erneut – mit den Short-ETFs argumentiert. Meines Wissens hatte die hier aber niemand empfohlen; sie wurden von P. selbst in die Diskussion eingebracht. Alles in Allem für die Leser des PRIVATANLEGERs wohl nichts Neues….

Gruß!

KLEINANLEGER, - 10-03-’11 10:30
sparFuxx

Hallo,
der Artikel enthält einen kleinen, unschönen Verschreiber:
“…bereits enthaltene Aktien gibt…”
soll wohl Anleihen heißen, nicht Aktien.
Viele Grüße,

sparFuxx, (URL) - 10-03-’11 11:35
Holger

Danke für die Hinweise!

Ich habe diesen Artikel geändert und den bei Peterreins doch noch mal kommentiert. ;-)

Grüße!

Holger, (URL) - 10-03-’11 18:09
<span class='registered'>KLEINANLEGER</span>

Hallo,

auch ich habe bei Peterreins noch kurz etwas zur Berechtigung beider Standpunkte gesagt.

Gruß!

KLEINANLEGER, - 11-03-’11 10:22
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