Rebalancing: drei Strategien im Test

Monatliches, quartalsweises oder jährliches Rebalancing - welches Intervall ist am besten?

Was bringt Rebalancing? Wie und wie oft sollte man sein Portfolio wieder ins Gleichgewicht bringen? Diese und andere Fragen tauchen immer wieder auf, wenn es um passive Geldanlage geht. (Unterschiedliche) Antworten darauf findet man zum Beispiel in wissenschaftlichen Studien – sofern man sie versteht. Oder in halb-wissenschaftlichen Betrachtungen – sofern diese nachvollziehbar dokumentiert sind. Angesichts solcher Einschränkungen habe ich mich bisher eher an schlichten Daumenregeln orientiert.

Vor ein paar Monaten habe ich dann beschlossen, einfach drei verschiedene einfach umzusetzende Strategien an einem Musterdepot zu testen. Ausgangsfrage: Wie hätten sich die unterschiedlichen Rebalancing-Strategien in den aufregenden Jahren 2008 und 2009 auf das Portfolio ausgewirkt?

Rebalancing-Test anhand eines einfachen Musterdepots

Das Musterdepot ist extrem einfach aufgebaut. Es besteht aus zwei thesaurierenden ETFs, die zu Beginn jeweils 50 Prozent des Depots ausmachen. Beim ersten handelt es sich um einen DB-X-Trackers-MSCI-World-ETF (WKN DBX1MW), beim zweiten um einen Euro-Staatsanleihen-ETF vom gleichen Anbieter (WKN DBX0AC).

Dieses Depot hat nun das Krisenjahr 2008 und das Börsenaufschwungs-Jahr 2009 durchlaufen. Diese beiden Jahre nehme ich aus zwei Gründen immer wieder gerne als Basis für verschiedene kleine Tests. Erstens, weil Daten über diese Jahre leicht verfügbar sind (z. B. bei Ariva), und zweitens, weil in diesen Jahren eben viel passiert ist. Und gerade in solchen extremen Börsenjahren müssen Strategien meines Erachtens ihre Tauglichkeit beweisen – in durchschnittlichen Jahren werden Portfolios schließlich keinen großen Belastungen ausgesetzt.

Für den Test habe ich nun drei simple Rebalancing-Strategien simuliert. Strategien halt, auf die man als Privatanleger so kommt. In jedem Fall löst eine Abweichung von der Zielallokation in Höhe von 5 Prozentpunkten ein Rebalancing aus. Nur die Überprüfungsintervalle unterscheiden sich: monatlich, quartalsweise oder nur einmal jährlich.

Rebalancing mit monatlicher Überprüfung des Depots

Die monatliche Überprüfung führt zu zwei Rebalancings im Beobachtungszeitraum – beide im Jahr 2008. Das erste Rebalancing erfolgt Ende Juli. Zu diesem Zeitpunkt ist das Depotvolumen um 8,3 Prozent gesunken. Vor dem Rebalancing sind nur noch 44,8 Prozent des Depots in Aktien angelegt, also müssen Anleihen verkauft und Aktien nachgekauft werden.

Das nächste Rebalancing steht Ende November an. Zu diesem Zeitpunkt ist der Aktienanteil erneut stark zusammengeschmolzen – auf nur noch 43,1 Prozent. Also erfolgt erneut ein Reset auf ein 50:50-Verhältnis.

Anschließend ist bis Ende 2009 kein Rebalancing mehr nötig. Zwar sinkt der Aktienanteil bis zum Börsentiefstand Ende Februar 2009 noch einmal bedenklich in Richtung Rebalancing-Schwelle (45,7 Prozent), allerdings geht es von da an nur noch bergauf. Ende 2009 haben Aktien einen Anteil von 52,9 Prozent am Depot.

Am Ende hat das Depot eine Gesamtperformance von -3,97 Prozent geliefert. Das entspricht einer annualisierten Rendite von -2,01 Prozent. Die annualisierte Volatilität über die beiden Jahre hinweg lag bei 10,13 Prozent. Die Sharpe-Ratio habe ich nicht berechnet – schließlich wäre sie negativ.

Rebalancing mit quartalsweiser und jährlicher Überprüfung des Depots

Das gilt auch für die zweite Variante – das quartalsweise Rebalancing. Mit dieser Strategie hätte man eine annualisierte Rendite von -1,68 Prozent erzielt, bei einer Volatilität von 10,16 Prozent. Die Zahl der Rebalancings wäre genauso hoch gewesen wie bei Variante 1. Eines hätte Ende September 2008 stattgefunden, das andere Ende Dezember 2008.

Deutlich besser hätte man die Krise mit einem jährlichen Rebalancing überstanden. Das Rebalancing hätte Ende 2008 stattgefunden, die annualisierte Rendite hätte bei -0,75 Prozent gelegen, die Volatilität bei 9,97 Prozent.

Ein völliger Verzicht auf Rebalancing wiederum hätte zu einer annualisierten Rendite von -1,99 Prozent geführt (bei einer annualisierten Volatilität von 8,83 Prozent). Die Grafik zeigt die Ergebnisse der kleinen Untersuchung noch einmal im Überblick.

Rebalancing-Test: Ergebnisse im Überblick

Wir lernen: Selbst bei extremen Marktbewegungen führt ein häufigeres Rebalancing nicht unbedingt systematisch zu besseren Ergebnissen - selbst ohne Berücksichtigung von Kosten. Klar dürfte auch sein, dass man bei einem anderen Beobachtungszeitraum leicht zu anderen Ergebnissen kommt. So weit, so wenig aufregend.

Überraschend finde ich allerdings, dass eine monatliche Überprüfung des Portfolios selbst bei extremer Marktvolatilität nicht zu häufigeren Rebalancings führt – und dass es tendenziell auch keine großen Unterschiede gibt, was die Volatilität des Portfolios unter verschiedenen Rebalancing-Strategien angeht. Das ist für mich auch deshalb erstaunlich, weil der Aktienanteil ohne Rebalancing am Tiefpunkt auf 34,2 Prozent abgesunken wäre. Dennoch hatte dies weder auf Rendite noch auf die Schwankungen des Portfolios einen wesentlichen Einfluss. Vermutlich wirkt sich der Verzicht auf Rebalancing erst langfristig wirklich deutlich aus. Ich werde das jedenfalls verfolgen.

Vorher sollen aber noch ein paar zusätzliche Variablen einbezogen werden: In den beiden nächsten Teilen dieser kleinen Artikelserie werden die Auswirkungen von Kosten und die Auswirkungen von Steuern auf die Rebalancing-Strategien betrachtet.

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fünf Kommentare

Alex

Vielen dank! Das hat für Aufklärung gesorgt :)

Alex, - 26-05-’11 13:20
Holger

Die URL habe ich entfernt – bitte kein Linkspam.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 26-05-’11 18:42
Berufspsycho

Schön zu lesen, dass jemand mal nüchtern an die Sache rangeht und nicht behauptet den goldenen Kelch der Anlagestrategie gefunden zu haben.

Ohne es abwerten zu wollen, aber scheint ein Zeitraum von drei Jahre in Relation zur Volatilität nicht etwas kurz?

Berufspsycho, (URL) - 03-08-’11 12:26
Holger

Hallo Berufspsycho,

ich glaube, diesen Punkt hat auch schon mal jemand bei einem der anderen Texte dieser dreiteiligen Serie kritisiert.

Die Kritik ist auch angebracht. Dass die Stichprobe so klein ist, hat einerseits etwas mit Schwierigkeiten bzw. Faulheit bei der Datenbeschaffung zu tun, andererseits aber auch mit der Tatsache, dass es mir nicht vordringlich darum geht zu schauen, welche Strategie die höchste Rendite gebracht hätte. Mir war eher wichtig zu vergleichen, welche Kosten unterschiedliche Herangehensweisen verursacht hätten.

Aber zugegeben: Das ist keine gute Rechtfertigung für einen Text, in dem Kosten überhaupt nicht angesprochen werden. ;-)

Viele Grüße

Holger, (URL) - 03-08-’11 19:06
Berufspsycho

Hallo Holger,

dann schreib das mit den Kosten doch dazu, ergibt Sinn und erspart derart “doofe” Nachfragen. ;)

Grüße
Walter

Berufspsycho, (URL) - 04-08-’11 08:46
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