Warum Anlageprofis auch nicht besser sind
Auch Vermögensverwalter sind derzeit nur schwach in Aktien investiert
Wer sich ein wenig damit beschäftigt hat, wie Aktienfonds langfristig abschneiden, der weiß: Nur den wenigsten aktiv gemanagten Fonds gelingt es, ihren Vergleichsindex über einen längeren Zeitraum hinweg zu schlagen. Und bei den wenigen, die es schaffen, ist es wahrscheinlich Zufall. Ein Artikel von Handelsblatt.com demonstriert jetzt auch wieder einmal, woran das liegt: Profis sind auch nicht klüger als Laien.
Im Artikel heißt es zunächst ganz richtig, dass "Experten" Anlegern derzeit häufig raten, Aktien zu kaufen. Schließlich seien die derzeit extrem günstig. Eine Studie des Finanzinformations-Anbieters Firstfive hat jetzt aber gezeigt: Was die einen Experten sagen, tun die anderen noch lange nicht. Firstfive hat 80 deutsche Vermögensverwalter "unter die Lupe genommen" (wie genau, verrät der Artikel nicht) und herausgefunden: Nur noch rund ein Viertel des verwalteten Geldes stecken die Profis in Aktien. Das sind zwar immer noch rund 500 Mio. Euro - vor einem Jahr waren es aber noch 1 Mrd. Euro. Laut Handelsblatt ist nicht nur der Kursverfall für die Differenz verantwortlich, sondern auch die Tatsache, dass die Experten auch Aktien verkauft hätten, um mehr Geld in der Kasse zu haben.
Doofe Frage: Wäre es nicht besser gewesen, die Aktien schon vor einem Jahr zu verkaufen? Gut, die Frage ist tatsächlich doof, schließlich ist man hinterher immer schlauer. Aber warum sollte die Chance, dass die Aktienmärkte fallen, heute höher sein als vor einem Jahr? Oder vor zweien? Oder liegt die Rationalität der Entscheidungen einfach in dem psychologischen Druck, der auf die Profis von Deutscher Bank und Commerzbank genauso einwirkt wie auf Privatanleger?
Dafür spricht zum Beispiel auch, dass plötzlich kein einzige Banktitel mehr unter den beliebtesten Aktien ist - ganz im Gegensatz zu früher. Ich will keiner schlichten antizyklischen Strategie das Wort reden. Aber trotzdem: Schlimmere Fehler als vor einem Jahr kann man mit Bankaktien heute eigentlich kaum noch machen. Na ja, gebranntes Kind scheut halt das Feuer.
Und gebrannte Privatanleger hoffentlich teure Vermögensverwalter.
Zum Weiterlesen
- Institutionelle Anleger kaufen, private verkaufen
- Börsenbriefe sind doof
- Fond ist nicht der Singular von Fonds








Kein Kommentar