Die Auswirkungen von Transaktionskosten auf das Rebalancing

Transaktionskosten machen regelmäßiges Rebalancieren weniger attraktiv. Doch wie stark sind die Auswirkungen?

Kosten sind, man kann es fast nich oft genug sagen, einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf den Erfolg bei der Geldanlage. Insofern birgt die Tatsache, dass auch die Apostel der passiven Geldanlage nicht nur empfehlen, strikt auf die Kostenbelastung des eigenen Portfolios zu achten - sondern auch auf die Bedeutung regelmäßigen Rebalancings hinweisen. Dabei verursacht natürlich auch Rebalancing Kosten. Hier gibt es also zumindest einen kleinen Zielkonflikt. Wie aber wirken sich Transaktionskosten auf verschiedene Rebalancing-Strategien aus? Teil 2 unserer kleinen, unwissenschaftlichen Untersuchung.

Im letzten Artikel hatte ich bereits die Ergebnisse verschiedener Rebalancing-Strategien in den Jahren 2008 und 2009 vorgestellt. Bei einer Rebalancing-Schwelle von 5 Prozentpunkten (Abweichung von der Zielallokation) und monatlicher Überprüfung des Portfolios, hätte ohne Kosten und Steuern eine annualisierte Rendite von -2,01 Prozent zu Buche gestanden. Bei quartalsweiser Überprüfung wären es -1,68 Prozent gewesen, bei nur jährlicher Überprüfung nur -0,75 Prozent. Ein völliger Rebalancing-Verzicht hätte zu einer jährlichen Rendite von -1,99 Prozent geführt (siehe Popup-Grafik).

Rebalancing: Erfolg der Strategien ohne Berücksichtigung von Kosten

Der Testfall: Rebalancing mit Transaktionskosten in Höhe von 1 Prozent

Was ändert sich nun, wenn man Transaktionskosten einbezieht? Ich habe das Ganze einmal an einem Musterdepot mit einem Start-Volumen von 100.000 Euro durchgespielt, das aus einem MSCI-World-ETF und einem Euro-Staatsanleihen-ETF besteht. Im ersten Schritt werden nur Kosten in Höhe von je 1 Prozent des Rebalancing-Volumens berücksichtigt. Diese Pauschale soll explizite und implizite Kosten abdecken. Steuern bleiben unberücksichtigt. Und weil meine Mathematik-Kenntnisse sich seit dem viel zu lange zurückliegenden Abitur eigentlich nur noch zurückentwickelt haben, habe ich nur eine etwas grobe Näherungsrechnung gemacht.

Die Auswirkungen der Kosten bei monatlicher Überprüfung des Portfolios

Bei einer monatlichen Überprüfung des Depots finden insgesamt zwei Rebalancings statt – eines Ende Juli, eines Ende November. Zum ersten Termin ist das Depotvolumen um 8,4 Prozent auf 91.687 Euro gesunken. 4.773,23 Euro werden von Renten in Aktien umgeschichtet. Davon bleiben nach Kosten 4678,24 Euro übrig. Nach der Aktion sind jeweils rund 45.796 Euro in Aktien und Anleihen angelegt.

Zum zweiten Rebalancing-Termin Ende November ist das Depotvolumen nochmals deutlich gesunken – auf 85.794 Euro. Brutto sollen nun 5.966,48 Euro von Renten in Aktien umgeschichtet werden. Nach Kosten bleiben 5.847,74 Euro. Am Ende sind jeweils rund 42.837 Euro in Aktien und Anleihen angelegt.

Ende 2009 schließlich ist das Depotvolumen wieder auf 95.796,38 Euro angestiegen. Die annualisierte Rendite beträgt -2,13 Prozent. Die Transaktionskosten haben die Rendite also um lediglich 0,12 Prozentpunkte reduziert. Die Strategie ist also vor und nach Kosten weniger erfolgreich als ein völliger Verzicht auf Rebalancing.

Die Auswirkungen der Kosten bei quartalsweiser und jährlicher Überprüfung des Depots

Wie sieht es aber bei den beiden Strategien aus, die vor Kosten erfolgreicher waren als die Strategie ohne Rebalancing? Nun, um es kurz zu machen: Beide bleiben auch nach Einbeziehung der Kosten erfolgreicher.

Bei quartalsweiser Überprüfung – mit ebenfalls zwei Rebalancing-Terminen – sinkt die annualisierte Rendite von -1,68 auf -1,81 Prozent, also um 0,13 Prozentpunkte. Genauso stark wirken sich die Kosten interessanterweise bei der Strategie mit Überprüfung des Depots am Jahresende aus – obwohl hier nur einmal rebalanciert wird. Die annualisierte Rendite sinkt dadurch von -0,75 Prozent auf -0,88 Prozent. Die Strategie schneidet folglich immer noch deutlich besser ab als die anderen getesteten Vorgehensweisen (siehe Popup-Grafik).

Ergebnisse der Rebalancing-Strategien nach Kosten

Das gilt, obwohl hier der Einfachheit halber eine Kostenpauschale gewählt wurde, die unabhängig von der Ordergröße ist. Nimmt man an, dass die Kosten bei größeren Orders geringer sind als bei kleineren (Stichwort: Fixkostendegression), dann schneidet die Strategie mit weniger, aber dafür größeren Umschichtungen minimal besser ab.Nimmt man dagegen an, dass die Kosten bei größeren Orders überproportional ansteigen (durch größere Geld-Brief-Spannen oder gar einen nennenswerten Market Impact), dann ist es umgekehrt.

In jedem Fall bleibt aber das Fazit: Transaktionskosten sollten niemanden vom Rebalancing abhalten. Welche Strategie allerdings am meisten Erfolg verspricht, kann durch diesen kleinen Test nicht geklärt werden.

Im dritten und abschließenden Teil dieser kleinen Artikelserie werden zusätzlich die Auswirkungen der Abgeltungsteuer in die Betrachtung einbezogen.

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vier Kommentare

FrankieFlowers

Hallo Holger,
mal wieder zwei sehr interessante Artikel!

Was mich bei dieser Thematik allerdings am meisten interessiert: Wie sieht das ganze bei kleineren Depots aus? Letztendlich war ja die Schlussfolgerung aus dem Nachbau des Arero-Artikels, dass ein simpler Kauf des Areros die einfachere Variante ist.

Wenn man jetzt jedoch aufgrund welcher Gründe auch immer lieber selbst die ETFs auswählt (wie z.B. bei der vereinfachten Variante mit nur 3 ETF und ohne Rohstoffe), fallen bei kleineren Depot-Größen (z.B. 20.000€) die Transaktionskosten wohl doch viel mehr ins Gewicht, oder?

Viele Grüße

FrankieFlowers, - 03-05-’11 23:00
Holger

Hallo Frankie,

tendenziell stimmt das sicher. Beim hier verwendeten, schlichten Rechenmodell mit pauschal 1 % Transaktionskosten würde es zwar keinen Unterschied machen, aber dieses Modell ist ja auch unrealistisch.

Mal auf die Schnelle mit den Zahlen von oben im Kopf gerechnet: Bei einem 100.000-Euro-Depot werden beim ersten Rebalancing 4.773,23 Euro umgeschichtet. Hätte man ein identisch aufgebautes Depot mit 20.000 Euro Startvolumen, betrüge die Rebalancing-Summe vor Kosten nur ein Fünftel davon, also ca. 955 Euro. Meine Hausbank würde bei dieser Ordergröße beim Verkauf über Xetra pauschal 9,95 Euro plus 0,95 Euro Börsengebühr abziehen. Dann kann man vielleicht noch 0,5 Prozent von 955 Euro als implizite Kosten abziehen (optimistisch gerechnet), das sind noch mal 4,78 Euro. Die Gesamtkosten betragen also 15,68 Euro. Grob überschlagen kommen also durch Verkauf und Kauf Kosten in Höhe von 31 Euro zustande. Das sind 0,155 Prozent des anfänglichen Depotvolumens.

Im Beispiel oben betrugen die Kosten des ersten Umschichtens ziemlich genau 95 Euro, also lediglich 0,095 Prozent des anfänglichen Depotvolumens.

Ist das nun ein wesentlicher Unterschied? Das vermag ich spontan nicht zu sagen. Ich werde das Ganze noch mal gründlicher mit einem kleinen Depot durchspielen.

Einen Vorteil haben Besitzer kleinerer Depots gegenüber Anlegern mit größeren Depots aber tendenziell: Sie zahlen mit größerer Wahrscheinlichkeit keine Steuern – und um die soll es ja im nächsten Artikel gehen, der eigentlich schon geschrieben sein sollte. ;-)

Viele Grüße

Holger, (URL) - 04-05-’11 18:34
Carsten

In der Praxis sollte man aber auch berücksichtigen, dass speziell bei kleineren Depots eher selten ein reines Buy-and-Hold im Sinne einer Einmalanlage getätigt wird, sondern dass in den Folgeperioden nach den ersten Käufen auch stetig frisches Kapital hinzufliesst.

Dafür fallen aber eh unvermeidbare Transaktionskosten an, und folglich bieten sich diese Nachkaufzeitpunkte fürs Rebalancing an. Das wiederum bedeutet in den allermeisten Fällen, auf Verkäufe eines Assets ganz verzichten zu können. Die Transaktionskosten fallen somit zwar durchaus kurzfristig und auf die einzelne Order bezogen ins Gewicht (die 1%-Regel ist hier zur Vereinfachung gar nicht so dumm, denn bei vielen Brokern liegen die Orderkosten zwischen 10 und – gedeckelt ab ca. 20.000 EUR Ordergrösse – 50 EUR), sind aber langfristig zu vernachlässigen, wenn sie eh im Zusammenhang mit Kapitalzuflüssen betrachtet werden müssen.

Ich habe für mein eigenes Depot damals einen kleinen Backtest für rund 6 Jahre gemacht, und da hat sich das Rebalancing immer auch nach Kosten gelohnt.

Carsten, - 26-03-’12 23:01
Holger

Hallo Carsten,

ja, das ist ein wichtiger Hinweis. Danke für Ihren Kommentar.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 27-03-’12 10:52
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