Rebalancing und die Abgeltungsteuer

Teil 3 der kleinen Serie über die Auswirkungen verschiedener Rebalancing-Strategien

Zwei Artikel in diesem Blog haben sich in den vergangenen Wochen schon ums Thema Rebalancing gedreht – im ersten wurden schlicht die Auswirkungen verschiedener Rebalancing-Strategien auf Rendite und Volatilität eines Portfolios betrachtet, im zweiten wurden zusätzlich Transaktionskosten in die Betrachtung einbezogen. Auswirkungen: gering. Ein wichtiger Faktor fehlte allerdings auch in diesem Text noch – die Abgeltungsteuer. Welche Auswirkungen hat die auf den Nutzen regelmäßiger Rebalancings?

Schließlich heißt es in Finanzratgebern regelmäßig, man solle Verkäufe von Wertpapieren, die sich in der Gewinnzone befinden, schon deshalb vermeiden, weil man dadurch Steuerzahlungen auslöst. Also: wenn schon verkaufen, dann nur Papiere, die Verlust gemacht haben.

Für Passiv-Anleger ist dies allerdings ein kleines bisschen problematisch. Schließlich funktiniert Rebalancing stets so, dass diejenigen Anlagen verkauft werden, die sich gut entwickelt haben, und dafür schlecht gelaufene Anlagen nachgekauft werden.

Deshalb müssen nicht notwendig bei jedem Rebalancing Steuern anfallen. Schließlich gibt es nach wie vor in vielen Depots steuerfreie Altbestände. Oder Anleger, die ihren Steuerfreibetrag nicht ausgeschöpft haben. Denkbar ist zudem, dass eine Anlage zuerst im Wert fällt, dann wieder steigt, und ein Rebalancing auslöst, obwohl der Verkaufskurs noch unter dem Einstandskurs liegt.

Wie dem auch sei: Für das vorliegende Beispiel habe ich angenommen, dass beim Verkauf jeweils der volle Gewinn mit dem Abgeltungsteuersatz zu versteuern ist (obwohl das streng genommen unrealistisch ist – im Jahr 2008, in dem hier virtuell rebalanciert wird, galt schließlich noch eine andere steuerliche Regelung).

Das Beispieldepot im Rebalancing-Test

Wir erinnern uns an das Beispieldepot: Es bestand aus einem ETF auf den MSCI World und einem ETF auf einen Euroland-Rentenindex, gewichtet im Verhältnis 1:1. Dieses Depot wurde nun den Kursschwankungen der Jahre 2008 und 2009 ausgesetzt.

Um die Rebalancing-Frequenz und die mit den Rebalancings einhergehenden Kosten zu ermitteln, wurden nun verschiedene Strategien simuliert. Bei Strategie 1 wurde an jedem Monatsende der Stand des Depots überprüft. Eine Abweichung von der Ziel-Allokation um mindestens 5 Prozentpunkte löste ein Rebalancing aus. Bei Strategie 2 erfolgte die Überprüfung am Ende jedes Quartals, bei Strategie 3 wurde lediglich am Ende jedes Jahres überprüft. Die Auswirkungen der unterschiedlichen Strategien zeigt die unten stehende Abbildung.

Rendite und Volalität verschiedener Rebalancing-Strategien

Transaktionskosten ändern wenig am Erfolg - und Steuern?

Bezieht man Transaktionskosten in Höhe von einem Prozent des Rebalancing-Betrages in die Betrachtung ein, ändert sich am Erfolg der Strategien im Grunde nichts. Zwar schneiden alle Strategien schlechter ab als ohne Kosten, allerdings wird die jährliche Rendite nur um 12 bis 13 Basispunkte vermindert. Alle Strategien, die vor Kosten besser waren als ein völliger Verzicht auf Rebalancing, sind es auch nach Kosten (siehe Abbildung).

Rendite verschiedener Rebalancing-Strategien nach Kosten

An diesem Ergebnis ändert sich grundsätzlich auch durch die Einbeziehung von 25 Prozent Abgeltungsteuer (Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer bleiben der Einfachheit halber außen vor) nichts. Die monatliche Überprüfung ist nach wie vor die schlechteste Strategie, Rebalancing am Ende des Jahres die beste (siehe Abbildung). Interessant ist lediglich, dass der Effekt der Steuer auf die Rendite mit der Länge des Überprüfungs-Intervalls steigt. Beträgt er bei monatlicher Überprüfung nur -0,05 Prozent pro Jahr, sind es bei jährlicher Überprüfung immerhin -0,13 % Prozent.Dies liegt wohl daran, dass der zu versteuernde Gewinn im vorliegenden Fall umso höher ist, je länger man mit dem Rebalancing wartet – schließlich sind die Anleihenkurse im Beobachtungszeitraum (mit Fortschreiten der Finanzkrise) immer höher geklettert.

Rebalancing: Einfluss von Steuern auf die Rendite

So waren bei monatlicher Überprüfung bis zum ersten Rebalancingtermin lediglich drei Prozent und bis zum zweiten Rebalancingtermin 7,8 Prozent steuerpflichtiger Gewinn entstanden. Bei jährlicher Überprüfung wurde zwar nur einmal rebalanciert, allerdings waren zu diesem Zeitpunkt 9 Prozent zu versteuernder Gewinn entstanden, und der Rebalancingbetrag war etwas höher als die Summe der bei den beiden Rebalancings in Strategie 1 zustande gekommenen Beträge. Ein systematischer Nachteil der jährlichen Überprüfung lässt sich aus diesen Daten aber sicher nicht herauslesen – das dürfte nichts weiter als ein historischer Zufall sein.

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sechs Kommentare

sparFuxx

Hallo Holger,
ich sehe die letzte Erkenntnis ähnlich, also daß es Zufall sein dürfte, daß die jährliche Strategie in diesem Beispiel nachteilig war.

Aber zeigt nicht genau diese Meinung, daß die Zeitreihe im Experiment viel zu kurz war?

Müsste man das nicht über einen viel längeren Zeitraum evaluieren? Zum Beispiel über 30 Jahre, und dann mit einer Betrachtung insgesamt und sechs Teilbetrachtungen von jeweils fünf Jahren, um zu ermitteln, wie schwankungsanfällig die Resultate sind (so erhielte man Aussagen der Art “in 5 von 6 Fünfjahresintervallen war x besser als y…”).

Mir ist klar, daß das nicht einfach ist, weil es kaum sinnvolle Indizes mit einer solchen Historie gibt und schon gar keine ETFs.

Hat trotzdem jemand eine Idee, wie man das sinnvoll machen könnte? Das zwei-Jahres-Experiment ist zwar nett, aber meines Erachtens wenig hilfreich (das klingt jetzt hoffentlich nicht unfreundlich?).

Viele Grüße,
sparFuxx

sparFuxx, (URL) - 10-05-’11 13:15
Holger

Hallo sparFuxx,

ja, Du hast natürlich Recht. Hier zeigt sich wieder einmal grausames Gesetz des Freizeitbloggens: Wenn ich mir schon Arbeit mit etwas mache, dann muss daraus am Ende auch ein Artikel werden, egal wie sinnlos der ist. ;-)

Aber ernsthaft: Natürlich ist die Auswahl des Betrachtungszeitraums der etwas schwierigen Datenlage und meiner Bequemlichkeit geschuldet. Meine ursprüngliche Zielsetzung war andererseits aber vor allem herauszufinden, inwieweit sich Kosten und Steuern bei verschiedenen Strategien auswirken. Und wie diese Strategien überhaupt wirken – also wie viele Rebalancings z. B. bei einer quartalsweisen Überprüfung ausgelöst werden.

Es ging mir weniger um die Überprüfung der Strategien *vor * Kosten. Und – ich habe das wohl an anderer Stelle schon mal geschrieben – zu diesem Zweck finde ich eine enorm volatile Periode wie die Jahre 2008 und 2009 schon spannend und potenziell lehrreich.

Übrigens bezieht sich auch die Aussage im Artikel ja nur darauf, dass die jährliche Überprüfung zu höheren Steuerzahlungen führt, nicht auf den Erfolg der Strategie insgesamt. Aber auch das dürfte halt eher zufällig sein.

Insofern habe ich trotz der Mängel im Untersuchungsdesign auch etwas mitgenommen – Steuern und Transaktionskosten sollten einen nicht vom Rebalancing abhalten. Es wäre natürlich gut, wenn man das auch noch mal anhand von mehr Daten überprüfen könnte. Wenn man sich ein bisschen anstrengt, findet man da auch sicher was, bei Finanzportalen oder den Indexanbietern selbst. Gerade habe ich z. B. innerhalb von 2 Minuten bei finance.yahoo.com historische Kurse für den DAX (seit Nov. 1990) und den REXP (seit Jan. 2000) gefunden. Geht sicher noch besser.

Und nein, unfreundlich klang Dein Kommentar sicher nicht.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 10-05-’11 18:59
sparFuxx

Hallo,

wie haltet Ihr das eigentlich mit Rebalancing versus Sparplan mit neu verdientem Geld?
Wird das nur zum Rebalancing, also zum Beispiel einmal im Jahr, investiert?

Ich denke über sechs-monatliches Rebalancing nach, aber selbst da gefällt mir der Gedanke nicht, dass frisches Geld sechs Monate gesammelt und dann an einem Tag investiert wird.

Oder sollte ich in den dadurch gesparten Transaktionskosten einen Vorteil sehen, und das vielgepriesene Cost-Averaging vergessen? Beziehungsweise eben nur alle sechs Monate ein mal “cost-averagen” (schönes Verb)?

Viele Grüße,
sparFuxx

sparFuxx, (URL) - 06-10-’11 15:13
Holger

Hallo sparFuxx,

ist Cost Averaging denn tatsächlich “viel gepriesen”? Mein Stand ist, dass es halt das Risiko etwas senkt – aber dafür auch die Renditeerwartung.

Ich persönlich halte es so, dass ich kaufe, wann immer eine halbwegs vernünftige Summe zusammen ist. Dadurch habe ich noch nie ein richtig turnusgemäßes Rebalancing gemacht, wie es immer in Büchern oder auch in diesem Artikel beschrieben wird.

Die Transaktionskosten erhöhen sich dadurch natürlich. Aber wenn man Geld einfach auf dem Tagesgeldkonto schlummern lässt, verschieben sich die Portfoliogewichte dadurch ja automatisch in Richtung risikoarmer Assets.

Grundsätzlich würde ich daher sagen: Je offensiver das eigene Depot aufgestellt ist, desto eher lohnt es sich, schneller zuzukaufen – wegen des höheren Erwartungswert-Unterschiedes zwischen Depot und Tagesgeldkonto und wegen der zwangsläufig stärkeren Abweichung vom erwünschten Risikoprofil.

Ergibt das einen Sinn?

Holger, (URL) - 08-10-’11 16:07
sparFuxx

Hallo,
ich glaube, ein Sparplan senkt die Rendite nur dann, wenn die Investition eines vorhandenen Betrages dadurch verzögert wird. Investiert man hingegen frisch verdientes “überschüssiges” Geld sofort per Sparplan, sollte dies meines Erachtens nicht gelten. Zustimmung?

Je nach Summe kann sich das natürlich durch die Kosten ändern.

Einen entscheidenden Satz verpackst Du für meinen Geschmack etwas zu sehr irgendwo mitten in einem Abschnitt: nämlich dass Du durch die Zukäufe mit frischem Geld noch nie klassisch rebalanced hast. Dadurch fallen ja auch alle Betrachtungen mit Abgeltungssteuer etc in frühen Jahren weg – um dann in späten Jahren umso mehr zuzuschlagen.

Bei mir dürfte es demnächst ähnlich aussehen. Alle sechs Monate will ich meine neue Aktienquote “einstellen”, was vermutlich einfach nur bedeutet, daß ich vorher ausrechnen muss, wieviel ich nach-investiere. Abgeltungssteuer dürfte erst in einigen Jahren anfallen, wenn die Aktienquote nennenswert fällt.

Unter diesem Aspekt müsste die Betrachtung der Abgeltungssteuer beim Rebalancing eigentlich ganz anders aussehen, oder?

Zu Deiner Frage: ja, ich glaube, das ergibt Sinn. Aber gelangt man mit dieser Argumentation nicht eben genau zum Sparplan?

Viele Grüße,
sparFuxx

sparFuxx, (URL) - 11-10-’11 10:11
Holger

Investiert man hingegen frisch verdientes “überschüssiges” Geld sofort per Sparplan, sollte dies meines Erachtens nicht gelten. Zustimmung?

Ja, ich sträube mich nur irgendwie gedanklich dagegen, sofortiges Investieren vorhandenen Geldes “Sparplan” zu nennen. ;-)

Einen entscheidenden Satz verpackst Du für meinen Geschmack etwas zu sehr irgendwo mitten in einem Abschnitt: nämlich dass Du durch die Zukäufe mit frischem Geld noch nie klassisch rebalanced hast.

Das stimmt – sollte eigentlich nicht so untergehen. Das war dem wilden und unstrukturierten Fluss meiner Gedanken geschuldet.

Unter diesem Aspekt müsste die Betrachtung der Abgeltungssteuer beim Rebalancing eigentlich ganz anders aussehen, oder?

Na ja, das hier vorgestellte Szenario trifft meine eigene Realität nicht so recht, das ist richtig. Ich weiß aber auch nicht, ob das nötig ist. Fürs Erste ging es mir darum zu zeigen, dass der Einfluss der Abgeltungsteuer so groß nicht ist. Zugegeben: Das ändert sich vermutlich, wenn nach Ablauf einer langen Zeit riesige Gewinne zu versteuern sind. Das müsste man wohl noch mal probieren.

Viele Grüße

Holger, (URL) - 11-10-’11 19:28
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