Value-Investing ist populär, seit ich denken kann – also vermutlich ungefähr seit der Dotcom-Blase. Damals war das bei mir erstens so eine Sache mit dem Denken. Und zweitens waren Wachstums-Aktien definitiv angesagter. Dabei dürfte es auch in den 90er Jahren des vorigen Jahrtausends schon Studien gegeben haben, die darauf hinwiesen, dass es lohnender ist, auf Value-Aktien zu setzen. Aber was genau ist eigentlich Value-Investing? Und: Lohnt sich diese Strategie wirklich?
Was sind eigentlich Value-Aktien?
Value heißt übersetzt Wert. Ich glaube, dass ist einer der Gründe dafür, dass der Value-Begriff in der öffentlichen Diskussion ziemlich schillernd gebraucht wird. Mein Eindruck ist, dass viele Anleger unter einer Value-Strategie den Versuch sehen, möglichst gute Unternehmen zu relativ günstigen Preisen zu kaufen – Konzerne mit starken Marken und nahezu unangreifbarer Stellung auf dem Markt. Unternehmen wie Coca Cola. In den Konzern hat Warren Buffett schließlich in den 80ern investiert, und er hat es nie bereut.
Geht es in wissenschaftlichen Studien um Value-Aktien, dann spielen Markenstärke und Marktführerschaft allerdings in der Regel keine Rolle. In diesen Studien werden deutlich schlichtere, aber dafür auch klarere Definitionen benutzt. Value-Aktien – das sind Aktien von Unternehmen mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Kurz: niedrig bewertete Unternehmen, von denen die Finanzmärkte hohe Risikoaufschläge verlangen – weil sie die Unternehmen als riskant einstufen und/oder kein hohes Gewinnwachstum verlangen. Vielleicht sogar, weil das eine oder andere Unternehmen kurz vor der Involvenz steht. Ich sag mal: Nokia ist im Moment sicher ein Value-Titel. Das Gegenstück dazu, die Wachstums-Aktien sind folglich Titel mit hohem KBV und/oder hohem KGV, Aktien von Unternehmen mit hoher Profitabilität und augenscheinlich glänzender Perspektive. Ich sag mal: Apple.
Value-Aktien bringen höhere Renditen als Growth-Aktien
Ich kenne nun diese Studien nur aus verschiedenen Büchern – von William Bernstein, Gerd Kommer, Andrei Shleifer und Burton G. Malkiel. Aber alle in diesen Büchern vorgestellten Studien haben im Wesentlichen ein Ergebnis: Value-Aktien bringen Anlegern langfristig eine höhere Rendite als Wachstums-Aktien. Und nicht nur das: Value-Aktien weisen sogar eine geringere Volatilität, also weniger Kursschwankungen auf. Legt man einen gängigen Risikomaßstab wie die Sharpe-Ratio an solche Ergebnisse an, dann bedeutet dies: Value-Aktien bilden eine Ausnahme von der Regel, dass man sich höhere Renditen am Aktienmarkt nur dadurch erkaufen kann, dass man auch ein höheres Risiko eingeht. Sie liefern auch risikoadjustiert höhere Renditen als Wachstums-Titel. Beziehungsweise: Sie haben das zumindest über lange Zeiträume in der Vergangenheit hinweg getan.
Sind tatsächlich nur schlechte Unternehmen gute Aktien?
Das hat William Bernstein zu einem meiner Lieblings-Zitate animiert: „Gute Unternehmen sind generell schlechte Aktien, und schlechte Unternehmen sind generell gute Aktien.“
Diese schöne Weisheit allerdings widerspricht der Hypothese, dass Finanzmärkte effizient sind – schließlich ist es unfassbar einfach, sich das KBV der Aktien anzuschauen, die in einem der wichtigen Indizes enthalten sind, und dann diejenigen zu kaufen, bei denen diese Kennzahl besonders niedrig ausfällt. Daher gibt es eine Reihe von Versuchen zu erklären, warum Value-Aktien eben doch riskanter sind als Wachstumswerte – und zwar von ziemlich prominenten Wissenschaftlern wie eben Burton G. Malkiel oder Eugene Fama. Um diese Erklärungsversuche wird es im zweiten Teil dieser kleinen Artikelserie zum Value-Investing gehen.
Zum Weiterlesen
- Diversifikation: Ist negative Korrelation wirklich erstrebenswert?
- Wie baut man ein weltweit diversifiziertes Aktiendepot auf?
- Buchbesprechung: Burton G. Malkiel - A Random Walk Down Wall Street

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Eine Anmerkung noch von mir: Mir ist bewusst, dass man auf dieser Basis nicht ernsthaft über das Value-Premium diskutieren kann. Daher bitte ich in dieser Hinsicht noch um einige Tage Geduld – ich werde noch eine besser Grundlage dafür liefern.
Selbstverständlich will ich aber niemanden von einem Kommentar abhalten.
Schöne Pfingsten!